Aktuell

HSV-Trainer Thioune plant Überraschung fürs Derby

Als ich Euch gestern schrieb, dass es vor diesem Stadtderby (Montag, 20.30 Uhr, Millerntorstadion) wieder das übliche Gerede geben werde, meinte ich unter anderem das, was Timo…

HSV-Trainer Thioune plant Überraschung fürs Derby

Als ich Euch gestern schrieb, dass es vor diesem Stadtderby (Montag, 20.30 Uhr, Millerntorstadion) wieder das übliche Gerede geben werde, meinte ich unter anderem das, was Timo Schulz heute auf seiner Pressekonferenz sagte. Wer denn Favorit sei, wurde er gefragt. „Man muss nur mal auf die Tabelle gucken“, so der Trainer des FC St.Pauli, eher er einschränkte. „Wir haben momentan eine gute Phase, dementsprechend gehen wir mit breiter Brust ins Derby. Und auch der HSV weiß, dass wir ganz gut drauf sind. Von daher gehe ich auch davon aus, dass es ein Duell auf Augenhöhe wird und es nicht wirklich einen Favoriten gibt.“ Im Zweifel liege die Favoritenrolle jedoch eher beim HSV, findet Schultz, der sich nicht zu schade war, ein Psychospielchen einzuläuten, auf das Thioune später gar nicht erst reagierte: „Wenn mal jetzt allerdings auf die Tabelle schaut und die Voraussetzungen und den Anspruch, dann ist natürlich der HSV eher in der Situation, dass er das Spiel unbedingt gewinnen muss, um oben dranzubleiben und das Ziel vom Aufstieg zu verwirklichen.“

(Anbei die Pressekonferenz des FC St. Pauli)

Einer, für den das Duell mit dem FC St. Pauli am morgigen Montag sicher noch eine Nummer größer wird als für alle anderen ist Jeremy Dudziak. Vier Jahre lang spielte der gebürtige Hamburger für den Kiezclub, ehe er im Sommer 2019 zum Erzrivalen HSV wechselte. Für die einen ist er der Kreativspieler, für die anderen der Überläufer. St.-Pauli-Fans reagierten seinerzeit verbittert und verschmähen ihn seither. Beleidigungen und Beschimpfungen blieben nicht aus. Aber darüber zu schreib en würde dem eine unnötig große, falsche Bühne geben. Zumal Dudziak selbst damals sagte: „Auf meine Karriere bezogen war das vielleicht der schlimmste Moment, den ich bislang erlebt habe. Ein absoluter Tiefpunkt – vor allem für die Verfasser des Schriftzuges.

Für HSV-Spielmacher Dudziak wird es ein ganz besonderes Duell

Er selbst sei daraus aber auch gestärkt hervorgegangen, sagte Dudziak damals. Sportlich ging es bergauf: Er durchlief mehrere deutsche U-Auswahlteams, ehe er kurz nach seinem Wechsel zum HSV am 6. September 2019 gegen Mauretanien ein erfolgreiches Debüt in der tunesischen Nationalmannschaft feierte. Und in diesem Stadtderby steht er vor einer Premiere: Das erste Mal von Beginn an für den HSV. Hintergrund: Acht der elf Duelle seit dem Wechsel von Borussia Dortmund zu St. Pauli verpasste er. Nur dreimal war der 25-Jährige dabei, ein einziges Mal in der Startelf. Damals allerdings noch für den FC St. Pauli. Und:  Gewonnen hat er noch nie - weder für St. Pauli noch für den HSV.

Sein letztes Hamburger Duell im St.-Pauli-Trikot war 2018 ein 0:0-Langweiler im Volksparkstadion. Ein Jahr später setzte es für den spät eingewechselten HSV-Zugang am Millerntor eine 0:2-Pleite. Und im Hinspiel dieser Spielzeit sah es erneut nach einer Niederlage aus, doch der erneut von der Ersatzbank gekommene Dudziak legte Torjäger Simon Terodde immerhin noch zum späten 2:2-Endstand auf. Im zwölften Anlauf will er endlich auf die Siegerstraße einbiegen. Von Beginn an. Wenn das nicht so kommt, wäre es doch schon eine riesengroße Überraschung.

Denn Thioune baut auf den technisch versierten Profi, der im bisherigen Saisonverlauf einer der besten Vorbereiter der Liga ist, und hat ihn zum Stammspieler im zentralen Mittelfeld gemacht. Früher gab es Kritik an Dudziaks Abwehrverhalten. Mittlerweile zeigt er auch da Biss. Er selbst sehe sich nicht nur als Kreativspieler, sondern als erste Abwehrreihe. Beim FC St. Pauli wurde er noch als Linksverteidiger eingesetzt, beim HSV unter Thioune nur noch als offensiver Achter im Mittelfeld. Und das ist gut so. Denn kein anderen Spieler im HSV-Kader versteht es so gut wie er, Tempo ins Offensivspiel zu bekommen.

Deshalb ist Duzdziak, nach der Besetzung des Innenverteidigerpostens neben Stephan Ambrosius für mich auch die wichtigste Personalie für das morgige Spiel. Er nimmt bei schnellen Angriffen das Tempo mit. Während sich Aaron Hunt noch mal um sich selbst dreht oder den Ball zurechtlegt, nimmt Dudziak den Ball fast immer in der Vorwärtsbewegung mit. Im Gegensatz zu Kittel, der technisch sicher die gleichen Möglichkeiten hat, geht er keinem Zweikampf aus dem Weg und zieht nicht zurück, wenn es härter wird. Dudziak ist der Mann im HSV-Spiel mit dem größten Einfluss. Er ist die Schaltzentrale.

Plant Thioune schon mit van Drongelen im Derby?

Von daher freue ich mich, dass er wieder fit ist und spielen kann. Ebenso natürlich bei Ambrosius, der nach seiner Gelbsperre wieder beginnen kann – und wird. Die letzte Woche habe gezeigt, dass der HSV defensiv verwundbar sei, so Thioune heute, der auch Rick van Drongelen Grünes Licht gab. Zumindest für den Kader. „Wir haben in den letzten Wochen immer wieder versucht, die Intensität bei ihm zu erhöhen. Rick ist fit und wird auch ab sofort die Möglichkeit haben, im Kader zu stehen und sich dann natürlich auch für die erste Elf empfehlen zu können“, sagte Trainer Daniel Thioune im Vorfeld und betonte: „Der Heilungsprozess ist abgehakt, die Vorbereitung ist abgehakt. Ab jetzt darf sich Rick aufdrängen und Spielzeit einsammeln.“ Gut möglich also, dass er bereits im Derby eine Option sein wird. Wenn nicht sogar die erste…

Aber, ganz sachlich und an den Worten des Trainers gehalten scheint eher Gideon Jung zu beginnen. Ich habe den Trainer heute explizit nach Jung gefragt, der ja nicht nur hier im Forum immer wieder eine sehr heiß und sehr kritisch diskutierte Personalie ist. Seine Antwort könnt Ihr im Video von der Pressekonferenz nachhören. Aber zusammengefasst sagte er, dass er zu Jung stehen werde, nach guten wie nach schlechten Spielen. Und, dass Jung sehr wahrscheinlich beginnen werde, da er nicht plane allzu viel anders zu machen in Sachen Aufstellung. Zudem habe Jung vor Würzburg beispielsweise gegen Fürth sehr gut gespielt: Thioune: „Wir haben in der Defensive ein paar Ausfälle. Das heißt nicht final, dass er von Beginn an auf dem Platz stehen wird. Die Tendenz geht aber dahin.“ Wo Moritz Heyer auf dem Spielfeld stehen wird, verriet Thioune noch nicht: „Ob in der Innenverteidigung oder weiter vorgeschoben, behalten wir für uns. Wir wollen den Gegner auch ein wenig überraschen, falls es denn eine Überraschung ist.“

Van Drongelen wäre eine Überraschung. Zumal er genau das verkörpert, was der Trainer nicht nur unter der Woche, sondern vor allem auch noch einmal heute auf der Pressekonferenz auffällig oft wiederholte: Das Wort „Arbeiten“. Der Niederländer zählt zweifelsfrei zu den Mentalitätsspielern. „Wir müssen arbeiten“, sagte Thioune heute wiederholt, „gerade die Arbeit hat uns ausgezeichnet. Wir müssen als Mannschaft wieder brutal gegen den Ball arbeiten – und Freude am Ball haben.“ So einfach kann das manchmal sein. Selbst vor so schwierigen Spielen wie dem Stadtderby. 

DANKE! Was hier passiert, ist sensationell!!

Apropos wichtig: Am Freitag hatte ich hier einen Brief veröffentlicht und um Eure Hilfe gebeten. Das Ergebnis darauf ist schlicht und einfach überragend. Ich hatte den Artikel keine zehn Minuten online, da rief mich ein Mitarbeiter des  HSV an und bot sein schwarzes, unbeflocktes Trikot an. Zwar in Größe L – aber allein das Angebot war schon eine glatte eins. Genauso wie die Reaktionen hier im Blog von Euch, die über viel Mitgefühl und konkrete Hilfe bis hin zum Spendenaufruf für Sven eskalierte. Es war tatsächlich eine Eskalation - im positiven Sinne. Und ich kann mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit auch ein Happy End verkünden können. Aber das mache ich erst, wenn es wirklich soweit ist.

Bis dahin aber möchte ich Euch unbedingt noch einmal (auch in Svens Namen, der mich darum ausdrücklich bat!) danken. Zu sehen, wozu wir hier im Stande sind, war eine fantastische Erfahrung für mich. Zu sehen wie selbstverständlich andere Facebookgruppen (Andi, Frank – großartig!) und Privatpersonen über ihre Kanäle diesen Aufruf geteilt haben – es ist für mich genauso begeisternd, wie es eigentlich normal sein sollte. 

Um es einmal klar zu formulieren: Ich bin wirklich stolz darauf, was wir hier zusammen schaffen. Unter anderem solche Momente sind es, für die ich diesen Blog liebe und die mich motivieren, ihn unvermindert 24 Stunden und an 365 Tagen im Jahr zu betreiben. Jetzt noch einen Derbysieg oben drauf und der Moment ist perfekt.

„St. Pauli ist St. Pauli. Der HSV ist Hamburg.“

So, wie Thiounes mit einem Lächeln kombinierter Seitenhieb in Richtung des Stadtrivalen: „St. Pauli ist St. Pauli. Der HSV ist Hamburg.“ Sicher nicht ganz ernst gemeint - aber zumindest originell, finde ich. Womit  das vergleichsweise wenig spektakuläre Rededuell mit 1:0 an Thioune geht. Hoffen wir mal, dass morgen auch seine Mannschaft es ihm nachmacht und dieses wichtige Stadtderby gewinnt…

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle

Anbei noch die Aufstellung, von der ich glaube, dass Thioune sie wählt:

Ulreich - Gyamerah, Jung, Ambrosius, Leibold - Heyer - Jatta, Kinsombi, Dudziak, Kittel - Terodde

Anzeige · Partner

Zeig deine Farben

Unsere Freunde von HANDS OF GOD setzen ikonografischen Momenten und Legenden der Vereinsgeschichte ein künstlerisches Denkmal.

Alle Hamburg-Motive bei HANDS OF GOD

Wir sind Partner von HANDS OF GOD und bekommen eine Provision, wenn du über diese Links kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Gezeigt werden nur Motive, die wir selbst aufhängen würden.

Diskussion

0 Kommentare

Diskutier mit!

Registriere dich kostenlos — dann kannst du unter den Beiträgen mitdiskutieren, antworten und liken.

Jetzt kostenlos registrierenAnmelden
DU
Bleib fair — wir moderieren mit Augenmaß.
Noch keine Kommentare — sei der/die Erste.
Lies weiter Meinung HSV-Blamage- Die Taktik war das geringste Problem Ein Tag nach der Pleite sitzt der Frust tief. Neben taktischen Mängeln fehlte vor allem eins: die Bewegung und der Wille, den Ball zu fordern. Das Problem war viel tiefer als die reine Herangehensweise Weiterlesen