HSV wacht zu spät auf - 2:3-Niederlage gegen Magdeburg
Absolut spannend waren die letzten Minuten, in denen der HSV die Magdeburger tatsächlich mächtig in Schwierigkeiten brachte. Dass die Gäste sich am Ende den 3:2-Auswärtssieg…

Absolut spannend waren die letzten Minuten, in denen der HSV die Magdeburger tatsächlich mächtig in Schwierigkeiten brachte. Dass die Gäste sich am Ende den 3:2-Auswärtssieg beim HSV mit viel Glück in eben dieser Schlussphase sicherten - das ist unbestreitbar. Aber dass sich der HSV bis zum Dreierwechsel und der Systemumstellung in der zweiten Halbzeit gegen wahrlich nicht überragende Gäste hilflos präsentierte, darf an dieser Stelle nicht nur nicht verschwiegen werden. Es gehört für mich in den Vordergrund gerückt. Denn dieses Problem ist altbekannt - und ebenso lange nicht behoben worden. 70 Prozent Ballbesitz hatte der HSV in der ersten Hälfte. Chancen dagegen keine.
„Das Spiel verlieren wir bereits im ersten Durchgang. So eine Leistung darf uns nicht noch mal unterlaufen. In der 2. Halbzeit haben wir gemeinsam mit unseren Fans in die Spur gefunden, unterm Strich war das aber zu wenig!“, resümierte Jonas Meffert und erhielt Unterstützung von Torschütze Ransford Königsdörffer: „Die Niederlage haben wir uns selbst zuzuschreiben. In der 1. Halbzeit haben wir sehr schlecht gespielt. Am Ende hatten wir die Torchancen, aber kein Glück. Das müssen wir uns jetzt wieder erarbeiten." Stimmt. Leider.
Die Einzelkritik:
Daniel Heuer Fernandes: Beschäftigungslos - und doch zweimal geschlagen. Offensiv war ver am Ende als Stürmer sogar echt gut. Note: 3
William Mikelbrencis (bis 55.): Ihm fehlt zweifellos taktische und spielerische Bindung – aber das kann man auch nicht anders erwarten. Dafür kämpfet sich der Franzose bei seinem Startelfdebüt ins Spiel rein. Über Zweikämpfe und selbstbewusste Vorstöße gelang ihm das in der ersten Hälfte sogar gut. Hatte die frühe (taktische) Auswechslung nicht verdient. Das war eine ordentliche Premiere. Note: 3
Laszlo Benes (ab 56.): Wollte die Bälle, suchte die Lücken - und bereitete das 1:2 per Flanke vor. War er ein absolut belebender Faktor. Note: 2
Jonas David: Vor dem 0:1 viel zu weit weg vom Torschützen El Hankouri. Warum nur? Da muss er an den Mann heran und ihm den Abschluss schwerstmöglich machen – wenn nicht gar verhindern. Was für ihn spricht: Er versuchte, sich selbst ins Spiel zu holen, indem er ruhig weitermachte. Kam gut in die Zweite Hälfte rein – bis er (zusammen mit Vuskovic) beim 0:2 wieder nur begleitete, nicht attackierte und dann vor dem 1:3 schlecht stand. Note: 5
Mario Vuskovic: Eisenhart, in der ersten Hälfte ohne Probleme trotz früher Gelber Karte. Beim 0:2 stand er aber schlecht. Es gab zudem immer wieder Abstimmungsschwierigkeiten zwischen ihm und David, dafür rettete er in der 80. Minute mit einem langen Ball vor dem 1:3 (nach Davids Ballverlust). Hatte in der Nachspielzeit das 3:3 auf dem Kopf – aber der B all wurde auf der Linie geklärt. Note: 4
Miro Muheim: Über links war der HSV anfälliger als über rechts. Das lag auch an ihm. In der zweiten Halbzeit wurde auch er weniger gefordert und besser, weil er sich vermehrt offensiv einbringen durfte/konnte. Note: 4
Jonas Meffert: Hatte mehr zu organisieren, als ihm lieb war. Trotzdem er sicher nicht sein bestes Spiel machte, ist er wichtig im Zentrum. Note: 4
Ludovit Reis: Wichtig. Wichtiger – Reis. Der Niederländer ist der Motor vor dem Organisator Meffert. Und auf ihn ist Verlass. Er ackert in jedem Spiel für zwei. Wenn er aber so viele Ballverluste wie heute hat, stottert das HSV-Spiel in beide Richtungen. Nach den Wechseln in der zweiten Halbzeit wurde er stärker Note: 3
Anssi Suhonen (bis 55.): Kam schwer rein – aber das ist bei seiner Mentalität kein Hindernis. Der junge Finne macht einfach weiter. Immer weiter. Bis es irgendwann gut wird. Noch ist es das bei weitem nicht. Einsatz und Wille ist eine 1 – das Fußballerische im Ergebnis ein 5. Leider zählt Letzteres überwiegend. Daher Note: 4
Xavier Amaechi (ab 56.): Er gehörte zu den drei Neuen in der MUSS in der 77. Minute den Ausgleich machen. Machte er aber nicht. Note: 4
Sonny Kittel (bis 90.): Nicht, dass er sich verweigerte. Im Gegenteil: Er versuchte es (vor allem in der Schlussphase), aber es gelingt eben längst nicht alles. Wie in der 67. Minute – denn solche Dinger macht sonst keiner so sicher wie er. Note: 4
Tom Sanne (ab 90.): Er kam und traf nach Sekunden. Dann legte er noch für die letzte Großchance auf. Hätte Reis in dieser Situation mit etwas mehr Glück nicht nur die Latte getroffen, Sanne hätte sich feiern lassen. So aber bleibt es für den ehrgeizigen jungen Angreifer ein richtiges starkes Debüt – über das sich der ehrgeizige Youngster (wie ich ihn kenne) aber nur sehr bedingt freuen wird. Allerdings darf er sich so über weitere Berücksichtigungen freuen. Da bin ich mir sicher.
Jean-Luc Dompé (bis 55.): Brotlos. Der Franzose macht 300 Übersteiger, anstatt das Tempo aufzunehmen und am Mann vorbeizugehen. Er wird sicher irgendwann wieder ein spektakuläres Tor machen oder es entsprechend vorbereiten, aber seine Quote steigert er nur, wenn er pragmatischer wird. So blieb er wirkungslos. Note: 5
Robert Glatzel (ab 56.): Er fehlte der Mannschaft bis zur 56. Minute sichtbar. Mit ihm (und den anderen beiden Neuen) kam Schwung ins Spiel. Der zuletzt wegen Rückenproblemen geschonte Mittelstürmer hatte mehrere gute Aktionen – und hätte in der 86. Minute treffen können, vielleicht sogar müssen. Er traf aber nicht. Note: 3
Ransford Königsdörffer: Im Sturmzentrum ohne Wirkung. Kaum war Glatzel da und er wieder auf der Außenbahn zuhause, traf er zum 1:2 und sogar noch zum 2:2, das dann leider wegen Abseitsstellung aberkannt wurde. Er ist kein Mittelstürmer - aber ein guter Außenstürmer. In der Mitte eine 5, Außen eine Zwei mit Tor – ergibt zusammen Note: 3
Schiedsrichter Harm Osmers: Bildete zusammen mit seinen Assistenten sowie seinem VAR-Team eine gute Einheit, dien das Spiel ohne Fehler über die Bühne brachte. Er lag leider mit dem Abseits bei Königsdörffer richtig. Auch die Gelben Karten waren nachvollziehbar und hatten ihre Wirkung. Da es wirklich nichts zu meckern gibt - Note: 1
HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis (55. Amaechi), Vuskovic, David, Muheim - Reis, Meffert, Suhonen (55. Benes) - Kittel (90.+2. Sanne), Königsdörffer, Dompé (55. Glatzel)
1. FC Magdeburg: Reimann - Piccini, Elfadli, Gnaka - Bockhorn, Müller (83. Condé), Krempicki, Bell Bell - El Hankouri (60. Schuler), Kwarteng (70. Rieckmann), Atik (83. Brünker)
Tore: 0:1 El Hankouri (11.), 0:2 Atik (51.), 1:2 Königsdörffer (58.) , 1:3 Rieckmann (88.), 2:3 Sanne (90.+3.)
Zuschauer: 55.304
Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover)
Gelbe Karten: Vuskovic / Bell Bell, Schuler
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