Analyse

HSV-Trainer Walter hält die Messlatte bewusst hoch

Man muss nichts schlechter reden – und man darf nichts beschönigen. Solange man diese beiden Dinge in seinen Analysen beherzigt, kommt man voran. Vor dem Spiel am Freitag hatte…

HSV-Trainer Walter hält die Messlatte bewusst hoch

Man muss nichts schlechter reden – und man darf nichts beschönigen. Solange man diese beiden Dinge in seinen Analysen beherzigt, kommt man voran. Vor dem Spiel am Freitag hatte ich nicht ausreichend von der Vorbereitung mitbekommen, als dass ich mir ein ernsthaftes Urteil über den Stand der Mannschaft hätte erlauben können. Ich war auf die Schilderungen der anderen Experten angewiesen – und dabei habe ich versucht, meine Einstellung so faktenorientiert wie möglich zu halten. So, wie ich es seit der Verpflichtung von Tim Walter schon die ganze Zeit handhabe. Und genau deshalb werde ich auch heute dieses eine Spiel auf „gut“ und „nicht gut“ sezieren, ohne daraus zu große Rückschlüsse auf diese Saison zu ziehen. Denn darum kann und darf es nach einem Spiel noch nicht gehen.

https://soundcloud.com/user-36211795/m0-26-07-2021-auftakt-nach

Anfangen möchte ich aber mit einer Schlussfolgerung, zu der die sportlich Verantwortlichen des HSV nach dem Gala-Abend (so kann man die vielen rettenden Reflexe durchaus nennen) von Keeper Daniel Heuer Fernandes gelangt sind. Denn wie der Trainer gestern am Rande des Auslauftrainings bestätigte, will man sich nicht mehr nach einer neuen Nummer eins umsehen, sondern nach einem Torhüter mit dem Entwicklungspotenzial zur Nummer eins. „Er hat heute bewiesen, warum er bei uns im Tor steht“, hatte Tim Walter direkt nach Schlusspfiff das allgemeine Loblied angestimmt.

Heuer Fernandes erspielt sich die Nr.1 - Christensen kommt nicht

Oder anders formuliert: Man vertraut Daniel Heuer Fernandes die Nummer eins beim HSV an und verzichtet auf eine Verpflichtung des hoch gehandelten Oliver Christensen von Odense BK. So berichten das meine Kollegen vom Hamburger Abendblatt, die auch darüber berichten, dass man sich bei der Ablösesumme für Christensen nicht einig geworden sei. Ergo: Heuer Fernandes‘ Leistung war eine Win-Win-Situation. Man spart Geld, weil ein Nachw8chskeeper sicher keine zwei oder gar drei Millionen Euro kosten muss. Zudem schenkt man vorhandenem Personal Vertrauen und stärkt es so. Ich jedenfalls würde mich für Heuer Fernandes nach den wiederkehrenden Rückschlägen massiv freuen, wenn er diese Saison komplett durchstartet.

Aber auch wenn Heuer Fernandes für mich überragend und dementsprechend der „Man oft he Match“ war: Er wird wie alle anderen das bestätigen müssen, was man auf Schalke angedeutet hat. Vor allem aber werden alle drumherum die Ruhe aufbringen müssen, auch schwächere Spiele zu akzeptieren, ohne dem Keeper alles abzusprechen, was man ihm nach diesem Auftakt anheftet. Denn erst dann „glaubt“ man wirklich an seine Nummer eins. Erst dann ist HSV/HF eine echte Liebesbeziehung mit Potenzial zu Großem in dieser Saison. Aber: Der Schritt, auf Christensen zu verzichten, ist ein erster großer Schritt in diese Richtung.

Ein Schritt in die richtige Richtung – das passt auf vieles, auch auf das erste Spiel des HSV unter Tim Walter in dieser neuen, wirklich deutlich stärker gewordenen Zweiten Liga. Ich habe gestern Werder gegen Hannover und heute den FC St. Pauli gegen Kiel gesehen – und beide Partien waren qualitativ gut. Paulin war heute einfach sehr abgeklärt, schon deshalb sehe ich sie weit oben in dieser Saison. Und im gestrigen Nordderby hat mir Hannover 96 fast noch besser gefallen als Werder – wobei auch Werder für Zweitligaverhältnisse gut war.

Aber da es auch hier abzuwarten bleibt, wie sich die Mannschaften präsentieren, schließe ich mich einfach mal Martin Harnik an, der sagte: „Ich sehe Schalke mit dem stärksten Kader. Der HSV ist auf Augenhöhe. Bei Werder bin ich gespannt. Mit der Mannschaft spielen sie ganz oben mit. Und dann gibt es immer ein, zwei Mannschaften, die überraschen. Ob es die beste Zweite Liga aller Zeiten ist, sei mal dahingestellt. Aber es ist die attraktivste Zweite Liga aller Zeiten. Ich finde sie attraktiver als die Bundesliga.“

HSV-Trainer Walter sortiert Auftaktsieg richtig ein

Und auch HSV-Coach Walter sortiert den ersten Sieg des HSV in der neuen Saison in allen Facetten korrekt und wohltuend unaufgeregt ein: „Klar ist es schön, aber es war der erste Spieltag. Da sind wir gut beraten, entspannt und hart weiterzuarbeiten. «Ich habe keine Befürchtung, dass jemand abhebt, weil der Charakter der Mannschaft gut ist. Wir arbeiten weiter und dann schauen wir mal, was am Sonntag dabei herauskommt Wir wissen, dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben. Das nehmen die Jungs auch brutal an», sagte Walter gestern. „Wir machen weiter mit dem, was wir einfordern. Wir müssen noch mutiger werden, noch mehr die Positionen auffüllen, noch härter in der Zweikampfführung werden.“

Vor allem defensiv stimmte noch längst nicht alles, der starke Torhüter musste mehrere gute Chancen zunichte machen. Schalkes Trainer Dimitrios Grammozis sprach nicht umsonst davon, „dass wir bei unseren vielen Chancen zumindest einen Punkt verdient gehabt hätten“. Und auch wenn ich den HSV als verdienten Sieger sehe, so muss man zugestehen, dass Schalke locker auch zwei Tore mehr hätte schießen können – womit wir wieder bei Heuer Fernandes wären. Aber, auch hier hat Walter in seiner Analyse alles im Blick: „Es war auch ein bisschen Glück dabei. Schalke hatte einige Chancen, aber sie haben so eine Qualität in der Luft, da kannst du sie kaum verteidigen.“

Vor allem aber hat der HSV mit Walter einen Trainer, der sich zwar ebenso ausgelassen freut wie er seinem Unmut freien Lauf lässt. Aber vor allem hat Walter eine klare Ansage an seine Jungs: „Wir sind erst am Anfang und da gibt es immer auch Nachholbedarf“, so der neue HSV-Trainer fordernd. „Wir haben noch 33 Spieltage und Zeit, besser zu werden.“

Das klingt für mich nach einer guten Analyse. So muss es sein…

In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Sonntag. Und bis morgen früh – dann wieder mit einem MorningCall, in dem sicher noch einmal viel über das zu lesen war, was besonders gut war. Unter anderem über Maximilian Rohr, der sicher nicht nur mich überrascht hat. Aber auch über den jungen Einwechselspieler wird es hier in den nächsten Tagen mehr zu lesen geben! 
Bis morgen!

Scholle

P.S.: Bitte entschuldigt, dass der Blog erst heute morgen online geht. Ich hatte ihn gestern Abend offenbar versehentlich unter "Entwurf" gespeichert....

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