Spielbericht

HSV vor Stadtderby: Diesmal ist alles anders ...!

Okay, das hätte nicht wirklich viel schlechter laufen können. So sehr ich auch gehofft hatte, diesen Blog angesichts der ebenso beunruhigenden wie nachvollziehbaren…

HSV vor Stadtderby: Diesmal ist alles anders ...!

Okay, das hätte nicht wirklich viel schlechter laufen können. So sehr ich auch gehofft hatte, diesen Blog angesichts der ebenso beunruhigenden wie nachvollziehbaren Schilderungen unseres Psychologen Dr. Olaf Ringelband mit einer erfreulichen Nachricht zu beginnen – es geht nicht. Denn während der VfL Bochum mit seinem ersten Torschuss das 1:0 erzielt und die bis dahin gut spielenden Kickers aus Würzburg in sich zusammenbrechen (so leicht hätte es sein können, lieber HSV!!), punktet Greuther Fürth verdient bei Hannover 96 (2:2) und Holstein Kiel gewinnt sogar gegen Erzgebirge Aue.

Wobei man bei Kiel ja irgendwie darauf wartet, dass deren unglaubliche Glücksserie irgendwann mal aufhört. Oder anders formuliert: Würde der HSV so mit 1:0 gegen Aue  gewinnen, würden sich Überschriften wie „HSV duselt sich zum Sieg“ mit anderen Schlagzeilen abwechseln, die deutlich machten, wie schwach das Spiel des HSV war. In Kiel, da bin ich mir sicher, wird das nicht so sein. Da wird der Sieg als Sieg genommen, obwohl Aue zwei Treffer per Videobeweis aberkannt bekam. Beide Male war es Abseits.

Konkurrenz siegt und punktet - HSV unter Zugzwang

Und wenn man schon so einen Lauf hat wie die Kieler, dann bekommt man eben auch noch so einen Elfer geschenkt. Finn Porath wird leicht am Bein getroffen, er fällt – und der Schiedsrichter pfeift. Alles Entscheidungen, die bitter für Aue sind, aber regelkonform. Passend: Den Elfer kann Aues Keeper Männel dann zwar mit der Hand erreichen, aber nicht mehr abwehren. Ergebnis: 1:0 Kiel, drei Punkte, Tabellenplatz zwei hinter den punktgleichen Bochumern (45 Punkte). Fürth ist vorerst Dritter (43 Punkte) und der HSV muss am Montag zusehen, dass er im Stadtderby nachzieht. Und das wird schwer genug.

Trainiert wurde heute komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Trainer Daniel Thioune zog heute das Stadioninnere dem Trainingsplatz am Stadion vor, um so in aller Ruhe Dinge einstudieren zu können – oder vielleicht auch, um so am Montag personell überraschen zu können. Mit van Drongelen neben Ambrosius? Wäre überraschend – ist aber nicht undenkbar, obwohl Thioune es nahezu ausgeschlossen hatte.

Insgesamt wäre es für viele offenbar eher eine Überraschung, wenn der HSV am Montag beim FC St. Pauli punktet. Und ehrlich: Für mich wäre es das nicht. Absolut nicht. Denn qualitativ ist der FC St. Pauli derzeit sicher eines der stärksten Teams in der zweiten Liga. Vier Siege gab es zuletzt in der Zeit, in der der HSV sechs Punkte holte. Dass der HSV nominell qualitativ die bessere Mannschaft hat, da sind sich alle einig. Im Gleichen Atemzug trauen sie aber dem HSV in der aktuellen Phase keinen Sieg zu.

Grund genug, um für uns hier mal eine professionelle Sichtweise eines studierten Psychologen einzuholen. Gerade in diesen prestigeträchtigen Stadtderbys entscheidet nicht allein die fußballerische Qualität, sondern immer auch zu einem großen Teil die mentale Stärke der Spieler. Der Kopf eben. So, wie es Michael Stich heute im Abendblatt gut formuliert hat, ist es. Er habe 1996 bei den French Open vor dem Finale diesen einen Moment gehabt, der entscheiden kann: „Davor habe ich zum ersten Mal darüber nachgedacht, dass ich den Titel gewinnen, aber auch verlieren könnte. Diese zehn Sekunden, in denen ich mir meine Fehlbarkeit vergegenwärtigt habe, haben ausgereicht, dass ich tatsächlich verlor“, sagte Stich und gab dem Kopf die entscheidende Rolle  – und wer kann das besser beurteilen als unser Blogfreund und studierter Psychologe Dr. Olaf Ringelband.

Seine Analyse zum bevorstehenden Stadtderby: 

Derbyzeit ist Psychozeit

Liebe Moin-Volkspark-Community, bitte horcht doch einmal einen Moment in euch hinein – was spürt ihr, wenn ihr an das Derby am Montag denkt? Freude? Siegesgewissheit? Vorfreude auf den Wiederaufstieg? Vielleicht sieht es bei euch anders aus, aber in meinem Mikrokosmos, sprich bei Freundenund Bekannten, herrscht das Gefühl, „bloß nicht gegen St. Pauli verlieren!“

Das Spiel gegen Aue

Werfen wir einmal einen Blick zurück auf die letzten Spiele: nach einer Siegesserie (und einem Unentschieden gegen Düsseldorf) kam die starke erste Halbzeit gegen Aue. Hier sah man, dass der HSV in der Tat eine der besten Mannschaften der 1. Liga ist, der Gegner und Spiel mühelos beherrschen kann. Ich glaube, dass die Mannschaft in der ersten Halbzeitein ähnliches Gefühl wie wir Zuschauer hatte: da kann nichts mehr passieren. Und dann sah man in der zweiten Halbzeit, dass eine technisch und taktisch unterlegene Mannschaft durchaus mit dem HSV mithalten kann. Wenn sie nämlich kämpft bis zum Umfallen. In Aue wurde eines der Grundprinzipien des Fußballs deutlich: zum Erfolg gehören zwei Dinge, das technische, taktische und physische Potenzial einer Mannschaft und die Bereitschaft, zu kämpfen. 

Erfolg = Kampf mal Technik

Gute und erfolgreiche Mannschaften tapsen immer wieder in die Falle, gegen vermeintlich schwächere Gegner mit dem Gefühl , „das schaukeln wir locker“ anzutreten. Aber das funktioniert nur, wenn der Gegner das dazu passende Gegengefühl hat, nämlich „da haben wir keine Chance, hoffentlich verlieren wir nicht zu hoch“ (siehe die letztenSpiele des HSV gegen Bayern in der 1. Liga). Wenn der Gegner aber daran glaubt, dass er mit 100%igem Einsatz den überlegenen Gegner schlagen kann und tatsächlich alles gibt,ist moderate Qualität multipliziert mit unbedingtem Einsatz stärker als hohe Qualität multipliziert mit nicht 100%igem Einsatz – siehe zahlreiche Überraschungen im DfB-Pokal oder kürzlich das Spiel der Bayern gegen Bielefeld.

Genau das ist dem HSV gegen Würzburg passiert – man ist mit dem Bewusstsein in das Spiel gegangen, als Spitzenreiter gegen den Tabellenletzten zu spielen und dass man sich nur auf seine Stärken besinnen muss – die technische und taktische Überlegenheit. Der Gegner hat das dann genutzt, als er gespürt hat, dass der HSV an dem Tag zu überzeugt von sich und seiner Qualität ist und man mit vollem Einsatz eine Chance hat, das überlegene Team zu schlagen, und so ist es dann auch gekommen.

Siegermentalität oder Selbstzufriedenheit?

Für den Trainer ist das eine schwierige Situation, denn um die Motivation der Mannschaft hoch zu halten, muss er einerseits das Selbstvertrauen der Spieler stärken, die sogenannte „Siegermentalität“ entstehen lassen, den Glauben daran, dass man so gut ist, dass man jeden Gegner (zumindest in der 2. Liga) schlagen kann und muss. Andererseits darf die Selbstüberzeugtheit nicht in Selbstzufriedenheit umkippen. Gleichzeitig darf der Trainer nicht an Glaubwürdigkeit verlieren – denn wer hätte ihm geglaubt, wenn er vor dem Spiel gegen Würzburg gesagt hätte, „Würzburg ist zwar Letzter, aber die sind stärker als der Tabellenplatz aussagt, das ist eine richtig gute Mannschaft…“?

Wichtig ist, dass jedem Spieler klar ist, dass er selbst, in jedem Moment alles für den Erfolg tun muss (auch außerhalb des Spiels, aber hier meine ich vor allem erst einmal während der 90 Minuten auf dem Platz) und dass man sich nicht auf andere oder die vermeintliche Überlegenheit der Mannschaft verlassen darf. Dass man hinten einen Ulreich (hüstel) oder vorne einen Terodde hat, führt erst dann zum Erfolg, wenn man sich nicht auf die Mitspieler verlässt, sondern selbst permanent 100% gibt.

Vor dem Derby

Ich sehe den HSV jetzt in einer schwierigen Situation: denn jeder Spieler hat aus dem Würzburg-Spiel mitgenommen, dass die Mitspieler kämpferisch nicht alles gegeben haben (Nur die Mitspieler? Ja, denn man achtet in solchen Situationen reflexartig zuerst auf die Versäumnisse der anderen, bevor man die eigenen sieht) und daraus gelernt, dass man zwar eine technisch gute Mannschaft ist, diese aber kämpferische Defizite hat. Das steckt im Moment in den Köpfen drin, da bin ich mir ziemlich sicher. Mit St. Pauli kommt jetzt eine Mannschaft, die das Image hat (ob das stimmt oder nicht kann ich nicht beurteilen, dazu habe ich in letzter Zeit zu wenig Spiele von St. Pauli gesehen), sich allein durch Kampf von den Abstiegsplätzen mit einer Siegesserie hochgearbeitet zu haben. 

Wenn ich mich einmal in die Köpfe der HSV-Spieler hineinversetze, dann wird da ein ähnliches Gefühl sein wie das, was ich in der Einleitung beschrieben habe: bloß nicht gegen St. Pauli verlieren! 

Dieser Gedanke bringt aber ein Gefühl mit sich, das bekanntermaßen leistungshemmend ist: Angst. 

Thioune hat also die schwierige Aufgabe, der Mannschaft die Angst zu nehmen, gegen eine (vermeintlich) kämpferisch überlegene Mannschaft zu verlieren. Er muss der Mannschaft zwar das Selbstvertrauen geben, dass sie technisch und taktisch überlegen sind, ihnen gleichzeitig aber verdeutlichen, dass sie die Überlegenheit nur dann zum Erfolg führt, wenn jeder alles gibt – denn „Kampf“ ist nur ein anderes Wort für Selbstmotivation und -steuerung.

Ich traue Thioune durchaus zu, dass er die richtige Ansprache findet, die Mannschaft in ihrem Selbstvertrauen zu stärken und gleichzeitig zu Kampfbereitschaft zu motivieren – aber wenn ihr mich nach meiner Prognose für Montag fragt, fürchteich aus zuvor erwähnten Gründen, dass St. Pauli das Derby gewinnen wird. 

Dr. Olaf Ringelband

Oh Mann, nicht einmal auf meinen Freund Olaf ist Verlass… Aber im Ernst: Leider sind Olafs Ausführungen wie immer sehr schlüssig. Und trotzdem weiß ich nicht zuletzt aus eigener Erfahrung, dass sich alles immer drehen kann. Vom Positiven ins Negative – und andersrum. Statistisch ist es eh nicht schwierig, dem HSV den einen wie den anderen Spielausgang zu prophezeien. Glaubt Ihr nicht? Hier ist es: Nur eins (4:0 am Millerntor) der letzten sieben Stadtderbys konnte der HSV für sich entscheiden. Klingt nicht gut. Aber Fakt ist auch:  Der HSV hat nur drei der letzten 21 Stadtderbys verloren. Bilanz aus HSV-Sicht: 68 Siege, 20 Remis und 20 Niederlagen.

Wer macht sich zum Helden für eine Nacht?

Viel wichtiger als all die Theorisieren ist eh, was auf dem Patz passiert. Und da stehen sich zwei Mannschaften gegenüber, die beide bei Null beginnen. Da denkt keiner an die Statistik der letzten Spiele. Da gehen zwei Teams in eine Partie, von der sie wissen, dass sie sie zu Helden machen kann. Vielleicht auch nur für eine Nacht – aber eben kurz mal zu Helden. Den eines steht fest: Dieses Spiel hat für beide Mannschaften mehr Bedeutung als andere Zweitligapartien.

Ich weiß nicht, wer von Euch schon mal selbst solche Spiele (ob im Kleinen oder Großen) gespielt hat. Aber alle, die es mal machen durften, wissen, unter welcher Anspannung man in solche Spiele geht. Da kann eine richtig gute Szene zu Beginn des Spiels selbiges früh in eine Richtung lenken. So, wie es heute bei den bis dahin guten und im Anschluss hoffnungslos unterlegenen Würzburger in Bochum das 1:0 für den VfL war. Oder so, wie sich der HSV in Würzburg mit dem Jung-Rückpass auf Ulreich eigene Sicherheit genommen hatte.

Es ist und bleibt ein Spiel, das durch tausend Faktoren entschieden werden kann. Es ist einfach nicht vorherzusehen. Noch weniger als alle anderen. Aber es ist auch lange nicht so, dass der HSV hier verlieren muss. Im Gegenteil. Ich würde mich ehrlich gesagt darüber freuen, wenn sich unser Freund Olaf ausnahmsweise einmal irrt. Zumal ich weiß, dass er in diesem Fall  selbst sehr gut damit klar käme. In diesem Sinne, bis morgen!!

Scholle

Und dann noch eines in eigener Sache:

Liebe Alle!

So lieb das auch gemeint ist, wollen wir - und insbesondere nicht Sven - hier eine Spendenaktion starten. Es geht hier tatsächlich nur darum, dass es dieses schwarze Trikot nicht mehr zu kaufen gibt. Spenden in Form von Geld sind hier nicht nötig!

TROTZDEM: VIELEN DANK!

Und zum Trikot: Inzwischen gibt es schon mehrere Hilfsangebote. Unter anderem auch eines vom HSV.

Ganz großer Sport, liebe ALLE!!! Ich bin stolz, wie hilfsbereit diese Community ist!!

Scholle

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen