Ich nehme gern auch langweiligere HSV-Siege
Tim Walter selbst war mit dem Auftakt gegen Eintracht Braunschweig sichtlich und hörbar zufrieden. Drei Punkte, 4:2 Tore, und ein ordentliches Spektakel vor 56.507 Zuschauern –…

Tim Walter selbst war mit dem Auftakt gegen Eintracht Braunschweig sichtlich und hörbar zufrieden. Drei Punkte, 4:2 Tore, und ein ordentliches Spektakel vor 56.507 Zuschauern – das war alles nach dem Geschmack des HSV-Trainers. Doppeltorschütze Robert Glatzel fand den Auftaktsieg ebenfalls gut, relativierte es aber auch: „Es war ein geiles Spiel für die Fans. Es ist mächtig was los gewesen und es hätten noch mehr Tore sein dürfen. Aber es war nicht alles perfekt“, sagte der 29-Jährige im NDR. „Aber es ist gut, so positiv starten zu können.“
So kann man es sicher zusammenfassen. Und ich will hier nicht noch einmal den Gedanken aufgreifen, den ich schon im Blitzfazit vertreten habe. Aber es ist und bleibt für mich unverständlich, warum es der HSV trotz einer nominell starken Defensive auch gegen offensiv vergleichsweise harmlose Braunschweiger nicht schafft, so ein überlegen geführtes Spiel in aller Souveränität zuendezuspielen. Das Einzige, was wirklich konstant beim HSV ist, ist die Inkonstanz. Dass schon ein dummes Gegentor reicht, obwohl man bis zu eben diesem Sonntagsschuss schon mit zwei oder drei Toren höher hätte führen müssen, macht mich nachdenklich. Es zeigt, dass dieser HSV noch nicht die Ruhe hat, die man braucht, um aufzusteigen.
Die Zweite Liga verzichtet weitgehend auf Neue
Einen Pluspunkt sieht Walter aber schon im Vergleich zum letzten Jahr: Der Kader ist auch dank der Winter-Zugänge besser - auch wenn Walter in der Startformation gegen die Eintracht auf die Verteidiger Javi Montero und Noah Katterbach sowie Sturmtalent Andras Nemeth verzichtete. „Wir sind gut bestückt mittlerweile, können auch von der Bank sehr gut agieren. Das hatten wir im letzten Jahr nicht so. Insofern sind wir froh, dass wir das haben“, sagt Walter, der zusammen mit dem HSV auf einen Last-Minute Deal verzichtet hat und damit dem Trend der Liga folgt.
Denn die Clubs der Zweiten Liga haben sich in der Winterpause erneut auf dem Transfermarkt zurückgehalten - mit einer Ausnahme. Spitzenreiter SV Darmstadt 98 leistete sich in Filip Stojilkovic einen der teuersten Neuzugänge der Clubgeschichte. Erst am letzten Tag der Transferperiode gab Liga-Primus Darmstadt die Einigung mit Stojilkovic bekannt. Für den Angreifer, dessen Vertrag bis 2027 läuft, sollen die Hessen laut Medienberichten rund zwei Millionen Euro an den Schweizer Clubs FC Sion überweisen. Stojilkovic wäre somit nach Roman Bezjak, der 2016 für einen ähnlichen Betrag vom HNK Rijeka gekommen war, der teuerste Einkauf der Clubgeschichte. Das nur mal so nebenbei, um die Relation zum HSV herzustellen.
Noch mehr Neuzugänge präsentierten bisher nur der 1. FC Nürnberg, der Benjamin Goller (Werder Bremen), Jannes Horn (VfL Bochum), Florian Flick (FC Schalke 04), Peter Vindahl Jensen (AZ Alkmaar) sowie Danny Blum verpflichtete. Bis auf Goller und den zuvor vereinslosen Blum werden alle ausgeliehen. Auf der Abgangsseite steht dagegen lediglich Manuel Wintzheimer, der an Eintracht Braunschweig verliehen wird.
Größeren Handlungsbedarf gab es auch beim abstiegsbedrohten SV Sandhausen, der neben dem ehemaligen Stuttgarter Hamadi Al Ghaddioui (FC Pafos/Zypern) noch vier Spieler ausgeliehen und drei Spieler abgegeben hat. Mit insgesamt acht Transfers steht Sandhausen gemeinsam mit Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern (vier Zugänge/vier Abgänge) ganz oben bei der Anzahl der Winter-Transfers.
Beim HSV dreht sich mal wieder alles um Politik
Und beim HSV geht es mal wieder weniger um Sport als um die Vereins- bzw. HSV-AG-Politik. Denn die Neubesetzung des Aufsichtsrates steht bevor. Und eine Personalie sorgt weiter für besonders viel Aufsehen: Detlef Dinsel. Laut Abendblatt vom Mittwoch haben sich intern alle Anteilseigner außer Thomas Wüstefeld sowie die Supporters gegen eine Berufung Dinsels für den Aufsichtsrat ausgesprochen. Und während die Supporters in Person von deren Abteilungsleiter Sven Freese das mir gegenüber dementieren und sagen, dass die beschriebenen Vorgänge nicht der Wahrheit entsprächen, lässt dieses Dementi dennoch vieles offen. Denn Fakt ist, dass sie erstens gefragt wurden und werden zu solchen Themen. Und zweitens platzieren sie sehr wohl (auch ungefragt) ihre Meinung . Zudem gibt es offenbar schriftliche Dokumente, die eben genau den im Abendblatt beschriebenen Vorgang belegen. Vielleicht ist hier die Begrifflichkeit Brief einfach nur falsch gewählt...
Aber zusammengefasst bedeutet das: Die Führung der größten Abteilung des HSV (das sind die Supporters) spricht sich gegen Dinsel aus. Der gewählte Vertreter eben jener Supporters und aller anderen Mitglieder des HSV zusammengefasst (das ist der e.V.-Präsident Marcell Jansen) spricht sich dagegen für Dinsel aus. Oder anders formuliert: Das ist der HSV von heute. Wobei, zum Schutz von Walter und Co. sei betont, dass ich die Mannschaft und den sportlichen Bereich explizit ausklammere, wenn ich beim HSV zum x-ten Mal von einem politisch chaotischen Haufen spreche. Denn das ist dieser Klub. Mal wieder.
Mehr dazu morgen. Vielleicht. Denn eigentlich ist diese jährlich wiederkehrende Scheiße kein einziges Wort mehr wert. Mich nervt es nur noch.
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