HSV-Krise im Angriff: Warum Hamburg so wenige Tore schießt – Analyse nach dem Augsburg-Spiel
am Wochenende war ich mal wieder ca. 30 Stunden unterwegs, um dem HSV hinterherzufahren. Und was soll ich sagen? Ich wurde enttäuscht. Ich kann akzeptieren, wenn man verliert,…

Moin zusammen,
am Wochenende war ich mal wieder ca. 30 Stunden unterwegs, um dem HSV hinterherzufahren. Und was soll ich sagen? Ich wurde enttäuscht. Ich kann akzeptieren, wenn man verliert, weil man individuell schlechter besetzt ist und trotzdem alles gegeben hat, wie in Leipzig. Was ich aber nicht akzeptieren kann, ist, wenn man läuferisch weniger tut als der Gegner und deshalb nicht ins Spiel findet. Scholle hat ja schon ein, zwei Spieler angesprochen, aber es waren insgesamt zu wenig kluge und intensive Läufe. Vorne beläuft man die Räume nicht, hinten bleibt man stehen, während der Gegner einem wegläuft. So geht das nicht. Am Ende ist der HSV wieder 3 Kilometer weniger gelaufen und das, obwohl man am Ende ca. 10 Minuten in Überzahl war.
In diesem Spiel lief einfach gar nichts und es stellen sich Schemata heraus, die sich schleunigst ändern müssen, denn sonst holt man die Punkte nicht. Ich kann verstehen, dass der Fokus auf der Defensive liegt, aber man muss einen gesunden Ausgleich finden. Letztes Jahr hat jeder gesagt, wie gut doch die Defensive von St. Pauli in der Bundesliga gewesen sei. Ja, sie hatten die 2. beste Defensive der Liga. Aber mit der Punkteausbeute wäre St. Pauli in 8 der letzten 10 Saisons abgestiegen. Von der Defensivleistung darf man sich nicht blenden lassen. Eine gute Defensive ist gut, hält aber nur, solange man genug Tore schießt. Denn wenn das nicht passiert, reicht am Ende ein Stellungsfehler und man fährt ohne Tor und ohne Punkte gegen einen direkten Konkurrenten nach Hause, der die schlechteste Defensive der Liga stellt. Das kann es nicht sein.
Defensiv zu wenig
Fangen wir mal bei der Defensive an. Der HSV hat mit Vuskovic den besten Kopfballspieler der Liga. Torunarigha ist auch ganz solide dabei und Capaldo arbeitet sich rein. Häufig hat man den Ball in anderen Spielen erobert, da man den Gegner zu langen Bällen gezwungen hat. In diesem Spiel war davon gar nichts zu sehen. Es gab 2/3 Szenen, in denen der HSV hoch presst und Augsburg zum langen Ball zwingt. In diesen Situationen hat man meist den Ball durch das Kopfballduell und den zweiten Ball erobert. Warum macht man das nicht immer, wenn Königsdörffer hoch presst? Meistens sahen die Szenen gleich aus: Königsdörffer läuft den Torwart an und das Mittelfeld schiebt nicht richtig nach. So steht ein Spieler im Zentrum oder direkt neben Dahmen frei und sofort ist Königsdörfer überspielt und alle Spieler müssen sich umorientieren, weil man direkt einen Mann in der Defensive verloren hat.
Beim Anlaufen gibt es faktisch 2 Wege, um den zu attackieren:
Man geht mit allen vorne drauf, oder man steht gestaffelt und läuft obligatorisch den ersten Passweg zu. Aber ein anlaufender Stürmer, der alleine anläuft, ist kein guter Weg, um den Ball zu erobern. So ließ man sich in der ersten Halbzeit herspielen und teilweise dachte man, Augsburg spielt um die internationalen Plätze. Denn die Kombinationen funktionierten häufig. Das lag aber weniger am Verhalten der Augsburger als am Verhalten der Hamburger.
Die Augsburger spielten das meistens nach dem gleichen Konzept. Ball in den Fuß und der Passgeber läuft nach. Was macht man da? Richtig, der Innenverteidiger attackiert den angespielten Stürmer, während der zweite Verteidiger den abspielenden Augsburger am Lauf in die Tiefe hindert. Was macht der HSV? Man attackiert den Stürmer, lässt den Spieler, der den Ball auf den Stürmer gespielt hat, aber komplett alleine in die Tiefe laufen und wundert sich, warum der dann mit einem weiteren Doppelpass alleine vor dem Tor steht.
So entstanden in der ersten Halbzeit viele Großchancen für den FCA.
Das Offensive Konzept passt nicht
Das andere ist dann die Offensive. Das Ganze fing mit der Personalbesetzung an. Für mich gab es auch hier zwei Möglichkeiten für die Besetzung im Sturm und auf rechts außen. Mit Glatzel und Vieira auf Ballbesitz setzen und kreative Chancen erarbeiten oder mit Königsdörffer und Philippe voll auf Umschaltspiel setzen. Aber bitte, was war der Plan mit Vieira und Königsdörfer?
Vieira ist kein Spieler, der jeden Ball erläuft, er ist eher für die kreativen, unvorhergesehenen Momente zuständig. Das zusammen mit Königsdörffer hat für mich keinen Sinn ergeben. Und so kam es dann auch im Spiel. Die Kreativität von Vieira kam selten zum Einsatz, weil man auf schnelle Gegenstöße setzen wollte. Zumindest würde ich das mal so interpretieren, so viele Aktionen hatte der HSV ja nicht. Gefährlich wurde man nur, wenn man mal schnell umschaltete und die Seiten verlagerte. Aber das passierte viel zu selten. Wahrscheinlich war die Vorstellung, dass man den Ball lang schlägt und dann den zweiten Ball erobert, um ihn in die Tiefe zu spielen. Aber dafür ist Vieira einfach nicht passend. Der gehört ins Zentrum, um von da das Spiel zu leiten. Der Transfer war sicherlich nicht vorhergesehen, aber wenn man einen solchen Spieler hat, sollte man alles dafür tun, um diesen in seiner stärksten Rolle einzusetzen.
Zurück zum Konzept. Man hat vor allem am Anfang der zweiten Hälfte gesehen, was passiert, wenn man schnell den Ball in die Tiefe spielt. Da hatte der HSV gute Möglichkeiten. Aber das hat man viel zu selten gemacht. Es war wieder das klassische Ballgeschiebe durch die eigenen Reihen. Ja Augsburg stand gestaffelt defensiv, aber wenn man mal Platz im Zentrum hatte, wurde viel zu selten der Ball direkt tief gespielt. Und das muss ja das Konzept sein, wenn man mit Königsdörffer startet. Am Ende der meisten Angriffe landete der Ball bei Heuer Fernandes und dieser schlug den Ball lang auf Königsdörffer. Dieser sollte wohl dafür sorgen, dass der HSV Chancen auf die zweiten Bälle erhält. Aber er verlor das Kopfballduell meistens so klar, dass es selten die Chance gab, den zweiten Ball zu erobern. Und wenn es die Chance gab, dann ergriff man sie nicht. Hier hätte man mMn viel früher Glatzel bringen müssen. Glatzel ist zwar auch nicht derjenige, der in jedes Kopfballduell im Mittelfeld zum Ball geht, aber mit seiner Größe kann er zumindest dafür sorgen, dass der Gegenspieler nicht kontrolliert den Ball zum Mitspieler köpft.
Fazit
Der HSV hat ein Problem: Er schießt zu wenig Tore. Das offensive Konzept funktioniert nicht so, wie es funktionieren soll. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass Dompe nicht der Unterschiedsspieler ist, der er in der 2. Liga war. Denn er ist derjenige, den man versucht, in Aktion zu bringen. Aber auch bei ihm funktioniert momentan gar nichts. Die Schüsse fliegen zentral auf den Keeper und die Flanken landen im Fuß des Gegners oder im Aus. Da muss man mehr Entlastung schaffen.
Fest steht, dass der HSV ein neues Offensivkonzept braucht. Die meisten Gegner haben sich auf das Umschaltspiel eingestellt und stehen einfach tiefer. So ist der HSV gezwungen, mit dem Ball zu agieren, und das schafft er momentan nicht.
Wie genau die Veränderung aussehen muss, kann ich nicht zu 100 % sagen. Für mich muss aber ein Vieira als klarer Spielmacher hinter der Spitze oder in Zukunft vielleicht den Spitzen agieren. Er braucht diese Rolle als Spielmacher. Wie und ob das umgesetzt wird, kann ich aktuell nicht sagen, aber auf die Möglichkeiten können wir in einem anderen Blog nochmal eingehen.
Schreibt doch mal gerne, was es nach eurem Empfinden braucht, damit der HSV endlich mehr Tore schießt und mehr Punkte holt.
Tom
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