HSV: Walter sucht den neuen Leibold - und zittert um Heuer Fernandes
HSV-Trainer Tim Walter muss die Mannschaft für das Heimspiel am Sonnabend gegen den Nordrivalen Holstein Kiel umbauen. Angesichts der Verletzungen ist das unumgänglich.…

HSV-Trainer Tim Walter muss die Mannschaft für das Heimspiel am Sonnabend gegen den Nordrivalen Holstein Kiel umbauen. Angesichts der Verletzungen ist das unumgänglich. Linksverteidiger Tim Leibold fällt nach seinem Kreuzbandriss beim Pokalsieg in FC Nürnberg monatelang aus, der Einsatz von Torhüter Daniel Heuer Fernandes ist wegen einer im Elfmeterschießen (4:2) erlittenen Kapselverletzung im Knie weiterhin fraglich. Heuer Fernandes, der im Elfmeterschießen in Nürnberg den entscheidenden Strafstoß abgewehrt hatte, arbeitete heute nur im Kraftraum.
„Das wird eine Spitz-auf-Knopf-Aktion“, sagte Walter heute. Eine endgültige Entscheidung über einen Einsatz des 28 Jahre alten Keepers soll voraussichtlich erst am Samstagmorgen fallen. Erster Ersatz-Kandidat wäre der Schwede Marko Johansson, der zuletzt beim Testspiel gegen den VfL Wolfsburg noch einige Unsicherheiten im Spiel hatte, während sich Miro Muheim als Leibold-Ersatz angeboten hat, wie Walter sagte. Festlegen wollte sich der 45-Jährige aber nicht: „Es gibt Alternativen.“ Auch für die Position des Linksverteidigers.
Hier bietet sich nicht nu Muheim an, sagt Walter: „Rein nominell ist er dafür geeignet. Miro hat zuvor schon gezeigt, wir wertvoll er sein kann. Aber es gibt auch Alternativen. Dass man einen Rechtsfuß dort platziert. Oder mit drei Spielern hinten beginnt.“ Soll heißen, auch Jan Gyamerah kommt als Alternative in Betracht. Ob dann er oder Heyer links und der andere rechts verteidigt – alles ist möglich. Sogar eine Dreierkette? Offensichtlich will Walter das nicht ausschließen und für mich wäre die Alternative mit Jonas David, Sebastian Schonlau und Mario Vuskovic hinten und einem ständigen Überzahlspiel im Mittelfeld sehr reizvoll.
Aber es bleibt dabei, dass ich fest davon ausgehe, dass Muheim am Sonnabend beginnen wird. Der junge Schweizer auf Leihbasis wird von den Kollegen wie vom Trainer bereist stark geredet – und das ist gut so. Walter selbst hat es in den letzten Wochen immer wieder geschafft, Spieler auch gegen Widerstände aufzubauen. Jonas David ist dafür zweifellos das beste Beispiel. Aber auch Sonny Kittel und Daniel Heuer Fernandes insbesondere dürfen dazugezählt werden. Walter hat diese Qualität, seinen Spielern das Vertrauen zu vermitteln, das sie brauchen, um zu funktionieren.
Junge Spieler wie David, Suhonen, Alidou ebenso wie arrivierte Spieler profitieren von Walters Art. Nur bei Mikkel Kaufmann, Johansson und Muheim schien das bislang nicht zu funktionieren – jetzt muss es bei den beiden Letztgenannten im Eilverfahren hinbekommen werden. Allein Kaufmann, der gegen Nürnberg seine Startelfpremiere feierte und trotz
Gegen den Tabellen-15. aus Kiel wollen die sechstplatzierten Hamburger den Schwung der emotionalen Siege in Paderborn und Nürnberg mitnehmen. „Den Adrenalinpegel lassen wir gerade oben“, hofft Walter. „Es ist für uns wichtig, immer auf dem Gaspedal zu bleiben, immer Druck auszuüben. Das brauchen die Jungs auch. Diesen Schwung und dieses Adrenalin versuchen wir, so lange wie möglich mitzunehmen.“ Dabei helfen sollen auch die lautstarken HSV-Anhänger. Bislang sind 35.000 Tickets verkauft. Laut wird es also in allen Fällen.
Wobei Walter heute eine Sache sagte, die mich etwas beunruhigt. Angesprochen auf sein riskantes Spiel antwortete er: „Wenn das für die Zuschauer, die mittlerweile ein anderes Consumerverhalten haben, dann sind wir auch froh.“ Entertainment vor Pragmatik? Konsumer-orientierter Fußball? Bitte nicht! Ich möchte nichts über dem Erfolg des HSV sehen. Wobei Walter es auch anders gemeint haben könnte und den Unterhaltungsfaktor als Nebenwirkung sieht. Hoffe ich zumindest. Ich hoffe, dass der HSV seinen Weg als mannschaftlich geschlossene Einheit unverändert weitergeht. Funktioniert mein Nebenmann nicht, mach ich seinen Teil mit – so muss es laufen. Und wenn man dem Team von Walter eines nie vorwerfen kann, dann ist das fehlender Einsatz.
Nicht mal Mikkel Kaufmann kann man das vorwerfen, obwohl er sicherlich aus sportlicher Sicht noch einer der unzufriedeneren Spieler ist, der für mich als einziger Spieler im Kader noch gar nicht funktioniert. Er wird am Sonnabend – da lege ich mich fest – nicht noch mal zur Startelf gehören. Dafür war sein Auftritt in Nürnberg einfach zu ineffizient. Wobei ich ihn auch in Schutz nehmen möchte: Denn die Position von Mikkel kann nur die Mittelstürmerposition sein. Für alles andere ist er im ersten Ballkontakt zu schwach.
Aber als Arbeitstier und Unruhestifter mit Wumms vorn im Zentrum – warum denn nicht? Allein da kann ich ihn mir vorstellen. Und ich würde ihn zumindest immer wieder mal für Glatzel bringen, wenn dieser entweder schlecht drauf oder etwas müde ist. Vielleicht holt sich der Däne ja dann über Teileinsätze mehr Sicherheit.
Fazit: Wir müssen die Daumen drücken, dass heuer Fernandes rechtzeitig fit wird, und dass Muheim im Falle seines Einsatzes am Sonnabend schnell ins Team findet. In Nürnberg hatte mir der Linksfuß bis zum Zeitpunkt einer Erschöpfung defensiv ganz gut gefallen. Und obwohl ich glaube, dass Gyamerah für den schnellen Erfolg die bessere Variante wäre, hoffe ich darauf, dass Walter Muheim bringt und dieser sich über seine Einsätze zunehmend steigert. Denn dass Leibold in dieser Saison noch mal aufläuft ist nahezu ausgeschlossen. Egal wie optimistisch er ist – leider ist die Verletzung dafür zu schwer. Sicher ist auch, dass wir in den nächsten Spielen sehen werden, ob der HSV im Winter noch mal personell nachlegen muss. Sicher nicht nur auf der Leibold-Position – aber vor allem da.
Und bevor ich den Blog für heute mit dem neuen Orakle von Flo und Joscha beende, noch der Hinweis, dass es morgen Abend an dieser Stelle nur ein kurzes Update geben wird zum Personal und allem anderen. Morgen muss – nein: morgen möchte ich mich nämlich mal intensiver um meinen eigenen Fußballnachwuchs aus dem Hause Scholz kümmern.
Bis morgen!
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