Spielbericht

HSV in Essen ohne Pherai - fällt auch Walter aus?

Nein, mich interessieren die anderen Ergebnisse im DFB-Pokal noch nicht. Dafür ist die erste Runde für den HSV schlichtweg zu schwierig, als dass man sich an dieser Stelle über…

HSV in Essen ohne Pherai - fällt auch Walter aus?

Nein, mich interessieren die anderen Ergebnisse im DFB-Pokal noch nicht. Dafür ist die erste Runde für den HSV schlichtweg zu schwierig, als dass man sich an dieser Stelle über irgendwelche Ligakonkurrenten oder andere Teams auslassen sollte, die vielleicht schon gescheitert sind. Ich sehe mich ebenso wenig wie alle anderen hier in der Position, schadenfroh sein zu dürfen. Vor allem nicht, solange der HSV seine Aufgabe noch nicht selbst gelöst hat. Denn wenn es am Sonntag für den HSV in Essen um die zweite Runde im DFB-Pokal geht, wird sicher niemand den Gegner unterschätzen.

Spätestens mit der Ankunft in dem mit rund 20.000 Zuschauern ausverkauften Essener Stadion an der Hafenstraße, wird allen klar werden, welch hitzige Atmosphäre auf sie wartet. Die meisten HSV-Profis haben noch nie zuvor am Stadion an der Hafenstraße in Essen gespielt. Moritz Heyer gehört zu den wenigen Ausnahmen. Mit Sportfreunde Lotte hat er bereits an der Hafenstraße gespielt und weiß um die Brisanz der Aufgabe: „Die Stimmung war extrem. Man spürt, was den Fans dieser Klub bedeutet. Und dementsprechend kann die Stimmung auch mal sehr hitzig werden“, warnte Moritz Heyer via HSV-Homepage.

Der HSV ist also gewarnt – und HSV-Trainer Tim Walter fordert eine Leistungssteigerung seiner Mannschaft im Vergleich zum 2:2 beim Karlsruher SC ein. Der HSV-Coach forderte von seinem Team, „dass wir von der ersten Minute an voll da sind. Und auch, dass wir in der letzten Minute voll da sind.“ Logisch – aber eben etwas, was zuletzt in Karlsruhe nicht geklappt hatte. In Karlsruhe hatte der HSV erst die Anfangsphase verpennt und dann in der fünften Minute der Nachspielzeit noch den Ausgleich kassiert.

Veränderungen in der Startelf wird es in jedem Fall geben. Walter setzt in der ersten Runde des DFB-Pokals unter anderem auf Matheo Raab im Tor. „Das war vor dem ersten Spieltag so ausgemacht, weil Matze eine tolle Entwicklung genommen hat“, erklärte Walter auf der Pressekonferenz – und ich freue mich auf Raab. Denn der junge Keeper ist ein richtig Guter. Er hatte letzte Saison in der Vorbereitung noch ein paar Anpassungsschwierigkeiten, aber er hat alles, was ein richtig guter Keeper braucht. Bislang fehlte ihm dafür nur die Spielzeit, da Daniel Heuer Fernandes seinerseits keinen Grund lieferte, ihn pausieren zu lassen und gegen Raab auszutauschen.

Aber auch deshalb wird Raab alle Einsätze im Pokal bekommen, sagte Walter, der dem Abschlusstraining heute selbst nicht beiwohnen konnte, da er erkrankt ist. Ob er am Sonntag in Essen dabei sein kann, ist noch offen. Entschieden ist dagegen, dass Ludovit Reis und Immanuel Pherei ebenso wie die Langzeitverletzten Sebastian Schonlau und Anssi Suhonen ausfallen werden. Bei Pherai seien es „neue Probleme“, hatte Walter auf der gestrigen Pressekonferenz bereits gesagt. Was genau ihm zu schaffen mache, beschrieb Walter dann nur sehr vage: „Muskuläre Probleme.“

Bei Reis hoffen Walter und der vor allem der Spieler selbst, dass Essen das letzte Spiel ist, das er ausfällt. Der Mittelfeldmann, der wegen seiner Schulterverletzung ein paar freie Tage extra bekommen hatte, scheint wieder fit zu sein und wird die nächsten Tage nutzen, um den Trainingsrückstand aufzuholen und im Mittelfeld für mächtig Konkurrenz zu sorgen. Zumindest, sofern Pherai bis dahin wieder fit ist. Denn dann stehen Trainer Walter mit Pherai, Reis und dem zuletzt so effizienten Laszlo Benes drei Topspieler (auf Zweitliganiveau) für zwei Positionen zur Verfügung. So, wie es sich jeder Trainer wünscht…

Ich persönlich freue mich auf das morgige Pokalspiel, weil es ein absoluter Härtetest wird. Ein Spiel auf Zweitliganiveau, in dem der HSV seine fehlende defensive Stabilität wiederfinden muss, wenn er weiterkommen will. Es ist die beste Gelegenheit, sich unter Wettkampfbedingungen den Themen zu widmen, die zuletzt nicht funktionierten – und diese liegen vor allen Dingen in der Defensive, wo sich Hadzikadunic weitere Spielpraxis holen kann und soll. Wer neben ihm spielt, ist offen.

Apropos verbesserungswürdig: Ich habe mir heute das Spiel der U21 gegen Drochtersen-Assel angesehen und mich dabei gefragt, was genau der HSV bei dieser Kaderzusammenstellung für ein Ziel verfolgt. Waren bzw. sind hier Spieler wie Omar Megeed, Elijah Krahn etc. noch eingeplant? Falls nicht, ist diese Mannschaft von Trainer Pit Reimers nur sehr, sehr bedingt konkurrenzfähig. Denn selbst wenn Horst Hrubesch als Nachwuchschef naturgemäß positiv spricht, bot diese Mannschaft heute gegen Drochtersen nichts an, was wirklich hoffen lässt. Das Beste an diesem Spiel war der erste Torerfolg für die HSV-Youngster, die dann aber in den Schlussminuten noch den hoch verdienten Ausgleich hinnehmen mussten.

Und ja, ich weiß, dass es weniger wichtig ist, dass der Nachwuchs in der Tabelle oben steht. Wichtiger als das ist der Ausbildungsfaktor. Sieben Spieler aus der U19 wurden hochgezogen, viele Leistungsträger im Gegenzug abgegeben. Dass es danach schwierig wird, in der Regionalliga Erfolge einzufahren, war allen bewusst, behaupte ich. Und das allein ist auch nichts Verwerfliches. Soll heißen: Der Erfolg der U21 bemisst sich weniger am Tabellenstand als insbesondere daran, wie viele Spieler von dort zu den Profis hochgezogen werden. Aber:  auch dahingehend konnten die Nachwuchskicker des HSV um Tom Sanne und Co. heute nur sehr wenig anbieten. Von daher hat der HSV ganz offensichtlich noch Arbeit vor sich bis zum Ende des Transferfensters. Oder man nimmt eine sportlich extrem schwierige Saison in Kauf.

In diesem Sinne, uns allen wünsche ich jetzt erst einmal ein richtig gutes und vor allem erfolgreiches Erstrundenspiel beim starken Traditionsklub RW Essen. Ich melde mich dann im Anschluss daran mit einem neuen Blitzfazit bei Euch.

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