Spielbericht

HSV siegt in Marathonmatch 2:1 bei Hertha - (nicht nur) Walter fordert eine Serie

Erst viele Tennisbälle, dann drei Tore und ein HSV, der endlich wieder auf einen Aufstiegsplatz springt: Eine mehr als halbstündige Unterbrechung wegen Protesten gegen die…

HSV siegt in Marathonmatch 2:1 bei Hertha - (nicht nur) Walter fordert eine Serie

Erst viele Tennisbälle, dann drei Tore und ein HSV, der endlich wieder auf einen Aufstiegsplatz springt: Eine mehr als halbstündige Unterbrechung wegen Protesten gegen die Investoren-Pläne der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat den Sieg des HSV bei Hertha BSC zwar überschattet – ihn aber dennoch nicht verhindern können. Denn der HSV war über die reine Spielzeit betrachtet das bessere Team. Dass die Partie kurz vor dem Abbruch stand, als unzählige Tennisbälle auf das Spielfeld geworfen worden waren, bleibt daher eine nicht unwesentliche Randnotiz. Für mich aber ist etwas anderes viel wichtiger: Der erneute Schritt nach vorn.

Ein Schritt vorwärts (beim 2:0 auf Schalke), ein Schritt zurück (gegen den KSC) – und jetzt wieder ein Schritt vorwärts – das ist zwar längst noch keine Konstanz, aber lässt zumindest mal wieder etwas hoffen. Hoffen, dass der HSV es diesmal schafft, das Ganze in eine Serie zu verwandeln, wie es Trainer Tim Walzer nach Spielschluss auch einforderte. Dass sein Team zuvor dem Druck trotzte und mit diesem 2:1-Auswärtssieg auf Rang zwei springen konnte „ist eine schöne Momentaufnahme“, so Walter nach Spielschluss. „Für uns ist es aber wichtig in den Flow zu kommen und eine Serie zu starten. Meine Mannschaft hat das sehr gut gemacht, war sehr konzentriert und hat am Ende verdient gewonnen. Ich glaube, dass wir die aktivere Mannschaft waren. Meine Mannschaft war sehr abgezockt.“

Sehr gut und abgezockt – kann man so oder so sehen. Wichtig ist nur, dass der HSV in jedem Spiel mindestens einmal trifft. Zumeist sogar doppelt oder dreifach. Ergo: Hinten sicher stehen, und du gewinnst den Großteil der Spiele. So sch…. einfach ist die Rechnung, die Walter jetzt weiter lösen muss. Jetzt gilt es (mal wieder) schlicht und einfach, das Ganze zu konservieren und zu standardisieren. 

Aber noch mal kurz zurück zum Spielverlauf: „Es kamen immer mehr Bälle, von der einen und der anderen Seite. Wir haben versucht zu warten. Wir haben versucht einzuwirken, über die Spieler und den Trainer. Irgendwann mussten wir Konsequenzen ziehen“, erklärte Schiedsrichter Daniel Schlager bei Sport1 und ergänzte: „Kein Schiedsrichter möchte, dass deswegen ein Spiel abgebrochen wird.“ Bei einer weiteren Unterbrechung hätte Schlager demnach keine Wahl mehr gehabt. Hintergrund: Immer wieder flogen ab der 53. Minute aus der Hertha-Kurve Tennisbälle auf das Feld.

Appelle von Hertha-Coach Pal Dardai und dem Stadionsprecher brachten zunächst nichts. Nachdem das Spiel schon rund 20 Minuten unterbrochen war, schickte Schiedsrichter Schlager die Spieler vom Feld. Er habe „ein bisschen das Gefüh gehabt, dass es zu einem Abbruch kommen könnte“, meinte Dardai: „Ich habe mit den Fans gesprochen, das wollten sie auch nicht. Da haben sie Wort gehalten.“ 

Beide Mannschaften kehrten nach Ende der Würfe zurück und die Spieluhr wurde auf 52:30 Minuten zurückgesetzt. Die Hertha-Fans hatten ihr Banner mit der Aufschrift „Investorenwahnsinn endlich stoppen, ob in der DFL oder in den Vereinen“ kurz zuvor eingerollt. Nach Wiederanpfiff ging der HSV, der auch in der ersten Hälfte die deutlich bessere Mannschaft war, durch einen leicht aufsetzenden Distanzschuss von Miro Muheim in Führung (57.). 

Und dann kam Reese. Einen Schuss von Herthas gerade erst eingewechselten Schlüsselspieler konnte Daniel Heuer Fernandes nur zu kurz und zu mittig abklatschen. Tabakovic staubte zum Ausgleich ab (62.). Aber der HSV legte nach und kam durch den ebenfalls erst kurz zuvor ins Spiel gekommene Ludovit Reis per Kopf (nach traumhaft getimter Flanke von Immanuel Pherai) in der Schlussphase zum verdienten Sieg (83.).

DIE DATEN ZUM SPIEL:

Hertha BSC: Ernst - Kenny, Leistner, Kempf, Karbownik - Bouchalakis, Barkok, P. Dardai (60. Reese), Niederlechner (70.Prevljak), Winkler (60.Scherhant) - Tabakovic

HSV: Heuer Fernandes - Van der Brempt, Ramos, Ambrosius, Muheim - Meffert, Pherai, Benes (80.Reis) - Jatta (80.Königsdörffer), Nemeth (76.Glatzel), Dompe

Tore: 0:1 Muheim (57.), 1:1 Tabakovic (62.), 1:2 Reis (82.)

Zuschauer: 60.000

Schiedsrichter: Daniel Schlager (Hügelsheim)

Gelbe Karten: Kempf (40.), Bouchalakis (69.), Leistner (72.), Niederlechner (81.) / Pherai (45.+2), Muheim (62.)

Gelb-Rote Karten: - / -

STIMMEN ZUM SPIEL:

Tim Walter: Es war klar, dass wir heute geduldig bleiben müssen. Der Gegner hat sehr tief verteidigt. Wir hatten die Doppelchance durch Andras Nemeth und würden ihm so sehr das Tor gönnen. Er hat es in vielen Bereichen gut gemacht, der Ball wollte nicht reinfallen. Wir sind dennoch danach drangeblieben und waren auch nach der Halbzeit beharrlich. Es war für beide Teams aufgrund der langen Unterbrechung kein leichtes Spiel. Wir sind gut beraten, die Dinge, die wir im Winter angepackt haben, weiter voranzutreiben. Wir wollen im Zweikampfverhalten noch griffiger und wachsamer sein. Wir wollen eine Serie starten, alles andere ist eine Momentaufnahme. 

Pal Dardai: Es gab zwei verschiedene Halbzeiten. Im ersten Durchgang hatten beide Teams eine große Torchance. Wir sind dann in der zweiten Hälfte etwas besser reingekommen, ehe die Spielunterbrechung folgte. Dann treffen beide Teams einmal und wir waren in meinen Augen dem zweiten Tor zunächst näher. Dann wäre es spannend gewesen, was passiert wäre, wenn wir hätten kontern können. Am Ende war Hamburg aber die bessere Mannschaft. Sie haben etwas besser gespielt und haben ein sauberes zweites Tor erzielt. Wir haben alles getan, ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen.

Immanuel Pherai: Es war ein komisches Spiel, weil es so lange unterbrochen war, aber letztlich haben wir verdient gewonnen. Ich habe mich gefreut, wieder auf dem Platz zu stehen. Beim 2:1 habe ich Ludo im Rückraum gesehen. Mir war klar, dass er den Kopfball setzen wird. Wir wollen jedes Spiel gewinnen und müssen zeigen, dass wir es auch können. Ich denke, dass wir mehr draufhaben als wir bisher gezeigt haben.

Ludovit Reis: Es war für mich ein schöner Moment, dass ich nach den vier Monaten Verletzungspause wieder ein Tor erzielt habe. Ich hatte „Manu“ schon zwei Minuten zuvor gesagt, dass er auf mich gucken muss – es war eine Top-Vorlage. Insgesamt war es ein ganz wichtiger Sieg gegen eine gute Mannschaft. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, hätten dies auch gern am vergangenen Spieltag gemacht. Wir waren nur fokussiert auf dieses Spiel. 

Jonas Meffert: Wir haben sehr dominant gespielt, hatten viel Ballbesitz, ohne vielleicht die größten Chancen herauszuspielen. Man hat dann auf dem Feld gespürt, dass uns die Wechsel nochmal Aufschwung geben. Da sieht man die Stärke, die wir im Kader haben. Es ist nun unser Ziel, jetzt eine Serie zu starten. Das ist der nächste Schritt.

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