HSV-Neuzugang Muheim hat keine Angst vor schweren Prüfungen
Ich muss zugeben, ihn vorher absolut nicht gekannt zu haben: Miro Muheim. Der Schweizer Junioren-Nationalspieler soll beim HSV die linke Seite verstärken. Vom Typ Fußballer…

Ich muss zugeben, ihn vorher absolut nicht gekannt zu haben: Miro Muheim. Der Schweizer Junioren-Nationalspieler soll beim HSV die linke Seite verstärken. Vom Typ Fußballer ähnelt er sich in einigen Teilen sogar mit (Noch-)Kapitän Tim Leibold, der seine Stärken wie Muheim zweifelsfrei eher in der Offensive denn in der Defensive hat. Gestern stand der Schweizer das erste Mal Rede und Antwort und begann wie es alle jungen Neuen machen, mit den üblichen Sätzen: „Ich fühle mich wohl, die Mannschaft hat mich gut aufgenommen. Ich denke, dass ich hier meinen nächsten Schritt machen kann. Ich möchte aber auch dem HSV helfen, den nächsten Schritt zu erreichen. Der Aufstieg ist das Ziel.“
Was soll er auch sonst sagen, nachdem er zuletzt mit einem Muskelfaserriss verletzt ausgefallen war? Nein, bei Muheim werden die nächsten zehn. Tage bis hin und inklusive dem Saisonauftakt gegen den FC Schalke 04 spannend. Schafft er es, sich bis dahin in die Startelf zu spielen? Muheim kämpft dabei auf der linken Seite gegen niemand geringeres als gegen Kapitän Tim Leibold. Muheim weiß um die Schwere: „Natürlich ist Tim Leibold ein sehr guter Spieler, aber Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir pushen uns gegenseitig und bringen dadurch noch bessere Leistungen. Ich bin froh, wenn ich gefördert und gefordert werde.“
Muheim sieht sich in Walters System gut aufgehoben
Wobei ich hier fast noch spannender finde, ob Trainer Walter letztlich sogar auf beide hinter- bzw. voreinander setzt. Tempo hätte er dann genug, Offensivgeist auch – allein das Defensivverhalten müsste erst noch greifen.Muheim glaubt, dass das für ihn nicht allzu schwer werden dürfte: „Die ersten zwei Wochen der Vorbereitung habe ich wegen einer kleinen Verletzung verpasst, deswegen fordert es mich jetzt schon, das Spielsystem zu adaptieren. Ich gehe aber davon aus, dass ich mich schnell darin zurechtfinden werde. Das 4-4-2 mit Raute haben wir auch schon beim FC St. Gallen gespielt.“
Auch den positionellen Zweikampf mit Tim Leibold betrachtet Muheim positiv: „Tim hat schon offensiver gespielt, ich kann auch offensiver spielen“, sagt Muheim, „ich sehe da gute Chancen. Ich muss Vollgas geben, damit ich starten kann.“ Nicht nur er. Auch Leibold soll die Konkurrenz anspornen. Eine spannende Personalie also – die linke Seite. Zumal dann, wenn sich Sonny Kittel wieder gesund zurückmeldet und seinen Anspruch auf die linke Außenbahn erhebt. Oder dann, wenn noch ein weiterer offensiver Außenbahnspieler kommt.
Spannende letzte Tage vor dem Zweitliga-Eröffnungskracher beim FC Schalke also. Am Sonnabend beim. Letzten Test vor dem Saisonbeginn soll gegen den FC Basel (Anpfiff 15.30 Uhr, Volksparkstadion) noch einmal probiert werden, wer für welche Position in Frage kommt. Fakt ist aber auch, da lege ich mich fest, dass der neue Trainer Tim Walter nicht so viel Zeit zum Testen hatte, wie er es selbst benötigt hätte, um eine echte erste Elf zu finden. Selbst dann nicht, wenn wir die potenziellen Ab- und Zugänge noch mal ausklammern. Ich persönlich bin jedenfalls sehr gespannt, wie Walter diese nicht einfache Situation löst.
Muheim: Tausendsassa ohne Angst vor Prüfungen
Apropos spannend: Das ist auch Muheim selbst. Als Fußballer und „Normalo“ im Leben. Mit 16 Jahren schon wurde man beim FC Chelsea auf Muheims Talent aufmerksam. Der schnelle Linksfuß wechselte 2014 vom FC Zürich zu Chelsea, wurde dort im Nachwuchs des Champions-League-Siegers ausgebildet. Eine Zeit, in der Muheim nach eigener Aussage sehr viel gelernt hat: „Die Zeit war überragend, ich habe sehr viel gelernt. Ich bin damals alleine nach London gezogen, habe mit drei anderen Spielern in einer Gast-Familie gewohnt. Das war schon hart, hat mich aber persönlich weitergebracht. Auch neben dem Platz.“ Allein die Trainingseinheiten mit den Chelsea-Stars haben ihn weitergebracht. Allein Spielpraxis war nicht drin. Muheims einfache Erklärung: „Die Qualität dort war natürlich immens.“
Um sich nicht allein auf den Fußball zu verlassen, machte Muheim in der Schweiz eine Ausbildung zum Hochbauzeichner. Heute interessiert sich für Architektur und Innen-Design. Muheim: „Ich musste die Lehre aber abbrechen, als ich zu Chelsea gegangen bin.“ Abhalten konnte ihn aber auch das nicht. Im Gegenteil: Inzwischen besucht Muheim eine internationale Privatschule, an der er sein Abitur nachholen will. Und das ist nicht so ein Pseudo-Fernstudiengang, denn Muheim muss alle sechs Monate Prüfungen ablegen. „Jedes halbe Jahr sind Prüfungen. Sechs Fächer muss ich insgesamt abschließen, drei habe ich schon“
Beim HSV stehen ihm in den HSV-Trainingseinheiten täglich neue Prüfungen bevor. Die Intensität sei schon deutlich höher als bei seinem Exklub, sagt Muheim. Aber auch er weiß, dass sein neuer Trainer Walter ganz genau hinschaut, wie er sich Muheim beim HSV entwickelt. Kein Problem für den Neuen: „Der Trainer spielt ein System, in dem die Positionen fließend sind. Ich sehe da gute Chancen, wenn ich gut trainiere“, sagt Muheim über die Taktik seines Trainers Tim Walter, der zusammen mit den sportlich Verantwortlichen beim HSV nicht umsonst auf eine Kaufoption über 1,5 Millionen Euro bei der Einjahres-Leihgabe gepocht hatte. Auch hier erhoffen sich alle den nächsten Schritt von Muheim.
Muheim, Kaufmann und Co.: Nimmt der HSV seine Rolle an?
Ich persönlich freue mich darüber, dass die Basis der neuen bei Muheim ebenso wie bei Mikkel Kaufmann und Robert Glatzel die ist, dass sich alle erst einmal richtig durchsetzen und für Höheres empfehlen wollen. Allesamt ohne den großen Namen – aber eben mit viel Potenzial. Sie sorgen zusammen mit den Youngstern im Team (Onana, Vagnoman, David, Suhonen, Oppermann etc.) auch dafür, dass der HSV sich immer mehr als Ausbildungsverein verstehen und diese Rolle auch annehmen muss. Und noch einmal, für alle: Gut gemacht kann das der Schlüssel des HSV werden, auf lange Sicht wieder gesund zu werden.
In diesem Sinne, bis morgen. Da bin ich tagsüber zwar unterwegs, aber ich melde mich am Abend noch einmal mit den letzten Infos zur Saisoneröffnungsfeier am Sonnabend!
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