Kader, Verträge, Finanzen: Der HSV im Sommer der Entscheidungen
Die Aufstiegshelden des HSV kehren im Laufe des Donnerstags zurück nach Hamburg – nach einem ausgelassenen Kurztrip auf die Partyinsel Ibiza. Im berühmten „Ushuaïa“-Club, laut…

Die Aufstiegshelden des HSV kehren im Laufe des Donnerstags zurück nach Hamburg – nach einem ausgelassenen Kurztrip auf die Partyinsel Ibiza. Im berühmten „Ushuaïa“-Club, laut „DJ Mag“ aktuell der drittbeste der Welt, feierten Spieler den geglückten Sprung in die Bundesliga. Die Profis befinden sich im Urlaubsmodus – und werden dort größtenteils auch noch bis Ende Juni bleiben. Erst dann beginnt wieder der Ernst des Lebens, wie der HSV heute bekannt gab. Am 2. Juli beginnt offiziell die Vorbereitung auf die Bundesliga-Saison 2024/25. Zuvor, am 30. Juni und 1. Juli, stehen die obligatorischen Leistungstests auf dem Programm. Cheftrainer Merlin Polzin hat anschließend fast sieben Wochen Zeit, um sein Team auf den ersten Spieltag (zwischen dem 22. und 24. August) sowie die erste Pokalrunde (15.–18. August) vorzubereiten.
Kaderplanung: Torwartfrage und Selke-Debatte
Vor allem aber muss der HSV die Zeit nutzen, um seine Kaderplanung zu forcieren. Und hier warten einige knifflige Entscheidungen. Im Tor ist Daniel Heuer Fernandes als Nummer eins gesetzt. Doch hinter ihm steht ein dickes Fragezeichen. Matheo Raab, dessen Vertrag bis 2026 läuft, hat trotz Interesse von Union Berlin keine konkreten Wechselpläne – zumal er als Backup wenig Spielzeit bekäme. Tom Mickel könnte den Verein verlassen oder eine neue Funktion übernehmen. Nachwuchsmann Hannes Hermann hat einen Vertrag bis 2027. Eine Torwart-Verpflichtung ist dennoch nicht ausgeschlossen.
Raab hatte nach Verletzungen und Rückschlägen kaum Einsätze, will aber in der kommenden Saison wieder angreifen. Ein Blitzwechsel erscheint unrealistisch – auch, weil sein Leistungsstand derzeit schwer einzuschätzen ist.
Der Vertrag von Zweitliga-Torschützenkönig Davie Selke (22 Saisontore) wurde wider frühere Meldungen doch nicht automatisch verlängert. Die entsprechende Klausel wurde offenbar einvernehmlich gestrichen – Selke soll sich durch die Hängepartie in der Rückrunde blockiert gefühlt haben. Nun könnte er ablösefrei wechseln, falls keine Einigung erzielt wird.
Selkes Vertrag wird zur Grundsatzfrage
Selke wünscht sich laut Medienberichten einen Dreijahresvertrag. Doch genau hier stellt sich eine Grundsatzfrage: Passt dieses Modell noch zur HSV-Philosophie? Die Antwort darauf muss lauten: nein. Mit Robert Glatzel steht bereits ein ähnlicher, etwas jüngerer Spielertyp im Kader. Die Sommervorbereitung sollte genügen, um Glatzel zurück in Bestform zu bringen. Auch vom Typus war Selke zweifellos wichtig – aber seine Rolle sollte künftig auf mehreren Schultern verteilt werden.
Die Forderung nach einem Dreijahresvertrag ist m.M.n. stark überzogen. Der HSV sollte weiter auf hungrige Spieler setzen, die sich in Hamburg entwickeln wollen – nicht auf kostspielige Kompromisse. Ein funktionierendes Gehaltsgefüge ist entscheidend. Sollte Selke dieses durch überzogene Forderungen gefährden, passt er nicht in die Planungen. Trotzdem muss anerkannt werden, dass sich Selke in Hamburg verdient gemacht hat – mit seinem Torriecher und seiner Präsenz im Strafraum.
Mein Kommentar zur Causa Selke:
Selke-Klausel gestrichen – kluger Schachzug oder wirtschaftlicher Fehler des HSV?
Im Laufe der Rückrunde einigten sich der HSV und Davie Selke offenbar darauf, eine zuvor vereinbarte automatische Vertragsverlängerung einvernehmlich zu streichen. Und das wirft einige Fragen auf. Vor allem die: Warum verzichtet der HSV damit freiwillig auf eine mögliche Ablösesumme?
Klar ist: Selke war ein wichtiger Faktor im Aufstiegsrennen. Er hat – trotz anfänglicher Kritik – mit Leistung überzeugt und seinen Teil zur Rückkehr des HSV in die Bundesliga beigetragen. Im Gegenzug war auch der HSV bereit, viel für Selkes Wohlbefinden zu tun. Dass man im Saisonverlauf besonders auf ihn einging, ihn stärkte, ihn „pimperte“, wie man so schön sagt, war für mich absolut nachvollziehbar – denn Selke war ein sensibler, aber im Gegenzug auch leistungsfähiger, sehr integrativer Spieler.
Dennoch gilt: Der Vertrag, inklusive der Verlängerungsklausel, wurde vor der Saison von beiden Seiten bewusst geschlossen. Für Selke bedeutete das Sicherheit: Wenn er eine bestimmte Anzahl an Einsätzen oder Toren erreicht, verlängert sich sein Vertrag automatisch. Für den HSV wiederum war es ein strategisches Instrument: Der Klub hätte bei entsprechender Leistung einen bewährten Stürmer weiter unter Vertrag – oder zumindest die Möglichkeit, bei einem Wechsel eine Ablösesumme zu erzielen.
Dass Selke signalisiert haben soll, dass die laufenden Vertragsgespräche seinen Fokus stören, war zu lesen. Und darauffolgend verzichtete man beim HSV offenbar auf den Automatismus der Vertragsverlängerung. - um den Kopf des Spielers freizubekommen. Ein sportlich nachvollziehbarer Schritt, aber wirtschaftlich ein äußerst fragwürdiger.
Denn selbst wenn man den Wunsch nachvollzieht, dem Spieler in einer wichtigen Saisonphase mentale Last zu nehmen, bleibt die Frage: Warum wird die Absicherung gleich ganz gestrichen? Warum nicht durch eine modifizierte Regelung ersetzt - etwa eine Ausstiegsklausel, eine einseitige Verlängerungsoption oder zumindest eine Absprache, die dem HSV im Falle eines Transfers eine Ablöse sichert?
So bleibt der Eindruck: Der HSV hat auf ein wichtiges Vertragsinstrument verzichtet und damit ein Stück Planungssicherheit und Verhandlungsstärke verloren. Das mag kurzfristig sportlich geholfen haben, aber mittelfristig wirtschaftlich schaden. Denn falls Selke den Verein nach der Saison verlässt – dann ohne Ablöse -, ist das ein herber Verlust. Im doppelten Sinn.
Zudem entsteht ein potenziell problematisches Signal für die Zukunft: Was, wenn künftig ein Spieler seine sportlich wichtige Position nutzt, um öffentlich oder intern Druck aufzubauen? Wird der Vertrag dann zu seinen Gunsten angepasst, um seine Leistungsfähigkeit nicht zu gefährden? Was sagt das über den Umgang mit anderen Profis aus, die sich an ihre Vereinbarungen halten, auch wenn sie mal unzufrieden sind?
Natürlich bleibt offen, ob es nicht doch eine stillschweigende Nebenabsprache gibt. Etwa über eine Beteiligung oder festgelegte Mindestsumme bei einem möglichen Transfer. Sollte dem so sein, stellte sich mir die Frage: Warum kommuniziert der HSV diese Punkte nicht transparenter? Eine gezielte Klarstellung, dass man z. B. bei einem Wechsel dennoch beteiligt wäre, könnte viele Diskussionen im Keim ersticken. Denn solange dies nicht transparent kommuniziert wird, bleibt der Eindruck bestehen, dass der HSV hier einen Spieler über das System gestellt hat.
Fazit: Die sportliche Argumentation ist nachvollziehbar, die wirtschaftliche hingegen schwer zu erklären. Sollte der HSV tatsächlich auf jegliche Absicherung verzichtet haben, wäre das – trotz aller Verdienste Selkes – ein teurer Fehler. Man kann nur hoffen, dass es im Hintergrund doch noch eine Regelung gibt, die dem HSV ein Mindestmaß an Einfluss und Einnahmeschutz sichert.
Passend zu diesem Thema plant der HSV finanziell neue Wege gehen zu wollen. Finanzvorstand Eric Huwer unterstrich jüngst, wie sehr der Verein bei aller Euphorie auch realistisch bleiben muss. „Wir steigen als sportlich normaler Zweitligist auf – mit einem Budget von rund 40 Millionen Euro“, erklärte er. Klubs wie Mainz oder Augsburg haben den HSV wirtschaftlich überholt. Umso wichtiger sei es jetzt, nicht mit großen Parolen oder riskanten Investitionen zu agieren, sondern nachhaltig und strategisch zu handeln.
„Ein anderer HSV in der Bundesliga“ – aber nicht mit der Brechstange
„Wir wollen wirtschaftlich vernünftig sein, aber doch ambitioniert“, so Huwer. Die Balance sei hierbei entscheidend. Denn eines ist klar: In der Bundesliga wird es Phasen geben, in denen der HSV mehrere Wochen sieglos bleibt. Die große Frage wird dann sein, ob der in dieser Saison geschaffene Schulterschluss zwischen Mannschaft, Verantwortlichen und Fans auch dann Bestand hat. Trainer Polzin, den solche Phasen direkt betreffen werden, sagte am Montag bei der Aufstiegsfeier im Rathaus: „Die Bundesliga wird einen anderen HSV erleben.“
Nun liegt es an allen Beteiligten, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen – auf dem Platz, in der Geschäftsstelle, im Vorstand und allen anderen Gremien. Hat zwar bislang noch nie geklappt - aber bekanntlich gibt es ja für alles ein erstes Mal...
In diesem Sinne, auch von dieser Stelle aus noch mal beste Genesungswünsche in Richtung unseres Profi-Analysten Mats Beckmann! Komm schnell wieder auf die Beine! Ich freue mich darauf, den für morgen geplanten Talk dann mit einem gesunden Mats nachzuholen!
Allen anderen hier wünsche ich ebenfalls alles Gute! Ich werde mir heute Abend mit einer nie dagewesene Entspannung das Relegationsspiel zweier Mannschaften ansehen, die vorgemacht haben, wie man geringe Mittel mit guter Arbeit vergessen machen kann. Auf jeden Fall muss ich gestehen, dass mir beide Klubs auf ihre Art sehr sympathisch sind.
Bis morgen!
Scholle
Legendäre HSV-Momente – wenn Fußball Geschichte schreibt und Kunst sie bewahrt
Es gibt Spiele. Es gibt Tore. Es gibt Momente. Und dann gibt es diese Augenblicke, die sich für immer einbrennen – ins kollektive Gedächtnis, in unsere Herzen, in unsere Stadt.
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