Analyse

HSV vor Union-Spiel: Warum Robert Glatzel jetzt in die Startelf gehört

Wetten können aufgehen oder sie gehen in die Hose. Der HSV ist in letzter Zeit einige solcher Wetten in Bezug auf verletzungsanfällige Spieler eingegangen. Bei Davie Selke…

HSV vor Union-Spiel: Warum Robert Glatzel jetzt in die Startelf gehört

Moin zusammen,

Wetten können aufgehen oder sie gehen in die Hose. Der HSV ist in letzter Zeit einige solcher Wetten in Bezug auf verletzungsanfällige Spieler eingegangen. Bei Davie Selke wurde man mit sehr großem Output belohnt, auch bei Albert Sambi Lokonga ging dies weitestgehend gut aus. Bei den dänischen Verpflichtungen klappte das seit der Bundesliga-Rückkehr leider weniger. Yussuf Poulsen kommt seit dem 1. Spieltag auf gerade einmal 202 Minuten Einsatzzeit. Die Neuverpflichtung Albert Grønbæk läuft nun auch Gefahr, nicht auf viel mehr Minuten zu kommen. Grønbæk hat sich eine Faszienverletzung im Oberschenkel zugezogen und fällt vorerst aus. Wie lange ist aktuell noch nicht bekannt, aber vor März wird Grønbæk wohl nicht zurückkehren, geschweige denn überhaupt Einsatzminuten bekommen. An dieser Stelle natürlich alles Gute und eine schnelle Genesung.

Ich habe noch nie von so einer Verletzung gehört. Spannend, was es da mittlerweile alles gibt. Somit wird wohl Philip Otele erstmal auf links gesetzt sein. Dompe trainiert zwar wieder mit, steht aber am Wochenende noch nicht im Kader. Und die Variante mit Grønbæk auf der 8 werden wir wohl auch erstmal nicht sehen. Bis dahin sollte Sambi Lokonga wieder fit sein.

Ein Kommentar

Glatzel muss starten

Ein Spieler, der am Wochenende wieder in den Kader zurückkehren könnte, ist Yussuf Poulsen. Und dieser Spieler, inklusive seinem Profil, gibt mir erneut den Anlass, darauf aufmerksam zu machen, dass Robert Glatzel im Kader des Hamburger SV steht und am Wochenende spielen muss.

Hier einmal die Fakten: Robert Glatzel schießt alle 153 Minuten ein Tor. Auch wenn das bei einem Tor wenig Aussagekraft hat: Es ist die beste Quote aller Stürmer des HSV.

Robert Glatzel ist 1,93 m groß und der HSV schlägt 13 Flanken pro Spiel bei einer Erfolgsquote von 22,2 % der Flanken, die einen Abnehmer fanden. Ecken sind da nicht berücksichtigt. Spieler unter 1,90 m haben beim HSV 2 Tore nach Flanken/Standards erzielt (2:0 gg Mainz, Philippe/1:1 gg Dortmund, Königsdörffer). Spieler über 1,90 Meter haben nach Flanken/Standards 3 Tore erzielt (2:1 gg. Bremen/0:1 in Freiburg/2:2 gg. Bayern, jeweils Vuskovic). Hier könnte man ggf. noch das 1:0 gegen Heidenheim dazurechnen. Zudem hätte auch Poulsen 2 Tore nach Flanken mehr haben können, wenn Mickelbrencis in Gladbach wegbleibt und wenn Poulsen den Ball von Dompe in Köln einköpft, anstatt den Ball direkt ins Tor durchzulassen.

Union Berlin hat eine durchschnittliche Pressinghöhe von 42 Metern vor dem eigenen Tor und einen Ballbesitzwert von durchschnittlich 39 %. Im Hinspiel in Berlin hatte Union einen Ballbesitzwert von 34 %. Durchschnittlich werden 42,8 % der Pässe direkt nach vorne gespielt. Insgesamt spielte Union Berlin in der gesamten Saison auch nur 6782 Pässe, das sind 323 pro Spiel, somit ca. 139 Pässe, die direkt nach vorn gespielt werden.

Interpretation der Fakten

Wenn jemand im Sturm steht, der groß und kopfballstark ist, ist die Chance höher, dass der HSV Tore nach Flanken und Standards erzielt. Unabhängig von den Fakten hat man mMn im Spiel in Heidenheim immer wieder Blicke in den 16er gesehen, denen aber keine Flanken folgten, da eben kein großer Stürmer im Zentrum stand. So musste sich der HSV immer wieder um den 16er rumspielen. Tore fielen nur nach Umschaltmomenten, aus dem Ballbesitz heraus erarbeitete man sich kaum gute Szenen. Wenn Robert Glatzel im Sturm spielen würde, hätte man diesen Abnehmer durchgängig vorne, man hätte zudem eine weitere Anspielstation bei Standards. Das heißt auch, dass Vuskovic mehr Platz und Raum hat, sich im 16er zu bewegen, weil auch Glatzel gedeckt werden muss. Die Daten von Union Berlin lassen mMn darauf schließen, dass wir einen Gegner erleben werden, der sich hinten reinstellt und den Ball schnell lang spielt. Es ist nicht zu erwarten, dass man hoch angelaufen wird und zu vielen Umschaltmomenten durch Ballgewinne im Mittelfeld kommt.

All das sind Punkte, die dafürsprechen, dass der HSV in diesem Spiel den Ball dominieren wird und um den Strafraum herumspielt. Also ähnliches, was dem HSV in der 2. Liga widerfuhr, wo man häufig erfolgreich war, wenn man einen großen Stürmer vorne drinnen hatte. Poulsen ist noch nicht fit, könnte aber in den Kader kommen und eingewechselt werden. 
Was ich damit sagen möchte: Wenn es ein Spiel gibt, in dem es einen großen Stürmer wie Robert Glatzel braucht, dann dieses Spiel.  Der HSV wird am Samstag wenig Umschaltmomente haben und man entwickelt sich ja auch immer weiter dahin, dass man etwas mit dem Ball anfangen möchte. Und das ist ja auch gut, aber wenn man mit dem Ball kreiert, braucht man halt einen Vollstrecker im Zentrum und das muss am Samstag Robert Glatzel sein.

Sicherlich kann es immer sein, dass der Gegner anders spielt, als zu erwarten ist, aber sind wir mal ehrlich: Selbst mit dem nominell besten Kader der 2. Bundesliga hat Steffen Baumgart defensiven Fußball beim HSV gespielt (5er-Kette gegen Regensburg). Es gibt wenige Ansatzpunkte, die eine hoch anlaufende Union-Mannschaft erwarten lassen. Es gibt für mich aktuell wenige Argumente, die für einen kleinen Stürmer im Zentrum sprechen. Königsdörffer hat getroffen. Das ist gut, dann lass ihn auf dem rechten Flügel spielen, Vieira geht auf die 8.

Philippe spielt sein Tempo meistens nur aus, wenn er Raum hat, den bekommt er gegen Union eher nicht. Die rechte Seite muss sowieso besetzt werden, damit Vieira ins Zentrum gehen kann. Da kann dann gerne Königsdörffer spielen, dass passt mMn sowieso besser zu ihm.

Es spricht also alles dafür, dass Glatzel am Wochenende startet, und ich möchte hier plädieren: Gebt diesem Mann eine Chance. Wenn sie einer verdient hat, dann Glatzel.

Tom

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