Spielbericht

HSV verliert ein Spiel, in dem komplett die Kontrolle verloren ging

Drei Rote Karten gegen den HSV und eine Niederlage: Das war mehr als nur ein gebrauchter Tag. Mit 1:2 verlor die Mannschaft von Trainer Tim Walter gegen den SV Darmstadt 98 und…

HSV verliert ein Spiel, in dem komplett die Kontrolle verloren ging

Drei Rote Karten gegen den HSV und eine Niederlage: Das war mehr als nur ein gebrauchter Tag. Mit 1:2 verlor die Mannschaft von Trainer Tim Walter gegen den SV Darmstadt 98 und kassierte damit die zweite Heimniederlage dieser Saison. Sportlich zurecht. Der Ex-HSVer Patric Pfeiffer (4. Minute) und Phillip Tietz (7.) sorgten in der Startphase für einen empfindlichen Doppelschlag gegen schlafende HSV-Mannschaft, die erst in der zeiten Hälfte erkannte, worum es ging. Ransford Königsdörfer schaffte zwar noch den späten Anschlusstreffer (87.), aber das reichte am Ende auch nicht mehr zum Punkt. 

Auch, weil sich der HSV selbst schwächte. In der hektischen zweiten Halbzeit gab es gleich vier Platzverweise: Aaron Opoku musste nur acht Minuten nach seiner Einwechslung wegen eines unfassbar dämlichen Fußtritts gegen Fabian Holland (64.) mit Rot vom Platz. Ob er noch mal für den HSV auflaufen wird oder ob man jetzt versucht, ihn schnell noch abzugeben – ich weiß es nicht. Bei mir wäre er definitiv lange raus. Weit über die zu erwartende lange Sperre.

Auch Torschütze Ransford Königsdörffer sah wegen einer angeblichen Tätlichkeit Rot (89.). Der daraufhin auf den Rasen gestürmte und protestierende HSV-Sportvorstand Jonas Boldt kassierte derweil eine Gelbrote Karte und musste auf die Tribüne ausweichen. Die Darmstädter kamen ebenfalls nicht ungeschoren davon: Klaus Gjasula musste vom Platz nach Gelb-Rot (59.). Dass der HSV diese Überzahl nicht ummünzen konnte, lag an der Unbeherrschtheit Opokus.

„Viele Entscheidungen waren sehr hektisch“, sagte Boldt und räumte ein, dass auch „eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Spiel“ und dem Ergebnis zu seiner Reaktion geführt habe. „Es war ein sehr emotionales Spiel. Ich habe auch Emotionen. Ich werde immer meine Farben verteidigen“, befand der Sportvorstand und beteuerte: „Ich habe nichts Beleidigendes gesagt.“ Selbiges beteuerte übrigens der völlig desolate Schiedsrichter Schröder, dem die HSV-Spieler unterstellten, er habe sie beleidigt.

Einziger Lichtblick hingegen war Neuverpflichtung Jean-Luc Dompé. Der 27 Jahre alte Flügelspieler belebte mit seinem Trickreichtum und seinem Tempo das Angriffsspiel der Hamburger. Erst am Donnerstag einen Tag zuvor hatte er seine erste Trainingseinheit mit der Mannschaft absolviert. Darmstadt 98 bleibt derweil ein Angstgegner. Der HSV baute seine schwarze Serie gegen die Hessen auf nunmehr fünf Zweitliga-Heimspiel ohne Sieg aus. Drei Niederlagen und zwei Remis stehen nunmehr zu Buche. 

Die Einzelkritik:

Daniel Heuer Fernandes: Schwacher Pass auf Heyer vor der Ecke zum 0:1, chancenlos beim 0:2. Danach gut. Note: 3

Moritz Heyer (bis 56.): Er leitete das 0:1 mit einem katastrophalen Fehlpass per Kopf ein und kam gegen Pfeiffer (nicht sein Mann) zu spät. Über seine rechte Seite fiel auch das 0:2, stand bei der Riesenchance von Tietz (20.) schlecht und verlor nach vorn zu viele leichte Bälle bzw. war zu ungenau im Abspiel. Aber: Er ließ sich trotz dieses Katastrophenstarts nicht hängen, was für ihn spricht! Viel mehr war es heute aber auch wirklich nicht. Note: 5

Aaron Opoku (ab 57.): Als er zum Einwechseln lief, habe ich die Hände überm Kopf zusammengeschlagen. Ich wusste warum. Für so eine Rote Karte, die roter gar nicht sein kann, wäre er bei mir kein Kaderkandidat mehr. Er verschenkte die HSV-Überzahl. Note: 7

Sebastian Schonlau: Unglücklich beim 0:2, wo nur sein Fuß das Abseits aufgehoben haben soll. Und Darmstadts quirliger, kompakter Manu zeigte Schonlau, nicht kann.

Mario Vuskovic: Er ging heute in der schwachen Defensive mit unter. Note: 4

Miro Muheim (bis 75.): Viele technische Fehler zu Beginn, schwache Zweikämpfe, Ballverluste, unnötige Fouls – das war gar nichts. Das war nicht der Muheim der letzten Wochen, sondern der, der für Tim Leibolds Comeback sorgt. Ich hätte ihn nach 30 Minuten runtergenommen. Wenn er nicht in den letzten Wochen so gut gespielt hätte, hätte vielleicht auch Walter ihn runtergenommen. Vor allem hätte er ihn runtergenommen, wenn er gewusst hätte, dass es einfach nicht besser werden sollte. Note: 6

Bakery Jatta (ab 76.): Nach einer Woche Mannschaftstraining dabei. Aber noch lange nicht auf Temperatur. Note: 4 

Jonas Meffert: Er wollte seine Mitspieler mitreißen, wachrütteln – und ackerte für drei.  Note: 3,5

Ludovit Reis (bis 75.): Sein Pass auf Königsdörffer in der 40. MUSS früher kommen! Ansonsten trotzdem einer der wenigen, der jeden Angriff ankurbeln wollte. Leider treibt er noch zu oft zu lange den Ball. Ein schneller Pass (wie auf Königsdörffer in der 40. gut gewesen wäre) würde ihn Kräfte schonen lassen und das Spiel schneller machen. Note: 4

Filip Bilbija (ab 76.): Wirkungslos.

Maximilian Rohr (bis 45.): Langsam muss er mal ein wirklich gutes Spiel machen, um seine Startelfnominierungen zu rechtfertigen. Note: 5

Jean Luc Dompé (ab 46.): Brachte Schwung, versuchte es häufiger im Eins-gegen-Eins. Für einen Blitzstart war das swehr ordentlich. Note: 3

Ransford-Yeboah Königsdörffer: Durfte wieder frei wirbeln – und tat das auch. Bester Mann beim HSV, er traf zum 1:2. Und dann musste er wegen eines unabsichtlichen Handschlages mit Rot runter. Was für eine bittere Entscheidung. Denn Königsdörffer wird dem HSV fehlen. Sehr sogar.  Bis zu Roten Karte bekommt er die Note: 2. Und: Danach auch. Denn solche Rote Karten sind albern. Alberner war nur die Theatralik des K.o.-geschlagenen Ronstadt.

Robert Glatzel: Er arbeitet viel, musste sich zunächst aber zu oft zu tief die Bälle holen. Er war fleißig – vergab aber in der 78. Minute eine Hundertprozentige, bereitete dann aber den Anschlusstreffer vor. Note: 4

Sonny Kittel (bis 70.): Er wollte, hatte zu Beginn zwei, drei gute Szenen. Mehr dann aber nicht. Note: 5

Laszlo Benes (ab 71.): Ich werde mit seiner Spielweise einfach nicht warm. Ich glaube ehrlich, dass er extrem gewillt ist, motoviert auf dem Platz. Aber das ist mir alles zu ineffektiv. Mir fehlt da Klarheit im Spiel nach vorn, die Ruhe am Ball. Das ist alles zu wenig. Note: 5

Trainer Tim Walter: Der Opoku-Wechsel war mutig – und ging nach hinten los. Dass der HSV weiterhin gegen tiefstehende Mannschaften so arge Probleme hat und parallel dazu so konteranfällig ist – es ist ein Problem, das wir ewig kennen. Und heute war Darmstadt besser. Auch taktisch. Note: 5

Schiedsrichter Robert Schröder: Sicherlich ein schwieriges Spiel. Aber das auch und vor allem, weil er es schwierig gemacht hat. Mit vielen hektischen Entscheidungen verlor er komplett die Kontrolle über das Spiel und versuchte, sich mit Karten Autorität zurückzuholen. Sehr zum Ärger beider Trainer, die jeweils Spieler verloren. Schlechter als Schröder war allerdings noch der Linienrichter auf der Osttribünenseite. Unfassbar, wie der sofort auf Abseits entschied, ehe Glatzel gefoult wurde. Dazu die Rote gegen Königsdörffer, die er sofort anzeigt – Wahnsinn.  Note: 6

VAR Johann Markus Schmidt: Was bitteschön machen die Männer da im Kölner Keller? Ich kann es nicht mehr ab. Das ist einfach nur noch peinlich. Hätte bei der Roten Karte gegen Königsdörffer einschreiten können, nein: MÜSSEN. Note: Absetzen!

HSV-Fans: Unglaublich, wie diese Fans diesen HSV bei allem, was er zum Meckern liefert, unterstützen. Selbst Gästetrainer Lieberknecht lobte die HSV-Anhänger, die die Mannschaft bedingungslos (bei wenigen Pfiffen) nach vorne schreien. Note: 1

DIE DATEN ZUM SPIEL:

Tore: 0:1 Pfeiffer (4.), 0:2 Tietz (7.), 1:2 Königsdörffer (87.)

Zuschauer: 43.943

Schiedsrichter: Robert Schröder

Gelbe Karten: Meffert, Opoku, Glatzel / Gjasula, Tietz, Holland, Bader

Gelb-Rote Karten: - / Gjasula (58.)

Rote Karten: Opoku (62.), Königsdörffer (89.) / -

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