HSV-Sportvorstand Boldt sollte schnell Klarheit schaffen
Wäre diese Meldung schon vor der Sendung aufgekommen, ich hätte sicher etliche Fragen danach gehabt. So aber werde ich die Frage nach Jonas Boldt und seinem kolportierten…

Wäre diese Meldung schon vor der Sendung aufgekommen, ich hätte sicher etliche Fragen danach gehabt. So aber werde ich die Frage nach Jonas Boldt und seinem kolportierten Wechsel zu Eintracht Frankfurt an dieser Stelle kurz, ungefragt und aus meiner Sicht einordnen. Boldt ist nämlich nach Informationen der „Frankfurter Rundschau“ einer der möglichen Kandidaten, um die Eintracht im Sommer als Sportvorstand zu übernehmen und den gen Hertha BSC abwandernden Fredi Bobic damit zu beerben. Nach dem AS Rom also der nächste Topklub, wobei sich die Rundschau hier unter anderem darauf stützt, dass Boldt einen guten Draht zum Frankfurter Marketingchef Axel Hellmann pflegt.
Was da dran ist? Diese Frage MUSS Boldt beantworten. Und zwar schnell. Denn Fakt ist, dass sich der HSV in der aktuellen Phase keine Diskussionen und Unsicherheiten auf entscheidenden Positionen erlauben kann. Dazu zählen insbesondere auch alle führenden Positionen im Vorstand und Trainerstab. Immerhin ist Boldt der oberste in Sachen Kaderplanung für die bevorstehende Saison. Fakt ist aber auch, dass Boldt nichts dafür kann, wenn er woanders ins Gespräch gebracht wird.
Wechselt Jonas Boldt zu Eintracht Frankfurt?
„Ich kommentiere Gerüchte nach wie vor nicht“, antwortet Boldt für gewöhnlich auf Fragen nach Transfergerüchten. Dennoch, in diesem Fall herrscht eine Ausnahmesituation – sportlich. Und nach Boldts jüngster Vertragsverlängerung mit dem AS-Rom-Interesse als Vorgeplänkel auch personell. Von daher gebietet es der Rücksicht auf den HSV, dass Boldt hier schnellstmöglich Klarheit herstellt. Er sollte schon besser eben als gleich erklären, ob seine Aussage aus dem November noch gilt, die da lautete: „Ich möchte gemeinsam mit meinem Team weitere Beiträge zur Positiventwicklung unseres Klubs leisten“, erklärte Boldt. „Es steht außer Frage, dass wir noch ganz am Anfang eines langwierigen Entwicklungsprozesses stehen, den beide Seiten gerne weiter miteinander beschreiten wollen.“
Zugegeben: Ich halte viel von Boldt beim HSV. Nicht, weil immer wieder hochkarätige Interessenten auf dem Plan stehen. Das hat mich beim AS Rom nicht interessiert. Und das interessiert mich – bei allem Respekt vor der aktuell sensationellen, sportlichen Entwicklung - auch bei Eintracht Frankfurt nicht. Sportvorstände gibt es viele gute. Und dennoch würde ich es bevorzugen, wenn Boldt hier bleibt, bevor sich ein neuer Sportvorstand mit neuen Ideen erst einmal einarbeiten muss.
Normalerweise wäre ich immer bei Boldt, dass dieser sich nicht erklären muss, nur, weil irgendwo Gerüchte aufkommen. Dennoch hat Boldt hier auch eine Verantwortung für die Gesamtsituation, die durch solche Gerüchte nun mal auch gefährdet werden kann. Das mag etwas doof für Boldt – aber da muss er jetzt durch. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, ob Boldt die Notwendigkeit über sein gutes Recht stellt und diese Gerüchte eindeutig beantwortet. Im Sinne des gemeinsamen Zieles mit dem HSV.
Leistner fehlt mehr, als man zugeben mag
Apropos: Der muss jetzt langsam eine Reaktion zeigen. Nach nunmehr vier sieglosen Spielen und dem Rückfall auf Tang vier stehen in den nächsten Wochen schwierige Aufgaben unter schwierigen, personellen Bedingungen bevor. Die „Säulenspieler“ Klaus Gjasula und Toni Leistner fehlen weiterhin, ebenso wie durch seine Rote Karte auch Tim Leibold. „Wir haben es bislang immer gut hinbekommen, unsere Ausfälle zu kompensieren“, sagte Michael Mutzel gestern – und zumindest hier möchte ich ihm widersprechen. Denn insbesondere Leistners Ausfall hat der HSV bislang nur unzureichend kompensiert.
Dass der HSV seit dem Ausfall von Toni Leistner aus vier Spielen gerade zwei der möglichen 12 Punkte holte können wir als Zufall abhaken. Oder auch nicht! Ich behaupte, dass Leistner nicht deshalb fehlt, weil er der beste Innenverteidiger ist, am schnellsten läuft und am besten Tore verhindert. Nein, Leistner fehlt, weil er seine Mitspieler organisiert, seinem Nebenmann Ambrosius Sicherheit verleiht, mit viel Auge antizipiert. Kurzum: Weil Leistner Führung anbietet. Und das ist aktuel zweifellos das Letzte, was man sich von dem stark in der Kritik stehenden Gideon Jung erwarten darf.
Noch mal: Ich habe absolut nichts gegen Jung als Fußballer. Er hat für den HSV auch etliche gute Spiele gemacht. Aber er ist ein gutes Beispiel für das, was passiert, wenn man sich eben nicht klar positioniert. Er stand mehrere Male kurz vor einem Wechsel, ist dann aber (auch aus wirtschaftlichen Gründen) nicht gewechselt, obgleich man ihm in Hamburg klargemacht hatte, dass es schwer würde für ihn, hier Spielzeit zu bekommen. Allein das lässt mich schon zweifeln. Denn meistens führt eine solche Haltung dazu, dass ein Spieler im Kader steht, der sich ungewollt fühlt, weil er es ist. Und so spielt er dann auch.
Jung wirkt stark verunsichert – und soll im selben Moment die „Säule“ Leistner hinten ersetzen? Nein! Um zu erkennen, dass diese Rechnung nicht aufgeht, muss man kein Fußballlehrer sein. Denn das schaffen nur die allerwenigsten. Und rechnet man dann noch Keeper Sven Ulreich hinzu, der ob seiner kleinen und größeren Schnitzer zuletzt in die Kritik geraten ist, müssen die anderen Neun auf dem Platz schon richtig gut funktionieren, um das auszugleichen.
Die Mannschaft ist nicht stark genug für Jung und Ulreich
Aktuell reicht das aber nicht. Gegen Aue und Fürth hat der HSV Siege verschenkt, was die Zweifel nicht kleiner hat werden lassen. Und weil vor allem auch im Mittelfeld immer wieder Ausfälle zu verzeichnen sind, steckt der HSV spielerisch in einer Krise, die zu einer Ergebniskrise führt. Zwei Niederlagen, so unterschiedlich sie auch waren, werden das mentale Gerüst dieser Mannschaft nicht gestärkt habe.
Im Gegenteil. Umso wichtiger ist es jetzt, und damit schließt sich der Kreis zum Boldt-Gerücht, dass man den Spielern nicht auch noch durch unnötige Diskussionen außen herum Alibis ermöglich. Schon deshalb sollte auch ein Jonas Boldt zusehen, hier schnellstmöglich Ruhe zu schaffen. So unschuldig er an diesem Gerücht auch sein mag…
In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle
P.S.: Dass der HSV das Gerücht, man sei an dem niederländischen Milan van Ewijk von ADO Den Haag interessiert, unkommentiert ließ, ist dagegen okay. Der 20-Jährige, dessen Vertrag im Sommer 2022 ausläuft, steht laut „Voetball International“ auf der Liste des HSV. In der laufenden Saison hat Milan van Ewijk alle bisherigen 24 Ligaspiele über die komplette Distanz absolviert und kam dabei auch als Innenverteidiger zum Einsatz. Neben dem HSV sind offenbar auch Schalke 04, Darmstadt, KAA Gent (Belgien) und der schottische Top-Klub Celtic Glasgow an einem Transfer interessiert.
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