Spielbericht

HSV verliert zwei Punkte und Ambrosius in gutem Spitzenspiel

Der HSV ist weiter Tabellenführer. Zumindest solange der VfL Bochum am morgigen Sonntag nicht mit sechs Toren Unterschied gewinnt. Fakt ist aber auch, dass Holstein Kiel zum…

HSV verliert zwei Punkte und Ambrosius in gutem Spitzenspiel

Der HSV ist weiter Tabellenführer. Zumindest solange der VfL Bochum am morgigen Sonntag nicht mit sechs Toren Unterschied gewinnt. Fakt ist aber auch, dass Holstein Kiel zum HSV punktgleich aufgeschlossen hat. Denn während die Kieler einen irregulären Treffer gegen Würzburg zum 1:0-Sieg zu nutzen wussten. Verpasste es der HSV in einem guten Spiel gegen Greuther Fürth, seinerseits drei Punkte einzufahren. Am Ende eines intensiven Spiels blieb es bei einem für die Gäste schmeichelhaften 0:0, das diese schon auf dem Platz zu Jubelschreien veranlasste - und das dem HSV durch die fünfte Gelbe Karte für Ambrosius den nächsten Stammspieler kostet. Zumindest für das nächste Spiel in Würzburg.

„Wir haben eine sehr packende und gute Zweitliga-Partie gespielt“, sagte Fürths Trainer Stefan Leitl nach dem Spiel und befand ehrlich:  „Die Jungs haben sich in alles reingeworfen, was kam. Sascha Burchert hat noch zweimal gut pariert. Wir haben 30 Minuten alles in die Waagschale geworfen, um hier einen Punkt mitzunehmen. Man muss klar sagen, dass der Punkt glücklich war, weil die Hamburger schon die eine oder andere Chance hatten.“ Stimmt.

Dem HSV fehlten Glück und Treffsicherheit

Aber der HSV hatte heute weder das Glück noch die Treffsicherheit auf seiner Seite. Unzufrieden war HSV-Trainer Daniel Thioune im Anschluss daran dennoch nur bedingt. „Man darf das Spiel relativ schnell als Spitzenspiel definieren, weil beide Mannschaften auf einem ähnlichen Level unterwegs waren. Wir haben in der ersten Halbzeit richtig gut ins Spiel gefunden. In der zweiten Halbzeit kann ich meiner Mannschaft nur einen Vorwurf machen, dass sie kein Tor geschossen hat. Wir hatten ein bisschen Pech, auch mit dem Tor, das nicht gegeben wurde. Mit dem Vortrag der Mannschaft bin ich mehr als einverstanden. Wir bleiben aber beharrlich, müssen heute mit dem Punkt leben, aber ein Sieg für uns wäre auch absolut verdient gewesen.“

Und während Thioune komplett darauf verzichtete, die Leistung von Schiedsrichter Stegemann zu kritisieren, drückte sich Gästetrainer Leitl sehr diplomatisch aus. Und auch ich möchte kurz ausholen, denn ich habe gerade erst am Donnerstag eine sehr nette Runde besucht. Auf der neuen App „Clubhouse“ war es eine Runde von meinem alten Bekannten und heutigen Bundesliga-Schiri Patrick Ittrich, den ich jahrelang als Amateurfußballer miterlebt habe. Und obwohl wir auf dem Platz immer auf Kollisionskurs waren, haben wir immer den Respekt voreinander eingehalten. Um das Spiel herum entstand sogar eine Art Freundschaft, die bis heute gehalten hat. Und wir haben uns in  der Runde darüber unterhalten, warum es diesen natürlichen Respekt so nicht mehr gibt. Heutzutage müssen Schiedsrichter geschützt werden, weil sie sogar körperlich angegangen werden. 

Schiri Stegemann war der schwächste Mann auf dem Platz

Aber das nur, um zu erklären, wie ich Schiedsrichter sehe: Ich war auf dem Platz (und bin es heute am Rand auch noch oft) häufiger anderer als dergleichen Meinung – aber ich habe Respekt. Auch vor dem heutigen Schiedsrichter Sascha Stegemann, der in seiner Karriere schon für einige echte Highlights gesorgt hat. Warum ich das schreibe: Ganz einfach: Weil es im Laufe des Artikels heute vielleicht an der einen oder anderen Stelle anders wirken könnte....

Aber zurück zum Spiel. Genauer genommen zum Spielbeginn, den der HSV wie fast immer wählte: Offensiv. Man attackierte wieder sehr früh, setzt Fürth so unter Druck, dass die Gäste das erste Mal in der 15. Minute zu einem Torabschluss kamen. Und den vergab Nielsen aus der Distanz. Bis dahin und danach aber jagte der HSV seinen Gegner in den ersten 45 Minuten geradezu. Es wurde gedoppelt, abgesichert und früh draufgegangen. Selbst Sonny Kittel wirkte aggressiv und ein Aaron Hunt lief nicht nur viel, sondern grätsche auch und gewann Defensivzweikämpfe. Soweit – so gut. Problem nur: Der HSV kam zu keiner richtigen Torchance.

Immer wieder gab es Szenen, die zu echten Torchancen hätten führen könne. Oder sogar hätten führen müssen. Aber in letzter Instanz entschieden sich die HSV-Profis – von Kittel über Hunt, Leibold, Jatta und Co. – immer wieder für die falsche Variante und wurden so geblockt. Auch n der 8. Minute, als Hunt einen Konter schnell nach vorn trug, um 20 Meter vor dem Tor nicht Jatta frei rechts anzuspielen, sondern links auf Kittel, dessen Querpass dann geblockt werden konnte. In der 10. Minute hatte Jatta riesig Platz über Außen und flankte, anstatt selbst noch ein Stück weit mit Ball zu gehen und in den 16er reinzuziehen. Aber trotz dieser Szenen: Der HSV war bissig, wirkte präsent, und er hatte das Spiel zumeist unter Kontrolle.

Und wer weiß, ob es zur verdienten Führung gereicht hätte, wenn nicht Stegemann her heute gepfiffen hätte, sondern ein Schiedsrichter. In der 29. Minute nämlich pfiff Stegemann einen Zweikampf zwischen Terodde und Fürths Stach ab, der den Ball verlor, ohne gefoult zu werden. Stegemann aber pfiff die Szene ab, n der Terodde und Kittel allen aufs Tor zugelaufen wären. Bitter! Noch bitterer in der ersten Hälfte war allerdings die Gelbe Karte für Ambrosius, der mehr gefoult wurde als selbst foulte (40.). Die Folge: In Würzburg ist der Innenverteidiger wegen seiner inzwischen fünften Gelben Karte gesperrt.

Es war ein 0:0 der besseren Sorte

Es war aber ansonsten ein besseres 0:0, wie man so schön sagt. Zwar ohne große Torchancen, aber spannend, weil der HSV dem 1:0 näher war als der Gast aus Fürth, der zu Beginn  der zweiten Halbzeit seinerseits Erfahrungen der anderen Art mit Stegemann machte. Nach einem unabsichtlichen, eher normalen Foul musste der nur sieben Minuten vorher – und das auch noch eher zu Unrecht - bereits mit Gelb verwarnte Fürther Ernst vom Platz (57.).

Bitter für die Fürther, die den Anschein machten, mehr nach vorn spielen zu wollen. Denn von jetzt an steig der HSV-Ballbesitz weder an. Der HSV kam jetzt immer besser vor das Tor der Fürther und hatte endlich richtige Torchancen.  In der 63. Minute führte aber selbst de schönste Kombination des gesamten Spiels nicht zum erlösenden Treffer. Leibold hatte geflankt, der heute starke Hunt legte direkt weiter in den Lauf des nicht minder starken Kittel, der wiederum legte auf Terodde quer – aber ein Fürther Abwehrspieler klärte im Zurücklaufen kurz vor der Linie. 

Fürths Keeper und ein Abseits verhindern Siegtreffer

Es sollte heute einfach nicht sein . Selbst als der HSV traf, war es kein Tor. Denn nach Khaled Nareys Schuss stand David Kinsombi mit einem Bein im Abseits und der Videoschiri, der gestern bei Holstein Kiels Siegtreffer gegen Würzburg so bitter versagt hatte, funktionierte. Einen Terodde-Kopfball (79.), je einen geblockten Leibold- und einen Narey-Schuss später machte dann Fürths Keeper Sascha Burchert mit seiner Glanzparade gegen Nareys gut getroffenen Volleyschuss auch dem letzten Beobachter deutlich, dass hier heute kein Tor fallen wird.

Leider. Denn verdient hatte sich der HSV das heute. „Wenn man sich das Spiel anschaut, dann ist das Ergebnis für uns natürlich nicht zufriedenstellend“, befand Aaron Hunt nach dem Spiel. Der ehemalige Kapitän hatte bis zu seiner Auswechslung gezeigt, dass er durchaus noch in der Lage ist, ein Spiel zu gestalten – und es sogar schnell zu machen. Zum entscheidenden Treffer hatte es dennoch nicht gelangt. Hunt: „Wir hatten speziell in der zweiten Halbzeit eine Vielzahl an sehr guten Torchancen, schaffen es aber nicht, das entscheidende Tor zu machen. Uns hat heute in zu vielen Situationen die Effektivität gefehlt. Und wenn es doch mal nach einem Tor aussah, dann hat Fürths Keeper irgendwie noch seine Hände an den Ball gebracht oder ein Abwehrspieler hat auf der Linie geklärt. Da kam dann auch Pech hinzu. Das Glück war heute auf jeden Fall nicht unser Freund.“

STATISTIK ZUM SPIEL:

HSV: Ulreich - Gyamerah, Jung (69. Onana), Ambrosius, Leibold - Kinsombi, Heyer - Jatta (69. Narey), Hunt (90. Wintzheimer), Kittel - Terodde

SpVgg Greuther Fürth: Burchert - Meyerhöfer, Bauer, Stach, Raum - Seguin, Sarpei, Green (90.+2 Barry) - Nielsen (68. Abiama), Ernst, Hrgota (79. Leweling)

Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)

Gelbe Karten: Jung (24.), Ambrosius (41.), Kittel (90.+1) / Ernst (50.), Seguin (57.), Abiama (90.+3)

Gelb-Rote Karten: - / Ernst (57.)

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