Meinung

HSV wird immer schwächer - schafft Baumgart die Wende noch?

Sie ist wieder da: Die Trainerdiskussion. Ein Zustand, der immer auch verdeutlicht, dass es beim HSV mal wieder nicht wie erhofft läuft. In diesem Fall ja nicht einmal…

HSV wird immer schwächer - schafft Baumgart die Wende noch?

Sie ist wieder da: Die Trainerdiskussion. Ein Zustand, der immer auch verdeutlicht, dass es beim HSV mal wieder nicht wie erhofft läuft. In diesem Fall ja nicht einmal ansatzweise. Denn aktuell steht die Mannschaft, die seit Ende der abgelaufenen Saison von Steffen Baumgart trainiert wird, so schlecht wie noch nie in seiner viel zu langen Zweitligahistorie da. Wobei, nein! Hier muss ich auch meine Formulierung abändern: Der HSV entwickelt sich weiter zurück. Von Woche zu Woche. Den Anspruch, aufzusteigen, formuliert man nur verbal. Sportlich untermauert hat man das in dieser Saison vielleicht in Ansätzen beim Heimsieg gegen Magdeburg. Ansonsten ist dieser HSV Zweitligamittelmaß geworden. Und dafür muss zumeist der Trainer als erster seinen Kopf hinhalten.  Auch diesmal.

19 von möglichen 36 Punkten ist schlecht für den HSV. Das muss man so klar formulieren. Das Kuriose daran: Gegen die Guten hat man gewonnen. Köln, Düsseldorf, Magdeburg wurden geschlagen. Gegen Hertha und Nürnberg gabs Remis. Nur Hannover ging mit 0:1 an die Niedersachsen. Aber gegen die Mannschaften aus dem unteren Tabellenregion verkackt der HSV in aller Regelmäßigkeit. Und das auch noch so kläglich, wie zuletzt in Elversberg oder auch gestern in Braunschweig – womit ich zum Thema komme. Denn dieses Auswärtsspiel bei der Eintracht, der ich hiermit noch einmal ganz herzlich zu einem verdienten Sieg gratuliere!, ist alarmierend, weil es nach einer Woche voller verbaler Mahnungen, Ankündigungen und Versprechen nichts von dem halten konnte, was Baumgart und Co. angekündigt hatten. Im Gegenteil:

Es wird noch schlimmer als zuvor

Denn diesmal hatte man zwar sehr früh wieder eine Hundertprozentige (Königsdörffer lief allein auf den beim HSV weggejagten Johansson zu und scheiterte, 3.), aber ansonsten war der HSV diesmal über 80 Minuten nicht existent. Offensiv passierte wenig bis nichts, und defensiv brachte man sich selbst in Schwierigkeiten. Denn bei allem Respekt vor der Eintracht: Dieses Spiel hat der HSV mehr verloren, als es die Eintracht aktiv gewonnen hat. Denn obwohl der Tabellenvorletzte ein aus seiner Sicht sehr gutes Spiel machte, hätte der HSV nicht in Gefahr geraten müssen, wenn er die Gegentore nicht selbst aufgelegt hätte. Und ich bleibe dabei: Diese HSV-Abwehr – ob mit oder ohne Schonlau – ist vom tempo her den Ansprüchen, aufzusteigen nicht gewachsen.

Stichwort: Tempo. Das ist etwas, was man offensiv mal aufs Parkett bringen konnte (aktuell auch nicht mehr), und was man defensiv nie hatte. Jonas Meffert und Sebastian Schonlau gelten als die Kettenspieler im Zentrum, die organisieren und vor allem stabilisieren sollen. Gestern machten sie das Gegenteil und waren maßgeblich an den Gegentoren maßgeblich beteiligt. Durch altbekannte Stockfehler (diesmal ohne Platzverweis) und offensichtlich fehlendes Sprinttempo. Wie Philippe zuerst Schonlau und dann Meffert im Sprint die Grenzen aufzeigt, war deklassierend. Apropos Philippe: Ein Stürmer, der technisch stark ist, schnell, taktisch clever – warum hat sich der HSV nicht um ihn bemüht? Wieso holt man einen alternden Selke aus Köln, anstatt einen aufstrebenden Philippe (er schoss 7 der bisher 14 Treffer der Niedersachsen!) als Investition in die Zukunft von einem Abstiegskandidaten loszueisen??? Dass er richtig gut ist, wussten alle. Selbst ich habe das im Verlauf der letzten Saison hier im Blog schon mehrfach geschrieben. Und diese Beobachtungen beruhten auf keinem Geheimtipp, sondern allein auf dem, was Philippe in der zweiten Liga für jedermann offensichtlichst zeigte…

Aber gut, der HSV hat im Sommer eine Transferphase hingelegt, nach der alle überzeugt waren, den in der Breite besten Kader der Zweitligazugehörigkeit zu besitzen. Und dem möchte ich noch nicht einmal gänzlich widersprechen. Auch ein Selke hat allemal die Qualität, in der Zweiten Liga zu den Topstürmern. Aber was nützt mir dieses so genannte „Potenzial“, wenn dieses nur partiell zum Vorschein kommt? Was nützt mir ein solcher Kader, wenn die Mannschaft auf dem Platz keine Struktur hat? Was nützt mir ein solcher Kader, wenn der Trainer keine Idee hat, wie er defensive Stabilität UND offensive Kreativität zeitgleich auf den Platz bekommt? Achtung, Spoiler: GAR NICHTS!

Trainer Steffen Baumgart wirkt überfordert

Und ich möchte hier gleich mal beim Trainer bleibe: Steffen Baumgart gilt als Motivator, der sein Herz auf der Zunge trägt. Aber zu bemerken ist das aktuell mehr in Form von verbalen Attacken gegen die deutsche Schiedsrichterei, als sportlich von seiner Mannschaft auf dem Platz. Gestern bei der Niederlage in Braunschweig wurde es sogar noch einmal sehr wild seinerseits, als er Youngster Fabio Baldé erst in der 58. Minute ein- und in der 79. Minute wieder auswechselte. Ein junges Talent so zu düpieren kann einen Kollateralschaden nach sich ziehen, den die HSV-Verantwortlichen nicht zulassen dürfen. Ein junges Talent derart zu verheizen, ist fahrlässig. Die dürftige Erklärung Baumgarts, er habe Balde nach dessen Gelber Karte vor der zweiten Gelben schützen wollen und sich auch bei ihm selbst schon entschuldigt, macht es nicht besser. Diese Erklärung ist für mich nicht ausreichend. Im Gegenteil: Sie verfestigt meinen Eindruck, dass Baumgart momentan komplett überfordert ist.

„Das ist mein Verantwortungsbereich“, sagte Baumgart gestern auf der Pressekonferenz und stellt sich damit der Kritik, die aufgekommen war und die jetzt in der Länderspielpause aufkommen wird. Auch von dieser Seite mit Sicherheit. Denn ich sehe beim HSV eine Abwärtsspirale nach dem kleinen Höhepunkt beim Heimspiel gegen Magdeburg. Dass der Trainer seine Mannschaft nicht auf diese in dem Spiel bewiesenen Tugenden eingestimmt bekommt, macht mich skeptisch. In dem Spiel war nahezu alles, was man braucht, um aufzusteigen, während in der Partie danach in Elversberg wiederum alles dabei war, was man eben NICHT machen darf. Zieht man diese beiden Spiele zusammen und entwickelt daraus seine interne Marschroute, wäre man m.M.n. sehr gut präpariert für den Aufstieg. Zumal man ja nach eigener Aussage den besten Kader seiner Zweitligahistorie hat.

Ich weiß, dass einige Steffen Baumgart mögen. Weil er so ein gerader Typ ist, der sagt, was er denkt. Und das kann ich auch akzeptieren! Aber es ist ebenso wie bei Tim Walter absolut nicht das entscheidende Kriterium, ob der Trainer als Typ sympathisch ist oder nicht. Es geht um Punkte. Und die haben sowohl Walter als auch Baumgart nicht ausreichend geholt. Und nach 12 Spieltage in der Zweiten Liga ist der Trend des HSV sogar noch schlechter als in den letzten Jahren. Darüber muss gesprochen werden. Darüber wird definitiv gesprochen! Intern beim HSV hoffentlich – hier ganz sicher. Deshalb habe ich mich für Dienstag wieder mit unserem Profi-Analysten Max Beckmann von Createfootball.com verabredet. Mit ihm werde ich mit validen Daten die aktuelle Entwicklung des HSV, des Trainers und der einzelnen Spieler faktisch analysieren. Und ich bin bei aller Vorahnung extrem gespannt, was dabei alles rauskommt…

In diesem Sinne, Euch allen noch ein schönes Wochenende!

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