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HSV: Noch mal einschwören für das Saisonfinale

So kann es kommen. Eben noch diskutieren wir die Bedeutung von Jonas Meffert für den HSV – und schon droht er auszufallen. Nach einem Zusammenprall mit Emir Sahiti brach sich…

HSV: Noch mal einschwören für das Saisonfinale

So kann es kommen. Eben noch diskutieren wir die Bedeutung von Jonas Meffert für den HSV – und schon droht er auszufallen. Nach einem Zusammenprall mit Emir Sahiti brach sich der Mittelfeldspieler die Nase und musste operiert werden. Im Universitätsklinikum Eppendorf wurde Meffert heute bereits erfolgreich operiert und durfte das Krankenhaus anschließend wieder verlassen. Ob er am Wochenende in Nürnberg spielen kann? Eher unwahrscheinlich. Das weitere Vorgehen hänge davon ab, wie schnell die Schwellung im Gesicht des 30-Jährigen zurückgeht, hieß es seitens des HSV, der heute vom Mallorca-Trip zurückkehrt.

Neben der unglücklichen Meffert-Verletzung gab es noch einen präventiven Trainingsabbruch von Jean-Luc Dompé sowie den krankheitsbedingten Ausfall von Selke, der aber bis Nürnberg wieder fit sein dürfte. Dennoch kehrte das Team heute mit einigen positiven Eindrücken aus dem Kurztrainingslager zurück.

Wie sinnvoll war dieses Trainingslager für den HSV, wird noch immer sehr kontrovers diskutiert. Ich persönlich habe den Eindruck, dass es sehr wirksam war, wenn man hört, wie die Mannschaft vor Ort noch enger zusammengewachsen ist. Fakt ist: Die Spieler haben deutlich mehr Zeit miteinander verbracht, als sie es in Hamburg getan hätten. Zudem gab es sehr intensive Einheiten – auch verbal. Tom Mickel beispielsweise stauchte seine Mitspieler auf dem Platz zusammen, nachdem die Mannschaft nicht ordentlich nach hinten gearbeitet hatte. Schonlau wurde ebenfalls laut, als die Außenverteidiger zu viele Flanken zuließen.

Und das ist gut. Sehr gut sogar! Denn wie eigentlich jedes Team braucht auch der HSV diese Reibungen, um fokussiert zu bleiben. Um das bis Saisonende zu sichern, haben sich die Führungsspieler zudem im Trainingslager zusammengesetzt und noch einmal intensiv ausgetauscht, worauf es in den nächsten Wochen ankommt. Einer der Punkte war hierbei auch das Verhalten in Trainingseinheiten – mit den nun erlebten Folgen, die in der richtigen Dosierung absolut leistungsfördernd sind. Zumindest kenne ich es noch aus meiner Amateurzeit: Erfolge machen zunächst hilfreich selbstbewusst – aber auf Dauer auch mal zu schnell zufrieden. Wachrüttler wie die Ausbrüche von Mickel und Schonlau im Training sind dabei sehr wirkungsvoll, damit niemand zu selbstzufrieden wird.

Solche Momente nenne ich übrigens „Führung“, denn sie lenken den Fokus der Mannschaft aufs Wesentliche: darauf, nichts für selbstverständlich zu erachten und weiter Vollgas zu geben.

Einer, der sowieso brennt wie Zunder, ist Robert Glatzel. „Als ich Ende November meine Krücken wegwerfen konnte, Anfang Januar das erste Mal wieder Fußballschuhe anzog sowie leichtes Individualtraining absolvierte und im Februar wieder ins Mannschaftstraining einstieg, war das ein unbeschreibliches Gefühl. Als ich dann mein erstes Trainingstor erzielte, habe ich es nie zuvor so laut bejubelt. Jetzt hoffe ich auf den Aufstieg mit dem HSV, denn die Lust auf die Bundesliga ist groß“, erklärte er in der SportBild. Auf dem Weg dahin sei das Trainingslager auf Mallorca sinnvoll gewesen. „Weil man als Mannschaft nochmals enger zusammenrückt, dort hart und konzentriert – aber auch mit der entsprechenden Freude – arbeitet“, so der Stürmer. „Doch wir wissen auch: Ist das Ergebnis in Nürnberg am Samstag nicht positiv, wird es uns negativ ausgelegt.“

Und ich frage nicht nur mich, sondern auch euch: Ist das wirklich automatisch so? Ich kann es mir für meinen Teil nicht vorstellen. Zudem waren die üblichen, täglich berichtenden Medien mit der größten Reichweite ohnehin vor Ort und konnten sich selbst davon überzeugen, dass gut trainiert wurde und der Trip für das Teambuilding zuträglich war.

Warum also sollte man Kritik am Trainingslager akzeptieren? Nur weil das Ergebnis nicht stimmt? Muss man einen Sieg in Nürnberg wirklich fest einplanen können?

Ich tue mich mit diesem Denken schwer, da es voraussetzt, dass der HSV besser ist als alle anderen. Das kann er sicher sein – aber eben auch nur, wenn er an sein Leistungslimit kommt und parallel der Gegner nicht über sich hinauswächst, so wie es Elversberg zuletzt im Volksparkstadion getan hat. „Die 2. Liga ist so eng, jedes Wochenende ist alles möglich. Da muss man dranbleiben. Wenn der 1. FC Köln und der HSV ihre Aufgaben erfüllen und ihren Job machen, dann werden alle anderen keine Chance haben“, sagt indes Hannover-96-Coach André Breitenreiter und bezieht den 1. FC Köln in seine Rechnung mit ein: „Sie haben mit Abstand die besten Voraussetzungen in allen Bereichen“, so der ehemalige HSV-Profi weiter.

Wichtig ist und bleibt aber, dass der HSV intern anders tickt als der eine oder andere Fan. Mein Bruder plant beispielsweise schon eine große Party vor und nach dem letzten Heimspiel gegen den SSV Ulm – wovor ich ihn heute gewarnt habe, als er mir davon erzählte. Die Mannschaft hingegen – und das dürfte dieses Trainingslager noch einmal verdeutlicht haben – weiß sehr wohl, dass sie immer nur von Woche zu Woche denken darf. Frei nach Sepp Herberger: Das nächste Spiel ist immer das schwerste. Zumal dann, wenn der psychische Druck in der Saisonschlussphase noch einmal ansteigt …

Apropos Druck: Den dürfte auch Sebastian Schonlau verspüren. Mindestens in Nürnberg wird er Dennis Hadzikadunic vertreten müssen. Und er weiß, dass er von Fans wie Verantwortlichen besonders beobachtet wird. Heute kamen meine Kollegen vom Hamburger Abendblatt mit einem pikanten Vertragsdetail um die Ecke: Eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre tritt automatisch in Kraft, wenn Schonlau in fünf der letzten sieben Spiele mindestens 45 Minuten auf dem Platz steht.

Eine Klausel, die so absurd ist, dass ich sie zuerst gar nicht glauben wollte. Wie um Himmels willen kommen ein Sportvorstand Jonas Boldt samt Sportdirektor Claus Costa auf die Idee, einem Spieler eine automatische Vertragsverlängerung um zwei Jahre zu gewähren, dessen Erstligatauglichkeit längst nicht gesichert ist?

Unfassbar …

Dennoch möchte ich die Worte von Stefan Schnoor aus unserem letzten Talk noch einmal aufgreifen: Sebastian Schonlau braucht jetzt den Zuspruch und das Vertrauen aller Beteiligten – insbesondere seitens der Fans. Denn nur dann kann er dem HSV mit seinen Mitteln maximal helfen. Deshalb werde ich das an dieser Stelle auch so handhaben und noch einmal betonen, was ich immer schon gesagt habe: Beim HSV mag es aktuell formstärkere Innenverteidiger geben, aber Schonlau ist auf Zweitligaebene immer noch ein überdurchschnittlich guter Verteidiger.

In diesem Sinne, bis morgen!

Da melde ich mich wieder mit einem neuen Talk – inklusive eines echten Special Guests! Das wird gut!! Ich freue mich auf jeden Fall jetzt schon darauf!

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