HSV muss seinen Blick wieder schärfen - Fokus auf Offensive
Nach dem Elfmeterkrimi auf der Bielefelder Alm atmete Tim Walter erst einmal ganz tief durch. Immerhin wäre seine große Rotation beim Zweitrundenpokalspiel des DFB-Pokals beim…

Nach dem Elfmeterkrimi auf der Bielefelder Alm atmete Tim Walter erst einmal ganz tief durch. Immerhin wäre seine große Rotation beim Zweitrundenpokalspiel des DFB-Pokals beim Tabellen-11. der Dritten Liga gründlich schiefgegangen. Über das immer offene Elfmeterschießen zitterten sich Walters Mannen gegen Arminia Bielefeld doch noch ins Achtelfinale. Ein Sieg, der zweifellos verdient war. Aber eben auch ein Sieg, bei dem wieder etliche Mängel offengelegt wurden, die schon in den letzten Wochen Probleme bereitet ´hatten. Oder wie es Walter sagte: „Uns fehlt aktuell vorn ein wenig die Durchschlagskraft.“
Stimmt. Aber nicht nur das ist im Moment etwas schwierig. „Unser Ziel war ganz klar, dass wir weiterkommen. Und das haben wir geschafft“, machte es sich Mittelfeldspieler Laszlo Benes relativ einfach. Mund abputzen und am Sonnabend gegen den 1. FC Magdeburg weitermachen. Aber vorher wird sich auch Benes vom Trainerteam des HSV anhören müssen, wie wenig effizient aktuell die Offensivbemühungen des HSV sind. Wie so oft in der laufenden Saison hatte der HSV zahlreiche gute Chancen ungenutzt gelassen und musste so um das Weiterkommen zittern.
„Bei den Flanken und dem letzten Pass hat manchmal die Genauigkeit gefehlt. Wir müssen schauen, dass wir mehr Abschlüsse aufs Tor bringen“, sagte Miro Muheim, der noch der einzige Spieler auf dem Feld war, dessen Flanken brauchbar für die Offensivspieler in den Sechzehner kamen. Kein Wunder, dass es der Interimskapitän war, dessen Flanke zum Ausgleich von Bakery Jatta sorgte. „Wir müssen in der Box noch konsequenter sein und die letzten Bälle müssen besser kommen. Daran werden wir arbeiten“, stimmte Benes seinem Teamkollegen zu. Und Trainer Tim Walter fügte hinzu: „Im letzten Drittel waren wir nicht konsequent, das ist das, was uns auch schon bei mehreren Spielen gefehlt hat.“
Dennoch konnten sich weder Walter noch Sportvorstand Jonas Boldt im Anschluss an die Partie Aussagen verkneifen, die man so nicht stehen lassen kann. Denn während Walter wieder ein „sehr gutes Spiel“ seiner Mannschaft gesehen hatte, was zumindest noch diskutabel ist, schien sich Boldt vom Sky-Reporter attackiert zu fühlen, als er wie zuletzt so oft wieder sofort in den Verteidigungsmodus überging. Dabei hatte der Reporter lediglich ein Spiel „auf Augenhöhe“ genannt, was man angesichts eines 1:1 über 120 Minuten samt der klareren Siegtorchancen für Bielefeld statistisch so untermauern kann. Allerdings hatte der HSV zweifellos Dominanz in seinem Spiel und letztlich auch 44:19 Torschüsse. Daraus aber im Umkehrschluss einen 1,5-Klassen-Unterschied abzuleiten, wie es Boldt machte, ist danebengegriffen.
Ich hatte an dieser Stelle vor einiger Zeit schon über diese Wagenburg-Mentalität beim HSV gesprochen, die zweifellos ihre Vorteile hat. Sie birgt aber eben auch die Gefahr, dass eine unvernünftige „Wir gegen alle“-Mentalität entsteht, die den Blick verklärt und in jeder noch so berechtigten Kritik einen Angriff vermuten lässt. Anders kann ich mir diesen arrogant und despektierlich herüberkommenden Satz von Boldt nicht erklären. Aber dazu habe ich mi8ch auch im verspäteten Blitzfazit geäußert.
Schön an diesem Pokalspiel war sicherlich der Umstand, dass Lukasz Poreba sein Debüt feierte und dieses sehr ordentlich gelang, wie ich fand. Und weil es Poreba samt seiner Kollegen es in den 120 Minuten nicht schafften, gegen den Außenseiter den entscheidenden zweiten Treffer nachzulegen, rückte im Elfmeterschießen Ersatztorwart Matheo Raab in den Blickpunkt. Mit einem gehaltenen Elfmeter wurde der 24-Jährige schließlich zum Matchwinner und ließ sich von seinen Mitspielern und den mitgereisten Anhängern feiern. „Das war ein richtig geiler Pokalfight. Am Abend auswärts vor so einer Kulisse mit unseren Fans im Rücken hat das einfach nur Spaß gemacht“, sprudelte es aus Raab nur so hinaus. „Pure Emotion, pure Freude.“ Es sei ihm gegönnt!
Allerdings dürften alle HSVer schon heute wieder in den Normalmodus geschaltet haben. Immerhin steht am Sonnabend um 20.30 Uhr im Heimspiel der 1. FC Magdeburg als Gegner im Volksparkstadion auf der Matte. Ein Spiel, das zwei Mannschaften sieht, die jeweils für sich den meisten Ballbesitz beanspruchen. Gegen einen Gegner, der heute Abend beim Tabellen-Vierten der Zweiten Liga, bei Holstein Kiel, in der Verlängerung lange mit 3:2 führte ins Elfmeterschießen musste und dort dann am Ende die Oberhand behielt. Ein Team also, das mit einer Portion Selbstvertrauen nach Hamburg kommt. Un d alles das summiert, rechne ich mit einem Spiel, bei dem die bessere Defensive das Spiel entscheiden wird. Darauf lege ich mich fest. Aber dazu in den nächsten Tagen noch mehr.
In diesem Sinne, Euch allen einen schönen Abend!
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