Spielbericht

HSV verliert 0:4 beim 1. FC Köln - Leibold vor Wechsel in die USA

Dass der HSV in Köln heute nichts zu bestellen haben wird, war mir vorher klar. Gerade einmal eine Woche Mannschaftstraining können nicht für einen Erstligisten reichen, der…

HSV verliert 0:4 beim 1. FC Köln - Leibold vor Wechsel in die USA

Dass der HSV in Köln heute nichts zu bestellen haben wird, war mir vorher klar. Gerade einmal eine Woche Mannschaftstraining können nicht für einen Erstligisten reichen, der deutlich länger trainiert und deutlich früher wieder angefangen hat. Oder wie es HSV-Trainer Tim Walter den BILD-Kollegen sagt: „Die Jungs haben sehr viel gearbeitet diese Woche. Sie sind richtig platt. Es war ein guter Test für uns. Grundsätzlich bin ich mit der Intensität und Einstellung zufrieden. Es ist auch nicht so verkehrt, dass uns unsere Fehler aufgezeigt wurden.“ Dass es am Ende 0:4 ausgeht ist aus meiner Sicht sogar noch eine Niederlage, die man in Grenzen halten konnte. Zumal mir die ersten 30 Minuten sogar gefallen haben, während die zweiten 30 Minuten eine defensive Katastrophe und die letzten 60 Minuten kaum noch ernst zu nehmen waren, da beide Mannschaften komplett durchwechselten.

Mit einem Doppelschlag brachte Denis Huseinbasic die Gastgeber in der über 120 Minuten ausgetragenen Partie in Führung. Der 18-jährige Justin Diehl und Kingsley Schindler erhöhten auf 4:0. Im dritten Viertel zeigte der HSV wieder mehr Mut und erspielte sich wenigstens ein paar Offensivaktionen (ohne echte Torchance). Der eingewechselte Jean-Luc Dompé auf der linken Angriffsseite brachte mehr Schwung kam mehr Schwung ins Offensivspiel der Hamburger. Doch die Kölner blieben das tonangebende Team und gewannen verdient. «Du hast gemerkt, dass die Körner fehlen», sagte Kapitän Sebastian Schonlau. Was ein Wunder…

Trainer Tim Walter, der unmittelbar vor Spielbeginn noch den Ausfall von Laszlo Benes (für ihn kam Königsdörffer) hinnehmen musste, wechselte wie angekündigt kräftig durch. Ersatztorhüter Matheo Raab kam für die letzten 30 Minuten. Zudem durften sich die Nachwuchskräfte Bent Andresen, Jesse Kilo, Omar Megeed und Nicolas Oliveira Kisilowski zeigen. Allesamt blieben weitestgehend unauffällig, wobei Andresen das 0:4 leider durch einen bitteren Fehlpass maßgeblich begünstigte.

Gar nicht mit dabei waren Anssi Suhonen, der wegen eines Sehneneinrisses im linken Oberschenkel mehrere Wochen nicht zur Verfügung steht, sowie Miro Muheim (verletzt) und Tim Leibold. Letztgenannter Linksverteidiger fehlte aus privaten Gründen, hieß es zunächst. Inzwischen ist aber bekannt, dass Leibold offenbar vor dem Wechsel in die MLS in die USA stehen soll. Auch Sportvorstand Jonas Boldt dementierte nichts, sondern kündigte Gespräche an. „Wir werden uns in den nächsten Tagen austauschen, wie es weitergeht.“ Klingt für mich alles schon sehr nach Abschied. 

Aber noch mal kurz zurück zu dem Spiel, aus dem im Nachgang alle versuchten, die positiven Dinge zu ziehen. Zum Beispiel die Rückkehr der beiden zuletzt Langzeitverletzten Bakery Jatta und Moritz Heyer, der als einziger Spieler 120 Minuten auf dem Platz stand. Heyer wirkte fit, frisch und spielte sehr ordentlich. Ebenso Jatta – aber leider wie immer nur bis zur entscheidenden Zone. Denn weder seine Flankenbälle noch sein Torabschluss (er hatte im ersten Drittel die wohl beste HSV-Chance) waren auch nur ansatzweise gut.

In Ansätzen sehr ordentlich war dagegen das neue Innenverteidiger-Duo Sebastian Schonlau/Jonas David. Letztgenannter wirkt neben Schonlau deutlich stabiler als in seinen ersten Auftritten dieser Saison neben dem gesperrten Mario Vuskovic. David spielte gut, bis auf die Szene zum 0:1, wo er sich mit dem noch erkennbar überforderten William Mikelbrencis nicht gut abstimmte. Beide dachten, dass der jeweils andere den Ball wegschlägt. Nutznießer war Kölns Huseinbasic.

Ansonsten war es eine gute Trainingseinheit aus HSV-Sicht – nicht viel mehr. Trainer Tim Walter war nicht ganz zufrieden: „Wir waren nicht konsequent. Nicht hinten und nicht vorn. Die ersten zwei Gegentreffer schießen wir uns selber rein. Das war diesmal das Problem. Aber gegen so eine Mannschaft kann man mal verlieren.“


DIE STATISTIK ZUM SPIEL:

1.FC Köln: Horn (61. Köbbing) - Schmitz (61. Schindler), Hübers (61. Bakatukanda, 105. Wäschenbach), Chabot (61. Soldo), Hector (61. Pedersen) - Skhiri (61. Martel), Ljubicic (31. Olesen, 91. Toure) - Maina (61. Schwirten), Huseinbasic (61. Finkgräfe, 91. Duda), Kainz (61. Lemperle) - Tigges (61. Diehl, 105. Strauch)

HSV: Heuer Fernandes (91. Raab) - Heyer, David (61. Zumberi), Schonlau (91. Andresen), Mikelbrencis (61. Heil) - Meffert (91. Megeed) - Jatta (61. Bilbija), Reis (91. Oliveira Kisilowski), Kittel (61. Dompe) - Glatzel (91. Sanne), Königsdörffer (61. Amaechi, 110. Kilo)

Tore: 1:0 Huseinbasic (48.), 2:0 Huseinbasic (50.), 3:0 Diehl (88.), 4:0 Schindler (120.)

Zuschauer: 5.700 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Nico Fuchs (Odenthal)


Na dann. Morgen geht’s weiter. Mit einem sicher für Zuschauer spannenden, aber sportlich ebenso wenig ernst zu nehmenden Hallenturnier in Gummersbach, bei dem vor allem die jungen Spieler eingesetzt werden sollen.

Euch allen bis dahin erst einmal einen schönen Abend!

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