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Jansen wird deutlich bestätigt - und Huwer sammelt Punkte

Als Marcell Jansen die Mitgliederversammlung eröffnete, wusste er um die Brisanz dieser Veranstaltung. Zwei Abwahlanträge gegen seine Person als Präsident des HSV e.V. lagen…

Jansen wird deutlich bestätigt - und Huwer sammelt Punkte

Als Marcell Jansen die Mitgliederversammlung eröffnete, wusste er um die Brisanz dieser Veranstaltung. Zwei Abwahlanträge gegen seine Person als Präsident des HSV e.V. lagen vor und sollten abgestimmt werden. Zudem hieß es in der Vorberichterstattung, dass die Wahrscheinlichkeit sehr groß sei, dass Mitglieder diese Abstimmung vom letzten Tagesordnungspunkt per Antrag (und einhergehender Abstimmung aller Anwesenden Stimmberechtigter) vorziehen wollten. Als das ausblieb schien auch Jansen etwas entspannter. Zumindest hatte auch er so erst einmal genügend Zeit gewonnen, alle Umstände rund um den HSV so vorzutragen, dass die Mitglieder seine Sicht der Dinge noch einmal von ihm geschildert bekommen.

Entsprechend unspektakulär begann diese Mitgliederversammlung vor anfänglich enttäuschenden 694 Mitgliedern, von denen 666 stimmberechtigt waren. Sie alle bekamen in der Aussprache zu den Berichten des Präsidiums die Gelegenheit, sich für die Abstimmung noch offene Fragen zu beantworten. Tim Oliver Horn, ehemaliger Supporters-Boss, stellte beispielsweise die Fragen nach Thomas Wüstefeld und dem Umgang mit dem ehemaligen Aufsichtsrat, der auch als Interims-Vorstand für die Finanzen. Hat man alle von ihm unterschriebenen Unterlagen geprüft, und vor allem: Hätte man bei Wüstefeld nicht früher einschreiten müssen?

Ordentliche Mitgliederversammlung des HSV am 21. Januar 2023

Letzte Frage beantworteten erst Marcell Jansen und dann auch Vizepräsident Michael Papenfuß klar mit Ja. Man hätte früher einschreiten müssen. Anschließend hielt Papenfuß einen Appell, der sich an alle richtete, die sich von Berichten über den HSV leiten lassen. Zusammengefasst appellierte er dafür, den handelnden Personen mehr zu vertrauen als den Berichten in Zeitungen und Co. Aber damit war es nicht getan, stattdessen wurde der Antrag auf Vorziehung der Abwahlanträge mit etwas Verzögerung dann doch vorgetragen und mit einfacher Mehrheit (55,14% : 44,86 %) angenommen.

Allerdings gingen der Abstimmung der Mitglieder über die letztlich zusammengefassten Abwahlanträge noch sehr kontroverse Diskussionen voraus, nachdem beide Antragsteller ihre Anträge vorgetragen und begründet hatten. Die einen klagten Marcell Jansen an, andere verteidigten ihn. Versammlungsleiter Kai Esselsgroth versuchte gar, die sehr lange Rednerliste abzukürzen – erfolglos. Und so wurde es eine sehr interessante, mit vielen spannenden Meinungen vertretene Veranstaltung. Es wurde sich untereinander angegangen und insbesondere Till Hischemöller musste sich politische Interessen anlasten lassen, denen er widersprach.

Aber es wurde zumindest diskutiert. Und das sehr lang. Und im Gros auch sehr schlich. Zum Abschluss stellte sich Jansen selbst noch einmal ans Mikro und beantwortete die ihm gestellten Fragen und erklärte, dass er den Job als Präsident des HSV e.V. und Vorsitzenden des Aufsichtsrates mit unverändert viel Herzblut machen würde – und vor allem machen wolle.

Eine Dreiviertelmehrheit stimmt für Jansen

Um 16.33 Uhr gab Esselsgroth, der die vorangegangene Diskussion lobte, die Abstimmung frei. Das Ergebnis folgte um 16.47 Uhr:  Mit großer Mehrheit wurden die Abwahlanträge abgelehnt. 169 HSVer stimmten den Anträgen zu, die restlichen 467 Mitglieder lehnten die Anträge ab. Oder in Prozenten gesprochen: 73,43 Prozent stimmten für einen Verbleib von Marcell Jansen, 26,57 Prozent dagegen. Ein sehr deutliches Votum, gesprochen von 636 Mitgliedern – nicht einmal 0,8 Prozent aller beim HSV stimmberechtigten Mitglieder. 

Dennoch war die Message im Saal deutlich: Mehr Zusammenhalt statt Abwahlpolitik. Aber eben auch die klare Aufgabe an Jansen und Co., sich noch einmal kritisch zu hinterfragen und aus den Fehlern zu lernen. Für mich erkennbar war bei dieser sicher anzahlmäßig nur sehr bedingt repräsentativen Veranstaltung, dass Jansen vor allem durch seinen HSV-Bezug und seiner Arbeit im HSV e.V. Zuspruch gefunden hat. Ihm wurde mehr oder weniger deutlich gesagt, dass er hier einmal böse auf die Schnauze geflogen ist (insbesondere in der Personalie Wüstefeld), dass man ihm diesen Fehler aber nachsehen wolle, sofern er den Warnschuss ernst nimmt.

Erstaunlich war im Anschluss für mich, dass das Präsidium um Marcell Jansen im Anschluss mit nur einer Gegenstimme entlastet wurde. Offensichtlich hatten die allermeisten Widersacher des Präsidenten den Saal schon verlassen. Und zur Wahl des Beirates war es dann auch tatsächlich nur noch ein Bruchteil der eh nur 0,8% Mitglieder, die Mike Schwerdtfeger (91,58%) als Vertreter des Amateursports und Patrick Ehlers als Vertreter der Supporters/Fördernde Mitglieder (91,53%) in den Beirat wählten, während Anna-Maria Stöcken in den Ehrenrat gewählt wurde. Glückwunsch von dieser Stelle an die Gewählten!

Der neue HSV-Vorstand erntet großen Applaus

Neben der sehr lebhaften und am Ende deutlichen Abstimmung für Marcell Jansen gab es heute noch einen Gewinner – aus meiner Sicht!  Denn besonders stark waren aus meiner Sicht die Auftritte der Vorstände Jonas Boldt und noch mehr die Premiere des neuen Finanzvorstandes Dr. Eric Huwer, der sehr launig und mit erkennbarer Motivation für die neue Aufgabe sehr optimistische Worte wählte. Den Doppelpass mit seinem Freund und Kollegen Jonas Boldt nutzte er gekonnt, um die Zuhörerinnen und Zuhörer im Saal für sich zu gewinnen – was ihm gelang. Auch entstandene Nachfragen konnte Huwer sehr überzeugend beantworten. Für mich war Huwer der absolute Gewinner der heutigen Veranstaltung. Er hat die vorauseilenden Lobeshymnen auf seine Person mehr als bestätigt.

Dr. Eric Huwer (Vorstand Finanzen, HSV) hält eine sehr ausführliche, spannende und unterhaltsame Rede und erntet viel Beifall

Und: Es wurde sehr deutlich, dass der mit viel Applaus bedachte Boldt und eben Huwer ein sehr vertrauensvolles Miteinander pflegen, in dem sie sich dennoch ausreichend „challengen“, wie beide versprachen. Bei allem Respekt vor Boldt und Huwer: Bislang sind es nur Worte. Aber: Es scheint eine konstruktive Harmonie vorzuherrschen, die der HSV so sehr lange nicht mehr hatte. Was genau das am Ende wert ist – es ist offen. Aber ich halte sowohl Boldt als auch Huwer im Doppelpack als einen sehr aussichtsreichen Versuch, einen starken Vorstand zu stellen.

Fazit der heutigen Mitgliederversammlung:

Es herrscht nach Angaben aller Beteiligter (auch derer, die vorher gegen Jansen geschossen haben) Harmonie. Davon darf sich allerdings niemand blenden lassen. Sehr viel ernster zu nehmen ist die kritische Haltung gegenüber den Unruhen der letzten Monate. Hieran werden sich alle, die heute die große Harmonie proklamiert haben, messen lassen müssen. Und was das alles wert sein wird, werden wir im Laufe der nächsten Monate sehen. Bis dahin haben die Protagonisten Zeit, sich neu bzw. erneut zu beweisen.

Aber vorab schon einmal eine Warnung an alle: Dass das Theater rund um die Besetzung des Aufsichtsrates (Lena Schrum und mindestens einer der Peters werden ersetzt) weitergeht und sehr zeitnah auch medial neue Unruhe stiften wird, ist klar. Das wiederum kann sachlich ausgetragen förderlich sein. Allein, dass es sachlich bleibt, halte ich aber für mehr als unwahrscheinlich. 

Bis dann!

Scholle

***EDIT: Dieser Text ist bereits am Sonnabend unmittelbar nach Ende der Mitgliederversammlung entstanden***

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