HSV will mit Mut und Leidenschaft gegen den BVB zurück in die Spur
Nach drei Niederlagen in Serie steht der HSV wieder unter Druck. Der zwischenzeitlich sehr schön anzusehene Fußball ist erst einmal nachrangig – plötzlich richtet sich der…

Nach drei Niederlagen in Serie steht der HSV wieder unter Druck. Der zwischenzeitlich sehr schön anzusehene Fußball ist erst einmal nachrangig – plötzlich richtet sich der Blick nach unten. Nur drei Punkte trennen den Traditionsclub noch vom Tabellenletzten. Und ausgerechnet jetzt kommt mit Borussia Dortmund eines der Schwergewichte der Liga in den Volkspark. Doch Trainer Merlin Polzin und seine Mannschaft wissen: Wenn der HSV den Anschluss an das Tabellenmittelfeld halten will, muss jetzt eine Reaktion her – endlich sollen gute Spiele wieder mit Punkten belohnt werden.
„Wir wissen, dass wir als Außenseiter ins Spiel gehen“, sagt Polzin. „Aber wir haben auch gezeigt, dass wir mit jedem Gegner mithalten können, wenn wir mutig und konsequent auftreten.“ Mutig – das dürfte das Stichwort sein. Denn gegen den BVB braucht der HSV mehr als nur Leidenschaft. Es braucht Zielstrebigkeit, Überzeugung und den Glauben daran, dass dieser Verein auch gegen die Großen bestehen kann.
Dortmund will es sich nach 1:4 selbst beweisen
Dabei trifft der HSV auf einen Gegner, der selbst auf Wiedergutmachung aus ist. Dortmund kam unter der Woche beim 1:4 in der Champions League gegen Manchester City böse unter die Räder, will nun aber wieder in die Spur finden. BVB-Coach Niko Kovač, der zwischen 1999 und 2001 selbst das HSV-Trikot trug, kehrt also nicht nur an seine alte Wirkungsstätte zurück, sondern trifft auf eine Mannschaft, die ihn und seine Spieler emotional empfangen wird. „Das wird ein Volksfest, eine richtig heiße Stimmung“, sagt Kovač – und er weiß, wovon er spricht.
Personell gehen beide Teams angeschlagen ins Spiel. Beim HSV fehlt der gesperrte Spielmacher Fabio Vieira – eine herbe Schwächung, nachdem der Portugiese in den vergangenen Wochen einer der Taktgeber im Offensivspiel war. Dafür könnte im Angriff eine Überraschung anstehen: Merlin Polzin ließ offen, ob erneut Ransford-Yeboah Königsdörffer beginnt oder ob Yussuf Poulsen oder Robert Glatzel eine Chance erhalten. „Ich bin glücklich, aus verschiedenen Typen wählen zu können“, so Polzin. „Es geht nicht um Hierarchien, sondern darum, wer am besten ins Spiel passt.“
Einer, der definitiv gesetzt ist, ist Luka Vuskovic. Der 18-jährige Innenverteidiger ist längst mehr als nur ein Talent – er ist der Fels in der Brandung. Mit 72 gewonnenen Duellen führt er die Statistik der besten Zweikämpfer beim HSV an, in der Luft ist er mit knapp 85 Prozent gewonnener Kopfballduelle sogar ligaweit Spitze. Und nicht nur das: Vuskovic bleibt oft noch nach dem Training auf dem Platz, um an seinen Freistößen zu feilen – sehr zum Leidwesen der Keeper Daniel Heuer Fernandes und Daniel Peretz, die regelmäßig Opfer seiner präzisen Schüsse werden.
BVB will Lukas Vuskovic? Das ist wirklich dran am Gerücht:
Kein Wunder, dass seine Entwicklung auch international Aufsehen erregt hat. Zuletzt machten Gerüchte die Runde, Borussia Dortmund interessiere sich für den jungen Kroaten. Doch nach Abendblatt-Informationen ist an einem Wechsel nichts dran – zumindest vorerst. Kovač schwärmt dennoch von seinem Landsmann: „Er ist ein Riesentalent, das war er schon bei Hajduk Split. Trotz seines jungen Alters kann er jede Mannschaft besser machen.“
Für den HSV ist Vuskovic mehr als nur ein Hoffnungsträger. Er ist das Sinnbild für das, was Polzin sich von seinem Team wünscht: Demut, harte Arbeit und der unbedingte Wille, sich weiterzuentwickeln. „Luka ist unglaublich fokussiert und bodenständig. Er weiß genau, dass er noch nicht am Ziel ist“, sagt Polzin. „Das gilt aber auch für uns als Mannschaft. Wir dürfen uns mit dem Ist-Zustand nicht zufriedengeben.“
Beim BVB gibt es ebenfalls personelle Fragezeichen: Ramy Bensebaini plagt sich mit Rückenproblemen, und Kapitän Julian Brandt ist fraglich. Dafür steht Emre Can nach langer Pause wieder vor seinem Liga-Comeback – ausgerechnet in Hamburg.
Und so ist alles angerichtet für ein Spiel, das mehr ist als nur ein Duell zwischen Aufsteiger und Spitzenteam. Es ist die Chance für den HSV, ein Signal zu setzen – an die Liga, an die Fans, und an sich selbst. Ein Sieg gegen Dortmund wären letztlich auch "nur" drei Punkte. Aber es wäre auch ein Zeichen, dass der HSV wieder aufsteht, wenn es darauf ankommt. Und genau das muss jetzt passieren.
Und dann habe ich noch ein ganz persönliches Anliegen:
HSV-Fans rücken für eine Herzenssache zusammen
Ich hoffe von Herzen, dass morgen alle Zuschauerinnen und Zuschauer - ob im Stadion oder vor dem Fernseher - gemeinsam ein starkes Zeichen setzen für das, was wirklich zählt: den Kampf gegen den Krebs. Das Motto des Spiels ist nicht nur eine symbolische Geste, sondern eine Herzensangelegenheit. Denn wenn diese Krankheit ein Kind trifft, dann wird das Leid unermesslich.
Ich sage das nicht aus der Distanz eines Fans, sondern als jemand, der Dennis Diekmeier persönlich kennt und schätzt. Er war einer von uns – ein Publikumsliebling, ein Kämpfer, ein Mensch mit Herz. Und seine Frau Dana, die Hamburg mit ihrer offenen, warmen Art verzauberte, ist bis heute ein Teil dieser Stadt. Die Familie Diekmeier hat Hamburg geprägt, und Hamburg hat die Diekmeiers geliebt. Dass sie nun wegen ihrer Tochter Delani, die mit gerade einmal 14 Jahren einen verzweifelten Kampf gegen den Krebs führt, wieder in den Volkspark zurückkehren, berührt mich zutiefst. Wenn Kinder ins Spiel kommen, ist alles andere unwichtig.
Am Sonnabend, wenn Dennis und Dana im Stadion Seite an Seite mit dem HSV für die Krebs-Selbsthilfeorganisation „yeswecan!cer“ und die Botschaft „Vorsorge kann Leben retten“ werben, wird das ein Moment voller Emotionen. Ich hoffe, dass alle Fans, die dort sind, diesen Augenblick mit Respekt, Mitgefühl und Anteilnahme begleiten - und dass es keine einzige Stimme gibt, die pfeift. Denn wer morgen pfeift, hat nicht verstanden, worum es im Leben wirklich geht.
Gesundheit, Familie, Zusammenhalt - das ist es, was zählt. Nicht, wer wann welchen Verein verlassen hat. Dennis und Dana haben bei mir um die Ecke in Hamburg-Niendorf viele glückliche Jahre verbracht, ihre Kinder hier großgezogen, unzählige Momente mit dem HSV erlebt. Ich habe sie miterleben dürfen und kann als glücklich verheirateter Vater von drei Kindern der Familie Diekmeier eines ganz sicher bescheinigen: Mehr Nähe, Liebe und Zussamnehalt als in der Familie Diekmeier habe ich selten miterleben dürfen. Bewundernswert!
2015 wurde Dennis zum Helden, als er mit seinem Einsatz den Abstieg verhinderte - und jetzt kämpft er wieder. Diesmal nicht auf dem Platz, sondern an der Seite seiner Tochter. Delani kann morgen leider nicht im Stadion sein. Ihr Körper ist zu geschwächt, das Risiko zu groß. Aber ich weiß, dass sie in Gedanken dabei sein wird – und dass sie spüren wird, wie eine ganze Stadt hinter ihr steht. Ihre Stärke, ihre Tapferkeit sind unbeschreiblich. Sie ist ein echtes Kämpferherz, so wie ihr Vater es war, als er das Trikot des HSV trug. Und so, wie es Dana, Dennis und alle anderen in der Familie heute sind.
Wenn der HSV morgen gegen Dortmund aufläuft, dann geht es um mehr als Fußball. Es geht um Mitgefühl, um Menschlichkeit, um Hoffnung. Ich selbst hatte mit Dennis seit seinem Weggang immer wieder Kontakt. Auch jetzt, als die Krankheit seiner Tochter diagnostiziert wurde. Morgen werde ich zudem im Stadion sein – und ich werde zeigen, dass ich Dennis, Dana und Delani mit ganzem Herzen unterstütze. Ich hoffe, dass alle im Stadion mitziehen. Dass wir gemeinsam zeigen:
Der HSV steht zusammen. Hamburg steht zusammen. Und wir alle stehen hinter Familie Diekmeier. Denn in den schwersten Momenten zeigt sich, was eine Gemeinschaft wirklich ausmacht. Und morgen – davon bin ich überzeugt – wird der Volkspark genau das beweisen!
In diesem Sinne, bleibt alle gesund! Wir sehen und hören uns morgen!
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