HSV verliert weiter an Boden - Walter in der Kritik
Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich es manchmal einfach nicht mehr ernst nehmen kann. Da gibt es tatsächlich Leute, die mir für meinen Blog von gestern nachsagen wollen,…

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich es manchmal einfach nicht mehr ernst nehmen kann. Da gibt es tatsächlich Leute, die mir für meinen Blog von gestern nachsagen wollen, ich würde mich in meiner Meinung drehen. Dabei müssten sich alle einfach nur die Mühe machen, eines der letzten 50 Blitzfazits anzusehen. In fast jedem - egal ob nach klaren Siegen oder Niederlagen - kritisiere ich die fehlende Balance im HSV-Spiel. Fast jedesmal sage ich, dass der HSV auf lange Sicht damit mehr riskiert als gewinnen wird. Und genau so scheint es (leider!!!) jetzt zu kommen. Nichts anderes habe ich beschrieben. Heute - aber eben auch in den letzten Monaten.
In den letzten Tagen gab es in vielen Foren und auch bei den Kollegen der schreibenden Zunft immer wieder Umfragen, wen die Fans für den aktuellen Negativlauf verantwortlich machen. Wenig überraschend ist hierbei der Trainer in der ersten Reihe. Auch ich sollte mich zu diesem Thema klar positionieren, was ich aus meiner Sicht schon getan habe. Aber um der/dem einen oder anderen hier einen Gefallen zu tun, beantworte ich gern einen Post von Scorpion:
So so @Scholle. Du sezierst und analysierst die Fehler und Unzulänglichkeiten von Walter sehr genau, weigerst Dich aber auszusprechen, dass die logische Konsequenz einzig und allein eine sofortige Beurlaubung von Walter sein kann/muss.
Ich spreche keine Fehler an, die ich nicht schon letzte Serie sowie nach den ersten Spielen dieser Saison klar formuliert hatte. Ich hatte es zuletzt auch nach dem ach so gefeierten Derbysieg gesagt, und ich wiederhole hier nur, was ich von Anfang an über den Walter-Fußball sage: Er mag spektakulär sein und oft gut gehen – aber auf lange Sicht ist diese bedingungslose offensive Spielweise nicht erfolgreich. Und genau das holt den HSV gerade ein.
Es wäre doch einmal ein Highlight des Sportjournalismus in Hamburg, wenn man sich VOR einer Entscheidung, die sicher andere treffen müssen, klar positionieren würde.
Ich bin fest davon überzeugt, dass der HSV seine Spielweise anpassen muss. Aber für die letzten vier Spiele? Der Punkt, den Trainer zu entlassen, hat der HSV verstreichen lassen. Bewusst. Weil man offiziell weiterhin zu 100 Prozent überzeugt ist und die Mannschaft weiter zum Trainer steht – was wirklich so ist. Jetzt einen neuen Trainer hinsetzen, wäre fahrlässig, da die Umstellung zu drastisch für die allermeisten wäre, die man jetzt bekommen kann. Einen Horst Hrubesch würde man sehenden Auges ins offene Feuer werfen. Nein, der HSV hat sich Walter verschrieben und muss jetzt zusehen, trotzdem aufzusteigen.
NACH einer Entscheidung, so war es immer, sind plötzlich alle schon immer der Meinung gewesen, dass der Trainer , Sportchef, Aufsichtsrat o.a., die falschen Leute für die Aufgabe waren. VOR einer Entscheidung halten Sie immer hinter dem Berg, bleiben im nebulösen mit dem einen oder anderen kritischen Satz. Und genau auf diesen Satz wird sich dann bezogen, wenn diejenige Person entlassen/beurlaubt worden ist. Frei nach dem Motto, man hat es ja schon frühzeitig geschrieben. Nur bis dahin, wird gelächelt.
Tim Walter war der richtige Trainer, um in Hamburg einen Umbruch einzuläuten. Er hat es bislang geschafft, die Mannschaft auf seinen Weg mitzunehmen, dabei immer wieder junge Spieler ein- und aufzubauen. Er hat dem HSV zweifellos eine sportliche DNA verpasst, die für Ballbesitzfußball und spielerische Lösungen steht. Der HSV-Fußball ist zweifellos attraktiv und besonders bei souveränen Siegen für den einen oder anderen Gegner so einschüchternd rübergekommenem, dass Außenstehende diesen Fußball gefeiert haben. Aber, noch mal: Wie schon in der Vorsaison habe ich mich auch in dieser Saison immer wiederholt: Es mag alles gut aussehen, aber es ist eben nicht langfristig erfolgreich. Langfristig gewinnt man, wenn man eine gute Balance aus Risiko und Sicherheit findet. Und die findet Walter nicht. Oder nein, anders: er will sie gar nicht finden.
Es wäre wünschenswert, wenn Du einmal klar und deutlich sagen würdest, ob Du für oder gegen eine Entlassung des Trainers bist. Und warum. Auch auf die Gefahr hin, einmal falsch zu liegen, sich aber nicht verbogen zu haben, sondern bei sich zu bleiben 🤣
So eine Entscheidung ist immer auch an die Möglichkeiten geknüpft. Wie in jeder Firma dieser Welt bringt eine Entlassung von Führungspersönlichkeiten nichts, wenn man danach führungslos ist. Sollte der HSV jetzt aber einen Julian Nagelsmann, einen Roger Schmidt oder einfach einen Trainer sofort bekommen können (ich spinne hier ganz bewusst...!), mit dem man sich langfristig Erfolg ausrechnet, würde ich als Verein sofort handeln, weil mein Vertrauen in Walters Weiterentwicklung vorsichtig formuliert: stagniert. Ich bin weiterhin dafür, dass der HSV weniger spektakulär, dafür umso mehr kontrolliert Fußball spielen lässt. Kontrolle gepaart mit individuell höherer Qualität sorgt für Siege. Jetzt Walter auszutauschen würde aber mehr Schaden anrichten, als Dinge sofort verbessern. Dieser Zeitpunkt ist vorüber. Vielmehr muss auch Walter klargemacht werden, dass er sich nicht weiterentwickelt hat. Er muss erkennen, dass er liefern muss, wenn er seinen gerade erst verlängerten Vertrag nicht vorzeitig beenden will. Diese Chance hat er - auch wenn es nahezu ausgeschlossen ist, dass er sich verändern wird. Und: Sollte er sich diesem Weg weiter verschließen oder man erkennen, dass Walter diese Forderung nicht umsetzt – ist eine Trennung unumgänglich. Nach Saisonende. Mit und ohne Aufstieg.
In diesem Sinne,
Scholle
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