Analyse

HSV kämpft, Leipzig zittert – warum die Niederlage Mut für mehr macht

die neue Woche ist gestartet. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich gehe mit gemischten Gefühlen in die neue Woche. Zunächst mit etwas Enttäuschung. Über eine…

HSV kämpft, Leipzig zittert – warum die Niederlage Mut für mehr macht

Moin zusammen,

die neue Woche ist gestartet. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich gehe mit gemischten Gefühlen in die neue Woche. Zunächst mit etwas Enttäuschung. Über eine 2:1-Niederlage in Leipzig muss man nicht zwingend enttäuscht sein, aber dennoch nagt es ein wenig an mir. Denn Punkte wären definitiv drin gewesen. Vor allem, weil die Jungs auf dem Platz alles gegeben haben und jeder gemerkt hat: Moment mal, hier kann wirklich noch was gehen. Was der HSV da in den letzten 20 Minuten abgeliefert hat, macht mich persönlich sehr stolz. Wir sind dort als Underdog hingefahren, für einige ging es nur um die Höhe des Ergebnisses. Aber der HSV hat gezeigt, dass er mithalten kann. Und das nicht im Sinne von: „Wir haben nur knapp mit 2:1 verloren“, sondern im Sinne von: „Wir müssen hier eigentlich Punkte mitnehmen.“ Das Spiel hat mal wieder gezeigt, zu was der HSV imstande ist. Nicht nur spielerisch, sondern wie immer auch fantechnisch. Ich habe keine offiziellen Zahlen, es werden sicherlich 10.000, vielleicht sogar 12.000 Fans gewesen sein.

Ich habe nach dem Spiel ein Gespräch mit einem anderen Fan geführt. Er meinte zu mir, dass man gemerkt hat, wie niemand auf Hamburger Seite aufgegeben hat und dass alle zusammen alles für den Sieg gegeben haben. Und so war es auch. Die Stimmung im Auswärtsblock und in den Nebenblöcken war über 90 Minuten sowieso wieder überragend. Aber die letzten 20 Minuten waren unbeschreiblich. Ich hatte das Gefühl, die Jungs auf dem Rasen haben von Minute zu Minute mehr Energie bekommen.

Diskussion um die Wechsel

Am Ende fehlte leider der letzte Punch. Die Flanken fanden keinen Abnehmer. Und die Kaltschnäuzigkeit war auch nicht ganz vorhanden. Orban köpfte jeden Ball raus, als Gulácsi den Ball fallen ließ, war Dompé einen Schritt zu spät. Einige machen gerade die Diskussion auf, ob zu spät gewechselt wurde, und darauf würde ich gerne eingehen.

Ich denke, wenn Poulsen von Anfang an gespielt hätte, wäre die Gefahr über die Flanken größer gewesen. Doch er selbst sagte, dass er nach so einer langen Verletzung keine 90 Minuten spielen kann. Logischerweise wird er dann erst eingewechselt. Ich kann den Gedanken von Polzin aber nachvollziehen, das Spiel so lange wie möglich auf dem Niveau zu halten, wie es bis zu den Wechseln war. Er hat damit nun mal die Statik geändert und das birgt immer ein Risiko. Und trotz der Torflaute von Königsdörfer macht er vorne schnelle Laufwege, welche Gegner auf ihn ziehen. Polzin wusste sicherlich auch, dass das Spiel schon früh zu Ende ist, wenn man schon in der 60. Minute voll auf den Sieg geht und nur noch große Stürmer vorne reinstellt. Gegebenenfalls fängt man sich dann einen Konter. Deshalb kann ich die späten Wechsel verstehen.

Andersrum kann ich auch die Leute verstehen, die sagen, dass die früheren Wechsel vielleicht doch nochmal ein paar Kopfballchancen mehr ergeben hätten. Ein Glatzel kam in der 90., Poulsen in der 76. Minute. Allerdings gab es danach auch wenig Kopfballchancen, lediglich Poulsen köpfte einmal Richtung Tor. Am Ende sind wir hinterher immer schlauer. Mich würde mal interessieren, wie ihr dazu steht. Kamen die Wechsel zu spät oder war das genau richtig?

Fazit und Ausblick

Abschließend bin ich selber mit dem Spiel sehr zufrieden, das macht Lust auf mehr. Der HSV steht wieder für etwas. Man verfolgt einen klaren Plan und dieser bringt selbst eine der Top-4-Mannschaften in Deutschland fast zur Verzweiflung. Allein dass Leipzig auf Zeit gespielt hat und nach dem Abpfiff den Ball voller Freude in die Luft schießt, zeigt, dass der HSV Leipzig am Rande eines Punktverlusts hatte. Und das ist schon mal ein gutes Zeichen. Wichtig ist, dass man die Enttäuschung über das Ergebnis nun in positive Energie umwandelt. Nächste Woche geht es ja direkt gegen Wolfsburg weiter. Da wäre es wichtig, zu sehen, dass der HSV die Niederlage gut verkraftet hat und an die Leistung in Leipzig anknüpft. Logischerweise muss man nicht in Leipzig gewinnen, dennoch sollte man m. M. n. über das Ergebnis enttäuscht sein. So hörte sich das auch in den Interviews danach an. Das macht Mut für Samstag. Ich hoffe, dass die Jungs gegen Wolfsburg die gleiche Leistung zeigen. Eventuell ja noch ein wenig mehr beziehungsweise ein wenig effizienter. Man sollte sich immer weiterentwickeln.

Ich hatte am Donnerstag in der Pressekonferenz gefragt, ob der HSV nun noch einen Schritt weiter ist als gegen Mainz, und trotz Polzin's Antwort „Wenn Fußball so einfach wäre“ muss ich sagen, dass diese Leistung meine Frage mit Ja beantwortet hat. Das war definitiv wieder ein weiterer Schritt nach vorne. Und wenn der HSV jetzt noch ein wenig effizienter vor dem Tor ist, hat man gute Chancen, in vielen Spielen Punkte zu holen.

Nun war es das aber wahrscheinlich erstmal mit Leipzig. Ab morgen beschäftigen wir uns dann mit dem nächsten Gegner, und zwar Wolfsburg. Die naheliegende Frage ist ja, wie der HSV am Wochenende mit der Personalie Viera umgeht. Kommt er von der Bank? Wer muss weichen, wenn er von Anfang an spielt?

Mit all dem befassen wir uns ab morgen.

Bis dahin wünsche ich euch weiterhin einen guten Wochenstart.

Tom

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