Analyse

HSV trifft auf Magdeburg - gewinnt am Ende der Schlauere?

„Der HSV ist eine gewachsene Mannschaft mit einer guten Stabilität und Ausgewogenheit zwischen Offensive und Defensive. Sie haben auch ihren Kader zum Großteil…

HSV trifft auf Magdeburg - gewinnt am Ende der Schlauere?

„Der HSV ist eine gewachsene Mannschaft mit einer guten Stabilität und Ausgewogenheit zwischen Offensive und Defensive. Sie haben auch ihren Kader zum Großteil zusammengehalten. Der HSV hat in der Offensive eine hohe individuelle Qualität, aber auch eine Wucht und Möglichkeiten zu variieren. Deswegen treffen wir auf eine der stärksten Mannschaften der Liga. Es wird ganz entscheidend sein, dass wir unser Spiel auch mit reinbringen und es schaffen, den Gegner gut anzulaufen und zuzustellen, sodass wir die Balleroberungen hinbekommen. Und auch, dass wir auch mit dem Ball unser Spiel aufzuziehen. Es wird auch darauf ankommen, den Gegner in der Tiefe zu attackieren.“

Das sagt der ehemalige HSV-Trainer Christian Titz vor dem Duell am Sonnabend beim HSV über den HSV.

Im Grunde aber sagen das alle Trainer der Zweiten Liga bis zur Hälfte des Statements. Bis zu dem Punkt, an dem Titz betont, das eigene Spiel durchdrücken zu wollen. Denn das versuchen die wenigsten. Und genau darin liegt heute der Schlüssel zu Sieg: In der defensiven Konsequenz.  Denn Fakt ist: Torchancen haben beide Mannschaften immer wieder. Mehr als andere Teams. „Uns fehlt seit ein paar Wochen die letzte Entschlossenheit“, klagte HSV-Trainer Tim Walter zuletzt nach dem Pokalauftritt in Bielefeld, während Magdeburgs Coach Titz nach dem Pokalsieg im Elfmeterschießen bei Holstein Kiel (1:1 nach 120 Minuten, 4:3 im Elfmeterschießen) befand: „Es war für uns eine wirklich gute erste Halbzeit, in der wir deutlich höher führen müssen. Dann haben wir die zwei Eigentore und verpassen es auch in der Verlängerung, den Sack zuzumachen.“ Im Endergebnis identisch verlief das HSV-Spiel, das auch vom Spielverlauf Ähnlichkeit hatte.

Nun also das direkte Duell am Sonnabend als Abendspiel im Volksparkstadion. Das Spiel der zwei Mannschaften mit dem meisten Ballbesitz der Liga. Der 1. FC Magdeburg hat durchschnittlich 60,6 Prozent Ballbesitz, während der HSV 56,7 Prozent hat. Dementsprechend bleibt auch ein Säbelrasseln beider Trainer aus. Stattdessen erklären beide Mannschaften, wie viel Respekt sie voreinander haben. Und dennoch, im Ergebnis, davon gehe ich aus, wird der HSV heute Abend wieder das Spiel machen, früh attackieren, hoch pressen und über den Ballbesitz Dominanz ausüben wollen. Währenddessen wird Magdeburg defensiv kompakt stehen und auf schnelle Gegenstöße lauern. Das ist kräftemäßig ökonomischer als das Spiel durchgehend dominieren zu wollen.

Aber es birgt gegen gute Mannschaften, und zu denen gehört der HSV in der Zweiten Liga, auch die Gefahr, in Rückstand zu geraten. Und das will Walter verhindern. Nach dem Motto „je mehr du nach vorne machst, desto weniger musst du nach hinten verteidigen“ wird es auch heute um die Effektivität im Abschluss gehen. Schafft es der HSV, seine Chancen zu nutzen? Oder lässt man dem Gegner immer wieder Gegenstöße zu?

Ich vergleiche es immer gern mit Boxkämpfen, wo oft der aktivere Boxer gewinnt, weil seine Gegner nicht lang genug die Deckung halten und schon gar nicht Druck ausüben können. Irgendwann brechen diese Gegner auseinander und lassen entscheidende Lücken zu. Aber trifft dieser aktivere Boxer dann mal auf einen anderen, sehr aktiven Boxer, gewinnt am Ende meistens der mit der besseren Taktik. In den letzten beiden Saisons war der HSV immer der aktivere Boxer, der nicht selten wild auf seinen Gegner einschlug und hoffte, so den K.O. zu schaffen.

Problem hierbei: Selbst für die schwächsten Gegner war der Lucky Punch immer drin, denn der HSV ließ dabei die eigene Deckung komplett außer Acht. Und das wiederum wurde letztlich zum Verhängnis/zum Nichtaufstieg. Eine Schwäche, die Walter in dieser Saison abzustellen versucht. Ob das letztlich auch ein Stück weit personell erzwungen wurde oder nicht – geschenkt. Aber allein die Kombination mit einem reinen Ausputzer (Zumeist Ramos/aber auch Ambrosius ist so ein Spielertyp) neben einem spielerischeren IV (Schonlau ist das/Hadzikadunic in Teilen) gibt dem HSV defensiv schon mehr Stabilität als das vermeintlich spielerische Duo Schonlau/David in der Vorsaison. Dass hierbei die tiefer stehenden Außenverteidiger eine wesentliche Begleitrolle spielen, sei zudem betont.

Aber noch mal zurück zum Spiel gegen Magdeburg: Mit einem Sieg vor ausverkauftem Haus können Walter und Co. heute auf den zweiten Platz klettern, nachdem Fortuna Düsseldorf zum Auftakt. Walter weiß, dass seine Spieler den Gegner nicht unterschätzen dürfen. In der vergangenen Saison gab es für die Hamburger zwei 2:3-Niederlagen. Ausfallen wird heute leider kurzfristig nun auch Innenverteidiger Guilherme Ramos wegen Muskelproblemen im Adduktorenbereich. Für ihn rückt mit aller Voraussicht nach Stephan Ambrosius in die Startelf. Ebenfalls wieder fit und nahezu sicher in der Startelf ist Jean Luc Dompé. Auch sonst gehe ich davon aus, dass Walter im Gegensatz zum Pokalspiel wieder zurückrotiert zu seiner Startelf der Vorwoche.

Fazit: Es wird ein aus taktischer Sicht sehr spannendes Spiel. Und dabei ist eines für mich klar, der Klügere der beiden Trainer wird mit seinem Team am Ende gewinnen. Hoffen wir mal, dass Walter aus der Vorsaison auch in Bezug auf Magdeburg seine Schlüsse ziehen konnte. Immerhin war Magdeburg die letzte Heimpleite für den HSV, der seitdem in nunmehr 15 Heimspielen ungeschlagen ist.

In diesem Sinne, Daumen drücken! Und bis später. 

Scholle

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