Spielbericht

In Nürnberg geht es für den HSV nicht nur um drei Punkte

Für den HSV Wiedergutmachung angesagt. Der HSV tritt nach der 1:2-Heimpleite gegen Darmstadt 98 zum Nord-Süd-Gipfel beim 1. FC Nürnberg an. „Wir wollen es besser machen als…

In Nürnberg geht es für den HSV nicht nur um drei Punkte

Für den HSV Wiedergutmachung angesagt. Der HSV tritt nach der 1:2-Heimpleite gegen Darmstadt 98 zum Nord-Süd-Gipfel beim 1. FC Nürnberg an. „Wir wollen es besser machen als beim letzten Mal“, betonte HSV-Trainer Tim Walter mit Blick auf die Partie am Samstag (20.30 Uhr), nachdem man in der Vorsaison in Nürnberg mit 1:2 verlor. Dass er an das letzte Gastspiel in Nürnberg, das der HSV Anfang März durch ein Gegentor in der 88. Minute 1:2 verlor, ungern zurückdenkt, kann man Walter nachfühlen. Doch der 46-Jährige guckt ohnehin „lieber durch die Frontscheibe, also nicht nach hinten. Die Truppe hat in dieser Woche sehr gut trainiert, war sehr offen und hat viel Bereitschaft gezeigt. Wir sind gut gerüstet“, meinte der Coach. 

Mit drei Siegen und zwei Niederlagen sieht Walter sein Team auf Kurs. „Letztes Jahr hatten wir sechs Punkte, jetzt haben wir neun“, sagte er und verglich die Ausgangslagen jeweils nach dem fünften Spieltag unter seiner Regie. „Von daher ist alles okay. Am Ende waren wir Dritter, jetzt wollen wir Zweiter werden. Jetzt sind wir schon drei Punkte besser als vorher.“ Ein weiterer Punktverlust wäre aber Gift. Denn in der erneut ausgeglichen Liga geht es trotz des Abschieds der Aufsteiger Schalke 04 und Werder Bremen enger zu als angenommen.

Vor allem kann und darf Walter die aktuelle Saison nicht mit der vorherigen vergleichen, wo man eine neue Mannschaft aufbauen wollte und die Entwicklung vorneangestellt hatte. Denn in dieser Saison hat man im Sommer vollmundig die Favoritenrolle angenommen. Neun Punkte aus fünf Spielen ist besser als in der Vorsaison – aber der Maßstab, den man sich intern anlegen muss, sollte allein die Tabelle sein. Da ist man Fünfter mit drei Punkten Rückstand auf die direkten Aufstiegsränge – also noch alles im Lot. Aber wer sich die Berichterstattung ein wenig genauer ansieht, wird bemerkt haben, dass die Anspannung größer wird, nach zwei Niederlagen aus fünf Spielen.

Auch hier werde ich nicht schreiben, dass es toll ist, dass man mehr Punkte als im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt hat. Denn auch mein Maßstab ist ein anderer: Ich erwarte angesichts der Investitio0nen, die bereits getätigt wurden und eventuell noch getätigt werden, dass der HSV die Vorsaison deutlich verbessert. Dazu gehört es in allererster Linie, die Probleme der alten Saison abzustellen. Oder anders formuliert: Ich erwarte Entwicklung. Eine Entwicklung, die ich bislang noch nicht ausmachen konnte.

Das ist beim FC Nürnberg etwas anders. Die Nürnberger wollen seine positiven Emotionen aus dem Last-Minute-Sieg in Sandhausen (2:1) in das Flutlicht-Spiel mitnehmen. „Wir wollen immer wieder attackieren und dem Gegner Stress bereiten“, sagte Trainer Robert Klauß. Er erwartet, dass der HSV mehr Ballbesitz haben wird. „Das haben sie immer“, sagte der 37-Jährige und appellierte an seine Mannschaft: „Wir dürfen nicht zu passiv werden. Wir müssen zeigen, dass wir nicht nur verteidigen.“

Wobei das passive Spiel ausgelegt auf schnelle Gegenstöße genau das ist, was diesem HSV noch immer am meisten wehtut. Und genau da hoffe ich auf den Faktor Entwicklung. Denn personell ist der HSV noch einmal (nominell) stärker besetzt als in der Vorsaison – und das ohne zu viele Veränderungen im Kader. Dass ein Jean-Luc Dompé noch Eingewöhnungszeit brauchen wird – logisch. Die wird er auch bekommen müssen! Aber nichtsdestotrotz muss Walter mit seiner Mannschaft erst noch beweisen, dass man weiter ist als in der Vorsaison. Spielerisch UND taktisch. Beginnend in Nürnberg, wie ich hoffe. Personell stehen Walter hier nahezu alle Spieler zur Verfügung – die gesperrten Opoku und Königsdörffer ausgenommen. Wobei ich es gerade bei Letztgenanntem sehr schade finde, da ich den Zugang aus Dresden zuletzt als DAS belebende Element in der Offensive gesehen habe.

Anders als Sonny Kittel, der bislang in allen Spielen gute Szenen hatte – aber in allen Spielen deutlich zu wenig. Hier wieder die „Kittel muss endlich auch Verantwortung übernehmen“-Diskussion aufzumachen halte ich für Quatsch. Da ist alles gesagt und geschrieben. Aber angesichts der Verstärkung durch Dompé, der sich auf der Kittel-Position links offensiv am wohlösten fühlt, hat der technisch beste Kicker des HSV tatsächlich Druck, den auch Walter zulassen sollte. Zuletzt hatte der HSV-Coach seinen sensiblen Offensivspieler immer wieder öffentlich versucht, aus der Kritik zu nehmen. Ein Weg, der statistisch im Bezug auf Tore, Vorlagen und allgemeines Passspiel zweifellos aufging. Aber immer mit dem Makel, dass Kittel in den wichtigsten Momenten zu oft abtauchte.

Aber vielleicht ändert sich auch das. Der 29-Jährige absolvierte gegen die Lilien sein 100. Spiel für den HSV. In diesen Partien kommt er auf eine beeindruckende Ausbeute von 29 Toren und 32 Assists. Kittel: „Klar, wenn ich Tore und Vorlagen machen kann, ist das umso besser. Daran werde ich gemessen und das ist auch mein Anspruch.“ Hoffentlich ab jetzt auch in den wichtigen Spielen. Wobei, nein: Das ist falsch formuliert. Es muss heißen: Hoffentlich macht Kittel das ab jetzt auch in den schwierigen Spielen. Nürnberg dürfte so eines werden…

In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit dem Blitzfazit im Anschluss an das Auswärtsspiel in Nürnberg. Bis dahin! 

Scholle

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