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HSV-Spieler sprechen sich klar für Polzin aus! Erst sportlich, dann auch verbal

So kann man das Jahr beenden. Der HSV hat in seinem letzten Spiel des Jahres noch einmal bewiesen, dass die Mannschaft es eigentlich kann. Und das ist Lob und Tadel zugleich…

HSV-Spieler sprechen sich klar für Polzin aus! Erst sportlich, dann auch verbal

So kann man das Jahr beenden. Der HSV hat in seinem letzten Spiel des Jahres noch einmal bewiesen, dass die Mannschaft es eigentlich kann. Und das ist Lob und Tadel zugleich für diesen HSV, der dementsprechend schon deutlich weiter hätte sein können – nein: müssen. Aber um dieses Spiel hier nicht schon im ersten Absatz kleinzureden, muss man eingestehen, dass das heute ein Auftritt war, der schnell deutlich machte, dass hier nichts schiefgehen würde. Gar nichts!

Spätestens, als Daniel Heuer Fernandes – bis dahin ungeprüft – aus drei Metern angeköpft wurde und den Ball so über die Latte lenkte, war klar: Dieser Jahresabschluss wird so, wie es sich alle vorher beim HSV erhofft hatten. Als dann auch noch der 17 Jahre junge Otto Stange, gerade für Doppeltorschütze Davie Selke gekommen, seinen ersten Treffer für die Profis erzielte, war das Ding rund. ALLE HSVer liefen zum Debüt-Torschützen und feierten ihn ewig lang. Selbst die Verletzten am Spielfeldrand waren dabei.

Selke zeigt, warum er auch abseits des Platzes wertvoll ist

Mittendrin: Davie Selke, der seinen jungen Kollegen Otto Stange hier und auch nach dem Spiel gar nicht aus dem Arm lassen wollte. Selke, dem die Trainer immer wieder eine ganz besonders wichtige Rolle in der Kabine nachsagen, sabbelte lange auf Stange ein, der jedes einzelne Wort des Routiniers mit einem Lächeln quittierte und sich freute. Stange dürfte den Heiligabend schon vorgezogen haben. Zumindest kann ich mir schwer vorstellen, dass irgendein Geschenk unter dem Tannenbaum mit diesem Glücksgefühl mithalten kann.

Das Spiel heute, das mit einer Schweigeminute für die Opfer des abscheulichen Anschlages in Magdeburg begann, war zudem auch noch mal ein Statement der Mannschaft für ihren Interimstrainer Merlin Polzin. Vor der Partie hatte sich der gesperrte Daniel Elfadli bereits für einen Verbleib Polzins ausgesprochen. „Die Mannschaft steht hinter Merlin, wir geben Vollgas für ihn“, sagte der Gelbrot-Gesperrte vor dem Spiel bei Sky. Und die Mannschaft lieferte mit dem 5:0 ein klares sportliches Statement, gefolgt von warmem Worten pro Polzin nach Abpfiff.

Mannschaft spricht sich deutlich für Polzin aus

Da stimmte die Mannschaft noch einmal ins Loblied auf das Interims-Trainergespann mit Polzin und Loic Favé ein. Selke, Meffert, Schonlau – allesamt äußerten den Wunsch, mit dem Trainerteam in der Konstellation weiterarbeiten zu wollen, während Polzin betonte, wie viel Spaß ihm der Job mache. Alles zusammengenommen, dazu der noch fehlende bessere Kandidat, deutet aktuell auf einen Verbleib Polzins hin. Entscheiden werden soll das nach dem Analyse-Gespräch des Trainerteams mit Sportvorstand Stefan Kuntz

Kurz zum Spiel: Die furiosen ersten 15 Minuten der Hamburger mit den schnellen Toren durch Dennis Hadzikadunic (1.), Davie Selke (11.) und Adam Karabec (13.) stellten eine frühe Vorentscheidung dar, da die SpVgg Greuther Fürth überhaupt nicht ins Spiel fand. Selke (59.) mit seinem bereits zehnten Saisontor und der erst 17-jährige Otto Stange (76.). Der Rest war Jubel – inklusive etlicher (Spieler-) Plädoyers für Polzin

DIE EINZELKRITIKEN:

Daniel Heuer-Fernandes: Nur selten war er gefragt, aber dann war er auch da. Sicherer Rückhalt, der es heute angenehm ruhig hatte. Seine Rettungsaktion in der 63. Demonstrierte vor allem eines: Heute konnte nichts schiefgehen.  Note: 2

William Mikelbrencis: Starke Rettungsaktion in der 9. Minute, nachdem er kurz gepennt hatte und der Rest der Viererkette wieder mit einem Ball in die Tiefe ausgehebelt war. Aber man merkt ihm an, dass er selbstbewusster wird. Es sind noch immer einige zu wilde Zweikämpfe/Aktionen dabei – aber das war heute völlig egal. Er spielte insgesamt einfach richtig gut und seine Entwicklung geht absolut in die richtige Richtung! Stark seine Vorbereitung zum 4:0. Weil er in den letzten Monaten hier auch schon viel einstecken musste, bekommt er heute eine sehr nett gemeinte Note: 1,5

Denis Hadzikadunic: Ja, ist denn heut schon Weihnachten? Sein erster Saisontreffer (der zweite insgesamt) für den HSV – und das nach nicht einmal einer Minute er Kopf. Von da an gelang in den ersten 45 Minuten alles. Die zweite Hälfte begann für ihn wackelig, wurde dann aber wieder sehr stabil. Gut!   Note: 2,5

Sebastian Schonlau: Hatte heute alles im Griff. Umsichtig defensiv, zweikampfstark und mit den richtigen Vorstößen zur richtigen Zeit. Das war noch mal ein sehr souveräner Auftritt zum Jahresabschluss vom Kapitän.  Note: 2

Miro Muheim: Er ist der Top-Torvorlagengeber und auch defensiv ein Stabilisator geworden. Für mich ist er der konstanteste HSVer dieser Hinrunde. Auch heute wieder effektiv, sicher – gut!  Note: 2

Jonas Meffert (bis 74.): Er bekommt Ruhe ins Spiel, wenn es hektischer wird. Er läuft extrem viele Räume zu, die durch Fehler seiner Mitspieler entstehen. Kurzum: Meffert ist und bleibt wichtig! Aber er kam offensiv heute zu oft nicht mit, wenn es mal schnell gehen musste/sollte. In der zweiten Hälfte wurde er besser. Note: 3

Anssi Suhonen (ab 74.): Er war wieder überall. Und er bereitete das 5:0 mit vor. Schöne Rückkehr zu den Profis für den Finnen, der von Steffen Baumgart – warum auch immer!?! - zur U21 aussortiert worden war. Note: 2,5

Jean-Luc Dompé (bis 89.): Er wird konsequent von allen Gegnern gedoppelt, manchmal sogar zu dritt. Verteidigt. Trotzdem setzt er sich durch! Und wie! Was für traumhafte Flanken für die eigenen Kollegen im Sturm! Diese Flanken, wie zum 2:0 von Selke, sind für die Keeper sauschwer, weil sie sich blitzschnell zum Rauslaufen oder auf der Linie verharren entscheiden müssen, während der Angreifer voll auf den Ball gehen kann. Hat man dann noch Kopfballspieler wie Selke (und Glatzel), kann das eine sehr erfolgreiche Kombination darstellen…!  Note: 2

Adam Karabec (bis 81.): Gut ins Spiel reingekommen, dann etwas ausgeruht und viel quer und zurück. Insgesamt war das heute aber eines seiner besseren Spiele. Ich bleibe aber dabei – und heute ist das ausschließlich als Kompliment gemeint – er kann noch deutlich mehr, wenn er irgendwann die Handbremse löst. Mir fehlt noch der unbedingte Wille, Bälle zu bekommen, sie in die gefährliche Zone zu spielen und/oder selbst abzuschließen. So wie beim Tor oder in der 69. Spielminute!  Note: 2,5

Marco Richter (ab 85.): Durfte sich noch die Auflaufprämie zu Weihnachten abholen. 

Immanuel Pherai (bis 65.): Er brachte sofort Schwung ins Offensivspiel und zeigte seinen Kritikern, dass er zu Unrecht so lange auf seine Startelfnominierung warten musste. Er kann noch mehr, aber das war schon ein sehr ordentlicher Beginn auf dem Weg zurück in die Startelf. Note: 3

Lukasz Poreba (ab 65.): Er kam, als es schon gelaufen war und musste nicht mehr viel machen. Machte nichts falsch. Note: 3

Emir Sahiti (bis 65.): Fleißig, mutig, aber leider noch nicht oft genug mit den richtigen Entscheidungen. Aber das kommt über Spielzeit. Trainieren muss er zudem, sich nicht so leicht wegschieben zu lassen. Stichwort: Robustheit. Dass er zu verspielt ist, wird er ablegen müssen. Aber vielleicht hilft etwas zu viel Mut, schneller die richtige Dosierung zu finden zwischen Verspieltheit und Effizienz.   Note: 3

Noah Katterbach (ab 65.): Fand sofort ins Spiel. Das war wieder ordentlich. Note: 3

Davie Selke (bis 74.): Er trifft – und trifft - und trifft. Schade, dass er diesen starken Lauf nicht noch ein paar Spiele weiterführen kann. Wobei: Kann er, allerdings dann erst nach der Winterpause. Heute war er sofort im Spiel, weil sich die Offensive heute – im Gegensatz zu den ersten 45 Minuten in Ulm - nicht verweigerte. Was die Trainer meinen, wenn sie von der Bedeutung Selkes auch außerhalb des Platzes sprechen, wurde heute bei Stange noch mal mehr als deutlich. Zuerst signalisierte er nach außen, rausgehen zu können. Wissend, dass für ihn Stange kommen würde. Wie er mit seinem jungen Kollegen dessen Debüt-Treffer feierte und ihn nach dem Spiel noch mal innig umarmte, während er ihm ein paar nette Worte als erfahrener Angreifer mit auf den Weg gab, das war schon stark. Stange jedenfalls genoss offenbar jedes einzelne Wort. Und bei aller Kritik der letzten Wochen, Herr Selke: SO GEHT TEAMPLAY! Chapeau meinerseits!!!! (Gesamt-)Note fürs Sportliche wie Kollegiale: 1+

Otto Stange (ab 74.): Kaum war er auf dem Feld traf er schon. Der Jubel seiner Kollegen, (auch der Verletzten!), die allesamt zu ihm liefen, macht deutlich, welchen Stellenwert der Jüngste im Kader schon hat. Er bringt auch schon sehr viel mit. Und wenn er nicht zu schnell zu viel Verantwortung auf und neben dem Platz aufgelastet bekommt, hat der HSV mit hm einen sehr spannenden Backup für Selke (und Glatzel). Er dürfte auf jeden Fall sein schönstes Weihnachtsgeschenk schon vorab bekommen haben… Ich kann für heute nicht anders, Otto Stange soll diesen Moment maximal genießen können. Daher bekommt er von mir für diesen Auftritt die Note: 1

Trainer Merlin Polzin: Acht Punkte aus vier Spielen ist okay. Das Spiel heute war eine 180-Grad-Wendung gegenüber dem Auftritt in Ulm. Polzin und sein Trainerteam fanden ganz offensichtlich die richtigen Worte nach der Minusleistung in Ulm – und sie stellten entsprechend personell um. Jatta und Richter draußen zu lassen, Mikelbrencis (Note: 1,5) zu bringen, Jatta und Richter draußen zu lassen – es griff alles. Und vor allem entspricht das meinem Verständnis von Leistungskultur. Und bei aller Kritik an seiner Ausstrahlung: Polzin redet nie Nonsens! Ich höre ihn tausendmal lieber als seine Vorgänger, die immer irgendeine Intention hatten, wenn sie auf dem Podium saßen. Polzin war auch heute sehr gefasst, gewohnt sachlich und analytisch auf den Punkt. Wie er intern auftritt, vermögen wir Journalisten nicht zu beurteilen. Ich würde seinen Verbleib als Cheftrainer niemals von diesem einen Spiel abhängig machen. Aber das, was vor und nach dem Spiel zu hören und während der 90 Minuten heute sogar zu sehen war, spricht sehr deutlich für ihn. Für das Spiel heute bekommt er definitiv die Note: 1

Den Rest besprechen wir in den nächsten Tagen!

In diesem Sinne, genießt diesen Sieg!

Scholle

DAS SPIEL IM STENOGRAMM:

HSV: Heuer Fernandes - Mikelbrencis, Hadzikadunic, Schonlau, Muheim - Meffert (74. Suhonen), Pherai (65. Poreba), Karabec (81. Richter) - Sahiti (65. Katterbach), Selke (74. Stange), Dompe

SpVgg Greuther Fürth: Schulze - Dietz, Jung, Meyerhöfer - Asta, Banse (69. Müller), Green (46. Srbeny), Gießelmann (81. Münz) - Hrgota, Mustapha (46. Massimo) - Futkeu (81. Michalski)

Tore: 1:0 Hadzikadunic (1.), 2:0 Selke (11.), 3:0 Karabec (13.), 4:0 Selke (59.), 5:0 Stange (76.)

Zuschauer: 54.786

Schiedsrichter: Timo Gerach (Landau)

Gelbe Karten: Pherai / Mustapha

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