HSV-Vorstand Wüstefeld erklärt sich - und die Mannschaft macht Spaß
Heute hat die Mannschaft ihren entspannten Tag. Am Morgen gab es eine Technikeinheit, die zumindest körperlich nicht belastend war, sondern den Spaßfaktor im Vordergrund hatte.…

Heute hat die Mannschaft ihren entspannten Tag. Am Morgen gab es eine Technikeinheit, die zumindest körperlich nicht belastend war, sondern den Spaßfaktor im Vordergrund hatte. Mit dem „Team hellblau“ (Leibold, Rohr, Benes, Raab, Megeed) als späteren Gewinner und einem gemeinsamen Foto mit den mitgereisten Fans. Eine nette, alte Tradition in HSV-Trainingslagern, wie ich finde. Ebenso übrigens, wie der freie Nachmittag für die Mannschaft, die gestern Abend zudem ihren Mannschaftsabend feierte. Nicht übertrieben trinkfest – aber dem Vernehmen nach sehr lustig. Und das ist stimmig mit dem sportlichen Bild, das dieser HSV in seinem ersten Testspiel beim 2:2 gegen den kroatischen Vizemeister und Pokalsieger Hajduk Split abgab. Kurzum: Es passt gerade so, wie es ist. Zumindest sportlich.
Eigentlich wollte morgen nach Sportvorstand Jonas Boldt auch Finanzvorstand Thomas Wüstefeld nach Österreich reisen. Diese Reise wurde inzwischen abgesagt. Und auch wenn ein direkter Zusammenhang mit der großen Abendblatt-Geschichte von heute dementiert wird, macht auch diese Story allein einen „Ausflug“ ins Trainingslager nahezu unmöglich. Denn stattdessen muss der HSV, der heute eine AG-Aufsichtsratssitzung hat, in der der Vorstand berichten soll, ob und wie die interne Zusammenarbeit funktioniert, aktuell ein wenig Krisenmanagement betrieben. Immerhin wurde Wüstefeld im Abendblatt als höchst umstrittener Kaufmann dargestellt und mit etlichen Vorwürfen (unter anderem Täuschung und Betrug) konfrontiert.
Zu erwarten ist dabei nicht allzu viel Neues. Wie ich erfahren habe, werden die Vorstände über die Zusammenarbeit berichten, ehe Wüstefeld selbst sich zu den ihm gegenüber erhobenen Vorwürfen äußern will. Der HSV-Vorstand wusste natürlich schon ein paar Tage vor dem Erscheinungstermin des Artikels im Abendblatt, dass dieser kommt. Und er wusste, dass es ein ihm gegenüber sehr kritischer Artikel würde. Auch deshalb hatte der Pharma-Unternehmer, der bei den Vorwürfen gegenüber meinen BILD-Kollegen heute von "einer Kampagne gegen meine Person" sprach, die Kontrolleure schon vorab informiert und zugesagt, die Lage aus seiner Sicht umfangreich darzustellen. Der Aufsichtsrat verlässt sich derweil auf den Rat seines Hausjuristen und lässt den HA-Artikel weitgehend unkommentiert. Ob es im Anschluss daran noch eine gemeinsame Erklärung geben wird, haben sich die Beteiligten der Sitzung offengehalten.

Und das ist sicherlich richtig. Denn das Unschuldsprinzip muss auch für Wüstefeld Anwendung finden. Aber: Nichts sagen wird nicht funktionieren, angesichts der Brisanz, die in den Vorwürfen gegen Wüstefeld steckt. Daher würde ich persönlich so ein Thema nicht unkommentiert lassen. Ich würde je nach Verlauf der Sitzung heute Abend als Aufsichtsrat zwei Dinge deutlich machen:
- Dass man bis zum Beweis des Gegenteils zu 100 Prozent hinter seinen Angestellten steht.
- Dass man seiner Kontrollfunktion auch in diesem unangenehmen Themenbereich zu 100 Prozent nachkommt.
Letzteres darf natürlich nicht in Form von einseitigen Ermittlungen gegen Wüstefeld verlaufen. Das müssen letztlich Gerichte entscheiden, sofern es denn überhaupt zu Gerichtsverhandlungen kommt. Aber es muss ein derart intensiver Austausch mit Wüstefeld und der Faktenlage stattfinden, dass der Aufsichtsrat seiner Kontrollfunktion gerecht wird. Sollte Wüstefeld gegenüber dem HSV nicht nachhaltig erklären können, dass sein Verhalten als Geschäftsmann dem Ruf des HSV nicht schaden kann, dann muss der HSV handeln. Dann kann und darf es nur einen freiwilligen Rücktritt oder schlimmstenfalls eine HSV-seitige Entlassung des Vorstandes von allen Ämtern geben. Auch deshalb bin ich sehr gespannt, ob und wie sich die Verantwortlichen nach der Veranstaltung heute Abend äußern.
Die Mannschaft hat erkennbar Spaß - und macht Walter zufrieden
Und das schreibe ich, während ich hier in Österreich sitze und mich darauf gefreut hatte, nach langer Zeit mal wieder hautnah und intensiv mit der Mannschaft Tage zu verbringen. Ich hatte mich darauf gefreit, die Neuen zu beobachten und meine Eindrücke mit Euch zu teilen. Kurzum: Ich habe mich auf Fußball gefreut. Und obgleich diese Freude mit solchen Themen ein wenig getrübt wird, ist sie noch da. Denn der HSV hat mir gegen Hajduk Split gut gefallen. Von den vermeintlichen Reservisten über die Stammspieler bis hin zu den Rückkehrern wie Tim Leibold, der aus einer Verletzungspause von fast einem Jahr zurückgekehrt ist. „Es war geil, wieder auf dem Platz zu stehen“, freute sich der ehemalige HSV-Mannschaftskapitän nach seinen ersten 45 Minuten seit Ende Oktober 2021, wo er sich im Zweitrundenmatch des DFB-Pokals gegen den 1. FC Nürnberg einen Kreuzbandriss zugezogen hatte.
Aber Leibold war nicht der einzige, über bzw. für den man sich freuen darf. Auch sein Kompagnon links, Sonny Kittel, machte ein sehr gutes erstes Spiel, nachdem er gefühlt schon in die USA verkauft war. Ebenso wie die Neuzugänge Laszlo Benes, Filip Bilbija und Ransford Königsdörffer. Letztgenannter traf zum 2:2 und deutete mit seinen Sprints schon an, dass er eine ordentliche Wucht in die Offensive mit einbringen kann. Bilbija bewies, dass er ein hochveranlagter Mittelfeldspieler ist, der sich für keinen Weg zu schade ist. Und Benes demonstrierte am Ball, warum man ihm immer wieder einen „feinen Fuß“ attestiert.
Talent Megeed (16) lässt sportlich eine Menge Fantasie zu
Aber am spannendsten fand ich den Auftritt eines jungen Mannes, der nur 12 Minuten Einsatzzeit hatte und den der Trainer gestern am liebsten gar nicht kommentiert hätte, um ihn vor zu viel Trubel zu schützen: Omar Megeed. Der junge Deutsch-Agypter kommt aus der U17/U19 des HSV und ist trotz seiner gerade erst 16 Lenze bereits U20-Nationlspieler Ägyptens. „Der Junge hat sehr gute Anlagen, ist ansonsten noch sehr zurückhaltend“, so Walter, der damit definitiv nicht das Fußballerische meinte. Denn in dem Bereich ist Megeed alles andere als zurückhaltend.

Trotz seiner noch jungen Jahre ist der 1,88 Meter lange Mittelfeldspieler körperlich schon robust und versteckt sich absolut überhaupt nicht. Hätte Robin Meißner den Kopf gehoben und den mitgelaufenen Omar gesehen, er hätte gegen Split sogar den Siegtreffer erzielen können. Tat er aber nicht – was Trainer Tim Walter vielleicht gar nicht so ungelegen kommt. Denn der HSV-Trainer machte zuallererst einmal deutlich, dass man Megeed schützen müsse. Walter mit einem verschmitzten Lächeln nach dem Spiel gestern: „Omar fügt sich sehr gut ein. Aber wir wollen das nicht überbewerten, sondern ihn auf dem Boden halten. Aber es ist schon ein Junge, der Potenzial hat.“
In Hamburg soll ein weiteres Testspiel stattfinden
Morgen im Trainingslager-abschließenden Test gegen Aris Thessaloniki werden noch mal alle Spieler zum Einsatz kommen. „Wichtig ist, dass alle eine Halbzeit lang laufen können. Da werden wir sicher noch einmal ordentlich durchmischen müssen“, so Walter, der andeutete, dass er noch ein abschließendes Testspiel in Hamburg haben wolle. Dann soll die vermeintliche Startelf etwas länger spielen, während morgen wieder sehr viel gewechselt werde.
In diesem Sinne, bis morgen! Dann wieder mit einem Communitytalk und natürlich auch einem „Blitzfazit light“ vom zweiten Testspiel dieses Trainingslagers gegen die Griechen von Thessaloniki. Bis dahin!
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