HSV setzt im DFB-Pokal in Bielefeld auf den Lerneffekt
Das Spiel beim 1. FC Kaiserslautern ist passé. Die Diskussionen darum waren sehr kontrovers und viele haben nicht verstanden, weshalb ich das Spiel so schlecht gesehen habe.…

Das Spiel beim 1. FC Kaiserslautern ist passé. Die Diskussionen darum waren sehr kontrovers und viele haben nicht verstanden, weshalb ich das Spiel so schlecht gesehen habe. Wobei ich mit vielen darüber gesprochen oder geschrieben habe. Fakt ist für mich: Der HSV muss auswärts eine Stabilität in sein Spiel bekommen, dass er einfach darauf setzen kann, hinten die Null zu halten, sofern nichts Außergewöhnliches passiert. Nach vorn ist der HSV, da wiederhole ich mich, immer gefährlich genug, um in jedem Spiel mindestens ein Tor zu erzielen. Und klar, individuelle Fehler wie Dennis Hadzikadunics Ausrutscher vor dem 1:1 in Lautern sind schwerlich vermeidbar. Aber das ist an sich kein Auswärtsproblem, sondern gehört im Fußball dazu.
Mir ist wichtiger, dass der HSV in seinen Spielen irgendwann mal einen klaren Plan hat, den man erkennen kann. Zum Beispiel, dass der HSV sein Tempo offensiv nutzt und dabei permanent versucht, Glatzels Abschlussstärke einzusetzen oder selbst aus der zweiten Reihe den Abschluss sucht. Dass man im Mittelfeld wieder eine klare Aufteilung hat und die Außenverteidiger ihre Positionen defensiv halten. Und natürlich, dass die Innenverteidigung ob ihres Tempodefizites um seine Anfälligkeit bei schnellen Gegenstößen weiß und sich eben nicht mehr beim Stand von 3:3 auswärts auskontern lässt.
Die letzten Minuten gegen Lautern haben mir für das Spiel den Rest gegeben und mich zu dem Schluss kommen lassen, dass der HSV weiter einem ganz wesentlichen Entwicklungsschritt hinterherläuft: Defensive Stabilität. Und da können die Verantwortlichen noch so oft nach spektakulären Spielen jubeln, wie unterhaltsam der HSV auch ist, am Ende müssen auch sie am Erfolg gemessen werden. Soll heißen: Am Aufstieg. Und so nervig das für viele von Euch auch klingen mag, wenn ich das zum hunderttausendsten Mal wiederhole, aber ohne diese defensive Stabilität wird der HSV auch im dritten Jahr unter Walter und zum sechsten Mal in Folge wieder scheitern.
Das wiederum gilt hoffentlich nicht für die zweite Runde des DFB-Pokals morgen um 20.45 in der Schüco-Arena bei Arminia Bielefeld. Hier setzt Walter auf den Lerneffekt bei seinen Jungs nach dem wilden 3:3 in Kaiserslautern. Wobei eines mal ganz klar ist: Die Ostwestfalen selbst hoffen ihrerseits auf ihren zweiten Coup im DFB-Pokal und weitere Zusatzeinnahmen. Nach dem Sieg gegen den Erstligisten VfL Bochum in der ersten Runde will der Drittligist jetzt den HSV aus dem Wettbewerb nehmen. „Wir sehen dieses Spiel nicht als Bonus-Spiel. Wir wollen dieses Spiel gewinnen und weiterkommen. Das würde uns als Mannschaft weiterbringen, aber natürlich auch finanziell für unseren Club viel bedeuten“, sagte Trainer Michél Kniat mit Verweis auf die winkenden Einnahmen in Höhe von mindestens 862.400 Euro, die der DFB an alle Achtelfinalisten ausschüttet.
Im Gegensatz zum HSV haben die Ostwestfalen im DFB-Pokal allerdings keinen Druck. „Wir sind gerade gut drauf, alle. Auch die, die reinkommen, funktionieren aktuell. Trotzdem hat das wenig Aussagekraft für morgen, auch das Spiel startet bei 0:0“, sagte Kniat. Vor der mit 26.500 Zuschauern ausverkauften Partie in der Schüco-Arena verspürt der Fußballlehrer mehr Lust als Druck: „Wir haben uns alle auf dieses Spiel gefreut, morgen ist es endlich so weit. Es ist für uns alle ein Highlight-Spiel, das wir uns erarbeitet haben.“
Und dabei kann der 37 Jahre alten DSC-Coach aus dem Vollen schöpfen. Oder besser gesagt, er muss. „Das heißt nämlich leider auch, dass wir harte Entscheidungen treffen müssen und einige bei diesem Highlight-Spiel gar nicht im Kader sein können“, kommentierte der Nachfolger von Uwe Koschinat sein Luxusproblem, das HSV-Trainer Tim Walter nicht hat. Zwar steht Jean Luc Dompé wieder zur Verfügung, Kapitän Sebastian Schonlau (Wade), Ignace van der Brempt (Muskelfaserriss) und Ludovit Reis allerdings fallen weiter längerfristig aus. Letztgenannter wurde heute bereits an der verletzten Schulter operiert und wird noch bis ins neue Jahr ausfallen. Via soziale Netzwerke meldete sich der Niederländer zwar mit den Worten „ab jetzt geht es nur noch bergauf“, aber bei Schulterverletzungen muss man immer etwas vorsichtiger sein. Zumindest muss sich der HSV hier tatsächlich auf alles vorbereiten.
Sicher ist, dass Mattheo Raab im DFB-Pokal im Tor stehen wird. Darauf hatte sich Walter schon vor Saisonbeginn festgelegt. Raab hat im DFB-Pokal seinen Stammplatz sicher. „Die Vorfreude ist sehr groß. Es gibt nichts Schöneres als Spiele“, sagte Raab heute nach dem Training in der Medienrunde. Der Mann, der im Liga-Alltag des Fußball-Zweitligisten die klare Nummer zwei hinter Stammkeeper Daniel Heuer Fernandes ist, brennt auf seinen Einsatz. „Pokalspiele haben immer eine besondere Brisanz“, sagt Raab, der einen „ähnlich harten Fight wie in der ersten Runde“ erwartet. Mitte August hatten sich die Hanseaten beim Drittligisten Rot-Weiss Essen nach Verlängerung mit 4:3 durchgesetzt.
Der Respekt des Schlussmanns vor dem Gegner ist groß. Die vergangenen Spiele der Arminen hätten gezeigt, „dass wir sie auf keinen Fall unterschätzen dürfen“, sagte der 24-Jährige. Nach einem durchwachsenen Start in die Saison hat der Zweitliga-Absteiger seit vier Spielen nicht mehr verloren. Zuletzt gab es drei Siege, in denen die Ostwestfalen acht Treffer erzielten. Am Dienstag wird auf der Alm auf jeden Fall eine Serie enden. Zum einen hat Bielefeld die beiden bisherigen Pokal-Duelle mit dem HSV jeweils mit 2:1 gewonnen. Zum anderen ist Raab in seinen bislang zwei Pflichtspielen für die Hamburger unbesiegt. Hoffen wir mal, dass Raab in dieser Saison noch weitere Einsätze im Pokal haben darf…
In diesem Sinne, bis morgen! Da melde ich mich nach dem Spiel wieder mit einem Blitzfazit.
Euch allen bis dahin einen schönen Abend und einen schönen Feiertag!
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