HSV wird für Umgang mit Vuskovic kritisiert - zurecht?
Der HSV bereitet sich in Sotogrande auf den nächsten Test vor. Am Freitag geht es dabei gegen den Erstligisten SC Freiburg. Das Spiel, das von 15.30 Uhr auf 12.30 Uhr…

Der HSV bereitet sich in Sotogrande auf den nächsten Test vor. Am Freitag geht es dabei gegen den Erstligisten SC Freiburg. Das Spiel, das von 15.30 Uhr auf 12.30 Uhr vorgezogen worden ist, wird vom HSV auf dem hauseigenen youtube-Kanal sowie auf Magenta TV live übertragen und bringt einen ehemaligen HSVer mit, der gerade in der Blüte seiner Karriere zu stehen scheint: Michael Gregoritsch. Und der Österreicher glaubt fest an den HSV, wie er gerade verriet: „Ich war immer einer, der gesagt hat, dieses Jahr schaffen sie es. Natürlich gehört der Verein einfach nach oben und man sieht, was man entfachen kann. Sie spielen richtig guten Fußball und gehören einfach nach oben“, so Gregoritsch. „Um ehrlich zu sein, auch in den Jahren davor, außer im letzten Jahr, da haben sie es ja dann nach hinten raus richtig gut gemacht. Aber in diesem Jahr führt kein Weg dran vorbei.“
Allerdings muss der HSV bis dahin noch einige Probleme beheben, vor allem personeller Natur. Nach der Sperre für Mario Vuskovic und dem Abgang von Linksverteidiger Tim Leibold hat sich jetzt auch Vuskovic-Ersatz Jonas David einen Muskelfaserriss zugezogen und fällt wochenlang aus. Und obwohl der Innenverteidiger bis zum Rückrundenstart in 17 Tagen wieder fit werden könnte, muss der HSV Sofortverstärkungen für die eigene Defensive finden. Einen Innenverteidiger mindestens, eher sogar einen Innenverteidiger und einen Außenverteidiger.
Apropos Vuskovic: Der Umgang des HSV mit dem Fall Mario Vukovic‘s hat in der Sportszene für Verwunderung gesorgt. Radsport-Manager Ralph Denk hat das Verhalten des HSV nach der positiven Dopingprobe von Abwehrspieler Mario Vuskovic kritisiert. „Es geht hier ja nicht um einen möglicherweise verunreinigten Energieriegel. Epo ist hartes Doping“, sagte der Chef des Bora-hansgrohe-Radrennstalls den Kollegen der Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ in deren Donnerstag-Ausgaben. Zur Erinnerung: Bei einer im September 2022 vorgenommenen Dopingkontrolle war bei Vuskovic das körperfremde Erythropoetin (EPO) nachgewiesen worden. Im schlimmsten Fall droht dem Kroaten sogar eine Vierjahressperre.
Und so hart das für einige hier klingen mag: Denk hat grundsätzlich Recht. Vuskovic ist mit den positiven A- und B-Proben de facto des Dopings überführt. Dass der junge Innenverteidiger hier alle Register zieht, um seine Unschuld zu beweisen, ist wiederum sein gutes Recht. Und es ist auch nicht zu 100 Prozent auszuschließen, dass dies so ist. Dennoch kritisiert Denk den HSV. Seiner Meinung nach gebe es für einen Verein mit einem Spieler, „der des Dopings überführt wurde, keine Diskussionsgrundlage mehr“. Denk weiter: „Ich würde mich freuen, wenn sich alle olympischen Sportarten denselben Dopingregeln unterwerfen würden. Es scheint so, als würde der HSV das Regelwerk nicht so respektieren, wie es notwendig ist.“
Wobei damit vor allem HSV-Sportvorstand Jonas Boldt gemeint sein dürfte. Der hatte sich unter anderem kritisch zum Vorgehen der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) geäußert. Die Nada wiederum wies die Vorwürfe hinsichtlich des Verfahrens zurück. „Die Nada ist keine Verfahrenspartei, sondern begleitet dieses Verfahren nur. Daher werden Anträge im Verfahren an den DFB gerichtet und von ihm entschieden, nicht von der Nada“, teilte die Agentur mit. Im Fall Vuskovic, dem das Doping im Labor nachgewiesen wurde, wäre der HSV aus meiner Sicht gut beraten, unabhängige Stellen wie die Nada zu respektieren und sie zu unterstützen, anstelle sie infrage zu stellen. Und das sage ich, obwohl ich die Intention Boldts als absolut korrekt und sogar ehrenwert erachte.
Zumindest ist der Versuch, seine Spieler und damit seine Angestellten zu schützen, absolut verständlich. Und gerade in dieser Hinsicht gab es hier in Hamburg schon ganz andere Zeiten, in denen abwanderungswilligen oder gar abwandernden Spielern Schmutz hinterhergeschmissen wurde. Boldt selbst scheint hier nach der Causa Jatta (dem im Gegensatz zu Vuskovic der Vorwurf nie nachgewiesen werden konnte) erneut demonstrieren zu wollen, dass man unbedingt hinter seinen Leuten stehen werde. Aber das darf nicht dazu führen, derart wichtige und unabhängige Institutionen wie die Nada infrage zu stellen. Übrigens: Auch hier im Forum sollten wir bei aller Liebe zum HSV und seinen Spielern darauf achten, nicht alles und jeden zu verteufeln, der den HSV kritisiert oder (wie in diesem Fall die Nada) einzelnen Personen Rechtsbrüche nachweist.
Der HSV demonstriert in Person seiner Führungskräfte einen Zusammenhalt, den ich grundsätzlich gut finde. Walter und Boldt hatten sogar ihre vertraglichen Schicksale miteinander verknüpft. Etwas, was mich in meiner Entscheidungsfindung anstelle des Aufsichtsrates nicht davon abbringen würde, beide Personalien einzeln zu bewerten und zu entscheiden. Aber auch ich hätte mit beiden verlängert. Auch, weil sie das gegenseitige Vertrauen intern nicht nur fordern, sondern vorleben. Denn das kann ein ganz wesentlicher Faktor werden, wenn es auf die Saisonzielgerade geht…
Aber noch mal zurück zum Test gegen Freiburg, der in viermal 35 Minuten aufgeteilt wurde, um möglichst allen Spielern Spielpraxis geben zu können. Über dieses Spiel werde ich Euch morgen an dieser Stelle via Blogfreund Wolfgang Stephan berichten, der in Sotogrande vor Ort ist. Dann ja vielleicht auch schon mit weiteren News zum Thema Neuzugänge.
Bis dahin!
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