Innere Unruhen und andere Baustellen vor dem Saisonfinale des HSV
Das Gerücht, dass Hasan Salihamidzic auf dem Kandidatenzettel des HSV-Aufsichtsrates steht, waberte schon seit einiger Zeit. Das „Abendblatt“ berichtet zuletzt, dass der…

Das Gerücht, dass Hasan Salihamidzic auf dem Kandidatenzettel des HSV-Aufsichtsrates steht, waberte schon seit einiger Zeit. Das „Abendblatt“ berichtet zuletzt, dass der traditionell unentschiedene Aufsichtsrat den ehemaligen HSV- und Bayern-Profi als möglichen Nachfolger für Jonas Boldt in Erwägung gezogen haben soll – und es im Kontrollrat ein Veto gegeben haben soll. Und so scheint es jetzt auch zu sein. Problem bei dem Ganzen ist nur: Zuerst einmal muss das Kontrollgremium des HSV klären, ob es überhaupt weitergeht mit Boldt oder nicht. Der amtierende Sportvorstand hatte sich am gestrigen Donnerstag dem Rat gegenüber erklärt und sein Konzept für die Saison 2024/25 vorgelegt. Eine Entscheidung für oder wider Boldt soll aber erst Mitte nächster Woche getroffen werden.
Somit bleibt es dabei: Der HSV ist sich auch jetzt, unmittelbar vor dem letzten Spieltag der Saison 2023/2024 noch immer nicht im Klaren darüber, wie die neue Saison angegangen wird. Denn einhergehend mit der Entscheidung pro oder contra Boldt gehen auch viele andere sportliche Entscheidungen, die eigentlich schon längst hätten getroffen sein müssten. Die Kaderplanung müsste längst laufen. Wer bleibt, wer wird ersetzt? Wie will der HSV taktisch agieren – und wen braucht man dafür noch? Allein die Trainerfrage ist schon eine entscheidende, die geklärt sein MUSS – so, wie bei allen anderen Zweitligisten. Vorher nützt die beste Kaderplanung nichts….
Steffen Baumgart hat heute bei der Pressekonferenz jede Frage nach seiner Zukunft bzw. der gewünschten Planbarkeit selbiger umschifft. Er hätte noch einen Vertrag und wolle auf jeden Fall bleiben – und Unruhe käme ja eh nur von außen, so der HSV-Trainer naturgemäß vereins-loyal. „Ich habe das Gefühl: Mit den Jungs, mit denen ich tagtäglich zusammenhänge, ist alles ruhig. Nicht entspannt, aber wir sind klar in unseren Zielen und unseren Gedanken“, sagte der Trainer. Aber was sonst hätte er auch sagen sollen? Er kann ja nicht die Kontrolleure anzählen und seine eigene, noch immer unklare Position schwächen.
Nein, Baumgart machte, was er machen konnte: Er verwaltete das Übel mit einer Portion Gelassenheit, die intern sicher nicht ansatzweise so vorhanden sein dürfte. „Ich habe die Info, dass beide im Austausch sind, dass wir alle im Austausch sind“, sagte der 52-Jährige über das Innenverhältnis Boldt/Aufsichtsrat. Über seine eigene Position sagte er: „Ich habe einen Vertrag nächstes Jahr. Und ich bin hier nicht angetreten, als ich den Vertrag unterschrieben habe, Trainer in der ersten Liga zu sein, sondern Trainer beim HSV“, sagte Baumgart.
Bei einem Aus von Boldt ist es nicht sicher, ob auch sein Nachfolger auf Baumgart setzen würde. Und auch deshalb habe ich im Talk bereits gesagt, dass ich die Kontrolleure in ihrem Wirken aktuell als fahrlässig erachte. Ich habe auch erklärt, warum ich sie bzw. ihr entscheidungs-schwaches Handeln als große Gefahr sehe. Denn hier werden wieder nur Verlierer produziert. Boldt wird infrage gestellt – was grundsätzlich okay ist nach fünf Nicht-Aufstiegen. Aber wenn dieser Aufsichtsrat nicht mehr hinter Boldt steht, muss er entscheiden. Selbst für den unfassbar unprofessionellen (und aktuellen!) Fall, dass man keine Alternative hat. Nichts ist schlechter, als seinem Hauptverantwortlichen erst erkennbar das Vertrauen zu entziehen und ihn dann doch im Amt zu belassen. Von daher bleibt es auch hier dabei, dass der Aufsichtsrat schnell entscheiden sollte. Vor allem auch im Fall pro Boldt!
Ich habe an der aktuellen Situation des HSV zuletzt sehr vieles kritisiert – und täglich kommen neue Themen hinzu. Eines, was ich immer moniert habe, ist die fehlende Weitsicht. Immer wieder strategisch Neues zu probieren, hat einfach nicht funktioniert. Die gelebte Konstanz in Form des Festhaltens an Tim Walter war okay – aber sie wirkte ab dem Zeitpunkt, an dem Walter bewies, dass er trotz der offensichtlichsten Mängel nichts an seinem Spiel ändern werde, populistisch und wurde letztlich zum Selbstzweck. Und das alles blieb teilnahmslos beobachtet von einem Aufsichtsrat, der den HSV ob seiner internen Uneinigkeit mehr gefährdet, als dass er kontrolliert. Kritische Stimmen, die immer wieder vor dieser sportlichen Entwicklung warnten, wurden ignoriert oder übertönt und sorgten - wie bei Marcell Jansen – sogar zum Ausschluss aus dem Rat. Geblieben ist eine sportloche Null-Kompetenz in dem Rat, der alle Saisonplanungen für 2024/2025 aufhält und damit sportliche Ziele gefährdet.
Fakt ist: So verabschiedet sich der HSV von Tag zu Tag weiter von der Rolle eines Aufstiegsfavoriten für die neue Saison. Die verlorene Zeit gegenüber anderen Kandidaten wie beispielsweise auch dem FC Schalke 04, der sich auf allen Ebenen vor Wochen neu aufgestellt und die Verantwortlichkeiten klar strukturiert hat, holt der HSV schwerlich auf. Der HSV wird auch auch wieder einmal darauf einstellen können, unnötig verteuert einkaufen zu gehen. Sollte man die Vorarbeiten der aktuell Verantwortlichen nicht mehr einplanen und auf einen neuen Sportvorstand/Direktor und evtl. Trainer setzen wollen, sicher noch mehr. Denn eines ist klar: Wer spät kommt, zahlt fast immer mehr – oder er nimmt, was übrigbleibt. Und das ist selten bis nie das Beste…
Achja, fast hätte ich das bedeutungslose Spiel am Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg vergessen. Hierüber wurde bei der heutigen Pressekonferenz auch gesprochen. Ganz kurz. Bei Sebastian Schonlau (Wadenprobleme), und Immanuel Pherai (muskuläre Probleme) gebe es noch „ein Fragezeichen. Da warten wir ab“, so Baumgart. Die beiden Leihspieler Igance Van der Brempt (angeschlagen) und Dennis Hadzikadunic (krank) fallen dagegen sicher aus. „Alles andere sollte für den Kader bereit sein – und dementsprechend auch fürs Spiel“, so Baumgart. Und ein Spieler, der zuletzt von den Kollegen der „BILD“ als Neuzugang gehandelt wurde, hat inzwischen abgesagt: Mark Uth wird nicht vom FC Köln zum HSV wechseln, sondern bei seinem aktuellen Arbeitgeber verlängern. „Für mich gibt es nichts anderes mehr – ich möchte meine Karriere hier beim FC beenden“, stellte Uth klar. Wobei: Mit wem hätte er denn auch verhandeln können/sollen…?
In diesem Sinne, Euch allen ein schönen Wochenendstart! Ich melde mich dann nach dem Spiel gegen den 1. FC Nürnberg wieder an dieser Stelle. Es sei denn, der Aufsichtsrat hat vorher etwas zu verkünden…
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