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In der Sonne lebt Tim Walter auf

Sotogrande. Entspannt, aufgeräumt, fröhlich und optimistisch wie eh und je: HSV-Trainer Tim Walter zeigte sich am Montagmittag im Trainingslager im andalusischen Sotogrande so,…

In der Sonne lebt Tim Walter auf

HSV im Trainingslager im andalusischen Sotogrande – Trainer ist vom Aufstieg überzeugt

Von Wolfgang Stephan

Sotogrande. Entspannt, aufgeräumt, fröhlich und optimistisch wie eh und je: HSV-Trainer Tim Walter zeigte sich am Montagmittag im Trainingslager  im andalusischen Sotogrande so, als ob es nie eine Trainerdebatte in Hamburg gegeben habe. Von der habe er ohnehin nichts mitbekommen, weil er grundsätzlich nichts lese. Begründung: „Weil mich das nicht besser macht.“

Es war der erste mediale Auftritt des HSV-Trainers nach den Debatten um seine Person kurz vor Weihnachten. Die HSV-Verantwortlichen hatten dem 48-Jährigen das Vertrauen ausgesprochen, aber klare Erwartungen formuliert. Insbesondere die Defensive müsse mehr Stabilität bekommen, das Umschaltspiel weniger fehlerbehaftet und die Standards gefährlicher werden. Insgesamt sei das „ein mit verschiedenen Einzelmaßnahmen und konkreten Veränderungen vereinbarter Plan, der ab Trainingsbeginn 2024 in die Tat umgesetzt werden soll“, hatte Vorstand Jonas Boldt formuliert.
Nach drei Trainingstagen unter der andalusischen Sonne zeigte die Mannschaft am Sonntag im Test gegen den niederländischen Spitzenclub PSV Eindhoven eine gute Performance. „Das war fußballerisch brutal, was beide Mannschaften gezeigt haben“, so das als Positivum zu wertende Fazit von Tim Walter. „Die Jungs haben einige Dinge schon sehr gut gemacht.“
Wie das Tor nach einer Ecke, was in der Hinrunde auch nur einmal gelang. Guilherme Ramos hatte den HSV in einem kuriosen Spiel in Führung gebracht, das am Ende überraschend nach 45 Minuten mit 2:2 (Elfmetertor von Robert Glatzel) endete, weil Eindhovens Verteidiger Ramalho nach 31 Minuten vom Platz musste. Um weiter elf gegen elf spielen zu können, wurde einfach ein neues Spiel angesetzt, das nach 45 Minuten 0:0 endete. 

Walter zeigte sich zufrieden mit dem Auftritt nach harten Trainingstagen, in denen er das Training verschärft hat: Vier Trainingseinheiten stehen an allen Tagen noch bis zum Donnerstag auf der Agenda, das Programm beginnt jeweils am Morgen um sieben Uhr. Walter zu den zu vermittelnden Lerninhalten: „Zielstrebigkeit nach vorne und konsequenter in der Box verteidigen.“  Walter sagte aber auch: „Ich werde mich nicht verändern, bloß weil alle sagen, ich müsste mich verändern.“ Er sei zu jedem „offen, höflich, einfach normal, so wie ich es erwarte, wie andere zu mir sind“.
Den Fragen nach den vorweihnachtlichen Debatten um seine Person begegnete Walter beim Journalistengespräch mit freundlichem Lächeln. Ob er um seinen Job gefürchtet hat? „Niemals, wer Angst um etwas hat, der fürchtet sich vor irgendwas und ich fürchte mich nie, weil das Leben immer weitergeht.“ Was andere „hineininterpretieren“, müsse für ihn nicht gelten.
Personell bestimmten zwei Namen die ersten Trainingstage an der sonnigen Costa del Sol: Bakery Jatta und William Mikelbrencis, der am Sonnabend aus Andalusien abreisen musste. Beim ersten Training hatte sich der junge Außerverteidiger am Außenband verletzt, das Trainingslager war damit für ihn vorbei.
Gut gelaunt dagegen zeigte sich Bakery Jatta trotz der Spekulationen um seine Zukunft. Der Vertrag des Außenstürmers läuft im Sommer aus. Publikumsliebling Jatta könnte ablösefrei den HSV verlassen. Der 25-Jährige, der beim HSV zum Stammspieler entwickelt wurde, möchte bleiben, der HSV ihn weiter verpflichten – das ist der gemeinsame Wunsch, dessen Erfüllung aber an den Finanzen scheitern könnte. Inoffiziell wurde bekannt, dass der HSV das Gehalt des mit bisher 300 000 Euro Jahresgehalt an unterer Stelle im HSV-Gehaltsgefüge stehenden Stürmers verdoppeln möchte. Die Jatta-Seite will darüber noch verhandeln, Jonas Boldt deutete bereits seine Gesprächsbereitschaft an. Tim Walter geht davon aus, dass Jatta bleiben werde, von ihm habe er nichts anderes gehört. „Ich glaube, er weiß, was er an uns hat.“ Und Mit Bakery Jatta aufsteigen, davon ist Tim Walter überzeugt. Worauf er seinen Optimismus gründet? „Weil wir viele Dinge richtig gut machen und die Jungs viele Dinge noch besser machen wollen.“


Und dann nicht eine Nachricht, die mich wirklich sehr traurig macht: Franz Beckenbauer ist tot. Der wohl beste deutsche Fußballer aller Zeiten ist am Sonntag im Kreise seiner Familie im Alter von 78 Jahren ruhig eingeschlafen, ließ die Familie des "Kaisers" in einem Statement wissen. Und der Familie wollen wir von MoinVolkspark an dieser Stelle all unser Mitgefühl aussprechen.

Franz Beckenbauer ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren gestorben.

Ich werde hier morgen noch einen Nachruf veröffentlichen, allerdings in einem separaten Blog aber. Wie es sich für eine derart prägende Figur des deutschen Fußballs gehört. Vorab möchte ich aber noch mal loswerden, was ich hier schon mal geschrieben habe: Ich bin mir sicher, dass in keinem anderen Land dieses Planeten eine derart herausragende Persönlichkeit so schnell und so nachhaltig zerrissen worden wäre. Das soll nicht heißen, dass außergewöhnliche Menschen Sonderrechte haben - die hat er nicht. Aber die Art und Weise, wie man Beckenbauer öffentlich erst für das Sommermärchen Statuen bauen wollte, um ihn ein paar Jahre später trotz bis zum Ende hin unbewiesener Vorwürfe als vordersten Mann zu demontieren - das ist die deutsche Art, die ich nicht leiden kann. Für diesen öffentlichen Umgang schäme ich mich Beckenbauer gegenüber. Denn er hatte mehr verdient als das. Viel mehr.

Zu sehen, wie Beckenbauer sich seither zurückzog und schlechte Nachrichten seine Gesundheit betreffend immer häufiger wurden, tat mir in der Seele weh. Ich habe Beckenbauer zuerst als Fußballer gesehen und lieben gelernt. Dann als Funktionär - auf und neben dem Platz. Beckenbauer wusste selbst ernstesten Themen mit seiner lockeren Art und seinem gewinnenden Lächeln den Schrecken zu nehmen. Und er wusste, wie er Menschen für sich gewinnt. Das schaffte er als Spieler, indem er Mannschaften lenkte und sogar Bundestrainer seinen Rat einholten. Das schaffte er als Trainer und als DFB-Botschafter. Vor allem war er ein toller Mensch.

Mich hatte Beckenbauer schon lange gewonnen, bevor ich ihn zum ersten Mal traf. Im Rahmen einer Veranstaltung des FC Bayern München vor einem Champions-League-Spiel gegen Manchester United durfte ich ihm das erste mal die Hand schütteln und ihm einige Fragen stellen. Und so groß der Respekt auch vor ihm war, Beckenbauers Art, dieses Gespräch zu führen, gab mir schnell ein sehr gutes Gefühl. Respektvoll und charmant, vor allem aber einfach nett war diese Lichtgestalt des deutschen Fußballs. Und zwar gefühlt allen gegenüber. Zumindest habe ich nie etwas anderes gehört.

Trikotausstellung im HSV-Museum im Volksparkstadion mit einem Trikot von Franz Bekenbauer

Ich durfte Beckenbauer glücklicherweise mehrmals treffen. Und ich denke an jedes einzelne Treffen mit einem Lächeln zurück. Aber so herzlich ich an den Weltfußballer zurückdenke, so sehr macht es mich traurig, zu ahnen, dass Beckenbauer dieses Lächeln verloren gehabt haben könnte. Der Mann, der mehr als alle anderen für den deutschen Fußball getan hat und dabei einfach er selbst geblieben ist, wurde in seinem Heimatland kaputtgemacht, abgeschrieben. Er wurde im Rahmen der Millionenschachereien um die WM-Vergabe 2006 von so vielen im Stich gelassen, die ihm hätten helfen müssen. Ich bin mir angesichts dessen, was mir Menschen aus seinem nächsten Umfeld über ihn gesagt haben, nahezu sicher, dass man ihn einfach geopfert hat. Und das macht mich traurig.

Franz Beckenbauer hatte mehr verdient. Viel mehr. Beckenbauer bleibt für mich der Mensch mit dem bleibendsten Eindruck aller auf mich.

Ruhen Sie in Frieden, Herr Beckenbauer.

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