Meinung

HSV-Trainer Walter vermeidet Zukunft-Debatte - Hannover 96 nicht

Trainer Tim Walter schaut auch kurz vor der Entscheidung im Aufstiegsrennen nicht auf die Mit-Konkurrenten. „Ich gucke mir eigentlich immer nur die Spiele des nächsten Gegners…

HSV-Trainer Walter vermeidet Zukunft-Debatte - Hannover 96 nicht

Trainer Tim Walter schaut auch kurz vor der Entscheidung im Aufstiegsrennen nicht auf die Mit-Konkurrenten. „Ich gucke mir eigentlich immer nur die Spiele des nächsten Gegners an“, sagte der 46-Jährige heute während der Online-Pressekonferenz, bevor sein Standardsatz kam: „Wir bleiben bei uns und versuchen, unser Ding zu machen. Das ist das Einzige, was wir beeinflussen können.“ Stimmt soweit. Zumindest inzwischen. Denn diese Ohnmacht hat man sich sehr wohl selbst eingehandelt.

Dennoch werden die Blicke auf die Konkurrenz die letzten zwei Spieltage zunehmend spannender.  Als Tabellenvierter hat sich das Walter-Team vor dem vorletzten Spieltag bis auf drei Punkte an Darmstadt 98 und Werder Bremen (je 57) auf den Plätzen zwei und drei herangekämpft. Um noch eine Chance auf die Rückkehr in die Bundesliga zu haben, müssen die Hanseaten zunächst ihr Heimspiel am Sonnabend (13.30 Uhr/Sky) gegen Hannover 96 und zum Abschluss bei Hansa Rostock am 15. Mai gewinnen. Zugleich müssten sich Darmstadt und Bremen Ausrutscher leisten. 

Der Freitagsspieltag wird aus HSV-Sicht besonders wichtig

Wobei dieser Spieltag der vorentscheidende werden könnte. Denn die Darmstädter spielen am Freitag (18.30 Uhr/Sky) bei Fortuna Düsseldorf – und auf dieser Partie ruhen sicherlich die größten Hoffnungen des HSV. Nicht, weil Düsseldorfs „neuer“ Trainer eine HSV-Vergangenheit hat. Denn ich bin mir sicher, dass Daniel Thioune nicht dem HSV einen Gefallen tun möchte, nachdem dieser ihn gegen seinen Willen freigestellt hatte. Im Gegenteil: Thioune sagt es zwar nicht öffentlich, aber er war mächtig enttäuscht darüber, beim HSV nicht weiterarbeiten zu dürfen. Aber: Thioune ist auch ein guter Sportsmann und hat eigene Ziele. Die Rheinländer sind so seit seinem Dienstantritt in elf Spielen noch ungeschlagen. Noch ein Spiel ohne Niederlage gegen Darmstadt und Thioune hätte den internen Trainer-Rekord nicht mehr nur eingestellt, sondern verbessert. Und DAS will Thioune! Hundertprozentig…

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Deshalb setze ich auch den größten Teil meiner Hoffnungen bei den Gegnern der direkten Konkurrenz auf Düsseldorf. Kontakt zum Fortuna-Kollegen habe er nicht gehabt. „Kontakt zu irgend jemanden bringt eh nichts“, meinte Walter, als er gefragt wurde, ob er Thioune eine Prämie in Form guten badischen Weines angeboten habe. „Dass man die Ergebnisse mitbekommt, ist klar. Dass man hofft, ist auch normal.“ Ansonsten aber werde er sich weiter darum kümmern, dass sein Team gegen Hannover vor allem seine eigenen Hausaufgaben macht.

„Es wird ein ähnliches Spiel wie im Hinspiel. Einen abwartenden Gegner, der vielleicht situativ presst, gerade bei Abstößen.“ So erwartet Walter die Hannoveraner. „Wir erwarten viele, viele lange Bälle, weil Hannover vorne drin natürlich auch einen guten Zielspieler hat und mit einigen Flanken agiere.“ Doch Walter ist optimistisch: „Aber darauf sind wir ja auch schon die letzten Wochen vorbereitet gewesen, das wird ein ähnliches Spiel.“ Wie eigentlich immer wiederholte er auch am Donnerstag: „Wir müssen bei uns bleiben, unser Ding durchziehen und müssen ähnlich treffen wie in den letzten Wochen. Das ist glaube ich das Entscheidende, dass wir viel mehr Tore schießen aus weniger Torchancen.“

Personalprobleme hat Walter vor dem Nordduell gegen die Niedersachsen kein. Miro Muheim fehlt zwar wegen seiner fünften Gelben Karte, dürfte aber wie zuvor auch diesmal wieder von Josha Vagnoman vertreten werden. „Die Stimmung bei uns ist sehr gut. Die Jungs verspüren Vorfreude genauso wie ich“, sagte Walter. „Wir sind voller Tatendrang, voller Energie. Das verspüre ich auch meiner Mannschaft.“ Dass er selbst in der Diskussion steht, belastet Walter zumindest oberflächlich nicht. Er lächelt alles weg und lässt sich nichts anmerken. Es zähle nur das Hier und Jetzt, so Walter immer wieder. Auch mit einem möglichen Aufstieg und mit dem, was danach komme, will er sich derzeit nicht beschäftigen. Diese Frage stelle er sich, „wenn es soweit ist. Ansonsten gucken wir nur auf Hannover und versuchen, das Bestmögliche rauszuholen. Das andere gerne dann in ein paar Wochen.“

Viel Personal-Troubel bei Hannover 96

Anders haben es übrigens die Hannoveraner gemacht. Bei dem niedersächsischen Nachbarklub hängt der Haussegen gerade etwas schief, was nicht zwingend zum Nachteil für den HSV werden muss. Denn der nächste Gegner hat seinem aktuellen Coach bereits mitgeteilt, dass man nicht mehr mit ihm plant: Christoph Dabrowski wird Hannover 96 nach dieser Saison verlassen. Nachdem der Fußball-Zweitligist dem 43 Jahre alten Trainer mitgeteilt hatte, dass er in der 2. Liga nicht mehr mit ihm plant, wird Dabrowski auch nicht in den Nachwuchsbereich der Niedersachsen zurückkehren. „Meine nächsten Schritte werden im Profifußball sein. Das ist der Weg, den ich weitergehen möchte“, wurde Dabrowski am Donnerstag in einer Clubmitteilung zitiert.

In der Pressekonferenz vor dem Spiel beim HSV zeigte sich Dabrowski entsprechend  enttäuscht vom Umgang des Vereins mit ihm in den vergangenen Tagen. „Es steht außer Frage, dass ich mir letzte Woche die Frage gestellt habe, ob wir uns vor so einem wichtigen Spiel über eine Trainerdiskussion unterhalten müssen. Da habe ich eine andere Vorstellung von Kommunikation“, sagte Dabrowski.

In der vergangenen Woche war kurz vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC durchgesickert, dass Dabrowski in Hannover keine Zukunft hat. Dennoch siegte 96 gegen den KSC mit 2:0 und sicherte die Klasse. Ob er bereits Angebote von anderen Clubs habe, wollte der Ex-Profi nicht sagen. „Dazu werde ich mich jetzt nicht äußern“, sagte Dabrowski, der seit 2013 als Trainer in der 96-Akademie tätig. In dieser Saison hatte er das Zweitliga-Team in prekärer Situation von Jan Zimmermann übernommen. Zwei Spieltage vor Schluss haben die 96er den Klassenerhalt sicher.

Dennoch setzt der Club in der kommenden Saison auf einen neuen Trainer, der sehr wahrscheinlich Stefan Leitl heißen wird. Eine gute Wahl, wie ich finde. Aber: Noch immer steht eine Einigung mit dem bisherigen Trainer von Erstliga-Absteiger SpVgg Greuther Fürth zumindest offiziell aber aus. Im Umgang mit solchen Personalfragen stellt sich der Nachbar also nicht gerade besonders geschickt an. Aber: Gerade im Hinblick auf das Spiel am Sonnabend soll uns das doch nur recht ein…

Morgen werden wir uns dann noch einmal über die mögliche Startelf unterhalten. Wobei ich nicht wirklich viele Überraschungen erwarte. Muheim raus – Vagnoman rein. Ansonsten dürfte es so bleiben wie zuletzt. Aber dazu morgen mehr. Bis dahin wünsche ich Euch erst einmal für heute einen ähnlich geilen Fußballabend wie ich ihn gestern und vorgestern mit den beiden Halbfinals der Champions League hatte. In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle 

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