HSV ist auf einer Rekordjagd, die einfach Spaß macht
Der HSV ist weiter auf Rekordjagd. Gewinnt er sein Heimspiel gegen Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern am Sonnabend (Anpfiff 20.30 Uhr, Volksparkstadion), dann hat er geschafft,…

Der HSV ist weiter auf Rekordjagd. Gewinnt er sein Heimspiel gegen Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern am Sonnabend (Anpfiff 20.30 Uhr, Volksparkstadion), dann hat er geschafft, was der HSV zuletzt 1979 geschaffen hatte – damals allerdings noch in der Ersten Bundesliga: sechs Punktspielsiege in Serie. Trainer seinerzeit war Branko Zebec und am Ende wurde der HSV Deutscher Meister. „Schön. Aber Statistiken interessieren mich nicht“, antwortete HSV-Trainer Tim Walter und sagte damit alles, was man zu solchen Vergleichen und Statistiken eigentlich sagen muss. Allerdings schob er noch nach: „Wir haben jetzt fünf Siege in Folge und zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind.“
Okay, wie sagte es der honorige deutsche Industrie-Manager Carl Hahn so schön: „Statistiken sind mit Vorsicht zu genießen und mit Verstand einzusetzen.“ Von daher bleibe ich dabei, dass Statistiken in diesem oben genannten Fall nichts zählen. Eintragungen in Geschichtsbücher für besondere Leistungen sind nett – aber sie sind nur das wert, was letztlich dadurch im Ganzen erreicht wird. Mir zeigt diese 43 Jahre alte Rekordserie lediglich einen erhöhten Seltenheitswert. Dass Walter trotzdem die Siegesserie erwähnt, dient vor allem dem weiteren Aufbau des Selbstvertrauens. Seines - und dem seiner Spieler.
Ein sechster Sieg in Folge würde dem HSV tabellarisch weiterhelfen. Aktuell rangieren Walter und Co. mit fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz an der Tabellenspitze – und mit dem Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern kommt ein starker Gast in den Volkspark. Die Gäste haben seit fünf Spielen nicht verloren – allerdings auch nicht gewonnen. „Für einen Aufsteiger stehen sie richtig gut da. Sie sind richtig stabil“, lobte HSV-Coach Walter die Pfälzer, die sogar drei Tore mehr als sein Team geschossen haben. Kennzeichen der FCK-Offensive: Schnelles Umschaltspiel und Standards.
HSV-Trainer Walter Walter sieht die Partie als Topspiel („Aufgrund der Historie ist es zu Recht ein Topspiel“). Auch wegen der neuen Euphorie rund um den HSV. „Es ist wieder hip, zum HSV zu gehen“, lobte Walter sein Team und auch die Begeisterung der Zuschauer. Erstmals in dieser Saison wird das Volksparkstadion mit seinen 57 000 Plätzen ausverkauft sein. „Die 2. Liga zieht“, beteuerte der HSV-Trainer. „Wir haben gezeigt, dass wir Spaß machen.“ Und ganz ehrlich: Das macht mir dieser HSV unter Tim Walter in der Zweiten Liga tatsächlich. Weil ein Zusammenhalt zu erkennen ist, der sich vor allem in dem nimmermüden Einsatz aller eingesetzter Spieler auf dem Platz widerspiegelt.
Das Erfolgsquartett beim HSV steht
So späte, entscheidende Tore wie zuletzt gegen Düsseldorf und in Hannover werden sicherlich kein Dauerzustand sein können. Sie wären als Maßstab auch zu hoch gehängt. Vor allem käme ich auch mit einem weniger spannenden, früher entschiedenen Spiel gut zurecht. Aber solche Glücksmomente schweißen Mannschaften zusätzlich zusammen. Und diesen Eindruck habe ich aktuell von der harmonierenden Zusammenstellung Trainerteam/Mannschaft/Vorstand. In dieser Reihe funktioniert es - als Team.
Auch deshalb sieht Walter sieht nicht nur bei den Fans eine Entwicklung nach oben – sondern auch bei seiner Mannschaft. Wobei das eine (der Sport) sicherlich das andere (die Zuschauer) bedingt. „Am Anfang hatten wir schon Probleme“, meinte er. Personalplanungen, Transferspekulationen hatten fast unumgänglich auch hier Unruhe und eine gewisse Ungewissheit ausgelöst. Aber mit Geschlossenheit und einem „extremen Teamgeist“ habe sich die Mannschaft gefangen und ist als Team zu einem verschworenen Haufen gewachsen. „Jeder hier gibt Gas, jeder will spielen. Dieser Funke springt auf die Zuschauer über“, lobt Walter, dessen Mannschaft zuletzt etliche Nebengeräusche rund um den Vorstand ausblenden musste. Oder immer noch muss? Egal wie, die Mannschaft schafft es, sagt Walter: „Wir nehmen die Nebengeräusche wahr, lassen sie aber nicht an uns heran. Wir gehen unverdrossen unseren Weg weiter und merken, dass die Fans ihn mitgehen.“
Und damit hätten wir das stabil wirkende Viereck zusammen, das aus meiner Sicht die Basis allen Erfolges auf sportlicher Seite ist: Vorstand und Trainer, die Mannschaft – und natürlich die Fans als Unterstützung von außen. Wer in Hannover war, weiß, was ich meine. Denn so sehr die Auswärtsfans des HSV seit Jahren (abgesehen von den Pyro-Vorfällen) zu loben sind - das in Hannover war noch einmal eine andere Eskalationsstufe. Eine, von der ich mir weitere Entwicklungsstufen erhoffe. Der Satz „wir müssen die Fans mitnehmen“ war selten so wenig Plattitüde und noch viel seltener so erfüllt, wie im Moment beim HSV.
Offenbar nicht dabei sein können am Sonnabend die beiden französischen Neuzugänge Jean-Luc Dompé (Trainingsrückstand) und William Mikelbrencis, der wegen privater Gründe auch heute im Training wieder fehlte. Ansonsten hat Trainer Tim Walter wieder die Qual der Wahl. Vor allem auf den Außenbahnen, auf denen mir Sonny Kittel zuletzt gut gefallen hat – allerdings ebenso wie Ransford Königsdörffer, dessen Solo gegen Hannover sensationell war. Sollten alle drei spielen – würde es wahrscheinlich für Laszlo Benes wohl wieder die Bank bedeuten. Aber ich persönlich gehe nicht davon aus. Ich glaube, dass die Wahl zwischen Kittel (davon gehe ich aus) und Königsdörffer (wäre nachvollziehbar) fallen wird. Ansonsten steht die Startelf fest, behaupte ich. Und diese wird unverändert zum Hannover-Auftritt bleiben.
Ich melde mich dann morgen nach dem Spiel wieder mit der Einzelkritik und dem Blitzfazit bei Euch und wünsche Euch bis dahin einen schönen Freitag sowie ein schönes Wochenende! Bis morgen,
Scholle
P.S.: Zu dem ausführlichen Blog von unserem Blogfreund Olaf Ringelband werde ich Anfang der Woche noch mal Stellung nehmen.
Anbei noch ein kurzes Update zum Gegner:
Auch für den 1. FC Kaiserslautern ist das Gastspiel in Hamburg ein echtes Highlight. Das demonstrieren schon die etwa 8000 mitreisenden Anhänger. „Wir hatten bis jetzt in jedem Auswärtsspiel eine tolle Unterstützung unserer Fans. Ich denke, dass uns sogar 10.000 Fans begleiten könnten. Wir freuen uns riesig auf die gewaltige Unterstützung in Hamburg“, sagte Coach Dirk Schuster am Freitag, ehe er den HSV lobte: „Der HSV hat die letzten fünf Spiele in Serie gewonnen und ist ins Rollen gekommen. Das ist eine hervorragend besetzte Mannschaft. Es wird eine riesige Herausforderung für uns. Wir haben dort nur etwas zu gewinnen und wollen eine Überraschung schaffen“, sagte Schuster.
Personell kann der Coach fast auf seinen gesamten Kader zurückgreifen. Einzig der verletzte Ben Zolinki fällt weiter aus. Für Aaron Opoku dürfte die Partie gegen seinen Ex-Verein besonders werden. Erstmals ist der Flügelspieler nach seiner Fünf-Spiele-Sperre für die Roten Teufel spielberechtigt. Nun könnte er in seiner alten Heimat, von der er Ende August nach Kaiserslautern gewechselt war, sein Debüt im FCK-Trikot feiern. „Aaron ist tiefenentspannt. Wir trauen ihm zu, diese Herausforderung zu meistern und werden versuchen, sensibel damit umzugehen“, sagte Schuster. Ob Opoku von Beginn an spielt, ließ Schuster offen. Klarer scheint, dass Routinier Andreas Luthe nach Rotsperre ins Tor zurückkehrt.
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