Analyse

HSV startet beim 1. FC Köln mit vielen Fragezeichen in die Saison

Ein Erstliga-Klassiker wird zum Jubiläum der 2. Fußball-Bundesliga neu aufgelegt, wenn der HSV am morgigen Freitagabend um 20.30 die Zweitligasaison eröffnet. ein…

HSV startet beim 1. FC Köln mit vielen Fragezeichen in die Saison

Ein Erstliga-Klassiker wird zum Jubiläum der 2. Fußball-Bundesliga neu aufgelegt, wenn der HSV am morgigen Freitagabend um 20.30 die Zweitligasaison eröffnet. ein traditionsreiches Duell, nur eben nicht mehr erstklassig. Zwei prägende Bundesliga-Gründungsmitglieder gegeneinander zum Saisonauftakt 50 Jahre nach Einführung der 2. Bundesliga - mehr Geschichte geht kaum im Unterhaus.  Die Vorfreude auf die Partie des Absteigers aus dem Rheinland gegen das Zweitliga-Dauermitglied HSV ist riesig. „Wir hätten, glaube ich, 100.000 Tickets für das Spiel verkaufen können“, sagte Kölns Lizenz-Chef Thomas Kessler. „Ich glaube, das ist eine Hausnummer zum Start in eine Zweitliga-Saison. Ein toller Rahmen.“

Aber eben auch nur Zweite Liga. Trotzdem werden 50.000 Zuschauer im ausverkauften RheinEnergieStadion dabei sein, wenn die Saison 2024/25 offiziell eröffnet wird. Für die FC-Anhänger kommt es dabei ebenso wie für den HSV-Trainer zu einem ganz besonderen Wiedersehen. Steffen Baumgart wird die Arena als Gegner betreten, nachdem er dort zweieinhalb Jahre bis Ende 2023 Coach der Kölner war. Baumgart macht auch keinen Hehl daraus, dass dieses Wiedersehen für ihn einen besonderen Stellenwert hat. „Dass das ein besonderes Spiel für mich ist, das wird es auch noch in zehn Jahren sein, weil ich eine schöne Zeit in Köln hatte. Dass diese Konstellation für den ersten Spieltag etwas Besonderes ist, steht außer Frage.“ Er beobachte die Kölner Mannschaft eh ein Stück weit „intensiver als vielleicht andere Teams."

Der siebte Versuch des HSV, endlich wieder aufzusteigen, dient den Kölnern als warnendes Beispiel. „Grundsätzlich ist es sehr schwer, aus der 2. Liga aufzusteigen“, sagte auch Kölns Lizenz-Chef Kessler. Der HSV sei ein gutes Beispiel dafür. „Aber auch andere Traditionsvereine, die in den letzten Jahren in die 2. Liga gegangen sind, tun sich schwer, sich da oben wieder festzusetzen und um den Aufstieg zu spielen.“ Man brauche „einen extrem langen Atem“. Oh ja, wir wissen davon wohl ein Lied zu singen...

Interessant wird zu sehen sein, wie Köln trotz der Transfersperre aufgestellt ist. Die erste Elf sei aufstiegsreif, heißt es – aber dahinter wird es eng. Ein bisschen so wie beim HSV, finde ich. Dort blieben die zuletzt angeschlagenen Anssi Suhonen und Lukasz Poreba ebenso zuhause wie Jonas David, Nicolas Oliveira und Stürmer Andras Nemeth – womit sich Letztgenannter wohl endgültig zum Verkaufskandidaten entwickelt haben dürfte, nachdem Selke noch nicht hundertprozentig fit ist und Glatzel verletzt ausfällt. Wenn er nicht mal jetzt zum Kader gehört,  Völlig entspannt sehe ich die Torwartsituation, nachdem Matheo Raab hier krank ausfällt und mit Daniel Heuer Fernandes absolut gleichwertig ersetzt wird.

Aber noch einmal zurück zu den Kölnern, denen es zumindest gelungen ist, dass ihre Mannschaft nach dem Abstieg nicht komplett auseinandergefallen ist. Die Folgen der gegen sie verhängten Transfersperre wurden so ein Stück weit abgefedert, da von den Leistungsträgern nur Innenverteidiger Jeff Chabot (24 zum VfB Stuttgart wechselte, während der Abgang von Selke - mit sechs Toren in der vergangenen Saison tatsächlich bester FC-Torschütze – von beiden Seiten gewollt war., nachdem man bei der Vertragsverlängerung nicht zusammenkam. 

Neu beim 1. FC Köln ist Gerhard Struber, der als Nachfolger des glücklosen Timo Schultz das Traineramt übernommen hat. Für den Österreicher ist Köln die erste Trainerstation in Deutschland. Das Spiel gegen den HSV ist auch für ihn eine erste Standortbestimmung. „Wenn man gegen einen Gegner spielt, der aufsteigen möchte, ist es ein guter Test, um direkt zu sehen, wo man steht“, sagte er. 

Für seinen Vor-Vorgänger Baumgart gilt Ähnliches, nachdem er seine erste vollständige Vorbereitung mit der Mannschaft absolvieren konnte. An den Ansprüchen hat sich gegenüber der Vorsaison nichts geändert. „Wir wollen aufsteigen. Das ist ein klares Ziel. Da machen wir auch keinen Hehl draus. Weil es auch gar nicht anders geht an dem Standort“, sagt Baumgart. Er hoffe, dass er und die Mannschaft der Zielstellung gerecht werden, sagte er in einer Medienrunde und fügte schmunzelnd hinzu: „Wenn wir dem nicht gerecht werden, weiß ich nicht, ob Sie lange mit mir reden. Ich hoffe aber, dass sie noch lange mit mir reden.“ 

Knackpunkt beim HSV dürfte die Offensive Ausbeute sein, nachdem die beiden besten Knipser mit Glatzel komplett und mit Selke zumindest in Teilen beim Auftakt noch ausfallen. Zudem hat man defensiv bislang in den Vorbereitungsspielen alte Schwächen demonstriert. Dass Sportvorstand Stefan Kuntz jetzt ankündigte, in allen Mannschaftsteilen noch zu suchen und hier warten zu wollen, bis sich besondere Optionen auftun – es ist zumindest diskutabel. Zwar steht der Wechsel des Schweizer Fußball-Profis Silvan Hefti aus der italienischen Serie A bis 2028 zum HSV unmittelbar bevor. Die kolportierte Ablösesumme von 1,6 Millionen Euro. Erscheint mir dann allerdings sehr hoch für einen Rechtsverteidiger. Zumal zunächst eine Ausleihe mit Kaufoption geplant gewesen sein soll.

Nein, ebenso wie die für mich unverständlich spät begonnene Vorbereitungsphase wurde die Transferphase wieder nicht optimal genutzt. Es kann sich in den nächsten Wochen alles noch drehen – auch, falls Mario Vuskovic tatsächlich wie erhofft vom CAS vom Dopingvorwurf freigesprochen würde. Aber die Saison beginnt nun mal jetzt schon an diesem Freitag. In Köln. Bei einem Mitkonkurrenten um den Aufstieg. Und dass mit vielen alten Problemen auf der Rechtsverteidigerposition, bei der wackeligen Innenverteidigung und einer noch nicht ganz gesunden Doppelspitze, die der zuletzt torungefährliche Ransford Königsdörffer im Verbund mit den offensiven Mittelfeldspielern (Karabec, Reis) ersetzen soll. Bleibt nur zu hoffen, dass auch die Rheinländer noch nicht in der Form und Verfassung sind, die sie selbst von sich verlangen.

Und dann noch eine schöne Nachricht von heute, wo Uwe Seeler endlich seine Straße am Volksparkstadion nach sich benannt bekommen hat. Zwei Jahre nach dessen Tod enthüllte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) unter anderem gemeinsam mit Seelers Witwe Ilka das Schild am Volksparkstadion, das aus der bisherigen Sylvesterallee die Uwe-Seeler-Allee machte. „Hamburg bewahrt Uwe Seeler ein ehrendes Andenken. Mit der Uwe-Seeler-Allee erinnern wir an unseren früheren Ehrenbürger, der sich in vielfacher Weise um Hamburg und unser Gemeinwesen verdient gemacht hat“, sagte Tschentscher. Und Ilka Seeler bedankte sich bei der Stadt: „Wir als Familie freuen uns sehr über die Wertschätzung, die Uwe durch diese Straßenumbenennung erfährt.“ 

v.l. Dr. Stefanie von Berg (Altonas Bezirksamtleiterin), Dr. Peter Tschentscher (Erster Buergermeister Hamburg), Stefan Kuntz (Vorstand Sport, HSV), Ilka Seeler (Ehefrau von Uwe Seeler), Dr. Katja Steffens (stellvertretende Vorsitzende der Bezirksversammlung Altona).

In diesem Sinne, so selbstverständlich diese Straßentaufe nach HSV-Idol Uwe Seeler aus meiner Sicht auch ist, so wenig selbstverständlich ist ein Auftaktsieg für den HSV. Aber ich erinnere mich auch noch sehr gut an die letzte Saison, wo ich zu Saisonbeginn genauso skeptisch war und der HSV am Ende mit 5:3 gegen Schalke gewann. Dass Schalke im Anschluss daran erstmal weiter mehr verlor als gewann – geschenkt…! Denn ein Sieg in Köln wäre schon mal ein sehr schönes Zeichen an die Konkurrenz. Vor allem dann, wenn Kuntz im Anschluss daran seinen Worten auch noch Taten folgen lässt…

Also noch mal: Bis morgen! Dann mit dem ersten Blitzfazit dieser Saison direkt nach dem Spiel. Euch allen eine gute Nacht, einen schönen Freitag und uns allen ein schönes Auftaktspiel!

Scholle

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