In Regensburg zurück zur langersehnten defensiven Stabilität?
„Wir haben zu viele Fehler gemacht“, stellte Trainer Tim Walter heute auf der Pressekonferenz angesichts der Flut an HSV-Gegentoren in den vergangenen Partien fest. Allein in…

„Wir haben zu viele Fehler gemacht“, stellte Trainer Tim Walter heute auf der Pressekonferenz angesichts der Flut an HSV-Gegentoren in den vergangenen Partien fest. Allein in den letzten vier Spielen gab es zehn davon. Ein offensichtliches Problem, dass sich gerade in der Rückrunde aufgrund der Vuskovic-Sperre verschärft hat und dieser Tage nahezu in jedem Bericht über das HSV-Spiel (zu Recht) aufgegriffen wird. Deshalb kam der Defensiv-Arbeit auch in dieser Trainingswoche erneut ein besondererer Schwerpunkt zu. „Ich weiß, dass meine Spieler alles investieren werden, damit das nicht passiert. Wir müssen versuchen, das abzustellen“, betonte Walter in Bezug auf die zahlreichen individuellen Fehler vor Gegentoren in den letzten Spielen. Im Vergleich zur PK der vergangenen Woche wirkte der HSV-Coach heute ruhiger und weniger angriffslustig. Beim Training trat Walter jedoch wie gewohnt lautstark auf. Auf dem Trainingsplan standen heute sowohl die Arbeit gegen den Ball als auch das Kreieren von spielerischen Lösungen gegen einen kompakt stehenden Gegner. Ein solcher wartet mit Jahn Regensburg nämlich diesen Sonntag auf den HSV.
Die Oberpfälzer befinden sich in akuter Abstiegsgefahr: Mit nur 28 Punkten aus 31 Spielen belegen sie den vorletzten Tabellenplatz und stellen mit dem 1. FC Nürnberg zusammen die zweitschwächste Offensive (29 Tore) der Liga. Nur Hansa Rostock gelangen in dieser Spielzeit weniger Treffer (28 Tore). Seit sechs Spielen wartet der Jahn auf einen Dreier. Weil auch noch die beiden vergangenen Partien gegen die direkten Konkurrenten Sandhausen (1:2) und Rostock (0:2) verloren gingen, beurlaubte die SSV-Vereinsführung am Dienstag den langjährigen Coach Mersard Selimbegovic. Ein kurzfristiger (und für die Regensburger Philosophie untypischer) Trainerwechsel als Nachtteil für den HSV? Zumindest nicht, wenn es nach Tim Walter geht. „Sie werden versuchen, alles aus den letzten Spielen herauszuholen. Da ist es nicht entscheidend, dass sie jetzt einen neuen Trainer haben. Sie brauchen ihre Punkte und werden alles investieren“, verkündete der 47-Jährige.
Als neuen Übungsleiter präsentierte Regensburg vorgestern den US-Amerikaner Joe Enochs. Zuletzt hatte dieser den Drittligisten FSV Zwickau (2018-2023) betreut, bis er dort diesen Februar entlassen wurde. Für Enochs geht es also vom Drittliga- in den Zweitliga-Abstiegskampf. Ich erspare euch an dieser Stelle einmal den ausführlichen Verweis auf dessen Hamburger Fußballvergangenheit. „Wir wollen das Wunder schaffen, wir glauben an unsere Chance. Ich bin ein optimistischer Mensch und habe bereits viel im Fußball erlebt“, betonte Enochs im Vorfeld der Partie. Enochs defensiven Spielstil kennt man beim HSV bereits. „Er lässt sehr kompakt verteidigen und mit sehr vielen langen Bällen spielen. Das war unter seinem Vorgänger auch so, die Parallelen sind erkennbar. Es ist daher wichtig, auf zweite Bälle gut vorbereitet zu sein und Umschaltmomente selbst zu nutzen“, ließ Walter wissen.
Ob mit oder ohne Trainer-Effekt, gegen tiefstehende Gegner hat der HSV sich in dieser Saison immer wieder schwer getan. Mit Benes (5. Gelbe) fehlt dem HSV gegen den SSV zudem ein spielstarker Mittelfeldmann. Daher ist es wichtig, dass Bakery Jatta nach seiner abgesessenen Gelb-Sperre am Sonntag wieder zur Verfügung stehen wird. Seine Arbeitsrate sowohl offensiv wie auch defensiv braucht die Mannschaft einfach. Walter lobte den Gambier heute wieder einmal für dessen besondere „Präsenz auf dem Platz“. Allein Jattas Rückkehr wird es jedoch nicht richten. Die defensive Absicherung muss in Regensburg einfach stimmen. Und ein guter erster Schritt wäre es, wenn Schonlau und David nicht bereits in den ersten Minuten am gegnerischen Sechzehner auftauchen und dann hinten fehlen. Gegen diesen Gegner braucht es keine spielerische Extra-Klasse und keinen Hurra-Fußball. Es braucht Konzentration und Disziplin. Kommt dies zusammen, kann Regensburg für den HSV zu einem Aufbau-Gegner werden. Wiederholen sich hingegen die altbekannten Fehler, ist der direkte Aufstieg endgültig futsch und der Vorsprung auf die Konkurrenz um den Relegationsplatz nahezu gänzlich verspielt.
Oft wurden diese Saison die treuen HSV-Anhänger zu Recht als entscheidender Faktor hervorgehoben, auch Tim Walter tat dies heute erneut auf der PK. Alle zwei Wochen füllen tausende HSVer die Zweitliga-Stadien der Republik, insbesondere auch diejenigen (und hierzu zählt auch Regensburg), die nur selten ausverkauft sind. Da ausgerechnet dieses Wochenende die Bahn streikt, wird die Anreise für alle HSV-Fans erheblich erschwert. Ein weiterer Grund für Walters Elf, in Regensburg abzuliefern.
Bis morgen und euch einen schönen Abend,
Cornelius
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