HSV-Zugang Doyle: „Ich bin bereit für was Neues“
Vor einigen Tagen habe ich von einem Leser einen Hinweis bekommen auf einen Artikel in der NewYork Times. In diesem Artikel werden die Geschäftemachereien der ganz großen Klubs…

Vor einigen Tagen habe ich von einem Leser einen Hinweis bekommen auf einen Artikel in der NewYork Times. In diesem Artikel werden die Geschäftemachereien der ganz großen Klubs beleuchtet, die nicht selten Spieler verpflichten und lange an sich binden, um sie dann zu verleihen. Auch – oder besser: insbesondere Manchester City wird in dem Artikel immer wieder genannt. Also der Klub, von dem sich der HSV gerade einen Mittelfeldspieler geliehen hat. Ohne Kaufoption und für ein Jahr. Und heute hat sich dieser uns in einer Runde vorgestellt: Thomas „Tommy“ Doyle. Und das erledigte dieser sehr sympathisch – so viel schon einmal vorweg.
Der 19 Jahre junge Mittelfeldspieler mit dem starken Passspiel und den Freistoßqualitäten ist beim HSV richtig angekommen – sagt er zumindest selbst. Er ist das erste Mal auf der rechten Straßenseite mit seinem neuen Wagen gefahren, und er hat eine neue Wohnung, die er heute noch zusammen mit seiner Freundin bezieht. „Sie passt auf mich auf. Ich ziehe jetzt in eine Wohnung, habe ein Auto und werde langsam anfangen, alles kennenzulernen. Gestern bin ich das erste Mal auf der anderen Straßenseite gefahren. Aber auch daran gewöhne ich mich.“ Weil Doyle offen ist für Neues. „Es ist anders als ich es gewohnt bin. Ich bin jetzt endlich mal raus aus meiner Komfortzone. Die Kultur, das Essen, die Leute – alles ist irgendwie anders. Aber ich genieße es und freue mich darauf. Und natürlich auf die Spiele.“
Doyle forciert neue Erfahrungen und Entwicklung
Dass der HSV ihn erst in allerletzter Sekunde verpflichtet hat, stört ihn nicht. Es führte zwar dazu, dass er auf Länderspielreise davon erfuhr und somit keine Möglichkeit hatte, sich bei seinem Trainer Pep Guardiola zu verabschieden. „Aber Hamburg hatte schon eine Weile Kontakt zu meinem Berater“, so Doyle, „und in Manchester hat man sich für mich gefreut, dass ich hier diese Erfahrungen sammeln kann. Ich vermisse Manchester – aber ich bin auch hier, um Fußball zu spielen. Ich werde eh genug Zeit haben, Manchester in den Spielpausen zu besuchen. Heimweh habe ich nicht. Für mich und meine Entwicklung ist es einfach wichtig, dass ich mal rauskomme. Ich war bei ManCity immerhin schon seit meinem vierten Lebensjahr - und jetzt bin ich 19. Es ist Zeit für den nächsten Schritt. Und mein nächster Schritt sind die Spiele hier, die Entwicklung und die Erfahrungen. Ich fühle mich bereit für was Neues.“
Doyle klingt trotz seiner gerade einmal 19 Jahre gut für seine erste Auslandserfahrung präpariert. Und Doyle forciert seine neue Erfahrung. Kontakt nach England habe er nur partiell zur Familie, nicht zum alten Klub, dessen Auftritte er aber auch von Hamburg aus weiter verfolgen wolle. „Ich habe aktuell keinen Kontakt zu den City-Verantwortlichen, mein Fokus soll hier auf dem HSV liegen. Dort kennen sie mich, als Menschen und als Spieler. Ich will jetzt alles für den HSV geben. Auch wenn ich City natürlich als meinen Klub weiter liebe und die Spiele im Fernsehen mit gedrückten Daumen schauen werden.“
Das hat er auch am Sonnabend gemacht – für seinen neuen Klub. Und er war begeistert vom ersten Auftritt seiner neuen Kollegen. Obgleich diese ihm sein Debüt ob der miesen Chancenverwertung verwehrten, war Doyle vom ersten Spiel im Volksparkstadion begeistert. „Ich habe das erste Spiel live im HSV-Stadion gesehen, und es war richtig laut. Das war schon imposant.“ Zudem habe er jetzt endlich alle seine neuen Teamkameraden auch im Spiel einmal kennenlernen können. Und das Siegtor in der Nachspielzeit habe ihm ein gutes Gefühl gegeben: „Das späte Tor gegen Sandhausen war brillant. Wir haben nie aufgegeben. Es hat gezeigt, dass wir einen guten Teamspirit haben. Wir kämpfen alle füreinander. Das ist ganz wichtig.“
Pep Guardiola als Lehrmeister - Walter vor der Brust
Ebenfalls wichtig ist Doyle, was Welttrainer Pep Guardiola sagt. Er habe von ihm nur die Nachricht erhalten, dass er sich für ihn und seine neue Aufgabe freue, aber vorher schon habe er viel von Guardiola gelernt. „Man lernt so viel bei ihm. Verschiedene Positionen, das Passen – es ist die Detailarbeit, die ihn bei ManCity ausmacht. Pep ist ein großartiger Trainer und genauso begeisternd wie Tim Walter.“ Walter nach seinen Stationen als Jugendtrainer bei Bayern München sowie im Profibereich bei Holstein Kiel und dem VfB Stuttgart jetzt beim HSV schon in einem Atemzug mit dem ehemaligen Barca-, Bayern und Man-City-Trainer, Champions-League-Sieger und zweimaligen Welttrainer zu nennen – es dürfte Walter gefallen! Ebenso wie die Einstellung Doyles zur Trainingsarbeit: „Wie für jedes Team gilt auch für uns, dass es immer Spielraum für Verbesserungen gibt. Das ist das Gute an unserem Team und den Trainern: Jeden Tag lernen wir dazu und arbeiten hart. Das Training ist intensiv – das liebe ich.“
Noch einen Pluspunkt in Richtung Walter wusste Doyle zu sammeln, als er nach dem bevorstehenden Derby bei Werder Bremen gefragt wurde. Denn ebenso wie sein HSV-Trainer versucht auch Doyle, das bevorstehende Derby nicht zu überhöhen. „Derbys hatte ich in England auch. Vielleicht gibt man da aus irgendeinem Grund noch mal 5 % mehr – aber am Ende ist es auch nur ein Spiel und ich will auch sonst immer alles geben.“
Wann darf Doyle das erste Mal ran?
Die Frage ist nur, wann er damit beginnen darf. Gegen Sandhausen bestand der Gedanke, den jungen Engländer einzuwechseln, sofern das Spiel frühzeitig entschieden gewesen wäre. Das hatte Walter nach Schlusspfiff gesagt. Doyle solle sich gewöhnen dürfen – und dabei müssen eben auch Fehler einkalkuliert werden. Jetzt wird er bis zum Spiel im Weserstadion wieder eine Trainingswoche mehr in den Beinen haben. Kennengelernt habe er inzwischen alle seine neuen Mannschaftskameraden, sagt Doyle, der nicht so wirkt, als wäre er sonderlich aufgeregt vor seinem Debüt für den HSV. Im Gegenteil: Er klingt eher so, als würde er es zeitnah erwarten. Oder anders formuliert: Doyle wirkt fokussiert, klar im Kopf – und genauso ehrgeizig wie selbstbewusst. „Spannend“ hatte ich seine Verpflichtung genannt – und seit heute bin ich noch ein Stück weit neugieriger…
Apropos: Für uns stehen wieder ein paar sehr interessante Drehtage für uns vor der Tür. Am Mittwoch drehen wir einen neuen Communitytalk und am Sonnabend steht die nächste Auswärtscouch mit dem Nordderby an. Und ich freue mich jetzt schon auf meine Gäste. Denn der ehemalige Teammanager und Ex-HSV-Profi Marinus Bester wird da sein. Mit ihm werde ich dabei über seine dunkelsten Karrieremomente ebenso sprechen, wie über die letzte Präsidentschaftswahl, für die er und seine Mitstreiter nicht zugelassen worden waren. Und wir werden uns natürlich das Nordderby zusammen angucken. Vielleicht ja schon mit Doyle auf dem Platz...
In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit dem MorningCall um 7.30 Uhr. Bis dahin wünsche ich Euch und uns allen einen spannenden Champions-League-Abend!
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