HSV verschenkt Sieg und 1,7 Millionen Euro gegen Reese
Sieben Veränderungen in der Startelf gegenüber einer bei Hertha BSC – vor dem Spiel hatte ich ein mulmiges Gefühl. Das aber legte sich im Verlauf der ersten Halbzeit, die der…

Sieben Veränderungen in der Startelf gegenüber einer bei Hertha BSC – vor dem Spiel hatte ich ein mulmiges Gefühl. Das aber legte sich im Verlauf der ersten Halbzeit, die der HSV nach dem Rückstand durch den am Ende alles überragenden Mann der Berliner, Fabian Reese, mit einer 2:1-Führung beendete. Und dabei wirkte die Mannschaft von Trainer Tim Walter vor allem defensiv mit Rückkehrer und Kapitän Sebastian Schonlau stabiler – abgesehen von den immer wieder gefährlichen Durchbrüchen über die rechte HSV-Seite, wo William Mikelbrencis komplett chancenlos gegen Reese war.
Zweimal führte der HSV bis zur jeweils letzten Minute – und zweimal glichen die Berliner aus. Einmal war es Reese selbst, der in der 90. Minute zum 2:2 traf, dann war es Resse, der das 3:3 von Kenny in der 120. Minute mustergültig vorbereitete. Allerdings: Hier stand der HSV so selten dämlich gestaffelt, dass es doppelt bitter wurde. Sechs Mann waren bis tief in die Hertha-Hälfte gelaufen, als der Ballverlust den Berlinern einen Konter ermöglichte, der zum 3:3 und somit in das letztlich verlorene Elfmeterschießen (Königsdörffer verschoss, alle Berliner trafen) führte. „Es tut sehr weh. Ich kann es nicht erklären. Das darf einfach nicht passieren, dass man zweimal den Ausgleich in der letzten Spielminute bekommt", ärgerte sich Jonas Meffert. „Das geht nicht. Einmal passiert es vielleicht, aber dann darf es nicht noch einmal passieren."
Vor 58.946 Zuschauern und Zuschauerinnen, darunter knapp 20.000 HSV-Fans, brachte der 25-jährige Reese die Hertha zunächst in Führung (21. Minute). Immanuel Pherai (31.), der mutiger spielte aber zu oft den Ball verlor, und Laszlo Benes (43.) schlugen zurück. „Wir müssen das Spiel killen“, sagte Schonlau nach Schlusspfiff und meinte damit beide Schlussphasen. Die der regulären Spielzeit und die der Verlängerung. „Da müssen wir cleverer agieren“, so der Kapitän mit Worten, die ich beim HSV seit drei Jahren immer wieder höre. Zu oft.
In diesem Fall von einer bitteren Niederlage zu sprechen ist angesichts der Torstatistik sicher richtig – aber auch nur die halbe Wahrheit. Denn wie so oft fing sich der HSV auch hier trotz Führung wieder späte Gegentore, weil man zu forsch, zu unclever agierte. Die Auswechslung von Schonlau in der 60. Minute brachte einen Bruch ins HSV-Spiel, die rechte Seite war zu jeder Zeit überfordert. Warum man hier nicht reagierte und zu doppeln versuchte, verstehe ich nicht. Reeses Torgefahr (acht Torschüsse, zwei Treffer und ein Assist) war so offensichtlich, dass man zwingend hätte umstellen müssen. „Du musst so ein Spiel dann auch ins Ziel bringen“, war sich der HSV-Kapitän sicher – und hatte recht. Und dazu in den nächsten Tagen und im Blitzfazit mehr.
Euch trotzdem eine gute Nacht.
Scholle
DIE STATISTIK ZUM SPIEL:
Hertha BSC: Ernst - Kenny, Gechter (23. Leistner), M. Dardai, Karbownik - Klemens, Zeefuik (61. Hussein), Scherhant (46. Christensen), Niederlechner (80. El-Jindaoui), Reese - Tabakovic (61. Prevljak)
HSV: Raab - Mikelbrencis (98. Oliveira), Hadzikadunic, Schonlau (61. Ramos), Muheim - Meffert, Pherai (98. Krahn), Benes - Jatta (72. Königsdörffer), Nemeth (72. Glatzel), Öztunali
Tore: 1:0 Reese (21.), 1:1 Pherai (31.), 1:2 Benes (43.), 2:2 Reese (90.), 2:3 Königsdörffer (102.), 3:3 Kenny (120.)
Elfmeterschießen: 4:3 Prevljak, 4:4 Benes, 5:4 Klement, 5:5 Muheim, 6:5 El-Jindaoui, 6:6 Glatzel, 7:6 Kenny, 7:6 / Königsdörffer verschießt, 8:6 Reese
Zuschauer: 58.496
Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)
Gelbe Karten: Karbownik, Scherhant, Niederlechner / Pherai, Jatta, Meffert, Glatzel
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