HSV ohne Probleme zur „Generalprobe“ nach Sandhausen
Was gegen Top-Teams klappt, soll gegen Außenseiter erst recht gelingen. Sagt sich so einfach. Und genau so will sich auch der HSV noch dichter den direkten Aufstiegsrängen…

Was gegen Top-Teams klappt, soll gegen Außenseiter erst recht gelingen. Sagt sich so einfach. Und genau so will sich auch der HSV noch dichter den direkten Aufstiegsrängen annähern. Der Tabellendritte, der zuletzt gegen die Top-Teams St. Pauli (2:1), Darmstadt 98 (5:0) und 1. FC Heidenheim (2:0) überzeugt hat, peilt beim Tabellen-Fünfzehnten SV Sandhausen seinen vierten Sieg in Serie an. Dass der HSV-Auftritt in Sandhausen ein Selbstgänger wird, davon will Trainer Tim Walter aber naturgemäß nichts hören. Auch deshalb will er auch sein bestmögliches Team aufbieten. „Wenn man denkt, man kann jemanden schonen, dann geht das meist in die Hose“, sagte der 46-Jährige. „Für uns gilt immer dasselbe: Wir müssen immer Vollgas gehen.“
Dass der HSV bei den Hannoveranern (0:1) und beim Abstiegskandidaten Aue (1:1) seine schwächsten Saison-Auftritte hingelegt hat, ficht Walter nicht weiter an. „Wir machen uns darüber keine Eier, was war. Wir leben im Hier und Jetzt, wir bleiben bei uns und wollen unsere gute Entwicklung fortsetzen“, formulierte er einmal mehr einen seiner Lieblingssätze. Positiv sei, dass er mehr Personal zur Verfügung habe. Auch der Einsatz von Allrounder Moritz Heyer, der zuletzt wegen Knieprobleme pausiert hatte, ist nicht mehr fraglich. Damit steht die zuletzt bewährte Viererkette in Gänze zur Verfügung.
Es passt zu Walter, dass er nie über das klagt, was gerade nicht da ist. Auch bei Heyer hatte er es im Vorfeld, als dessen Einsatz noch fraglich war, simpel gehalten. „Ist er fit, fährt mit. Ist er nicht fit, bleibt er hier“). Und er nannte mit Jan Gyamerah und Josha Vagnoman (erstmals wieder im Kader) gleich doppelt Ersatz. „Wer bei uns im Kader ist, kann spielen.“ Auch Winterzugang Giorgi Chakwetadze sei schon eine Option. Der flinke Georgier kam bislang zu zwei Kurzeinsätzen und gefiel durch seine Ballgewandtheit. Ob der 22 Jahre alte Leihspieler auch ein Kandidat für die Startelf sein kann, wollte Walter nicht verraten. „Jeder, der trainiert, hat auch die Chance zu spielen“, meinte er.
So oder so, Ex-HSV-Profi Dennis Diekmeier verspricht seinen alten Kameraden einen heißen Tanz in der Kurpfalz: „Der HSV muss sich warm anziehen. Derzeit herrscht in Hamburg stürmisches Wetter. Und so wird es auch bei uns werden.“ Eine Warnung, die der HSV angesichts der Verfassung von Diekmeier und Co. (sieben Punkte aus den letzten drei Spielen) ernst nehmen wird. Sie wissen beim HSV, dass die Partie beim SVS am Sonnabend (13.30 Uhr, BWT-Stadion am Hardtwald), ein Abziehbild dessen wird, was den HSV für die restlichen Spiele (bis auf Werder am kommenden Spieltag) erwartet: Kampffußball gegen Teams, die sich vor allem physisch wehren und mehr reagieren als agieren. Oder anders formuliert: Für viele sind diese Spiele die eigentlich schwierigeren Spiele.
Ich persönlich habe Fußballspiele gegen vermeintlich schwächere Teams nie als schwerer empfunden, als die Partien gegen TOP-Teams. Ich hatte allerdings auch nie großartig Probleme, mich zu motivieren (es war eher andersrum). Und ich bin mir bei dieser HSV-Mannschaft fast sicher, dass sie diese Probleme auch nicht hat. Schon von Trainerseite her wird das gar nicht zugelassen. Dazu kommen noch Spieler wie Daniel Heuer Fernandes, Sebastian Schonlau, Mario Vuskovic, Jonas Meffert und Co., die sich auch beim Stand von 5:0 in Darmstadt für einen normalen, gewonnen Zweikampf gegenseitig gefeiert haben, als hätten sie in der allerletzten Sekunde des Champions-League-Finals gerade das Siegtor geschossen. Das mag für einige übertrieben wirken – aber solange es als Show nach außen nicht aufgesetzt ist, liebe ich sowas.
Zumindest bin ich gerade deshalb optimistisch, dass der HSV in dieser Saison sehr viel von dem anders macht, was man ihm in den letzten Jahren vorgeworfen hat. Reisetechnisch hatte der HSV Glück, dem Orkan „Ylenia“ noch entkommen zu sein. Gegen Nachmittag reiste die Mannschaft per Flieger nach Frankfurt, um von dort aus per Mannschaftsbus nach Sandhausen weiterzureisen. Ansonsten wäre eine lange Busfahrt die Alternative gewesen – und sicherlich auch zu verkraften. Oder wie es Trainer Tim Walter sagen würde: „Hebt der Flieger ab, fliegen wir. Hebt er nicht ab, fahren wir.“ Manchmal ist es eben so einfach.
Und genau so einfach wird es der Trainer intern auch mit den letzten Spielen halten. Weil er weiß, dass der Druck eh von Spiel zu Spiel wachsen wird, je näher man dem Saisonende kommt. Zumindest dann, wenn man bis zum Schluss oben dranbleibt. Seine Aussage, dass er nicht auf die Tabelle schaut und die Entwicklung über allem stünde, mag grundsätzlich ehrlich sein. Aber im weiteren Saisonverlauf – je näher man dem Saisonende und einem möglicherweise erreichbaren Ziel auch kommt - wird sich niemand beim HSV dem mehr entziehen können.
In Sandhausen geht es vor allem darum, gegen eine tieferstehende Mannschaft Mittel und Wege zu finden, Chancen zu kreieren. Es ist so etwas wie die Generalprobe für die Spiele nach dem Nordderby gegen Werder Bremen. Dabei wird es darauf ankommen, dass die Außenbahnspieler ihre Eins-gegen-Eins-Situationen gewinnen, um Räume zu schaffen. Es wird aber auch darum gehen, diese Räume dann effektiver zu nutzen. Jattas Flanken und letzte Pässe müssen genauer werden und auch der technisch starke Faride Alidou hat hier noch Luft nach oben. Dazu kommt, dass die zweite Reihe um Sonny Kittel ebenso wie die Außenverteidiger etwaige Freiräume nutzen, um sich vorn mit einzuschalten. Alles selbstverständlich, ohne die eigene Defensive zu vernachlässigen.
In diesem Fall kann man von Glück sprechen, dass die Spielweise von Tim Walter eh seit Saisonbeginn unverändert offensiv und auf Agieren ausgerichtet ist. Soll heißen: Eigentlich bleibt alles gleich. „Es gibt für uns keinen Unterschied zwischen den Spielen gegen die Topplatzierten und die in der Tabelle etwas tiefer rangierenden Mannschaften“, hatte Walter zuletzt immer wieder gesagt. So einfach kann es manchmal sein. Hoffen wir einfach mal, dass sich Walter und sein Team diese Lockerheit auch ins letzte Saisondrittel rüberretten. Beginnend morgen in Sandhausen…
Apropos: Meine Startelf sähe keine Veränderung zum Spiel gegen Heidenheim vor. Ich würde wieder wie folgt beginnen lassen: Heuer Fernandes – Heyer, Vuskovic, Schonlau, Muheim – Meffert – Reis, Kittel – Jatta, Glatzel, Alidou. Und Ihr? Wie würdet Ihr aufstellen?
In diesem Sinne, Euch allen einen möglichst heilen Sturmabend. Bis morgen! Da melde ich mich vor dem Spiel mit einem Live-Update via Instagram und komme nach dem Spiel mit den Spielerbewertungen sowie natürlich mit dem Blitzfazit zu Euch! Bis dahin!
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