HSV-Trainer Tim Walter gibt noch mal Gas
HSV-Kapitän Sebatsian Schonlau spricht bei den Kollegen des Hamburger Abendblattes davon, dass er seine Mannschaft auf Rang eins sehen würde. Und auch Felix Magath hält den HSV…

HSV-Kapitän Sebatsian Schonlau spricht bei den Kollegen des Hamburger Abendblattes davon, dass er seine Mannschaft auf Rang eins sehen würde. Und auch Felix Magath hält den HSV für den ersten Aufstiegsanwärter in der am Wochenende beginnenden Saison der 2. Fußball-Bundesliga. „Ich sehe sonst neben den Hamburgern keinen großen Favoriten auf den Aufstieg. Der HSV muss diesmal nach oben gehen“, sagte der langjährige HSV-Profi den Kollegen der BILD. „Ich denke, dass die Chancen auf den Aufstieg für den HSV sehr, sehr gut stehen. Schalke und Bremen als große Konkurrenten sind aus der Liga verschwunden. Gleichwertiges ist nach meiner Meinung nach nicht in die 2. Liga heruntergekommen“, meinte der 68-Jährige, der in der vorigen Spielzeit als damaliger Coach von Hertha BSC den HSV-Aufstieg in der Relegation noch verhindert hatte. Dafür spräche außerdem, dass der Kader von HSV-Trainer Tim Walter weitgehend zusammengeblieben sei. „Die Mannschaft hat keine großen Veränderungen im Team, keine substanziellen sportlichen Verluste.“
Alle so genannten Experten und welche, die es sein wollen, erklären den HSV also zum Aufstiegsfavoriten. Und im Gegensatz zum Vorjahr halte ich das in diesem Jahr auch inhaltlich für angebracht. Ebenso, dass der HSV intern wie extern klar den Aufstieg als Ziel geäußert hat. Und auch Magath hält es auch für richtig. „Alles andere als seine Aufstiegsambitionen klar zu formulieren, geht da nicht“, betonte Magath, der nach seiner Zeit als Profi auch als Manager und Trainer für den norddeutschen Traditionsclub tätig war. „Man muss zu seinen sportlichen Zielen stehen und das tut der Verein.“
Apropos: Trainer Tim Walter ist bekannt dafür, dass er zu seinen Spielern steht. Aktuell kommt insbesondere einer in den Genuss dieses Vertrauens, den ich schon komplett abgeschrieben hatte: Xavier Amaechi. Zwei Tore in den drei Testspielen der Vorbereitung haben ihn beim Trainer ebenso wieder auf den Zettel katapultiert wie ein langes, klärendes Gespräch vor Vorbereitungsbeginn. Walter hat Xavier Amaechi Hoffnungen auf den sportlichen Durchbruch beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV gemacht. „Xavier hat seine Chance genutzt. Er macht viele gute Dinge“, lobte der 46-Jährige den 21 Jahre alten Engländer.

Zur Erinnerung: Amaechi war zur Saison 2019/20 als 18-Jähriger und Toptalent für knapp drei Millionen Euro vom FC Arsenal zum HSV gekommen, wo er noch bis Sommer 2023 unter Vertrag steht. Doch der Linksfuß konnte sich bisher nicht durchsetzen, sondern wurde an den Karlsruher SC und zuletzt an den Drittligisten Bolton Wanderers verliehen. Auch bei seinen Leihstationen kam Amaechi kaum zum Zug. Beim KSC stand er sieben Mal auf dem Platz (einmal Startelf), bei den Wanderers kam er in zwölf Partien zum Zug – allerdings auch hier zehn Mal nur als Einwechselspieler. Zudem warf ihn in England ein Mittelfußbruch weit zurück.
Nun nimmt er den nächsten Anlauf. Den letztmöglichen beim HSV und einen, den ich ihm niocht zugetraut hatte. Auch nach den Spielen der Vorbereitung fehlte mir die Fanatasie. Anders Walter, der sagt: „Er hat hier eine Zeit gehabt, die man als junger Spieler nicht haben will. Doch jetzt ist er vom Kopf her angekommen. Er spürt, dass jemand hier ist, der ihn verbessern will.“ Amaechi, dem Trainer Walter eine gute Vorbereitung bescheinigte, sieht seine Chance: „Wenn du das Vertrauen vom Trainer spürst, dann kannst du auch deine wahren Qualitäten zeigen. Tim Walter hat mir dieses Vertrauen geschenkt und im Gegenzug habe ich meine Form wiedergefunden», sagte der frühere englische U20-Nationalspieler, der auf der linken Außenbahn künftig eine Alternative sein kann.
Auch die wie Amaechi in diesem Sommer zurückgekehrten Leihspieler Robin Meissner (zuvor Hansa Rostock), Aaron Opoku (VfL Osnabrück) und Ogechika Heil (Go Ahead Eagles Deventer/Niederlande) sollen die Chance erhalten, sich beim HSV durchzusetzen. Während Meißner und Opoku Offensiv-Alternativen sind, kommt Heil seine Vielseitigkeit zugute. Der 21-Jährige gilt nach dem Transfer von Josha Vagnoman zum VfB Stuttgart als Backup für Moritz Heyer als Rechtsverteidiger. Aber: Bei allen hier genannten gehe ich noch lange nicht über die Brücke, dass sie auch nach Ende des Transferfensters noch in Hamburg sind. Denn hierfür sind andere Faktoren entscheidend.
Unter anderem die Beteiligungen des HSV an möglichen Weiterverkäufen ehemaliger HSV-Profis. Und während sich der Transfer von Filip Kostic in eine Vertragsverlängerung bei Eintracht Frankfurt zu drehen scheint, wird ein teurer Weiterverkauf von Amadou Onana immer wahrscheinlicher. West Ham United soll laut englischen und französischen Medienberichten zunächst 23 Millionen Euro und zuletzt 30 Millionen Euro geboten haben. Beide Offerten wurden vom OSC Lille abgelehnt, der angeblich 40 Millionen Euro fordern soll.
Für den HSV geht es um 20 Prozent der Transfersumme über dem damals vom OSC Lille bekommenen Betrages.
Sieben Millionen Euro hatte der HSV kassiert, soll heißen: Bei 40 Millionen Euro Ablöse würde der HSV 20 Prozent von 33 Millionen Euro kassieren – also 6,6 Millionen Euro. Eine Summe, die zweifellos zu neuen Aktivitäten auf dem Transfermarkt führen würden (ein Stürmer, ein Außenstürmer und ein Rechtsverteidiger werden noch gebraucht). Und das wiederum würde auch dazu führen, dass ein Verbleib von Spielern wie Meißner, Opoku, Heil und wahrscheinlich auch Amaechi wieder infrage gestellt würden

Mit anderen Worten: Der HSV-Trainer macht alles richtig. Er steht so lange zu seinen Spielern und versucht das Maximum aus ihnen herauszuholen, bis sie faktisch nicht mehr gebraucht werden. Das klingt jetzt erst einmal despektierlich und moralisch fragwürdig – aber es gehört zum Fußball-Business einfach dazu. Und Walter weiß nicht nur um diese Situation des HSV. Sein Arbeits-Leitfaden: „Es ist auch eine Herausforderung, mit Dingen zu arbeiten, die vielleicht schon gewohnt sind, und da die Spannung hochzuhalten.“
Stimmt. Und Walter macht gleich weiter. Er spricht auch offen darüber, dass man sehr wohl noch bemüht sei, den Kader weiter zu verstärken: „Wir sind immer offen. Solange der Transfermarkt offen ist, kann man immer was gebrauchen“, meint Walter und fügt hinzu: „Was soll ich mich jetzt darüber aufregen? Entweder es kommt einer oder es kommt keiner. Fordern bringt nichts, da bin nicht der Typ für. Es ist ja kein Geld da, von daher kann man nichts bekommen, aber der Anspruch ist trotzdem oben.“
Und dafür will er hart trainieren. „Wir werden weiterhin viel trainieren, da haben sich die Jungs schon dran gewöhnt“, so der HSV-Trainer, der in dieser Woche das macht, was Trainer gern in den letzten Tagen vor dem ersten Pflichtspiel noch mal machen: Er schärft die Sinne seiner Spieler, indem er laut wird. So auch heute im Vormittagstraining, in dem Walter seine Mannschaft lautstark kritisierte. Er demonstriert ihnen damit noch einmal, dass es auch nach der bisher recht guten Vorbereitung keinen Grund für Zufriedenheit gäbe. Walter: „Es geht nicht nur darum, sich aufs Spiel vorzubereiten, sondern auch darum, immer besser zu werden.“ Mit der Betonung auf „immer“…
In diesem Sinne, beim HSV sind alle Spieler soweit gesund, während die Langzeitverletzten Bakery Jatta und Anssi Suhonen individuell trainieren. Wir indes müssen hoffen, dass sich unser Neuzugang Louis schnellstmöglich von einer Post-Mallorca-Grippe erholt. Von daher: Gute Besserung, Louis! Und: Euch allen einen schönen Mittwochabend
Scholle
P.S.: Apropos immer – immer wieder müssen wir solche Meldungen lesen: Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den HSV wegen unsportlichen Verhaltens seiner Anhänger mit einer Geldstrafe in Höhe von 64.200 Euro belegt. Wie der DFB dazu am Mittwoch mitteilte, kann der HSV bis zu 21.400 Euro davon für sicherheitstechnische oder gewaltpräventive Maßnahmen verwenden. Voraussetzung: Der HSV muss dies dem DFB bis zum 31. Dezember 2022 nachweisen. Die Strafe wurde ausgesprochen, weil Hamburger Zuschauer im Relegations-Hinspiel zur Bundesliga bei Hertha BSC am 19. Mai 107 pyrotechnische Gegenstände gezündet hatten.
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