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Kader stark genug? HSV verzichtet auf Neue im Winter

Als er in den Nachspielzeit noch einmal zum Sprint in die Defensive ansetzte, fiel es mir noch mal so richtig auf: Das Spiel gegen den SC Paderborn hat das erste Mal den…

Kader stark genug? HSV verzichtet auf Neue im Winter

Als er in den Nachspielzeit noch einmal zum Sprint in die Defensive ansetzte, fiel es mir noch mal so richtig auf: Das Spiel gegen den SC Paderborn hat das erste Mal den „echten Jeremy Dudziak“ gezeigt. Nämlich den Dudziak, der nicht ab der 60. Minute abbaut und einen Gang runterschaltet, bis er ausgewechselt wird. Der Achter des HSV zog beim 3:1 bis zum Schluss voll durch, stellte sich läuferisch wie kämpferisch voll in den Dienst der Mannschaft. Und nein, damit war er längst nicht allein, das ist mir auch klar! Aber er war eben deutlich aktiver als in den letzten Spielen, wie ich finde. Und das ist ein sehr gutes Zeichen. „Die Laufzahlen und Zweikampfwerte haben gezeigt, dass wir gestern in der zweiten Halbzeit, im dritten Spiel der Woche, zulegen konnten“, sagte heute Sportdirektor Michael Mutzel. Physisch agiere seine Mannschaft  aktuell auf hohem Niveau. „Wir haben einen breiten Kader und Ausfälle immer wieder gut kompensieren können, deshalb glaube ich nicht, dass wir noch einbrechen. Ganz im Gegenteil, wir wollen noch eins drauflegen.“

Das wäre auch wichtig, wenn man wie zu erwarten ist, auf weitere Zugänge verzichtet. Morgen schließt das Transferfenster und der HSV verzichtete bislang auf Neue. Ob das bis zum Schluss so bleibt, wollten die Kollegen heute von Mutzel wissen. Und der antwortete: „Ich gehe davon aus, dass nichts mehr passiert. Dennoch sind die Antennen immer aufgestellt, auch wenn ich nicht denke, dass sich in dem Bereich noch etwas tut. Das betrifft sowohl die Abgangs- als auch die Zugangs-Seite.“ Ein mutiger Schritt, wie ich finde. Aber ist es auch der richtige? In den letzten Jahren hat der HSV hier durchaus unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Zumindest hat man einmal nichts gemacht – und ist gescheitert, während man in der letzten Saison im Winter noch mal nachlegte – um dann auch auf diesem Weg zu scheitern.

Ich werde in der Diskussion, ob der HSV noch mal nachlegen muss, fast immer mit der These konfrontiert, was denn passieren würde, wenn Simon Terodde mal ausfällt. Und abgesehen davon, dass das natürlich nicht passieren wird (dreimal auf Holz geklopft), kann man so natürlich auch schwerlich einen Kader planen.  Die Frage, die sich aber alle Beteiligten stellen müssen, ist: Ist der HSV auf allen Positionen mindestens doppelt und so gut besetzt, dass er etwaige Ausfälle ohne große Abstriche kompensieren kann? Ganz vorn steht fest: Nein, hinter Terodde gibt es keinen zweiten so guten Stürmer beim HSV. Wie auch? Den gibt es in der ganzen Liga nicht. Fakt ist zudem auch, dass der HSV aktuell finanziell keine großen Sprünge machen kann – und auch gar nicht machen sollte, solange nicht klar ist, in welcher Liga der HSV in der neuen Saison spielt.

„Es muss wirklich alles passen, wenn wir noch einmal etwas machen sollten“, hatten die sportlich Verantwortlichen des HSV in den letzten Wochen unisono gesagt. Und das bedeutet so viel wie, dass der potenziell Neue eine Sofortverstärkung sein muss und entweder

  1. günstig bis Saisonende geliehen werden kann

oder

  • günstig gekauft werden kann und auch für die Erste Liga eine Verstärkung ist

oder

  • als großes Talent eine sinnvolle Investition in die Zukunft ist.

Dabei gilt es auf der anderen Seite zu beachten, dass man sich nicht im Winter schon aller finanzieller Möglichkeiten für die Saisonplanung 2021/22 beraubt. Vor allem aber gilt es für den Moment zu beachten, dass man mit diesem potenziell Neuen nicht mehr Unruhe als sportliche Verstärkung ins Team bringt. Denn gut bedeutet nicht automatisch Verstärkung. Und in diesem Punkt gehe ich komplett mit Mutzel und Co. konform.

Persönlich glaube ich, dass der HSV sehr gern einen Spieler wie  Lee aus Kiel geholt hätte – aber eben auch, dass man sich nicht darüber ärgert, wenn man ihn erst im Sommer bekommt. Denn Lee würde automatisch einen Platz im Team beanspruchen, der aktuell gut belegt ist. Terodde kriegt nicht einmal der Südkoreaner verdrängt, dafür aber wohl alle in der Reihe dahinter. Also Dudziak, Kinsombi, Kittel, Jatta, Wintzheimer, Hunt und/oder Narey. Und obgleich ich Lee für einen Unterschiedsspieler in dieser Zweiten Liga halte, glaube ich, dass die aktuell beim HSV schon unter Vertrag stehenden Spieler ihrerseits für das Ziel Wiederaufstieg reichen. Ergo: Lee wäre eine „Kann“- ist aber keine „Muss“-Verpflichtung. Zumal dann nicht, wenn man ihn im Sommer eventuell sogar ablösefreie bekommen kann.

Und wer sich die letzten Spiele beim HSV angesehen hat, der hat auch gesehen, dass der HSV auch die Spiele gewinnen kann, in denen Terodde nicht trifft. Zumal dann, wenn die nachrückenden Mittelfeldspieler so viel Torgefahr ausstrahlen wie gestern zum Beispiel Sonny Kittel oder davor Kinsombi und Jatta. Dass der Doppeltorschütze für seine Tore gefeiert wird – okay. Da bin ich gern dabei! Aber mir war gestern viel wichtiger, dass er endlich auch mal mit nach hinten gearbeitet hat. Das allerdings noch lange nicht so, wie er  es eigentlich auf der Außenposition sollte. Von daher bleibe ich bei dem wahrscheinlich am besten veranlagten Fußballer (die kaputten Knie mal ausgenommen) im Team weiter kritisch.  Denn solange er nicht ausschließlich offensiv eingesetzt wird, muss er defensiv einfach noch deutlich stärker/aktiver werden und dazulernen.

Dennoch ist Kittel in er aktuellen Verfassung wichtig. Seine besonderen Momente entscheiden Spiele. Acht Torbeteiligungen in den letzten sieben Spielen sprechen hier eine deutliche Sprache. Kittel kommt in Fahrt.  „Wir freuen uns natürlich darüber, dass er Tore schießt, dass er Tore vorbereitet und im Moment auf dem Platz glänzt“, sagte Thioune gestern. Und Mutzel ergänzte heute: „Er ist im Mannschaftskreis total beliebt und anerkannt. Wir haben auch nicht den Stab über ihn gebrochen, als er gegen Hannover 96 die Gelb-Rote Karte gesehen hat. Das war keine gute Aktion von ihm, aber darüber hinaus ist er sehr fleißig und engagiert. Deswegen freut es mich sehr, dass er jetzt so zurückgekommen ist. Er arbeitet momentan auch sehr emsig gegen den Ball und wird deswegen auch mit Toren und Vorlagen belohnt.“ Etwas zu viel des Lobes im Bezug auf seine Defensivarbeit, wie ich finde. Aber es soll Kittel sicher nur zusätzlich motivieren, den zart begonnenen guten Weg fortzusetzen. Und wenn das funktioniert, soll es mir nur Recht sein…

Aber zurück zum Thema: Ich bleibe dabei, dass der HSV auch ohne Neue sein Saisonziel erreichen kann. Ich bleibe auch dabei, dass ich es für richtig erachte, nicht einfach jemanden zu verpflichten, um einen Spieler mehr auf der  entsprechenden Position zu haben. Defensiv kommt Rick van Drongelen zurück. Und auch Leistner wird aller Voraussicht nach nicht lange ausfallen und mit Vagnoman kehrt ein weiterer Defensiver in ein paar Wochen wieder zum Team. Im Mittelfeld ist man ausreichend stark besetzt – und vorn ist man mit Terodde überdurchschnittlich gut, und ohne ihn immer noch gut genug. Hätte der HSV Wood abgeben können, wäre hier sicher noch mal nachgelegt worden. Aber dieser jahrelang personifizierte Konjunktiv bleibt bis zum Vertragsende im Sommer hier. Und sollte das Unaussprechliche passieren und Terodde doch einmal ausfallen, dann muss der HSV das eben übers Team auffangen. Denn Tore schießen ist nicht allein den Mittelstürmern vorbehalten.

Aber okay – wem sage ich das? Außer Terodde (17 Treffer) haben elf unterschiedliche Torschützen die sonstigen 26 Treffer beim HSV erzielt. Und dass diese Mannschaft als geschlossene Einheit auftreten kann, das hat das Spiel gegen Paderborn gezeigt. Wobei das Spiel gegen Paderborn so einiges gezeigt hat. Unter anderem auch, dass Sven Ulreich in Topverfassung den Unterschied machen kann. Aber dazu morgen mehr.   Bis dahin bleibe ich dabei: Jonas Boldt, Michael Mutzel. Daniel Thioune und Co. machen es richtig. Wenn nicht wirklich ALLES passt bei einem Neuen – dann sollten sie lieber verzichten und im Sommer nachlegen. Apropos: Auch wir haben nachgelegt! Genau genommen war es Elvis, der hier ab 18 Uhr seinen neuen Spieltagssong präsentiert. Wie immer großartig…! Aber hört selbst:

In diesem Sinne, bis morgen!

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