HSV siegt und feiert - obwohl es nichts zu feiern gibt
Der HSV hat sein letztes Saison Spiel mit 4:1 erfolgreich bestritten. Und dieser Sieg gegen alles andere als starke Nürnberger wurde nach Schlusspfiff von den Rängen gefeiert.…

Der HSV hat sein letztes Saison Spiel mit 4:1 erfolgreich bestritten. Und dieser Sieg gegen alles andere als starke Nürnberger wurde nach Schlusspfiff von den Rängen gefeiert. Hätte man es nicht vorher gewusst, hätte man tatsächlich denken können, der HSV hätte etwas Großes erreicht. Das allerdings ist nicht der Fall. Der vierte Platz und damit das Sechste Scheitern im Kampf um den Wiederaufstieg ist vielleicht die bitterste aller Pleiten der letzten Jahre. „Wir wissen, dass wir unsere Ziele verfehlt haben. Und das ist enttäuschend“, sagte Laszlo Benes nach dem Spiel. „Aber es war uns sehr wichtig die Saison mit einem positiven Ergebnis abzuschließen und den Fans noch ein Erfolgserlebnis zu schenken.“
Benes‘ Worte klangen ein wenig nach Abschied. Und damit meine ich nicht den Abschied in die Sommerpause, sondern den generellen Abschied. Der Mittelfeldspieler ist einer von drei Spielern mit bekannten Ausstiegsklauseln. Nicht wenige erwarten, dass es ihn in der bevorstehenden Sommerpause zu einem höherklassigen Verein verschlägt. „Ich kann dazu nichts sagen“, so seine einzige Antwort auf die Frage, ob er noch mal im HSV-Dress aufläuft. Gleiches gilt für Ludovit Reis sowie für Robert Glatzel, der heute Dank seiner Dreier Tore auf dem letzten Drücker noch die Torjäger-Kanone der zweiten Bundesliga ergattern konnte. Glückwunsch dazu!
Ob Reis und Glatzel in der neuen Saison wieder für den HSV auflaufen, ist ebenso offen wie alles andere aktuell. Und das mal wieder selbst verschuldet. Es käme jetzt erst einmal darauf an, einzelne Bausteine zusammenzusetzen, antwortete Jonas Boldt auf die Frage, was man denn in der kommenden Saison besser machen müsse. Und klar ist: Der Sportvorstand ist dabei das erste Teilchen im neuen Mosaik, das es einzusetzen gilt. „Von oben nach unten“ müsse alles stehen, um die notwendigen Entscheidungen zu treffen, was die neue Saison betrifft, so Boldt, der im Laufe der kommenden Woche vom Aufsichtsrat erfahren soll, ob er im Amt bleibt oder nicht. Aber zu diesem Glanzstück des Aufsichtsrates noch mehr im Blitzfazit.
Am Ende war es jedenfalls eine große Party im Volksparkstadion. Das einzig traurige daran war, dass es sportlich wieder nichts zu feiern gab. Und ich kann nur noch einmal betonen, dass die Stimmung auf den Rängen schon sehr lange nicht mehr das Niveau auf dem Platz widerspiegelt. Im Gegenteil: die Ränge sind erstklassig. Sie stehen dem HSV so massiv zur Seite, obwohl der Klub selbst sportlich eine weitere Negativentwicklung genommen hat. Und eines ist auch klar, sollte der Aufsichtsrat nicht langsam seiner Pflicht nachkommen, und strukturell für klare Verhältnisse sorgen, wird es auch in der kommenden Saison sportlich nichts zu feiern geben.
SPIELERBEWERTUNGEN:
MATHEO RAAB: Er hatte dank der schwachen Nürnberger nicht allzu viel zu tun - und musste dennoch einmal hinter sich greifen. Wobei, nein: zweimal sogar. Aber ein Treffer zählte nicht. Ansonsten nichts falsch gemacht - also Note: 3
STEPHAN AMBROSIUS (bis 79.): Er ist einer der Spieler, die von den Fans immer wieder gefordert und gefeiert werden – weil er die richtige Einstellung auf den Platz bringt. So auch heute. Ich mag diese Spielertypen, auch wenn mir Ambrosius zu oft angeschlagen und verletzt ist. Dennoch wird er über die Rolle eines Backups kaum hinauskommen, wenn der HSV im Sommer auf die diesjährige Abwehrproblematik richtig reagiert. Heute war das absolut okay! Note: 3
MORITZ HEYER (ab 79.): Noch ordentlich dabei.
GUILHERME RAMOS: Was wollte er beim 1:1 direkt bei Ambrosius‘ Zweikampf? Warum stellt er den Raum dahinter nicht zu? Antwort: Weil er ein reiner Zweikämpfer und kein Organisator mit dem nötigen Überblick ist. Für ihn gilt, was auch für Ambrosius gilt, womit das Abstimmungs-Problem im Abwehrzentrum zu Spielbeginn heute schnell erklärt ist. Note: 3
LUDOVIT REIS: Pennte beim 1:1 und hatte auch sonst in den ersten 30 Minuten einige Aussetzer. Aber: Seine Position als Rechtsverteidiger (gegen den Ball) und Mittelfeldspieler (mit dem Ball) ist eine der wenigen guten Ideen der letzten Wochen beim HSV – auch wenn er heute defensiv zu schwach war, er kann das normalerweise besser. Note: 3
MIRO MUHEIN (bis 85.): Spielte sehr solide, und damit meine ich auch den Rest der Saison. Zusätzlich leitet er immer wieder gefährliche Angriffe ein und bereitet Tore vor. Note: 3
NOAH KATTERBACH (ab 86.): Seine paar Minuten darf er als Geschenk des Trainers werten.
JONAS MEFFERT: Ein grundsolider letzter Saisonauftritt, der auch zeigte, dass ihm ein defensiv denkender Mittelfeldmann (wie Poreba) an der Seite sehr wohl guttut. Note: 3
LUKASZ POREBA (bis 60.): Er will beim HSV bleiben, sagt er. Und vom Typus her passt er gut zu dem, was Steffen Baumgart einfordert. Er zeigt gute Ansätze, hat aber auch noch zu viele Fehler im Spiel, als dass man ihn final bewerten kann. Heute war das absolut okay – und das nicht nur wegen seines Treffers. Note: 3
IMMANUEL PHERAI (ab 61.): Er schleppt die Bälle, wirkt grazil und wie einer, der mal was Besonderes macht. Aber wirklich dazu, dass er mal was Besonderes macht, kommt es nicht. Note: 4
LASZLO BENES: Hat seine Schonzeit in Paderborn beendet und war heute wieder aktiv auf dem Platz. Sogar sehr. Das war in großen Teilen gut. Note: 2,5
RANSFORD KÖNGSDÖRFFER (bis 60.): Er wollte immer wieder, nahm aber bei den wenigen gefährlichen Angriffen den Kopf zu spät hoch und verpasste mögliche Abspiele. Note: 4
JEAN-LUC DOMPÉ (bis 79.): Er war anspielbar, nutzte seine Räume oft gut und war für die Nürnberger immer eine Gefahr – aber effizient genug war das wieder nicht. Note: 3,5
ROBERT GLATZEL: Er ist für den HSV offensiv unersetzlich - bislang. Denn so stark er auch heute wieder war, der Kader muss ein Backup für ihn hergeben. Dieses Versäumnis der sportlichen Leitung hat dem HSV diese Saison schon viele Punkte gekostet. Das darf sich nicht wiederholen. Und Glückwunsch an Glatzel, der sich die Torjägerkanone mit einer saustarken Hinrunde verdient hat. Note: 1

TRAINER STEFFEN BAUMGART: Er will ein paar Tage raus aus dem Geschäft und den Kopf frei bekommen, um dann schnellstmöglich wieder voll durchzustarten. Allein, ob die Verantwortlichen ihn lassen, ist noch offen. Sportlich ist er in Hamburg meiner Meinung nach noch nicht angekommen. Man sieht, was er will. Aber man sieht auch, dass diese Mannschaft das aktuell noch nicht so umzusetzen versteht. Auch heute war einiges gut, anderes nicht. Ich bin gespannt, wie es aussieht, wenn Baumgart sowohl seine Spieler als auch ausreichend Vorbereitungszeit bekommt.
DIE STATISTIK ZUM SPIEL:
HSV: Raab - Reis, Ramos, Ambrosius (75. Heyer), Muheim (85. Katterbach) - Meffert, Poreba (58. Pherai), Benes - Königsdörffer (58. Jatta), Glatzel, Dompe (75. Suhonen)
1. FC Nürnberg: Reichert - Hofmann, Marquez, Jeltsch, Gyamerah (70. Valentini) - Flick, Duman (60. Weckesser), Castrop - Goller (70. Hungbo), Lohkemper (70. Andersson, 85. Geis), Schleimer
Tore: 1:0 Glatzel (6.), 1:1 Schleimer (16.), 2:1 Poreba (22.), 3:1 Glatzel (28.), 4:1 Glatzel (90.+5)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Arne Aarnink (Bochum)
Gelbe Karten: Poreba, Meffert, Muheim / Flick
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