Ist Thioune der richtige Mann für den HSV?
The same procedure as every …. time, in diesem Fall. Denn ich will hier noch nicht gleich mit den jährlich wiederkehrenden Nicht-Aufstiegssituationen kommen, sondern mit…

The same procedure as every …. time, in diesem Fall. Denn ich will hier noch nicht gleich mit den jährlich wiederkehrenden Nicht-Aufstiegssituationen kommen, sondern mit Sportdirektor Michael Mutzel beginnen, der sich wie immer auch heute wieder den Fragen der Journaille stellte. Am Tag nach dem bitteren 1:1 gegen Karlsruhe und der wahrscheinlich endgültigen Absage an die erste Liga versuchte Mutzel, die Restchancen zu betonen. Das drohende Aufstiegs-Aus will er jedenfalls nicht akzeptieren. „In der Liga sieht man, dass jeder jeden schlagen kann. Da kann schon noch was passieren. Wir müssen einfach unsere Spiele gewinnen, das ist das Entscheidende“, sagte Mutzel am Freitag. Drei Spieltage vor Saisonende scheint jedoch nur noch die Relegation erreichbar zu sein. Und selbst die eher nicht…
„Man hat da einen Moment und kriegt dann direkt wieder eins auf die Fresse“, beschrieb Mutzel den Augenblick. In der Kabine hätten anschließend „ein paar Häufchen Elend“ gehockt. Er glaube schon, „dass der Kopf eine Rolle spielt. Vielleicht ist dann doch ein bisschen zu viel Druck auf dem Kessel.“ Eine Trainerdiskussion hält der 41-Jährige für unangebracht. „Das ist immer einfach, wenn man solche Phase hat, dass man mit dem Finger auf den Trainer zeigt. Das wollen wir nicht machen.“ Jetzt könne „so eine Leck-mich-am-Arsch-Einstellung“ in die Mannschaft einziehen, hofft er. Denn mit größerer Lockerheit werde das Team wieder Spiele gewinnen. Glaubt er. Zumindest sagt er das. Aber das nur in aller Kürze zum tapferen, üblichen Mutzel-Stand-Off von heute.
Was Georg S. und ich gemeinsam haben
Wobei Mutzel nicht allein dasteht. Ich habe einen Freund, der mir in aller Euphorie und festem Glauben an den HSV eine Wette angeboten hat, die ich nur zu gern angenommen habe. Er – nennen wir ihn mal Georg - sagt, dass der HSV aufsteigt und nennt seine Haltung (zurecht) loyal. Er ist eben ein Kämpfertyp. Und ich nenne es jetzt vorsichtshalber noch nicht Naivität, sondern antizyklisches Denken. Wobei ich heute ehrlich gesagt bereit bin, mich ihm anzuschließen. Zwar ohne den festen Glauben daran. Aber ebenso wie ich in unserer Tipprunde beim Abendblatt seit 20 Jahren durchgehend auf HSV-Siege tippe, weil ich mich über Tipp-Punkte für eine HSV-Niederlage nicht freue, würde ich mich bei der Wette mit meinem Kumpel nur über einen sackstarken Abend mit ihm freuen – nicht über den Wettgewinn an sich.
Und was ich machen kann, können die HSV-Verantwortlichen nur nach außen machen. So wie Mutzel heute können sie nach außen nicht resignieren, völlig unabhängig davon, wie sehr bzw. wie wenig sie selbst noch an das Erreichen der eigenen Ziele glauben. Anders gestaltet sich das Ganze nach innen. Da müssen sie alle ganz genau analysieren, was richtig und was falsch läuft. Und hierbei wiederum muss jeder bei sich selbst beginnen. Das wiederum bedeutet: Wenn der Vorstand grundsätzlich vom Trainer überzeugt ist – muss er ihn halten. Scheißegal, was von außen kommt. Und ich weiß, dass das viele anders sehen, aber ich bleibe bei meiner Haltung zu Thioune: Ich bin überzeugt davon, dass er für diesen HSV ein sehr guter Trainer werden kann. Ich würde ihn halten. Aber: Sollte der Trainer auch nur einen Millimeter daran zweifeln, dass er noch der Richtige ist, dann MUSS er das sagen. Denn dann muss sofort gehandelt werden.
Soll heißen: Der Trainer sollte die nächsten Tage dazu nutzen, um sich selbst einmal zu hinterfragen und zu sehen, ob er die richtigen Mittel zum richtigen Zeitpunkt anwendet. Denn was in der Hinrunde noch goldrichtig war, muss jetzt nicht automatisch passen. GENAU DAS meinte ich übrigens immer, wenn ich von der Ausnahmesituation schreibe. Denn auch der Trainer muss seine Maßnahmen den veränderten Situationen anpassen. Er kann nicht immer gleich bleiben wollen, um gleich zu bleiben. Er muss machen, wovon er überzeugt ist. Das ist das Einzige, was immer bleiben muss. Auch wenn er dafür seinen bisherigen Weg verlassen müsste. Authentizität ist super – aber wenn sie zum Selbstzweck wird nennt man sie Sturheit. Und die verhindert Erfolg in aller Regel.
Das Wochenende ist trainingsfrei. Würde ich das jetzt hier anprangern, würde ich viel Applaus bekommen. Aber: Es ist für mich eine absolut nachvollziehbare Entscheidung des Trainers, der eine Mannschaft hat, die gefühlt seit Karlsruhe weiß, dass sie alle Ziele verspielt hat. Da parallel dazu zehn Tage Pause in einer Phase anstehen, in der eh keine Kondition mehr gebolzt wird, ist die Entscheidung Thiounes für mich nachvollziehbar. Ich hoffe dabei, dass auch der Trainer die freien Tage nutzt, um sich über seinen eigenen Weg beim HSV noch mal Gedanken zu machen. Von Vereinsseite, so viel scheint klar, stehen alle weiter geschlossen hinter Thioune – immer dessen hundertprozentige Überzeugung vorausgesetzt.
Überzeugung schlägt Populismus - mit allen Konsequenzen
So wird aus dieser beschissenen Situation mit dem wahrscheinlich gewordenen Nicht-Aufstieg sogar eine Chance. Natürlich wird das alles wehtun. Lange noch. Auch ich sage, dass der HSV mit seinen Möglichkeiten in dieser Saison den Anspruch haben musste, aufzusteigen. Dass man es wohl wieder nicht schafft, belegt, dass Fehler gemacht wurden. Aber im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen oft populistisch der Trainer für alles büßen und gehen musste, sehe ich in diesem Jahr einen guten Trainer mit dem Willen, jeden Tag aufs Neue besser zu werden. Thioune sprach mal von einer „Fehlertoleranz“, die er jedem Spieler gegenüber habe. Die Frage jetzt ist, hat Thioune für seine Fehler Toleranz verdient? Ich sage ja.
Denn dieser HSV schluckt jedes Jahr Trainer. Auch gute. Aber ebenso wie mit allem alten Anspruchsdenken an diesen ach so großen Weltverein HSV muss auch damit irgendwann mal Schluss sein. Es müssen endlich Planungen, die vor jeder Saison längerfristig angelegt werden, auch mal längerfristig gelebt werden. Zumindest, solange alle Verantwortlichen davon überzeugt sind. Die Überzeugung muss den Populismus schlagen - mit allen Konsequenzen. Und in diesem Teil müssen alle ehrlich sein. Auch der Trainer – logisch! Aber abgesehen davon, dass diese Ehrlichkeit in den letzten 20 Jahren beim HSV nicht wirklich im Vordergrund stand und es endlich Zeit dafür wird - nur so kann es überhaupt irgendwann wieder bergauf gehen… So sehe ich das zumindest.
Ich freue mich auf Eure Meinung!
Ich verzichte in diesem Fall tatsächlich gern (Überzeugung ist das Stichwort) mal auf Eure Zustimmung und freue mich ganz ehrlich auf eine sachliche, inhaltsstarke Diskussion über das Pro und das Contra bezüglich des Trainers und dem eingeschlagenen Weg. Schreibt mir auf, weshalb ihr wirklich glaubt, dass ein Trainerwechsel alles besser machen würde. Oder, weshalb Ihr mir zustimmt. Ich werde den morgigen Blog dazu nutzen, auf Eure Posts zu reagieren.
Also: Auf geht’s…! Und bis morgen! Euch allen einen schönen Abend!
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