Hunt macht sich selbst das schönste Abschiedsgeschenk
Es ist gar nicht so lange her, da schrieb ich an selber Stelle, dass die Einschläge gefühlt immer näher kämen. Damals kam der positive Befund bei Simon Terodde zustande. Zuvor…

Es ist gar nicht so lange her, da schrieb ich an selber Stelle, dass die Einschläge gefühlt immer näher kämen. Damals kam der positive Befund bei Simon Terodde zustande. Zuvor schon hatten Holstein Kiel und Hannover 96 positive Befunde vermelden müssen und sogar ihre Spiele abgesagt bekommen. Jetzt droht selbiges dem HSV. Nicht, weil man weitere positive Befunde zu beklagen hätte. Niedersachsens Regierungssprecherin Anke Pörksen sagte meinen Kollegen von der der MOPO: „In Niedersachsen gehen wir klar davon aus, dass am Osterwochenende kein Profisport stattfinden wird.“ Dies sei allerdings abhängig von der endgültigen Regelung des Bundes. Da bestätigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller heute Gespräche zwischen Politik und Fußball, ob die für Ostern geplanten Spiele trotz der verordneten „Ruhetage“ stattfinden dürfen. „Das muss bundeseinheitlich geklärt werden“, sagte der SPD-Politiker. Logisch wäre eigentlich nur eine Absage – aber was hat Profifußball in den heutigen Tagen mit Logik zu tun?
Eine Frage, die sich auch die Fans stellen. Heute veröffentlichte ein Zusammenschluss unter dem Namen „Unser HSV“ auf der Seite „Nordtribüne-Hamburg.de“ folgendes, spannendes Statement:
Als Antwort auf die aktuellen Entwicklungen und Diskussionen im Profifußball und beim HSV schlossen sich verschiedene HSV-Fans zusammen und gründeten die Initiative UNSER HSV.
Da Einige vom Förderkreis Nordtribüne e.V. auch Teil der Initiative sind, unterstützen wir dieses Anliegen mit der Veröffentlichung des ersten Ankündigungstextes:
ZEIT FÜR VERÄNDERUNGENAuch beim HSV
Der Fußball steht an einem Scheideweg und das nicht nur durch die Auswirkungen der weltweiten Pandemie, welche uns alle seit nun über einem Jahr zu einer gewissen Passivität zwingt. Zudem wurden in den vergangenen Monaten auch die Schwächen des „System Fußball“ deutlich ans Tageslicht getragen und die Rufe nach einer nachhaltigen Veränderung werden klarer, intensiver und lauter.
Nicht nur zuletzt, als die selbsternannten „Super-Bayern“ die Sonderrolle des Profifußballs ad absurdum führten und mit einem Marathon an Negativschlagzeilen für reines Kopfschütteln sorgten, wurde deutlich, wie sehr sich der Fußball mittlerweile von der Basis entfernt hat. Fußballfans in ganz Deutschland mussten in den letzten Jahren bereits viele Negativentwicklungen hinnehmen, die mit den Grundprinzipien des Fußballs und der Fankultur wenig bis gar nicht im Einklang stehen. Doch auch außerhalb Deutschlands ist der Fußball seit Jahren auf bestem Wege, sich von der Gesellschaft zu entfremden. Auf internationaler Ebene ist die WM Vergabe nach Katar ein prädestiniertes Beispiel, dass es im Fußball längst nicht mehr um Fans, sondern um das liebe Geld geht. Dass neben Korruption und Menschenrechtsverletzungen selbst der Verlust tausender Menschenleben kein Umdenken herbeiführt, lässt viele nur noch fassungslos dastehen.
Hierzulande kündigte die DFL vor gut einem Jahr „nachhaltige Veränderungen“ und eine verstärkte „Demut“ an. Doch statt der Vereine und Verbände waren es bezeichnenderweise wieder einmal die Fans, die sich intensiv mit möglichen Veränderungen beschäftigten und im Sommer letzten Jahres ein Bündnis für basisnahen, nachhaltigen sowie zeitgemäßen Fußball gründeten (https://unserfussball.jetzt/) und konkrete Vorschläge erarbeiteten (https://zukunft-profifussball.de/). Im September letzten Jahres kündigte die DFL die Einberufung der „Taskforce Zukunft Profifußball“ an, deren Ergebnisse im Februar 2021 veröffentlicht wurden (https://www.dfl.de/de/aktuelles/ergebnisbericht-taskforce-zukunft-profifussball/). Doch statt konkreten Maßnahmen wurden lediglich 17 Handlungsempfehlungen veröffentlicht, bei denen der Konjunktiv mehr Beachtung fand als messbare Parameter.
Der Fußball braucht Veränderungen. Es muss Schluss sein mit leeren Worten und Luftschlössern. Es braucht mutige Entscheidungen und neue Denkweisen – auch bei unserem HSV. Der Förderkreis Nordtribüne e.V. hat sich bereits im November 2020 mit einer umfangreichen sowie detaillierten Bestandsaufnahme geäußert und eine Reflektion bisheriger Handlungen und Betrachtungsweisen angeregt (http://xn--nordtribne-hamburg-t6b.de/page/2/). Der Rücktritt des e.V.-Präsidiums vor gut einem Monat könnte zum Stein des Anstoßes werden, die Werte von unserfussball.jetzt, die Reformvorschläge der Initiative Zukunft Profifußball sowie die Handlungsempfehlungen der DFL auf den HSV zu projizieren und Möglichkeiten der Neuausrichtung zu erörtern.
Wir möchten mit Euch allen gemeinsam den Schrei nach Veränderung, der unüberhörbar in der Gesellschaft ist, auf eine sachliche Ebene bringen und mit Inhalten füllen. Zusammen gilt es, die vielen verschiedenen Ansätze zu diskutieren und mögliche Lösungsvorschläge zu erarbeiten.
Da die anhaltende Pandemie unsere Präsenz auf der Nordtribüne im Volkspark oder in den Gästekurven der Republik derzeit nicht möglich macht und der Austausch auf Busparkplätzen oder der Klönschnack am Bierstand momentan wegfallen, starten wir mit dem digitalen Dialog. Wir werden dafür den Austausch mit Euch suchen und Möglichkeiten der Partizipation bieten. Wir melden uns an anderer Stelle mit weiteren Informationen.
Auch in schweren Zeiten gilt es: Bringt Euch ein!
Gemeinsam für den HSV. Unseren HSV.
Initiative “UNSER HSV“ im März 2021
Das sind jetzt keine neuen Denkweisen – aber sehr gute Ansätze, die ich jetzt mal kurz auf die aktuelle Bundesligaphase beziehen möchte. Denn dort wundert es mich, dass sich bislang keiner so richtig darüber echauffiert, dass Länderspielpausen sowie die U21-EM ebenso gespielt werden sollen wie der Bundesliga-Spieltag über Ostern, während ansonsten alles dichtgemacht werden soll. Aber okay, das ist ein Thema, das wir vielleicht die Tage noch mal aufgreifen können.
Hunt ist wichtiger denn je auf den letzten Metern
Heute wollte ich mich eigentlich dem Thema Aaron Hunt widmen, der mich gerade sehr positiv überrascht. Wobei: Er überrascht mich nicht wirklich. Es freut mich eher, dass er in der finalen Phase seiner HSV-Zeit noch mal so aufblüht und der Mannschaft so maßgeblich hilft. Denn wenn man sich die letzten Jahre ansieht, war eher nicht damit zu rechnen, dass Hunt ausgerechnet im Endspurt der Saison noch einmal ungeahnte Kräfte freisetzen kann. „Ich will unbedingt aufsteigen“, nennt er dann auch gleich den Grund für seine zuletzt guten Leistungen. Es sei jetzt immerhin schon der dritte Anlauf mit dem Verein, und er hoffe, dass es dieses Jahr klappt, sagte er gegenüber Sky. „Das ist für mich das Wichtigste. Der Rest ist für mich unwichtig.“
Und mit „Rest“ meint Hunt vor allem seine persönliche Zukunft, über die in Hamburg schon länger spekuliert wird. Denn die Frage, ob er über das Vertragsende im Sommer hinaus weiter in Hamburg spielen wird, ist derzeit offen. Laut Sportdirektor Michael Mutzel sind beide Seiten im Gespräch. Immer wieder wurde spekuliert, dass Hunts Zeit in der Hansestadt nach sechs Jahren abläuft. Sollte es tatsächlich so kommen, will er wohl ins Ausland wechseln. Das hatte er zuletzt in Gesprächen immer wieder angedeutet. In Deutschland würde er jedenfalls nur noch für den HSV spielen, hatte er wiederholt erklärt.
Wie wichtig der Routinier noch immer für die Hamburger sein kann, bewies er in den vergangenen Spielen, zuletzt gegen die Heidenheimer: Da chippte er gefühlvoll den Ball zu Tim Leibold, der per Kopf vollendete. Das zweite Tor durch den Kapitän leitete er mit einem Pass auf Manuel Wintzheimer ein. Vor allem aber ist Hunt auch als Führungsfigur auf und neben dem Platz gefragt. Er zeigt wie gegen Heidenheim auch kämpferische Qualitäten, ist sich für nichts (mehr) zu schade. Er hat seine neue Rolle akzeptiert und ist da, wenn er gebraucht wird. Er bereichert aktuell zweifellos das HSV-Spiel. Und trotzdem sage ich: Hunts Zeit beim HSV auf dem Platz sollte im Sommer enden.
Die sportliche Leitung muss längste eine Alternative haben
Zumindest dann, wenn die sportliche Leitung einen guten Job macht – wovon ich ausgehe. Denn die muss schon seit mehr als einer Saison wissen, dass dieser Moment in diesem Sommer kommen wird. Seither muss die Suche nach dem Zehner der Zukunft laufen und die Liste der Kandidaten entsprechend lang und ausgegoren sein. Dass man aktuell ob der Unsicherheit der Ligazugehörigkeit die Kaderplanung noch nicht in allen Bereichen finalisieren kann – logisch. Aber in diesem Fall muss der HSV entweder den einen Wunschkandidaten schon längst im Gespräch haben – oder aber eine Liste mit Alternativen parat haben für den Fall, dass feststeht, in welcher Liga der HSV 2021/22 aufläuft.
Und noch mal, ich bin ein großer Fan von Hunts fußballerischen Fähigkeiten. Aktuell bin ich auch ein großer Fan seiner Leistungen. Aber ich bin vor allem realistisch. Und bei dem 34-Jährigen gab es in den letzten Jahren schon schwierige Jahre, was Gesundheit und Physis betrifft. Hier ist angesichts der 34 Lenze bei Hunt nicht mehr wirklich damit zu rechnen, dass das besser wird. Von daher muss man für die kommende Saison umplanen. Behaupte ich. Ich behaupte sogar, dass selbst Hunt das so sieht und sich und seine Leistungsfähigkeit sehr gut einschätzen kann. Umso bemerkenswerter finde ich, wie er sich jetzt auf den letzten Metern seiner Zeit beim HSV einbringt – auch außerhalb des Platzes. Hunt ist wichtig.
Hunt gestaltet sein eigenes Finale beim HSV
Und der Umgang mit ihm ist richtig. Niemandem wäre geholfen, wenn man heute schon das endgültige Aus von Hunt verkündet. Aber noch weniger wäre allen geholfen, wenn man sich über eine späte, kurze Euphorie dazu verleiten ließe, noch ein Jahr dranzuhängen. Im Gegenteil: Ich glaube, dass auch Hunt weiß, dass sein Ende beim HSV als Spieler unumgänglich ist. Und gerade deshalb blüht er noch mal auf. Eben, weil er ein guter Typ ist, der sich in Hamburg mit einem positiven Abschluss verabschieden will: Mit dem Aufstieg. U nd ich gönne ihm das. Wobei: Ich gönne es uns allen.
In diesem Sinne, bis morgen.
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HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem
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