HSV verliert Test gegen Braunschweig - Amaechi gescheitert
„Testspiele sind zum Testen da – und für sonst gar nichts... Das Ergebnis interessiert mich überhaupt nicht.“ Eine Aussage, mit der ich mich schwertue. Denn letztlich ist es im…

„Testspiele sind zum Testen da – und für sonst gar nichts... Das Ergebnis interessiert mich überhaupt nicht.“ Eine Aussage, mit der ich mich schwertue. Denn letztlich ist es im Training wie in solchen Testspielen immer gleich: Sobald der Wettkampfmodus eingeschaltet wird, ist ein Ergebnis im Wettkampfmodus nie egal. Und so ein 1:2 gegen Eintracht Braunschweig fördert in der aktuellen Situation sicher auch nicht die Selbstsicherheit der Mannschaft, oder? Für Walter war es kein Thema. Dass die Defensive beim 0:1 wieder schwach agierte, war nicht mehr relevant. Ob er sich Sorgen mache deswegen? Walter verweist auf die kommende Trainingswoche, da die Spieler ab sofort bis Montag frei haben: „Bis zum Spiel in Düsseldorf ist es noch so viel Zeit.“
Für den HSV-Trainer ging es heute vorrangig darum, dass seine Spieler noch mal an ihre körperlichen Grenzen kommen. Er lobte den Einsatz seiner Mannschaft nach „zwei richtig harten Trainingstagen“ zuvor. Er lobte zudem die jungen Spieler („es gab schon einige Lichtblicke“) und den tatsächlich auffälligen Elija Krahn sowie Jonas David, der beim 0:1 allerdings entscheidend falsch stand.
Walter versuchte, das insgesamt schwache Spielniveau dieser Testspielniederlage nicht zu hoch zu bewerten. „Es geht auch darum, für diejenigen, die nicht auf Länderspieltour sind, das Level hochzuhalten.“ Und mit Blick auf die vielen Youngster, die heute zum Einsatz kamen, darf man tatsächlich das eine oder andere Lob verteilen. Der angesprochene Krahn beispielsweise wirkte nach seiner langen verletzungspause frisch und schon sehr ruhig am Ball. Omar Megeed wirkte sehr engagiert und flexibel einsetzbar, Jesse Kilo wirkt auf mich schon erstaunlich cool. Zudem stand mit dem B-Junioren-Kicker Davis Rath (17) ein sehr spannender Akteur auf dem Platz, dessen Ballbehandlung schon ein Niveau hat, das etwas ausgefeilter sicher eine Waffe im Profibereich werden kann. Aber: Bis dahin ist wirklich noch lange Zeit…
Selbige Zeit bis zum Düsseldorf-Spiel muss Walter darauf verwenden, einen Ersatz für den gelbgesperrten Abwehrchef Sebastian Schonlau zu finden. Heute spielten Jonas David und Javi Montero. Und im Gegensatz zum Trainier mache ich mir ernsthaft Sorgen. Bei David, der zuletzt gegen Kiel und heute in der zweiten Halbzeit gut spielte - der aber auch immer wieder folgenschwere Aussetzer hat. So auch heute in der ersten Halbzeit (ebenso wie Montero und Heyer). Dennoch gilt David als gesetzt. Schon allein, weil die Alternativen fehlen.
Gleiches gilt wohl auch für Montero. „Klar ist er eine Option, ist doch logisch. Irgendwie müssen wir ja Bascho ersetzen.“ So formuliert es der Trainer und fügt hinzu, dass er den Spanier im Training mit guten Ansätzen sieht. „Gegen Karlsruhe hat er es auch gut gemacht“, sagt der HSV-Trainer, der auch die Anpassungszeit des erst im Winter verpflichteten Innenverteidigers nicht als Problem gelten lässt. „Sonst würde ich es im Training ja sehen, aber da sehe ich gar keine Probleme.“
Apropos: Ein Problem mit seinen Einsatzzeiten seit seinem gescheiterten Wechsel im Winter hat Sonny Kittel. Und auch heute hatte er in der ersten Halbzeit eine Körperspannung wie ein Regenwurm. Und während ich mich über seine Ausstrahlung ebenso wie über sein Spiel geärgert habe, lobte Walter den heutigen Torschützen des HSV: „Er hat sehr, sehr viele gute Situationen gehabt. Er hat es sich auch verdient. Er hat mal wieder durchgespielt und einfach Spaß gehabt, wieder zu kicken. Ob dann alles klappt oder nicht, darum geht’s nicht. Bei ihm geht’s darum, dass er eine gewisse Freude entwickelt.“
Und ja, so ist es. Kittel muss bespaßt werden, seine Laune muss gut sein, damit er funktioniert. Und selbst dann ist das nicht sicher. Aber er hat halt Fähigkeiten, die andere nicht haben. Dennoch zeigt mir diese Einschätzung Walters, dass Kittel hier nie ein wirklicher Leader werden kann. Denn sein Verhalten können sich nur Ausnahmespieler wie vielleicht Messi, Ronaldo oder Mbappé erlauben. Aber die machen das trotzdem nicht – und sind genau deshalb die Größten, während Kittel in der Zweiten Bundesliga kickt. Oder wie zuletzt halt auf der Bank sitzt. Dass Walter ihn in Schutz nimmt, ehrt ihn. „Ich habe mit Sonny ein sehr gutes Verhältnis. Und das wird auch so bleiben. Darum brauchen wir über ihn nicht diskutieren. Er kennt sich hier aus, wie andere das interpretieren, ist mir völlig egal. Es geht darum, wie er und ich das sehen. Und da bin ich sehr zufrieden.“ Na dann.
Anders ist das allerdings bei einem Spieler, dem ich auch in seiner ganz kurzen, guten Phase im Sommer immer wieder die Zweitligatauglichkeit abgesprochen habe: Xavier Amaechi. Und nun hat der Engländer selbst Walter gegen sich aufgebracht. In letzter Zeit mit wenig Selbstreflexion – heute mit einer unterirdischen Verweigerungshaltung auf dem Platz, die Walter dazu brachte, ihn nach etwas mehr als 20 Minuten wieder auszuwechseln. Walter über seinen Problemspieler: „Da war ich sehr unzufrieden. Er muss nicht denken, dass er zurückkommt und hier nichts zeigen muss. Wenn ich eines kann, dann laufen. Und wenn ich das nicht mache, dann sitze ich.“
Es ist das Ende nach vier verkorksten Fußballjahren für das einst vom HSV gehypte Talent, das nie den Beweis antrat, ein solches wirklich zu sein. Ob Amaechi wisse, woran er gerade scheitert? „Ich glaube eher nicht, dass er es verstanden hat. Sonst hätte er das auch im Training schon gezeigt, dass er es versteht. Aber das ist auch eine Sache, die sich irgendwann von selbst regelt. Da ist jeder für sich selbst verantwortlich“, so Walter, der auch gleich klarmachte, wie Amaechi es selbst sieht: „Man sollte nicht immer die Schuld bei anderen suchen, sondern bei sich selbst. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied.“ Wobei: Das gilt auch für Walter und seinen Lernprozess in Sachen Spielsystem in dieser Saison. Aber das Thema hatten wir jetzt zur Genüge…
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