HSV-Trainer Walter verspricht Derby mit Vollgas-Charakter
en „großen Klub“ der Stadt bezeichnet. Nicht ganz ohne Hintergedanken, wie ich mir sicher bin. „Der HSV bleibt der HSV. Das ist der große Verein hier in der Stadt.“ Schultz…

Es geht Schlag auf Schlag: Auf den Coup im DFB-Pokal folgt das Derby - der prestigeträchtige Kampf um die inoffizielle Stadtmeisterschaft. „Ich bin seit über 15 Jahren hier und glaube, wir waren sportlich noch nie in einer so guten Doppelsituation, sind in der Meisterschaft wie im Pokal super dabei“, frohlockte St. Paulis Trainer Timo Schultz heute. Den Rückenwind des 2:1 über den BVB nehme er mit ins Match am Freitag (18.30 Uhr/Sky) beim HSV, den Schultz noch immer als den „großen Klub“ der Stadt bezeichnet. Nicht ganz ohne Hintergedanken, wie ich mir sicher bin. „Der HSV bleibt der HSV. Das ist der große Verein hier in der Stadt.“ Schultz sieht im HSV eine Mannschaft, die eine „extrem positive Entwicklung“ genommen hat - und einen Aufstiegsanwärter. „Die haben natürlich immer den Anspruch, oben dabei zu sein und aufzusteigen und normalerweise ja auch in der Ersten Liga zu spielen.“ Viel Lob vom Tabellenführer für den Tabellenfünften. Sicher auch, um die Favoritenrolle noch einmal etwas umzuverteilen.
Pauli-Trainer Schultz sieht HSV als den „großen Klub"
Dass der große HSV nun schon 21 Jahre auf einen Heimsieg über die Kiezkicker wartet, stört dessen aktuellen Coach wenig. „Dafür kann ich nichts. ich bin ja erst seit einem halben Jahr hier“, konterte Tim Walter. Während der 46 Jahre alte HSV-Coach immer wieder betont, dass er nur auf sich und sein Team schaut, hat Kollege Schultz „zumindest an der positiven Bilanz“ von zuletzt vier Siegen und einem Unentschieden aus fünf Derbys Interesse. „Diese Bilanz ist supergut, und ich hätte nichts dagegen, wenn wir sie weiter ausbauen könnten“, betonte der 44-Jährige. „Das wäre toll für das Prestige und das Renommee, aber auch gegen den HSV gibt es nur drei Punkte“, relativierte Schultz.
Beim HSV will man sich vom Blick auf die Tabelle nicht beeinflussen lassen. „Wir halten an unserem Weg fest“, sagte Walter uns heute. Mit dem 4:3 im Elfmeterschießen beim Erstligisten 1. FC Köln hat der HSV rund 1,004 Millionen Euro Prämie erzielt und will dies nun - wie der Gegner - mit einem Sieg veredeln. „Wir müssen mit viel Energie, viel Bereitschaft und viel Mut spielen“, forderte Tim Walter von seinen Spielern wieder eine Vollgas-Partie ein und sagte, was er immer wieder als oberste Vorgabe benennt: „Wir müssen bei uns bleiben.“ Soll heißen: Es geht genau so weiter, wie zuletzt. Mit allen Vor- und allen Nachteilen. Wobei: Letztere sieht Walter ja eben nicht als solche. Aber das Thema hatten wir schon so oft und werden wir sicher auch noch häufiger nach Spielen haben...
„Wer jetzt noch nicht fit ist, der ist es spätestens morgen.“
„Alle sind fit und freuen sich auf das Spiel“, berichtete Walter am Donnerstag. Zwar seien vor der dritten Partie binnen einer Woche einige Akteure angeschlagen und müde, dennoch kann sein Team aller Voraussicht nach in Bestbesetzung antreten. „Die Vorfreude auf das Derby ist viel wichtiger als die Müdigkeit“, betonte Walter. „Wer jetzt noch nicht fit ist, der wird es morgen zum Spiel spätestens sein.“ Ähnlich äußerte sich Timo Schultz. „Bei uns tobt der Konkurrenzkampf, dem müssen sich alle Spieler stellen“, sagte der Ex-Profi, der gegen den BVB sogar Mannschaftskapitän Philipp Ziereis auf die Bank beordert hatte.
Der Pauli-Coach kann am Freitag wohl auch Offensivspieler Daniel-Kofi Kyereh einsetzen, der mit Ghana beim Afrika-Cup früh ausgeschieden ist. „Wir werden schauen, in welcher Verfassung er ist“, sagte Schultz über den Top-Torvorbereiter, der nach seiner Rückkehr am Donnerstag in der Hansestadt ins Training einstieg – und den ich für einen der Top-3-Spieler in dieser Liga halte. An guten Tagen ist der Ghanaer für mich ein erstklassiger Erstligaspieler. Dementsprechend hätte ich mich gefreut, wenn Kyereh im Afrika-Cup eitergekommen wäre und Schultz heute nicht mit Blick aufs Derby hätte sagen können: „Ein fitter Kyereh ist immer eine Option für uns.“
Aber wie sagte Walter so schön: „Wir sind am besten, wenn wir bei uns bleiben.“ Also bleibe auch ich ab jetzt beim HSV. Denn der will den zweiten Sieg seit dem Abstieg aus der Bundesliga (2019 - 4:0 am Millerntor) herausspielen. Der letzte Heimerfolg des HSV damals unter Kurt Jara datiert sogar vom 2. Dezember 2001 (4:3), damals noch mit Sergej Barabrez als Torschützen. Der Bosnier hatte sich heute bei den Kollegen der Bild zum Derby geäußert „Das wird das beste Derby seit Jahren“, was man ganz sicher sehr relativ betrachten kann.
Der HSV muss gewinnen, um Anschluss zu halten
Aber die Kernaussage mag stimmen: Sportlich bessere Voraussetzungen hatte dieses Derby lange nicht mehr mit den DFB-Pokalerfolgen im Rücken und der Situation, dass der HSV mit einem Sieg bis auf drei Punkte an den Tabellenführer heranrücken könnte. Oder anders formuliert: Der HSV muss gewinnen, um den Anschluss nach oben zu halten. Eine Niederlage wäre gleichbedeutend mit dann neun Punkten Rückstand auf den Tabellenführer.
Ich weiß noch aus dem Hinspiel, dass der FC St. Pauli besser auf den Gegner vorbereitet war als der HSV. Mit ständigen Tempowechseln verunsicherte der damalige Gastgeber die Mannschaft von Trainer Tim Walter, der heute rückblickend den FC St. Pauli als die seinerzeit glücklichere Mannschaft bezeichnete. Welche Schlüsse aus dem Hinspiel noch für das bevorstehende Spiel herangezogen werden könnten, wollte ich vom HSV-Trainer wissen. Und die Antwort kam prompt: „Keine.“ Und er machte auch schnell deutlich, was er damit meint: „Wir haben uns weiterentwickelt, unser Spiel ist besser geworden. Unsere Abläufe sind viel besser geworden und wir werden daran anknüpfen, noch besser zu werden.“ Der Weg sei weiter die Entwicklung. Walter weiter: „Das, was war, hilft uns nur, um die Zukunft zu verbessern.“
Sollte Walter den letzten Satz auf die letzten Derbys und die Lehren daraus beziehen wollen, dann hängt die Messlatte nicht allzu hoch. Einen Sieg gegen den FC St. Pauli gab es vor mehr als 20 Jahren das letzte Mal im Volksparkstadion. Aber klar ist, dass Walter drauf verweisen will, dass seine Mannschaft immer noch mittendrin in einem Entwicklungsprozess steckt. Für morgen darf man aber erhoffen, dass der HSV zumindest weiter mutig auftritt. Vor allem sind schlechte Anfangsphasen längst kein sicheres Indiz mehr dafür, dass auch der Rest des Spiels sch…. läuft. Im Gegenteil: Dieser HSV kann zu jeder Zeit überraschen. In alle Richtungen…
Eine Tüte Buntes steht uns also für morgen bevor. Und ich hoffe, dass Jonas Meffert, der heute im Training fehlte und individuell im Kraftraum gearbeitet haben soll, morgen wieder fit ist. Ansonsten würde ich mit Jatta für Wintzheimer die anderen zehn Startelfspieler aus dem Köln-Spiel auf den Platz schicken. Oder? Was meint Ihr?
Ich verabschiede mich mit dieser Frage jedenfalls für heute und freue mich auf morgen. Mit dem MorningCall und am Abend dann mit dem Stadtderby. Ich melde mich direkt im Anschluss daran mit dem Blitzfazit und hoffe, dass ich wieder über einen Sieg berichten darf! Bis dahin, bleibt gesund!
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