Kabinen-Zoff: Deswegen musste Wood vorzeitig gehen
Was in den letzten Jahren irgendwie zum Running Gag geworden war, hat sich auf den allerletzten Metern seines Vertrages dann doch noch erfüllt: Bobby Wood hat seinen Vertrag…

Was in den letzten Jahren irgendwie zum Running Gag geworden war, hat sich auf den allerletzten Metern seines Vertrages dann doch noch erfüllt: Bobby Wood hat seinen Vertrag beim HSV vorzeitig aufgelöst. Nach etlichen Versuchen der HSV-Sportchefs, die Wood sogar unter Zugaben einer Abfindung bei anderen Vereinen angeboten hatten, löste Bobby Wood heute um kurz nach elf Uhr seinen Vertrag beim HSV in beiderseitigem Einvernehmen auf. Der US-Amerikaner wechselt per sofort in die USA, wo er bei Real Salt Lake City bereits einen Vertrag unterzeichnet hatte. Und obgleich sich Thioune und Wood heute noch einmal eine ganze Weile persönlich aussprachen, kommt dieses Ende nicht ganz freiwillig. Im Gegenteil: Vorausgegangen war dieser Trennung ein Streit mit Trainer Daniel Thioune, der es für beide Seiten unabänderlich machte, sich per sofort zu trennen. Aber der Reihe nach.
Am Dienstag hatten schon meine Kollegen von der Mopo darüber berichtet, dass Wood den Verein vorzeitig verlassen könnte. Dabei wurde ein „Mix aus sportlichen und persönlichen Gründen“ als ursächlich für diese schnelle Trennung genannt. In dieser Woche starte die MLS in ihre neue Saison, bei dem Wood so dabei sein könnte. Zudem könne er seine neuen Kollegen früher kennenlernen und seiner aus Dänemark stammenden Frau Ditte beistehen, die ihm in Kürze nach Ella (zwei Jahre alt) ein zweites Töchterchen schenkt. Anschließend soll es dann mit der ganzen Familie in die USA gehen. Alles Punkte, die die Trennung für Wood erträglicher machen. Und neben dem Spieler hat auch der HSV Vorteile.
Denn Wood, so viel war bekannt geworden, hatte sich zuletzt unzufrieden gezeigt ob seiner geringen Einsatzzeiten – die ich hier sogar noch als „zu viel“ gewertet hatte. Aber okay, jeder hat so seine Wahrnehmung. Fakt ist, dass der HSV so einen erheblichen Teil des noch offenen Gehaltes bis Ende Juni spart. Die Mopo sprach von rund 350.000 Euro, die Wood zustünden. Hiervon würde der HSV rund die Hälfte einsparen. Ich habe inzwischen aber gehört, dass der HSV deutlich mehr Geld einspart – auch, weil der Trennungsgrund bis hin zu einer fristlosen Kündigung gereicht hätte. Woods Verzicht auf Gehalt ist dabei vielmehr dem für ihn unumgänglichen Kompromiss geschuldet, dass der HSV Woods Fehlverhalten so nicht öffentlich macht und die Trennung als „schiedlich-friedlich“ nach außen kommuniziert.
Kabinen-Zoff mit Thioune beschließt Woods Ende
Zuvor war es immer wieder zu kleineren Zusammenstößen des Trainers mit Wood gekommen, der aus seiner Unzufriedenheit keinen Hehl machte. Wood schmollte und verbreitete schlechte Stimmung – dabei hätte ich gedacht, dass gerade er Thioune und dem gesamten Trainerteam dankbar dafür ist, hier nach seiner Aussortierung überhaupt noch einmal eine Chance bekommen zu haben – die er noch nicht einmal nutzte. Aber ich habe mich getäuscht. Auch Wood scheint ein Problem damit zu haben, sich einzuordnen. Aber so ist das eben manchmal, wenn man sich selbst nicht mehr einzuschätzen weiß.
Nach meinen Informationen schmollte Wood nach der Partie gegen Darmstadt nicht mehr nur, sondern er ließ seinem Unmut auch verbal freien Lauf. Erst echauffierte er sich darüber, dass sein Mannschaftskamerad Robin Meißner vor ihm eingewechselt wurde. Das allein ist schon respektlos. Da Woods Wortwahl den jungen U21-Spieler Meißner betreffend nicht nur respektlos sondern auch noch beleidigend gewesen sein soll, war das Grund genug für Trainer Daniel Thioune, einzuschreiten. Thioune stellte Wood zur Rede, fragte, was ihn dazu berechtigen würde, despektierlich über seinen Mannschaftskollegen herzuziehen – und ein Wort ergab das andere. Ein Streit mit gegenseitigen Vorwürfen und Beleidigungen entstand vor den Augen und Ohren der Mitspieler, dessen Inhalte von verschiedenen Seiten verschieden ausgeschmückt erzählt werden. Aber um es hier sachlich zu halten: Wood handelte wider die eigenen Kollegen, wider den Trainer und sein Team - und er musste konsequenterweise jetzt gehen. Es ehrt den HSV, dass er seinen Spieler hier möglichst unbeschadet ziehen lassen wollte. Aber letztlich war es unumgänglich. Und es wirft auch Fragen auf.
Bei mir als erste die, in welcher Welt Bobby Wood eigentlich lebt! Nach fünf Jahren HSV, von denen er ein halbes gutes beim HSV hatte, ehe er seinen Vertrag für eine Mondsumme verlängert bekam, stellt ausgerechnet der Spieler sich hin und pöbelt? Ausgerechnet der Bobby Wood, der hier das mit weitem Abstand größte Delta im Preis-Leistungsvergleich aufzuweisen hat? Bitter. Zumal es den Anschein hatte, als hätte Wood gerade vom aktuellen Trainer besonders viel Vertrauensvorschuss erhalten. Den konnte er bislang zwar nicht zurückzahlen – aber nach außen schien es, als wüsste Wood das Vertrauen zumindest zu schätzen.
Wood weiß das neue Vertrauen nicht zu schätzen
Aber okay, heute wissen wir es besser. Und auch deshalb ist diese vorgezogene, eh schon beschlossene Trennung eine Win-Win-Win-Win-Situation. Wood kann bei der Geburt seiner Tochter (Win) ebenso wie beim Saisonstart seines neuen Teams (Win) in der MLS dabei sein, der HSV spart noch ein paar Hunderttausend Euro (Win) – und die Mannschaft hat einen Negativfaktor weniger in der Kabine (Win) sitzen.
Aber um die gesamte Geschichte jetzt nicht allein am Spieler festzumachen müssen wir festhalten, dass dieses Fehlverhalten eine lange Vorgeschichte hat, in der längst nicht nur er Fehler gemacht hat. Allein seine Vertragsverlängerung 2017 war einer der größten finanziellen Fehlgriffe der damaligen HSV-Verantwortlichen um Dietmar Beiersdorfer. Wobei dieser Schaden auch auf Wood Auswirkungen hatte, weil er seither dem seinerseits uneinholbaren Anspruch hinterherlief, den ein Jahresgehalt von 3,5 Millionen Euro nach sich zieht. Auch Wood scheiterte letztlich daran – bis zuletzt. Sportlich kann man bei Wood nichts schönreden, das war nichts. Wood hatte bei den Fans tatsächlich überhaupt kein Standing mehr. Er wurde in wirklich jeder Wechselperiode als gewollter Abgang hingestellt. Bis Thioune kam, schien Wood hier in Hamburg gänzlich außen vor zu sein. Gerade Woods Situation beim HSV in den letzten Jahren im Vergleich zu den letzten Monaten hier macht es für mich so unverständlich, dass dieser Spieler diese letzten Metern nicht noch in aller Ruhe gehen konnte.
Im Video könnt Ihr sehen, was Wood beim HSV mal ausgezeichnet hatte. Fakt ist trotz einiger guter Szenen, dass hier ein Kapitel beendet wird, das weit mehr negative Kapitel beinhaltet, als es dieser unrühmliche Kabinenzoff allein schon war. Dass sich sowohl Wood als auch Trainer Daniel Thioune heute trotzdem noch einmal zusammensetzten und sich aussprachen - es zeugt von Vernunft und dürfte den Vorfällen nach dem Spiel gegen Darmstadt nicht nur weitere Strahlkraft nehmen, sondern auch für alle anderen Spieler als mahnendes Beispiel dafür dienen, was passiert, wenn sich ein Spieler wichtiger nimmt als die Mannschaft.
In diesem Sinne, hoffen wir mal, dass sich aus dem aktuellen Kader kein weiterer Offensivspieler aus irgendwelchen Gründen abmeldet. Denn quantitativ ist der HSV hier nicht allzu breit aufgestellt.
Bis morgen, liebe alle!
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