Analyse

HSV steht in Bochum unter Druck - und sollte das nutzen!

Das Spitzenspiel ist gerade erst beendet, da steht das nächste schon direkt an. Und kein geringerer als der Tabellenführer VfL Bochum wartet auf den HSV. Ein Gegner, der…

HSV steht in Bochum unter Druck - und sollte das nutzen!

Das Spitzenspiel ist gerade erst beendet, da steht das nächste schon direkt an. Und kein geringerer als der Tabellenführer VfL Bochum wartet auf den HSV. Ein Gegner, der zuletzt genau durch das bestach, was dem HSV zeitgleich abging: Effizienz. „Wir haben uns nur noch am Dienstagvormittag damit beschäftigt. Wir wissen, dass wir mit deutlich mehr Qualität abschließen können“, sagte Daniel Thioune heute im Laufe der Pressekonferenz. „Entscheidend ist, sich überhaupt viele Chancen zu erspielen.“ Gegen Bochum müsse seine Mannschaft deutlich mehr zum Abschluss kommen, sagte Thioune: „Wir wissen, dass wir wieder in die Box kommen und jetzt geht es darum, dass wir Freitagabend in dieser Box den Ball wieder über die Linie drücken. Da bin ich recht zuversichtlich, die Mannschaft ist auf einem guten Weg.“

Das schien zumindest gegen Pauli und Kiel so zu sein. Und das habe auch ich immer wieder betont. Die Tendenz ist gut – aber Tendenz allein reicht leider nicht. Von daher darf man es so sagen, wie es ist: Der HSV muss anfangen, dreifach zu punkten. Die Zeit, sich mit Zuversicht von Spiel zu Spiel zu hangeln, hat sich der HSV nicht erspielt – er hat sie mit zu vielen unnötigen Punktverlusten verspielt. „Der HSV ist eine der spielstärksten Mannschaften der Liga. Aber der Druck ist sehr groß, um aufsteigen zu müssen. Sie werden bei fünf Punkten Rückstand alles versuchen. Das ist ein tolles Spiel, alle brennen darauf“, sagte der 47-Jährige “, sagte heute auch VfL-Coach Thomas Reis und machte, was alle gegnerischen Trainer machen werden: Er zeigte seiner Mannschaft auf, dass der HSV unter Ergebnisdruck steht. Aktuelle Tendenz, so ehrlich müssen wir sein: Zunehmend.

Und noch einmal, das hat auch rein gar nichts mit Pessimismus zu tun, ganz im Gegenteil: Das ist Rationalität. Fünf Punkte Rückstand hat der HSV auf den ersten Rang, den Daniel Thioune unlängst noch mal als klares Ziel ausgab. Zu Platz zwei sind es noch drei Punkte. Der einzige Unterschied zwischen den meisten HSV-Fans und mir in diesem Fall ist die Herangehensweise: Ich denke nicht zuerst darüber nach, was passiert, wenn der HSV in Bochum verliert. Ich gehe tatsächlich zuversichtlich ins Spiel und weiß, dass der HSV diese Partie mit großer Wahrscheinlichkeit gewinnen wird, wenn er an seine eigenen 100 Prozent kommt. Und erst danach denke ich über die Folgen einer Niederlage nach. Warum? Weil es einfach nichts  bringt. Außer unnötige Nervosität. 

Anders gestaltet es sich beim VfL, der aus einer „alles kann, nichts muss“-Situation etwas überraschend weit vor dem HSV steht. „Man muss ehrlich sein, der VfL steht zurecht und verdient an der Tabellenspitze“, so HSV-Trainer daniel Thioune. „Sie haben die meisten Siege eingefahren, sind sehr konstant und gewinnen auch solche Topspiele wie zuletzt bei der SpVgg Greuther Fürth.“ Dort war man, wie ich oben schon schrieb, brutal effektiv. Der HSV-Trainer weiter: „Sie haben verlässliches Personal, das auch Ausfälle auffängt. Zudem eine stabile Defensive mit Akteuren, die auch Fußball spielen können. Und eine starke Offensive mit viel Tempo über die Außenbahnen und zahlreichen verschiedenen Torschützen. Das zeigt die breite Qualität im Kader.“

Personell muss der VfL allerdings auf Torjäger Simon Zoller verzichten. Beim HSV fehlen  Tim Leibold aufgrund seiner Sperre ebenso wie Toni Leistner und Rick van Drongelen (beide im Aufbautraining) fehlen. Klaus Gjasula, der wieder im Mannschaftstraining steht, könnte schon eine Option für den Kader werden. Und das vielleicht gerade rechtzeitig, da David Kinsombi auszufallen droht. „Wir werden noch abwarten müssen“, so Thioune heute. „Er hat zurzeit muskuläre Probleme, da müssen wir die Abstimmung mit den Mannschaftsärzten abwarten. Sollte David am Freitagabend ausfallen, darf man davon ausgehen, dass Aaron Hunt die Mannschaft als Kapitän anführen wird, wenn er auf dem Feld steht. Und das hoffentlich dann neben Amadou Onana. Oder anders formuliert: Sollte Onana selbst dann nicht beginnen, wäre das für den jungen Belgier mit dem großen Talent mental ein echter Knockout, behaupte ich.

Es ist wahrscheinlich, dass wir dies mit dem gleichen Personal angehen werden wie zuletzt, denn die Leistung war ansprechend und die Mannschaft bietet mir aktuell wenig Grund, etwas zu verändern. Nur den Ausgang der Spiele wollen wir verändern, wir wollen Ergebnisse! Und dafür muss man vor dem Tor wieder effektiver werden. Wobei man eh davon ausgehen darf, dass es in Bochum noch ein Stück weit schwerer wird als gegen Kiel. „Wir haben uns am Montagabend über ein gutes Spiel gefreut, aber über unsere Chancenverwertung geärgert. Ab Dienstag war das aber abgehakt und der Blick nach vorn gerichtet“, so Thioune, „ich bin überzeugt, dass der Ball vorn auch wieder reinfällt. Wir sind extrem gierig, wir sind einfach dran, wir sind an der Reihe. Es ist an der Zeit, dass sich für uns was dreht. Und wir haben richtig Bock auf dieses Spiel und viel Energie, die wir auf dem Platz rauslassen wollen. Denn wir wollen gewinnen und den Abstand auf den Tabellenführer verkürzen.“

Wäre ich Trainer, würde ich tatsächlich wenig ändern – aber ich würde etwas ändern. Ich würde Kinsombi eine Pause geben und Onana beginnen lassen – mit Hunt als den etwas  offensiver ausgerichteten Sechser. Vor ihm wäre Dudziak und – ach seht selbst! So würde ich aufstellen:

Ulreich – Gyamerah, Ambrosius, Heyer, Vagnoman – Onana – Jatta, Hunt, Dudziak , Kittel – Terodde.

Und ich würde mich noch einmal ganz intensive um Manuel Wintzheimer kümmern, der ja eine junge Bochumer Vergangenheit hat. Ihn zu motivieren, ist eh nie schwer. Aber für dieses Spiel bedarf es sicherlich noch weniger, um den laufstarken, kampfstarken Mentalitätsspieler dazu zu bringen, sich die Lunge aus dem Leib zu laufen. Aber das nur am Rande. Ich freue mich einfach auf das Spiel morgen Abend. Ich habe mich auch als Aktiver immer auf die Spiele am meisten gefreut, in denen es um so viel ging. Ich mochte den Druck, weil das Adrenalin ungeahnte Kräfte freisetzen konnte. Und ehrlich gesagt, habe ich auch immer die besten Spiele gemacht, wenn es um so viel ging. Deshalb hoffe ich in solchen Momenten immer darauf, dass es möglichst vielen beim HSV auch so geht. Zumindest würde ich im Training und drumherum in so einer Phase auch darauf achten, wer mit diesem Druck umzugehen weiß.

Aber okay, morgen Abend werden wir schlauer sein. Und ich werde mich im Anschluss an das Spiel bei Euch mit dem Blog und dem Blitzfazit melden. Bis dahin wünsche ich Euch allen einen schönen Abend! 

Scholle

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