HSV zwischen Aufstiegstraum und Entscheidungsdruck
Es war zweifellos nicht sein stärkstes Spiel, aber es reichte, um Wirkung zu haben: Jean-Luc Dompé zeigte beim 2:2 auf Schalke erneut seine Klasse – mit seinem fünften Assist…

Es war zweifellos nicht sein stärkstes Spiel, aber es reichte, um Wirkung zu haben: Jean-Luc Dompé zeigte beim 2:2 auf Schalke erneut seine Klasse – mit seinem fünften Assist in sechs Spielen. Der Franzose liefert weiter, obwohl seine Zukunft beim HSV weiterhin ungeklärt ist. Aktuell endet sein Vertrag in zweieinhalb Monaten. Was aber jetzt schon feststeht: Dompé will in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen. Ob er das mit dem HSV machen wird, steht noch nicht fest – doch das Interesse an ihm wächst: Inzwischen liegen dem Offensivmann einige Angebote vor, darunter aus der Ligue 1, wo Dompé bereits spielte, ebenso wie aus der Bundesliga.
Dass in solchen Phasen der Verhandlungen immer einige Angebote kolportiert werden, ist normal. Die Berater und andere Interessenvertreter streuen diese Gerüchte gern, um die Verhandlungspositionen zu verbessern. Aber bei Dompé ist die Wahrscheinlichkeit, dass es gute, externe Angebote gibt, sehr wahrscheinlich. Und die Situation ist weiterhin kompliziert. Sein Berater Zouhair Essikal steht zwar in engem Kontakt mit Sportvorstand Stefan Kuntz, doch dieser hat die Gespräche bewusst zurückgefahren. In der heißen Phase des Aufstiegskampfs sollen Themen wie Gehalt, Vertragslaufzeit oder Ausstiegsklauseln keine Rolle spielen. Die volle Konzentration gilt dem sportlichen Ziel. Hinter den Kulissen laufen die Planungen allerdings weiter – eine Entscheidung in der Causa Dompé wird noch vor Saisonende erwartet. Klar ist: Sollte der HSV den Aufstieg schaffen, stehen die Chancen gut, dass Dompé bleibt. Wird man sich allerdings in den finanziellen Details nicht einig, dürfte er nach drei Jahren im Volkspark Abschied nehmen.
Dompé will bleiben - aber unbedingt Erste Liga spielen
Dompé selbst fühlt sich in Hamburg wohl, will die Fans mit dem Aufstieg belohnen – und schließt lediglich einen Wechsel zum FC St. Pauli kategorisch aus. Auf eine Fanfrage nach einem möglichen Wechsel zu Werder Bremen antwortete er bei Snapchat mit vier Tränen-lachenden Emojis. Auch seinen Verbleib beim HSV ließ er in sozialen Netzwerken zuletzt offen, reagierte auf eine entsprechende Frage mit zwei Schulterzuck-Emojis, wie die Kollegen berichten. Dass der Aufstieg noch nicht in trockenen Tüchern ist, dürfte also ein entscheidender Faktor bei seiner Entscheidung sein.
Ein anderer, dessen Zukunft ebenfalls am Aufstieg hängt, ist Davie Selke. Mit 19 Saisontreffern war er ein absoluter Leistungsträger und kompensierte den langfristigen Ausfall von Robert Glatzel nahezu perfekt. Doch wie geht es mit Selke weiter? Sein Vertrag läuft nach Saisonende aus – es sei denn, zwei Voraussetzungen treten ein: Der HSV steigt auf, und Selke absolviert mindestens 25 Liga-Spiele. Wie die "BILD" berichtet, zählen dabei Einsätze von Beginn an voll, Einwechslungen zur Hälfte. Aktuell hat Selke 19 Startelfeinsätze und acht Einwechslungen auf dem Konto – also 23 gewertete Spiele. Zwei Einsätze fehlen ihm also noch, damit sich sein Vertrag im Aufstiegsfall automatisch verlängert.
Selkes Vertragsklause zieht im Aufstiegsfall
Unabhängig von dieser Klausel laufen seit Januar auch Vertragsverhandlungen über eine mögliche neue Zusammenarbeit. Doch auch hier liegt der Ball derzeit ruhend. Erst wenn der sportliche Ausgang der Saison geklärt ist, soll wieder gesprochen werden. Ein Risiko – aber offenbar eine bewusste Entscheidung beider Seiten.
Und wo wir schon bei den wichtigsten Personalien sind: Auch für Horst Hrubesch dürfte bald eine Entscheidung fallen. Der Vertrag des Nachwuchsbosses läuft am 30. Juni aus. Nach dem Aus von Sportvorstand Jonas Boldt, Hrubeschs wichtigstem Förderer, gibt es im neuen Organigramm offenbar keinen passenden Platz mehr für ihn. MoinVolkspark hatte zuletzt exklusiv berichtet, dass das Verhältnis von Hrubesch zum Boldt-Nachfolger Stefan Kuntz nicht das beste sei und dass es intern zu lautstarkem Streit gekommen war, als es um die Ausrichtung der Nachwuchsarbeit und die seinerzeit gerade getätigten Transfers in der Winterpause ging. Der Verein könnte sich vorstellen, ihn bei den HSV-Frauen einzubinden, doch ein reines Repräsentanten-Amt würde der Klublegende sicher nicht gerecht und würde von ihm abgelehnt.
Und dann ist da noch Mehmet Can Aydin. Der Schalker Außenbahnspieler, der dem HSV am Wochenende noch mächtig zusetzte, steht laut Medienberichten ebenfalls auf der Wunschliste des HSV – ablösefrei. An ihm sollen aber neben dem HSV auch noch andere Klubs Interesse zeigen. Unter anderem Werder Bremen.
Dompé, Selke, Hrubesch, Oliveira - die Stimmung ist angespannt, aber optimistisch
Die Stimmung in Hamburg? Ihr merkt es, sie ist gereizt, sie ist ob der vielen und schnellen Entwicklungen gespannt – aber sie ist trotz aller Baustellen noch voller Hoffnung. Zurecht! Denn der HSV steht vor entscheidenden Wochen. Das Ziel bleibt klar: Aufstieg. Und der HSV hält hier die (zweit-)besten Karten in der eigenen Hand.
Sportlich geht es für den HSV am Sonntag gegen den KSC weiter. Die Vorbereitung läuft. In der Kreativzentrale drückte zuletzt der Schuh: Karabec, Pherai und Richter überzeugten zuletzt allesamt nicht. Gut möglich, dass Polzin im Offensivzentrum umbaut – und dann auch Selke zurück in die Startelf bringt. Ihre Plätze im Zentrum sicher haben dürften Ludovit Reis und Jonas Meffert. Davor ist einiges noch offen und dürfte von der Trainingswoche abhängen. Nicolas Oliveira kehrte überraschend ins Mannschaftstraining zurück – sein Comeback nach Innenbandriss kommt früher als gedacht. „Nico wird auf jeden Fall eine Option für Sonntag sein. Er hat die Reha schneller mit Coach Sebastian Capel durchgezogen als gedacht“, erklärte Trainer Merlin Polzin. Auch Miro Muheim macht Fortschritte, soll kommende Woche teilintegriert wieder einsteigen – mit dem Ziel, gegen Darmstadt (3. Mai) wieder zur Verfügung zu stehen. Kapitän Sebastian Schonlau fehlt derweil mit Rückenproblemen, Fabio Baldé kämpft mit einer Magen-Darm-Grippe. Jatta und Soumahoro trainieren individuell.

HSV muss zurück zum einfachen Spiel finden
Entscheidend für den HSV dürfte sein, und das hatte auch unser Experte Stefan Schnoor so gesagt, dass sich Trainer und Mannschaft wieder darauf besinnen, den Fußball einfach zu halten. Kompliziert macht es die Ausgangslage schon genug – jetzt gilt es, auf dem Platz Fußball zu arbeiten, Zweikämpfe zu gewinnen und hinten endlich mal wieder zu Null zu spielen, nachdem man zuletzt mit sechs Gegentreffern in zwei Spielen außergewöhnlich anfällig für die eigenen Verhältnisse agierte.
Apropos: Ich bekomme immer wieder die Frage gestellt, warum ich mich immer wieder kritisch zu einzelnen Spielern äußere – beispielsweise zuletzt zu Silvan Hefti und William Mikelbrencis. Meine Antwort darauf: Weil sie als Außenverteidiger nicht gut verteidigen! Im Gegenteil: Die Gegner des HSV wissen um diese Schwächen und nutzen sie brutal wie zuletzt ganz besonders auf Schalke deutlich wurde.
Von daher müssen sich Merlin Polzin und seine Cotrainer jetzt etwas einfallen lassen, wie sie defensiv wieder Stabilität reinbekommen. Entweder mit demselben Personal – aber dann eben gut. Oder man stellt um. Eine Dreierkette mit zwei offensiver agierenden Außenverteidigern reicht, wenn man nur eine Spitze beim Gegner rechnet. Zumal dann, wenn man mit Meffert und Reis zwei potenzielle Sechser im Team hat. Und offensiv, das hat auch das Spiel auf Schalke wiederverdeutlicht, ist dieser HSV immer gefährlich genug, um zu treffen. Wobei das auf keinen Fall heißen soll, dass ich Selkes Degradierung zum Reservisten nachvollziehen kann. Im Gegenteil: Ich würde gegen den KSC zwingend wieder mit ihm beginnen. Aber dazu haben Stefan und ich im neuen Video alles gesagt. Schaut gern mal rein!
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Dienstagabend! Und schreibt doch mal in den Kommentaren, wie Ihr das Thema Defensive beim HSV lösen würdet. Wobei: Schreibt gern auch, wie ihr das Offensivthema lösen würdet…
Scholle
P.S.: Bei den HSV-Frauen ist die Nachfolge von Trainer Marwin Bolz geregelt. Ab Sommer übernimmt Liése Brancão das Team. Die Brasilianerin kommt mit sieben Meistertiteln und Champions-League-Erfahrung aus St. Pölten und will das Team in die Bundesliga führen. Ihre Handschrift: klare Spielidee, Entwicklungskompetenz, Bodenhaftung. Ein starkes Zeichen für die Ambitionen im HSV-Frauenfußball.
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