HSV-Trainer Thioune: Auf ihn kommt es jetzt an
Nach einer zwölftägigen Spielpause kehrt der HSV mit zwei Partien binnen vier Tagen (und drei innerhalb von acht) Tagen ins Aufstiegsrennen Zweiten Liga zurück. „Wir haben…

Nach einer zwölftägigen Spielpause kehrt der HSV mit zwei Partien binnen vier Tagen (und drei innerhalb von acht) Tagen ins Aufstiegsrennen Zweiten Liga zurück. „Wir haben große Aufgaben vor uns“, sagte Trainer Daniel Thioune heute, zwei Tage vor dem Spiel am Donnerstag beim SV Sandhausen. Da am Sonntag schon das nächste Auswärtsspiel in Süddeutschland, genau genommen in Regensburg auf dem Plan steht, nutzt die Mannschaft die beiden Auswärtsspiele zu einer Art Kurztrainingslager, wie es der Trainer nennt. „Wir reisen mit voller Kapelle nach Sandhausen“, so Thioune, der wie geplant auch auf den zuletzt angeschlagen Jeremy Dudziak zurückgreifen kann. Der Mittelfeldspieler laborierte an einer Augenentzündung, konnte aber heute wieder mit der Mannschaft trainieren. „Wir haben auf Jerry Dudziak teilweise verzichten müssen. Er hatte sich ein Gerstenkorn eingefangen. Er war etwas geschwächt, aber er war heute wieder im Training dabei. Es deutet nichts darauf hin, dass er am Donnerstag nicht einsatzbereit sein könnte.“ Damit scheint nur Toni Leistner noch nicht ganz bei 100 Prozent zu sein.
Und das ist gut. Ebenso, wie man die vergangenen, spielfreien Tage genutzt habe, um einige Stellschrauben zu justieren. Die längere Pause hatte der Trainer zwar auch heute noch einmal als ungünstig bezeichnet, weil man so nicht schnell die Darmstadt-Niederlage wieder ausbügeln konnte. Aber ich bin mir ganz sicher, dass die Pause alles andere als ein Nachteil war. Zumindest hatte es zuletzt noch nicht damit geklappt, Niederlagen schnell wieder wettzumachen – im Gegenteil: Es hat NIE geklappt.
Warum es diesmal anders ist? Weil es muss.
Der HSV kann sich keine weiteren Punktverluste mehr erlauben. Wie viel Vorsprung man eingebüßt hat, machte heute eine Frage meines Kollegen Lars Pegelow bei der Pressekonferenz deutlich. Dort fragte mein Freund und Ex-Co-Autor hier im Blog, ob der Trainer denn fürchte, dass der FC St. Pauli den HSV noch einholt. Also die Mannschaft, die nach der Hinrunde 20 (!) Punkte Rückstand auf den HSV hatte. Vor ein paar Wochen hätten wir alle drüber schmunzeln können – inzwischen aber liegt der Stadtrivale nur noch sechs Punkte (bei einem Spiel mehr) hinter dem HSV. Ganz auszuschließen ist das also nicht, dennoch konterte der HSV-Trainer natürlich selbstbewusst, dass das nicht passieren werde, wenn man selbst seine Hausaufgaben macht. Dass Greuther Fürth (da lege ich mich schon zur Halbzeit fest) auf vier Punkte Vorsprung davonzieht, wird den Druck nicht geringer werden lassen.
Soweit die Floskeln des heutigen Tages. Denn auch intern hat sich beim HSV einiges getan. Der Rauswurf von Bobby Wood nach dem Kabinenstreit mit Thioune, den wir hier zuerst vermeldet hatten, hat intern noch einmal die Sinne geschärft. Und die Art Kurztrainingslager bietet dem Trainer die Möglichkeit, auch die außersportlichen Qualitäten noch einmal verstärkt zu beobachten. Heute nannte Thioune die erfahreneren Spieler Gjasula, Leistner, Simon Terodde, Tim Leibold, Sonny Kittel. „Wir haben sehr viele, die schon sehr viel erlebt haben. Die haben die Crunchtime schon erfolgreich gemeistert. Die wissen, um was es geht. Vielleicht müssen die mal wieder bisschen mehr den Kopf hoch- und die anderen wieder mitnehmen.“ Vielleicht seien es auch die kleinen Geschichten, die für eine Art besondere Motivation sorgen. „Ein Aaron Hunt kann davon berichten, wie es ist, vor einem ausverkauften Dortmunder Stadion zu spielen.“ Vielleicht seien es genau diese Aussichten, so Thioune, die seine Spieler noch einmal „anzünden“ könnten, wie es der Trainer heute nannte.
Aber was soll es? Wer nicht verstanden hat, dass es in den letzten Saisonspielen immer wieder hart wird, der hat noch nie Fußball gespielt. Thioune selbst betonte, dass er die Frühlingstage seit jeher eher genossen habe, weil es dort erfolgreich für ihn und seine jeweiligen Mannschaften ausgegangen sei. Aber angesichts der (immer noch latenten) Skepsis, die dem HSV seit Jahren in entscheidenden Spielen seitens der Anhänger anheftet, wird der Druck doppelt hoch. Egal wie oft der Trainer betont, dass er und die meisten aus der Mannschaft mit der Vergangenheit nichts zu tun hätten und diese eh nicht ändern könnten – nicht wenige erwarten das jährliche Scheitern - auch diesmal.
Der Trainer muss jetzt alles aus der Mannschaft herausholen
Dabei ist es auch ohne diese Misstrauen schon schwierig genug. Bezogen auf das nächste Spiel, weil der SV Sandhausen erst am vergangenen Montag nach 14-tägiger Quarantäne das Training wieder aufgenommen hat. „Vielleicht erwartet uns eine komplette Überraschung“, sagte Thioune und sprach die Hoffnung aus, dass beim SVS alle Betroffenen wieder gesund sind. „Fakt ist, um diese Liga zu halten, müssen sie noch ein wenig Gas geben.“ Und genau darin liegt das große Plus meiner Meinung nach, das der HSV nutzen muss. Er muss die ausbalancierte Mixtur aus Ruhe und Aggressivität mitbringen, die man braucht, um auch den Gegner zu locken und nicht wie in den letzten Jahren immer wieder ins offene Messer zu laufen.
Fakt ist, dass der Kopf immer entscheidender wird. Und damit ganz sicher auch die Taktik, die der Trainer vorgibt. Schafft es Thioune also im Gegensatz zu seinen Vorgängern, seine Mannschaft fokussiert zu halten? Daniel Thioune und sein Trainerteam haben es jetzt in der Hand, die immer wieder betonte Qualität aus der Mannschaft herauszuholen, um aus den letzten sechs Spielen so viele Punkte zu holen, dass es mit dem Aufstieg direkt klappt. Ich habe es die Saison über immer wieder betont – und dabei bleibe ich auch: Der Trainer ist für mich der entscheidende Faktor, weshalb es diese Saison im Gegensatz zu den letzten beiden klappen kann. Heute sagte er, dass er seiner Mannschaft ausschließlich auf das nächste bSpiel vorbereiten und aufstellen werde. „Alle Spieler dürfen am Donnerstag alles rausblasen", so Thioune, dessen intern vorgegebene Marschroute entscheiden wird. Das Gute daran: Im Gegensatz zum letzten Jahr gibt es aktuell keine Spieler, die Frust schieben. Oder besser gesagt: Seit Woods Aussortierung nicht mehr....
„Alle Spieler dürfen am Donnerstag alles rausblasen"
Apropos entscheiden: Das muss jeder für sich, was die Super Liga betrifft. Aber wenn ich die Protestwelle sehe, die seit gestern spätestens losgetreten wurde, bin ich extrem zuversichtlich, dass sich hier eine kleine Gruppe von Klubs dauerhaft aus dem mir ans Herz gewachsenen internationalen Klubfußball verabschiedet. Ich hoffe nur noch, dass es möglichst wenige Klubs sind.
In diesem Sinne, morgen werden wir uns ein wenig der möglichen Aufstellung und den Schlüsselspielern widmen. Dudziak und Sonny Kittel mit ihrer Kreativität, Aaron Hunt mit seiner Erfahrung – und Simon Terodde mit seinen Toren. Denn bei allem Lob, das ich hier an dieser Stelle im Übermaß an den Toptorjäger ausgeschüttet habe, es wird mal wieder Zeit, dass er Spiele entscheidet. „Unsere Abschlussschwäche ist allen bekannt – und daran haben wir gearbeitet“, hat Thioune heute versprochen. Beginnen dürfen sie mit der Umsetzung gern am Donnerstag – so, wie es heute Fürth in der ersten Halbzeit gegen Braunschweig demonstriert hat…
Bis morgen!
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