Analyse

HSV will Heimstärke beweisen – der KSC den „HSV-Fluch“ besiegen

Trainer Tim Walter kommt sich im Training sicher vor wie beim Gebärdenkurs. Mit Armen und Beinen rudert er, wenn er dem Neuen im Team des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV die…

HSV will Heimstärke beweisen – der KSC den „HSV-Fluch“ besiegen

Trainer Tim Walter kommt sich im Training sicher vor wie beim Gebärdenkurs. Mit Armen und Beinen rudert er, wenn er dem Neuen im Team des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV die Spielidee seiner Mannschaft nahebringen will. William Mikelbrencis hat drei Tage mit seiner neuen Mannschaft trainiert. Noch aber ist für den 18 Jahre alten Rechtsverteidiger vom französischen Zweitligisten FC Metz alles neu und ungewohnt. „Das erste Mal, dass er aus Frankreich draußen ist“, sagt Walter und ist stolz, dass es auch mit der Sprache einigermaßen funktioniert. „Ich bin ja gerade dabei, mein Französisch aufzubessern, was mir auch gelingt mit Hilfe von Jean-Luc.“ Gemeint ist der andere Neuzugang, Dompé, der auch erst seit kurzem beim HSV spielt.

Gegen den Karlsruher SC am morgigen Sonnabend (20.30 Uhr/Volksparkstadion) wird Heyer wieder in der Startelf stehen. „Ich finde, dass Moritz es am Wochenende gut gemacht hat“, betont Walter mit Blick auf das 2:0 beim 1. FC Nürnberg am vergangenen Samstag. Mikelbrencis hat noch Schonfrist. „Er soll sich erst mal einfinden“, hatte Walter gesagt. Er hat die Ruhe, weil er von seiner Defensive überzeugt ist: „Wir haben die beste Abwehr der Liga.“

Und die Zahlen geben ihm recht: Lediglich drei Gegentore kann kein aktuell anderes Team aufweisen. Die Zahlen besagen aber auch, dass es eine Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen gibt. Zuhause gab es bislang erst einen Sieg und zwei Niederlagen (Heimtabelle Rang 13) – auswärts gab es bislang nur Siege. Nämlich drei Stück. Kein Team hat mehr zu bieten. Und Walter will zeugen, dass das Gefälle zwischen Auswärts- und Heimbilanz nur eine Momentaufnahme ist. „Wir gewinnen auch zu Hause gern“, versichert der 46-Jährige, der weiß, dass das gegen den zuletzt formstarken KSC kein Selbstgänger wird.

Auch, weil beim KSC inzwischen auf Leihbasis ein HSVer agiert: Stephan Ambrosius. Und dieser Abwehrspieler, der elf Jahre in verschiedenen Altersklassen die Raute auf der Brust trug, wünscht sich alles andere als einen HSV-Sieg. „Im Endeffekt sollte man nicht übertreiben. Es ist ein ganz normales Ligaspiel“, behauptet Ambrosius, der sich bei seinem neuen Klub sehr schnelle eingefunden hat. Zusammen mit einem weiteren Zugang des KSC, Marcel Franke, bildet Ambrosius das Innenverteidiger-Duo.  „Die beiden haben das Zentrum geschlossen bekommen“, sagte der KSC-Coach, dessen Spieler ob des letzten Auswärtssieges beim HSV 1992 von einem "Fluch" sprechen, den sie besiegen wollen.

Zuletzt gewann der KSC in der Liga gegen den SV Sandhausen, Jahn Regensburg und den FC Hansa Rostock. Das Selbstvertrauen vor dem Auswärtsspiel beim HSV könnte demnach kaum größer sein. „Der HSV ist der erste Gegner von den zu erwartenden Top fünf, auf den wir in einer stabilen Phase treffen“, sagte Eichner, der sich in den letzten Partien gegen den HSV gern ein paar hitzige Wortgefechte mit HSV-Trainer Walter lieferte. Diesmal erachtet Eichner die Partie beim HSV als eine Art eine erste Bestandsaufnahme. 

Dass der HSV die Konkurrenz verstärkt hat, stört Walter nicht. Er betonte, dass er sich für Ambrosius freue, weil dieser in Karlsruhe viel Spielzeit bekommen würde. Und: „Wenn er mit Wut im Bauch zu uns kommt, darf er das gerne machen. Letztendlich bleiben die Punkte bei uns“, so der HSV-Coach, der morgen auf nahezu den kompletten Kader zurückgreifen kann. Nahezu auch, weil heute eine ganz bittere Nachricht reinkam: Bei HSV-Talent Omar Megeed ergab eine MRT-Untersuchung am Donnerstag einen Anbruch des fünften Mittelfußknochens im linken Fuß. Damit wird der 17-Jährige sicher vier bis sechs Wochen fehlen. Ansonsten hat Trainer Tim Walter wieder etliche Optionen. Zwar fehlt Königsdörffer noch ein Spiel rotgesperrt, aber ansonsten sind alle wieder dabei. 

Und vor allem auf der linken Seite wird es spannend werden. Zuletzt durfte Tim Leibold dort sein Comeback geben in Nürnberg. Der Linksverteidiger spielte passabel, oder wie Walter sagte: „Er hat das richtig gut gemacht“. Dennoch wurde er gegen seinen Konkurrenten ausgewechselt. Und der freut sich nach eigenen Angaben über die neue Konkurrenz: „Die Konkurrenz tut mir gut. Man kann sich gegenseitig pushen. Ich muss alles im Training geben, damit ich am Wochenende auf dem Platz stehen darf. Das kann für mich und die Mannschaft nur gut sein“, sagte der 24-jährige Bild. Natürlich spüre er den Druck, den Leibold im Training ausübe: „Tim gibt im Training alles, wie auch ich. Es ist ein gesunder Konkurrenzkampf. Ich darf keinen Augenblick vom Gaspedal runtergehen. Das pusht mich und auch Tim. Und das ist gut so.“ Und genau so sieht es auch der Trainer.

Bleibt zu hoffen, dass die neue Konkurrenz auf fast allen Positionen – ein Glatzel-Backup wurde nicht gefunden – dem Team endlich auch zuhause zu souveräneren Leistungen verhilft. Gegen einen Gegner, der sich wahrscheinlich ähnlich defensiv verhalten wird, wie es zuletzt Darmstadt 98 machte. Denn insbesondere gegen diese Spielweise muss Walter beweisen, dass er und sein Team eine Entwicklung nehmen, die mir zuletzt noch fehlte.

Wir melden uns auf jeden Fall morgen nach der Partie wieder bei Euch mit der Einzelkritik und dem Blitzfazit. Bis dahin!

Scholle

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen